1. Einleitung
„Knechte seid ihr, und Knechte werdet ihr auch bleiben.“
(Richard II., König von England 1377-1399)
Richard II., der gerade einmal 14 jährige König von England, soll diesen Satz 1381 den Bauern entgegengebracht haben, die ihn nach dem Bauernaufstand vom Sommer desselben Jahres an sein Versprechen erinnerten, die Leibeigenschaft abzuschaffen und ihre Forderungen zu erfüllen.
Wie es soweit kommen konnte, dass der König, der nach den heftigen und blutigen Übergriffen durch die „Bauern“ an seinen Regierungsbeamten auch selbst zur Zielscheibe der Rebellen wurde, sich in einer Position befand, die ihm „erlaubte“, solche Äußerungen zu machen, soll in dieser Arbeit beschrieben werden.
Im 14. und 15. Jahrhundert geschahen in England schreckliche Szenarien, die der Nachwelt noch lange traumatisch in Erinnerung bleiben sollten: Kriege, die scheinbar nie enden wollten, die Pest, Massensterben, Thronkämpfe wegen „unmündiger Monarchen und wechselnder Regenten“.
In dieser Zeit, in der die Bevölkerungszahlen aufgrund unheilbarer Seuchen radikal abnahmen, wurden das System und die Ordnung ebenso stark in Mitleidenschaft gezogen. Immense soziale, wirtschaftliche, emotionale und mentale Veränderungen erfuhr England im Spätmittelalter.
Vor diesen und noch weiteren, v. a. politischen Hintergründen kam es im Jahre 1381 zum englischen Bauernaufstand, oder auch „peasants’ revolt“ genannt. Wie es dazu kam, wie er ablief und was der Aufstand für Folgen hatte, soll in dieser Arbeit grob umrissen werden.
Weiterhin soll die Rolle der ausländischen Handwerker und Kaufleute, insbesondere der flämischen Weber und der Hansen in einen Zusammenhang mit dem Aufstand gebracht werden. Inwiefern die Quellenlage dazu Rückschlüsse zulässt, wird ebenso beleuchtet.
Eine besonders wichtige Quelle wird in dem Zusammenhang angeführt, und zwar handelt es sich um einen Brief vom 17. Juni 1381. Der Verfasser ist der „Aldermannus“ der Hansen, der an den Hochmeister des deutschen Ordens schreibt und von der Lage der Hansen und dem Aufstand berichtet. Diese Quelle soll hinsichtlich offener Fragen und Erkenntnisse überprüft werden. Sie ist aus einer Arbeit von H. EIDEN entnommen , die sich sehr intensiv mit Forschungsdebatten und Quellenkritik rundum den Bauernaufstand in England beschäftigt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER ENGLISCHE BAUERNAUFSTAND VON 1381 UND DIE HANSE
2.1. PEST, KRIEG UND KOPFSTEUERN - ENGLAND IM 14. JAHRHUNDERT
2.2. AUFRUHR, BLUT UND FORDERUNGEN - VERLAUF DES AUFSTANDES
2.2.1. Flämische Weber und der Fremdenhass
2.2.2. Die Hansen während des Aufstandes
2.3. ENTMUTIGUNG UND LEERE VERSPRECHEN - AUSGANG UND FOLGEN DES AUFSTANDES
3. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den englischen Bauernaufstand von 1381 unter besonderer Berücksichtigung der Rolle ausländischer Kaufleute, insbesondere der Hansen. Ziel ist es, die Ursachen und den Verlauf des Aufstands darzulegen und die wissenschaftlich kontrovers diskutierte Frage zu erörtern, warum die Hansen im Gegensatz zu anderen Ausländergruppen wie flämischen Webern von den Aufständischen weitgehend verschont blieben.
- Wirtschaftliche und soziale Hintergründe Englands im 14. Jahrhundert
- Verlauf des Bauernaufstands und die Rolle der Obrigkeit
- Fremdenhass als Triebfeder der Ausschreitungen gegen Handwerker
- Analyse zeitgenössischer Quellen, speziell eines Briefes des Aldermannus der Hansen
- Wirtschaftliche Abhängigkeiten als Erklärungsmodell für das Verhalten der Aufständischen
Auszug aus dem Buch
2.2.2. Die Hansen während des Aufstandes
Die internationale Forschung weiß über die Situation der Hansen, die sich zur Zeit des Aufstandes 1381 in London befanden, nicht sonderlich viel, da die Chroniken und Gerichtsakten merkwürdigerweise keine Informationen bezüglich der Hansekaufleute beinhalten. Umso wichtiger erscheint hier die Interpretation eines Briefes des „Aldermannus“, des Vorstehers der Hansen in London an den Hochmeister des deutschen Ordens in Preußen. Der Brief ist so ziemlich die einzige Quelle, die etwas über die Hansen zur Zeit des Aufstandes berichtet. Er ist datiert auf den 17. Juni, wobei der Inhalt eindeutig auf das Jahr 1381 schließen lässt, somit ist es die früheste erzählende Quelle zu den Ereignissen im Sommer 1381:
„…dat up des heyligen lichames tagh twe lantscop by London ghelegen gheheyten sint Kent unde Ezex mit al erer mach quamen bynnen de stat to London umme den konig to sprekende. Do se bynnen quamen do vel ene grote mennicheyt von der stat von London to en so dat se grote overdaet deden wante se des conighes calcelier unde sinen treseler unde velen anderen de hovede afslogen. Unde ouch vele vremder lude der slogen, nemelike wat se van flaminghen vinden mochten so dat alle vremde lude wachteden unde huden mosten so wol also elk konde. So dat de guden lude von London vermechtiget weren dat se de vremden luden nicht beschermen en konde, nochtant dat it wart ghekregerit ghenen [vremden luden to misdone. So dat wy alle weren hemelichen oner unser vrenden von] London dar elk mende dar he verwart bliven mochten so langhe also de quaden hijr onder stat weren. Dat was on den derden dach unde God sy ghelovet unde syn live moder dat neghen van uns allen so vele schaden neme also vele also en peninghe werde tote up datum huius littere…“
Ein Motiv, weshalb die Hansen diesen Brief geschrieben haben, war, zu verhindern, dass englische Kaufleute in „Alemannicus“, also Preußen, verschont bleiben sollten. Hätten die Preußen von den Unruhen in London Kenntnis genommen mit dem Zusatz, dass ausländische Kaufleute umgebracht worden sind, hätten Engländer, die sich in den Jahren vor dem Aufstand in Preußen erfolgreich etabliert hatten, Konsequenzen tragen müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die historische Situation Englands im 14. Jahrhundert ein und umreißt die Fragestellung bezüglich des Bauernaufstands sowie der Rolle ausländischer Kaufleute.
