Die Zeichnung oder besser Karikatur, die an dieser Stelle als Einstieg dient, zeigt nur allzu deutlich, was wir uns unter dem bereits genannten Sprichwort „Die großen Fische fressen die Kleinen“ vorstellen können: das Gesetz des Stärkeren, dass hiermit immer wieder zum Tragen kommt und sich stets auf gesellschaftliche Umstände beziehen lässt.
Umstände wie, dass die Reichen immer auf die Kosten der Ärmeren leben werden oder dass in unserer Zeit kleine Konzerne von größeren geschluckt werden.
Das jedoch sind nur zwei allgemeine Beispiele, ein Sprichwort wie das oben genannte lässt sich auf viel mehr anwenden und wir merken manchmal nicht einmal, dass wir erneut eines gebrauchen. Sie sind so stark in unseren Sprachgebrauch übergegangen, dass uns es schon lange nicht mehr bewusst ist, wann wir Sprichwörter anwenden und wann nicht. Völlig unbedacht können sie einem über die Lippen rutschen oder sie sind mit voller Berechnung eingesetzt, um Geschehnisse übertrieben zu verdeutlichen.
Warum passen Sprichwörter meist so gut? Welche Eigenschaften sind es, die sie so beliebt machen? Was sind sie? Wo kommen sie her? Welche Funktion haben sie?
Inhaltsverzeichnis
Kurzes Vorwort
Allgemeines:
I. Kennzeichen von Sprichwörtern
I.I. Bildhaftigkeit
I.II. Stil und Formelhaftigkeit
I.III. Struktur und Variabilität
II. Alter, Herkunft und Überlieferung
Sprichwort:
III „Die großen Fische fressen die Kleinen“
Entwicklung des Sprichworts: Vom Spätmittelalter und der Renaissance/des Humanismus bis zur Gegenwart
III.I. Spätmittelalter, Renaissance, Humanismus
III.II. Beispiele aus der Neuzeit ab ca.1930
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Struktur, die historische Herkunft sowie die gesellschaftliche Funktion von Sprichwörtern. Dabei dient das bekannte Sprichwort „Die großen Fische fressen die Kleinen“ als zentrales Fallbeispiel, um die zeitlose Relevanz und die kontinuierliche Transformation dieser sprachlichen Form in der Literatur, der Kunst und in modernen politischen oder wirtschaftlichen Diskursen zu analysieren.
- Stilistische Merkmale wie Bildhaftigkeit, Formelhaftigkeit und syntaktische Struktur.
- Historische Herkunft und Überlieferungswege von Sprichwörtern seit dem Mittelalter.
- Die ikonografische Entwicklung des Fisch-Motivs in der Kunst und Satire.
- Die Reinterpretation des Sprichworts in modernen Kontexten wie Machtkämpfen und Konzerngeschehen.
- Die symbolische Kraft von Sprichwörtern zur Veranschaulichung gesellschaftlicher Missstände.
Auszug aus dem Buch
III.I. Spätmittelalter, Renaissance, Humanismus
Piscem vorat maior minorem – der allgemein verbreitete lateinische Text, der bis ins Latein des Mittelalters überlebte und für dessen weitere Verbreitung die frühen Kirchenväter sorgten. Doch neben dieser Überlieferungsform gibt es noch etwas anderes zu erwähnen, den populären Physiologus, der ebenso einen großen Teil dazu beitrug, dieses Sprichwort weiterzugeben. Er wurde um 200 n.Chr. in Alexandria niedergeschrieben und enthält etwa 50 Tierbeschreibungen, u.a. die von einem Wal, der als großer Fisch die kleineren fresse. In einer sehr freien altenglischen Übersetzung wird er sogar als Teufel und Hölle interpretiert, doch gibt es hier keinen Beleg für das lateinische Sprichwort wie bei den drei althochdeutschen bruchstückhaften Bearbeitungen. Zur Zeit des Mittelalters erfolgt keine vollständige Übersetzung, die so erklärt wird, dass der lateinische Physiologus im Quadrivium als Schulbuch genutzt wurde und der Stoff somit allgemein bekannt sein musste. Aufgrund dessen, wurde die Walmetapher auch hier bekannt und das Sprichwort konnte sich immer weiter ausbreiten. Irgendwann wurde es ins Deutsche lehnübersetzt, da es schnell durchs Alte Testament, durch die Tiergeschichten des Physiologus wie aus den Schriften der Kirchenväter aufgegriffen wurde.
