Diese Arbeit bietet eine systemische Sicht auf das Leben aller Mitglieder einer Pflegefamilie und eine Betrachtung ihrer Leistungen und Herausforderungen im Hinblick ihrer Grundbedürfnisbefriedigung. Hier finden Studierende so wie Doktorandinnen Ideen für ihre Masterarbeit oder Forschungen. Hier finden Pflegefamilie, SPLGs und Erzieungsstellen Hintergründe im Spagat ihrer Rollen.
Ziel dieser Arbeit ist es zu verdeutlichen, dass es die Vielschichtigkeit im Beziehungsgeflecht aller in familienannalogen Settings zusammenlebender, handelnder, fühlender und sich entwickelnder Menschen zu beachten, zu verstehen und zu unterstützen gilt, damit alle Akteure und Adressaten der HzE ihre diesbezüglichen Entwicklungsaufgaben gesund meistern können. Besondere Beachtung findet hierbei das Zusammenleben mit leiblichen Kinder der Pflegeeltern. Die damit verbundene Darstellung der Notwendigkeit weiterer Evaluation quantitativer und qualitativer Forschungsfragen ist ebenso Bestandteil dieser Arbeit.
Zu Beginn wird die heutige Familie in ihrer Formenvielfalt und Alltagsstruktur dargestellt. Mit der Bedeutung der Grundbedürfnisse eines jeden Individuums der Familie, wird auf die Notwendigkeit ihrer Erfüllung Bezug genommen, bevor dann auf die Bedeutung der Geschwisterbeziehung für die Entwicklung beider Kinder und die Arbeit der Maßnahmeneltern eingegangen wird.
Die Relevanz außerfamiliärer Einflüsse auf die Pflegefamilie darf nicht außer Acht gelassen werden, weswegen die gesetzliche und strukturelle Einordnung familienanaloger Settings in Deutschland hier anschließt. Die unterschiedlichen parallel-wissenschaftlichen Erkenntnisse werden dann in Hinblick auf eventuelle Differenzierung der Settings von Familien "mit" und "ohn" leibliche Kinder analysiert. Im Zuge des Qualitätsdiskurses wird nach einer Generalisierbarkeit bedeutsamer Wirkfaktoren für Pflegefamilien gefragt.
Aufgrund des formellen Rahmens einer BT können alle einbezogenen Theorien nur begrenzt dargestellt werden. Ausführlichere Informationen sind unter den Quellenangaben und im Anhang zu finden. Dort finden sich auch div. Abbildungen und Tabellen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