2. DER ENGLISCHE BAUERNAUFSTAND VON 1381 UND DIE HANSE: Dieses Hauptkapitel analysiert die komplexen Ursachen wie Pest und Krieg, schildert den Verlauf des Aufstands und untersucht die unterschiedliche Behandlung ausländischer Gruppen durch die Aufständischen.
2.1. PEST, KRIEG UND KOPFSTEUERN - ENGLAND IM 14. JAHRHUNDERT: Das Kapitel erläutert die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, wie den Bevölkerungsrückgang durch die Pest und die fiskalischen Belastungen, die den Nährboden für den Aufstand bereiteten.
2.2. AUFRUHR, BLUT UND FORDERUNGEN - VERLAUF DES AUFSTANDES: Hier wird die Eskalation der Ereignisse im Juni 1381, die Forderungen der Rebellen und die Reaktion der Krone und der Londoner Bevölkerung detailliert beschrieben.
2.2.1. Flämische Weber und der Fremdenhass: Dieser Abschnitt beleuchtet die gezielten Ausschreitungen gegen flämische Handwerker, die aufgrund ihrer Privilegien als Konkurrenten wahrgenommen und verfolgt wurden.
2.2.2. Die Hansen während des Aufstandes: Der Fokus liegt hier auf der Analyse einer zeitgenössischen Quelle, die die Situation der Hansen im Aufstand thematisiert und warum diese im Gegensatz zu anderen Gruppen verschont blieben.
2.3. ENTMUTIGUNG UND LEERE VERSPRECHEN - AUSGANG UND FOLGEN DES AUFSTANDES: Dieses Kapitel behandelt die Niederschlagung des Aufstands, den Bruch königlicher Versprechen und die mittel- bis langfristigen Auswirkungen auf das Wirtschaftssystem.
3. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse, bewertet die Quellenlage kritisch und ordnet die Rolle der Hansen in den größeren historischen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Bauernaufstand 1381, England, Hanse, Preußen, Fremdenhass, Pest, Richard II., Leibeigenschaft, Wirtschaftsgeschichte, soziale Konflikte, Mittelalter, flämische Weber, Aldermannus, Handelsbeziehungen, Gesellschaftswandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem englischen Bauernaufstand von 1381 und untersucht insbesondere die Rolle ausländischer Kaufleute, wie der Hanse, in diesem Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die wirtschaftlichen und sozialen Ursachen des Aufstands, die Dynamik des Fremdenhasses gegenüber ausländischen Handwerkern und die diplomatische bzw. wirtschaftliche Position der Hansen in England.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, den Aufstand darzustellen und insbesondere die Frage zu klären, warum die hansischen Kaufleute von den Ausschreitungen der Aufständischen verschont blieben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die sich primär auf die Auswertung und Quellenkritik relevanter Fachliteratur sowie eines zentralen zeitgenössischen Briefes stützt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Behandelt werden die Auswirkungen von Pest und Krieg, der Verlauf der Aufstände im Juni 1381, die spezifische Verfolgung der flämischen Weber sowie die Analyse der Hansen-Situation anhand des Briefes des Aldermannus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird am besten durch Begriffe wie Bauernaufstand 1381, Hanse, Fremdenhass, wirtschaftliche Abhängigkeit und spätmittelalterliches England charakterisiert.
Welche besondere Bedeutung kommt dem im Auszug zitierten Brief zu?
Der Brief des Aldermannus an den Hochmeister des Deutschen Ordens ist eine der wenigen zeitgenössischen Quellen, die Auskunft über die Lage der Hansen während des Aufstands gibt und somit für die These der Arbeit zentral ist.
Warum wird in der Arbeit eine Parallele zum heutigen Fremdenhass gezogen?
Die Autorin zieht Parallelen, um die Mechanismen von Feindbildern in Krisenzeiten zu verdeutlichen, bei denen Ausländer – damals wie heute – oft pauschal für wirtschaftliche Probleme verantwortlich gemacht werden.
- Arbeit zitieren
- Erik Kurzke (Autor:in), 2009, Der englische Bauernaufstand von 1381 und die Hanse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139773