Das einzige Problem an dieser Stelle besteht darin, dass das Sprichwort bis ins 16.Jhr. zwar bereits vorgedrungen, aber doch weit weniger bekannt ist wie im englischsprachigen Raum. Betrachten wir die von Sebastian Braut von Alexander Barclays (1475-1552) „The ship of fools“(1509), so fällt uns das Kapitel „Von unnützem Reichtum“ auf, in dem er wie folgt von dem Unterschied zwischen Arm und Reich spricht:
Zusammenfassung der Kapitel
Kennzeichen von Sprichwörtern: Dieses Kapitel erläutert die wesentlichen Merkmale wie Bildhaftigkeit, Stil, Formelhaftigkeit sowie die strukturelle Variabilität von Sprichwörtern.
Alter, Herkunft und Überlieferung: Hier wird die Herkunft von Sprichwörtern aus vorliterarischen Quellen, der Antike und religiösen Texten untersucht sowie der Prozess der mündlichen Tradierung beschrieben.
„Die großen Fische fressen die Kleinen“: Dieser Abschnitt widmet sich der spezifischen Analyse des ausgewählten Sprichworts und dessen globaler Verbreitung.
Spätmittelalter, Renaissance, Humanismus: Das Kapitel betrachtet die historische Herleitung des Fisch-Motivs, seine Verwendung in frühen Schriften und seine ikonografische Bedeutung im Mittelalter und der Renaissance.
Beispiele aus der Neuzeit ab ca.1930: Hier wird die Rezeption des Sprichworts in der modernen Zeit, insbesondere in Satiren, Literatur und politischer Karikatur, analysiert.
Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung zur zeitlosen Relevanz und Popularität von Sprichwörtern bei der Bewältigung komplexer Lebenssituationen.
Schlüsselwörter
Sprichwort, Bildhaftigkeit, Phraseologie, Metaphorik, Überlieferung, Fisch-Motiv, Gesellschaftskritik, Satire, Ikonografie, Mittelalter, Renaissance, Humanismus, Macht, Wirtschaft, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die Funktionen von Sprichwörtern in der deutschen Sprache, wobei das bekannte Motiv „Die großen Fische fressen die Kleinen“ als zentrales Beispiel dient.
Welche Themenbereiche stehen im Fokus?
Schwerpunkte sind die linguistischen Merkmale (Bildhaftigkeit, Struktur), die historische Herkunft sowie die Anwendung und Veränderung des Sprichwort-Motivs in der Kunst, Literatur und Politik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sprichwörter durch ihre Prägnanz und Bildhaftigkeit soziale und politische Verhältnisse über Jahrhunderte hinweg präzise spiegeln und kommentieren können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive und analysierende Methode verwendet, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur, philologischer Quellen und einer bildanalytischen Betrachtung von Illustrationen und Karikaturen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Sprichwortforschung und die spezifische diachrone Untersuchung des Fisch-Sprichworts vom Mittelalter bis in die Neuzeit.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sprichwortforschung, Metaphorik, historische Überlieferung, soziopolitische Satire und Ikonografie beschreiben.
Welche Rolle spielt die Ikonografie in dieser Analyse?
Die Ikonografie dient dazu, die visuelle Transformation des Sprichwort-Motivs in der bildenden Kunst, etwa bei Hieronymus Bosch oder Pieter Brueghel, nachzuvollziehen und deren Bedeutung für die Gesellschaft zu deuten.
Warum wird gerade das Beispiel „Die großen Fische fressen die Kleinen“ gewählt?
Das Beispiel wurde gewählt, weil es als internationales Phänomen auftritt und eine starke moralische Aussage über Machtverhältnisse, wirtschaftliche Konkurrenz und soziale Ungerechtigkeit transportiert, die bis heute aktuell bleibt.
- Quote paper
- Mandy Paul (Author), 2007, Entwicklung von Sprichwörtern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139752