I Die Rolle der Familie
1.1 Familienformen
1.2 Familienkulturen
1.3 Familiärer Alltag
1.4 Psychische Grundbedürfnisse
1.5 Zusammenfassung
II Geschwisterbeziehungen
2.1 Geschwisterbeziehungen - das beeinflussende und beeinflusste Gefüge
2.2 Bedeutung der Geschwisterbeziehung füreinander
2.3 Besondere Geschwisterbeziehungen
2.4 Zusammenfassung
III Institutioneller und gesetzlicher Rahmen familienanaloger
Settings der Jugendhilfe
3.1 Rechtliche Regelungen
3.2 Qualitätsdiskurs
3.3 Zusammenfassung
IV Leben, Entwickeln und Scheitern familienanaloger Settings
mit leiblichen Kindern
4.1 Ursprungseltern, Herkunftseltern
4.2 Maßnahmenkinder, Pflegekinder, Erziehungsstellenkinder
4.3 Pflegefamilien/ Erziehungsstellen-/ Kinderhaus-/Betreibereltern
4.4 Leibliche Kinder der Maßnahmeneltern
4.5 Sicheres, konstantes Zuhause versus unsteter Lebensabschnitte u.
Heimkarrieren
V Familie sein mit leiblichem Kind und Pflegekind ist mehr als die
Addition von Kindern
5.1 Innerfamiliäre Ebenen
5.2 Ebene der Jugendhilfe/ des Auftrages
5.3 Resümee, Konsequenz
IV Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexe Dynamik in familienanalogen Settings der Jugendhilfe unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenlebens von Pflegekindern und den leiblichen Kindern der Pflegeeltern. Das primäre Ziel ist es, das Beziehungsgeflecht in diesen Settings zu beleuchten, die Notwendigkeit fachlicher Unterstützung herauszuarbeiten und die Forschungsfrage zu beantworten, wie sich die Anwesenheit leiblicher Kinder auf den Familienbildungsprozess und das Wohlbefinden aller Beteiligten auswirkt.
- Dynamik der Familienbildung und Alltagsstruktur
- Bedeutung der Geschwisterbeziehungen in familienanalogen Settings
- Gesetzlicher und institutioneller Rahmen
- Integration leiblicher Kinder und deren Rolle als "co-sozialisierende" Akteure
- Analyse von Abbruchrisiken und Erfolgsfaktoren (Belastungs-Ressourcen-Balance)
Auszug aus dem Buch
Motivation und pflegefamiliäres Selbstverständnis
Pflegefamilien leben durchschnittlich in mittleren wirtschaftlichen Situationen mit traditioneller Arbeitsteilung (vgl. Helming, 2011; Erzberger, 2003). Die Motivation ein Pflegekind aufzunehmen ist sehr vielfältig. So zeigen sich soziale Beweggründe wie etwas Gutes tun zu wollen, noch Platz im Herzen zu haben (vgl. Helming, 2011; Hopp, 2010), von den Kindern ausgewählt worden zu sein (in manchen Jugendämtern sind bis zu 25% der Pflegeltern durch unterschiedlichste Kontakte zu den Kindern zur Aufnahme dieser gekommen) (Hopp, 2010, S. 3), wie auch berufliche Gründe (bei Erzieherinnen, Soziarbeiterinnen/- pädagoginnen, welche die primäre Gruppe der familienanalogen Settings nach § 34 SGB VIII pflegenden Berufsgruppen darstellen ), wie z.B. Selbstbestimmung im Beruf, mit dem Partner zusammenarbeiten zu können oder Beruf und Familie/ eigene Kinder vereinen zu können (vgl. Gizzi, 2002; Hopp 2010).
Desweiteren sind auch private Gründe, wie z.B. kein eigenes Kind (mehr) bekommen zu können (Pflegestelle als Alternative zur Adoption, als Spielkameraden für das leibliche Kind), den Wunsch gebraucht zu werden (vgl. Helming, 2011; Hopp, 2010), zur Entspannung von Ehekrisen, um eine eigene innere Leere zu beseitigen (Paltinat & Warzecha, 1999, S. 13) zu Kriterien „eines biografischen Projekts“ (Helming, 2011, S. 256) Pflegeltern zu werden. „Die Auseinandersetzung und Konfrontation mit der jeweiligen individuellen Motivationsstruktur ist eine zentrale Statuspassage, die nicht unerheblich zum Ge- oder Misslingen eines Pflegeverhältnisses beiträgt“ (Paltinat & Warzecha, 1999, S. 13).
Die Motivation Pflegefamilie oder Kinderhaus zu werden, geht mit dem Selbstverständnis, der Ideologie des eigenen Pflegefamilienlebens einher. Das „pflege-familiäre Selbstverständnis (verändert sich ) über die Zeit nicht bedeutsam“ so Gassmann (2010, S. 248) in ihrer Studie. Die im deutschen Pflegekinderwesen (und ebenso in anderen familienanalogen Settings) sich unversöhnlich gegenüberstehenden ideologischen Positionen von Ergänzungs- und Ersatzfamilien unterscheiden sich primär in ihren differenten Konzepten bezüglich der Wichtigkeit leiblicher Eltern der Pflegekinder während des Zusammenlebends von Pflegekind und Pflegefamilie (vgl. Gehres & Hildenbrand, 2008; Sauer, 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
I Die Rolle der Familie: Dieses Kapitel definiert Familie in ihrer heutigen Formenvielfalt und betont die Bedeutung individueller Grundbedürfnisse für ein gesundes Zusammenleben.
II Geschwisterbeziehungen: Hier wird die Geschwisterbeziehung als zentraler Entwicklungsfaktor analysiert, der sowohl positive Entwicklungsressourcen als auch Konfliktpotenziale birgt.
III Institutioneller und gesetzlicher Rahmen familienanaloger Settings der Jugendhilfe: Das Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen und die Steuerung von Pflegeverhältnissen durch Jugendämter und freie Träger.
IV Leben, Entwickeln und Scheitern familienanaloger Settings mit leiblichen Kindern: Dieser Teil befasst sich intensiv mit der Rolle der Herkunftsfamilien, dem Prozess der Inpflegenahme und den spezifischen Chancen und Risiken für leibliche Kinder.
V Familie sein mit leiblichem Kind und Pflegekind ist mehr als die Addition von Kindern: Das Schlusskapitel verdichtet die Erkenntnisse zu einem Prozessmodell, das die Notwendigkeit individueller Unterstützung und die Vielschichtigkeit des "Doing Family" unterstreicht.
Schlüsselwörter
Pflegefamilie, familienanaloge Settings, leibliche Kinder, Jugendhilfe, Geschwisterbeziehung, Sozialisation, Identitätsbildung, Bindungstheorie, Familienbildung, Pflegekinderforschung, Erziehungsstelle, Beziehungsgeflecht, Abbruchrisiko, Qualitätsdikurs, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Bachelorarbeit thematisiert die Herausforderungen und Chancen in Pflegefamilien, insbesondere den Einfluss der Anwesenheit leiblicher Kinder auf den Familienbildungsprozess und die Stabilität des Pflegeverhältnisses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Beziehungsdynamik zwischen Pflege- und leiblichen Kindern, die Erziehungsleistung unter institutioneller Beobachtung sowie die pädagogische und rechtliche Einordnung von Pflegefamilien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es geht darum, die Vielschichtigkeit der Beziehungen in familienanalogen Settings zu verdeutlichen und aufzuzeigen, dass die Integration eines Pflegekindes nicht als bloße Hinzufügung zu verstehen ist, sondern als radikale Neugestaltung des Familiensystems.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine tiefgehende Literaturanalyse, wertet aktuelle Forschungsergebnisse zum Pflegekinderwesen aus und verwendet theoretische Modelle (wie die Konsistenztheorie nach Grawe oder die Figurationstheorie nach Wolf), um die komplexe Situation der Familien zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Rahmung, die psychologischen Grundlagen von Bindung und Geschwisterbeziehungen sowie spezifische Belastungskonstellationen, die zum Scheitern oder Gelingen von Pflegeverhältnissen beitragen können.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind "Doing Family", institutionelle Geschwisterschaft, Sozialisationsbedingungen, Entwicklungsaufgaben und die Belastungs-Ressourcen-Balance.
Warum spielt die Perspektive der leiblichen Kinder eine so wichtige Rolle?
Die Autorin hebt hervor, dass leibliche Kinder in der Forschung oft marginalisiert werden, obwohl sie aktive Mitgestalter des Familienalltags sind und massiv von der institutionellen Prägung des familiären Raumes beeinflusst werden.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Unterstützung von Pflegefamilien?
Die Arbeit fordert eine stärkere Professionalisierung und individuelle Beratung, die nicht nur das Pflegekind, sondern alle Familienmitglieder einbezieht, um "Abbruchkarrieren" zu verhindern und die Stabilität des Settings zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Eva Beuster (Autor:in), 2017, Familienanaloge Settings in der Jugendhilfe. Herausforderungen, Bedürfnisse und die Rolle der leiblichen Kinder in Pflegefamilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1397733