In dieser Hausarbeit soll folglich die Frage beantwortet werden, inwieweit die im Principe genannten zentralen Punkte virtù, fortuna, occasione und necessità den Handlungsstrang bestimmen, indem zunächst das „magische Viereck“ und die Fuchs-Löwe-Allegorie beschrieben werden, anschließend der µῦθος der Komödie präsentiert wird und am Ende analysiert wird, in welchem Modus die zentralen Elemente des Principe in Mandragola Einzug halten und in welchem Maße sich Machiavelli an den Aristotelischen Begriff des µῦθος hält.
„[E] sono tanto semplici gli uomini, e tanto obediscano alle necessità presenti, che colui che inganna, troverrà sempre chi si lascerà ingannare.“
Dieses Zitat gilt als eines der bekanntesten des Werkes Il Principe. Denn dieser Satz veranschaulicht das negative Menschenbild des Staatsphilosophen, Schriftstellers und Dichters Niccolò Machiavelli: der Mensch im Allgemeinen ist schlecht, hält sich nicht an das Wort, das er seinem*r Nächsten gegeben hat, und lügt.
Im kompletten Kontrast zu Machiavellis „negativen Anthropologie“ verfasst derselbe Autor die Komödie Mandragola, die als eines bedeutendsten Komödien der Renaissance gilt. Für den Leser scheint nach der Lektüre des Principe auf dem ersten
Blick nicht ersichtlich, inwiefern ein derartig negatives Menschenbild eines Autors in Einklang zu bringen wäre mit der Vorstellung einer „konventionellen“ Komödie. Doch bei genauem Betrachten der Entstehung und des Inhalts von Mandragola und seiner Charaktere lässt sich erahnen, wie humorvoll und unterhaltsam die „negative Anthropologie“ implementiert und dargestellt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Il Principe
2.1 Entstehung
2.2 Das „magische Viereck“: virtù, fortuna, occasione und necessità
2.3 Kapitel 18: Inwieweit Fürsten ihr Wort halten müssen: die Fuchs-Löwe-Allegorie
3. Aristoteles’ Poetik
4. Mandragola
5. μῦθος und der Einfluss Il Principe in Mandragola
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Niccolò Machiavellis politischer Theorie im Il Principe und seiner literarischen Umsetzung in der Komödie Mandragola. Dabei wird analysiert, inwieweit die zentralen Konzepte der Machtausübung – virtù, fortuna, occasione und necessità – als treibende Kräfte des Handlungsaufbaus fungieren und ob Machiavelli hierbei den aristotelischen Begriff des μῦθος (Handlungsstruktur) einhält.
- Die Implementierung politischer Machtmechanismen in einer Komödie der Renaissance.
- Die Funktion des "magischen Vierecks" aus virtù, fortuna, occasione und necessità.
- Die Bedeutung der Fuchs-Löwe-Allegorie als Machtmittel des Fürsten.
- Die Anwendung der aristotelischen Poetik-Vorgaben auf den Handlungsverlauf der Mandragola.
Auszug aus dem Buch
Die Figur des Fuchses
Die Figur des Fuchses hebt Machiavelli in diesem Kapitel besonders hervor: die dem Fuchs zugeschriebene Eigenschaft der List lässt sich bereits in der damaligen, eben erst zurückliegenden Vergangenheit aufzeigen. Er erwähnt dafür die Friedensverträge und Versprechungen, die zwar durch die Treulosigkeit der Fürsten wertlos geworden sind, aber diejenigen Fürsten, die wissen, sich der Natur des Fuchses zu Eigen zu machen, sich nämlich aus den bildlichen Schlingen der Menschen zu winden, werden ihre Macht weiterhin besitzen, weil „(…) derjenige, [der] betrügt, stets jemanden finden wird, der sich betrügen lä[ss]t.“
Um auch noch ein Wort über die „Gewalt“ des Löwen zu verlieren: diese Metapher ist auf vielerlei Weise zu verstehen. Der Löwe als Bild eines Furchteinflossenden und kraftvollen Wesens soll die Macht des Fürsten darstellen. Konkret formuliert bedeutet es, dass sich die „Gewalt“ des Löwen beispielsweise in der Heeresstärke oder aber auch in der Ausübung von Machtpositionen in Form von Bestechung widerspiegelt.
Kurzum: ohne den Fuchs und den Löwen gilt ein Fürst im wahrsten Sinne des Wortes als „machtlos“! Macht zu erlangen kann einem Herrscher mithilfe der Natur des Menschen gelingen, sie zu festigen und dauerhaft zu halten bedingt jedoch des Gebrauchs der Natur der Tiere, wofür sich Machiavelli der Metaphorik des Fuchses und des Löwen bedient. In der Fachliteratur ist man der einhelligen Meinung, dass er sich dabei direkt bei Cicero bedient.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach dem Kontrast zwischen Machiavellis negativem Menschenbild im Il Principe und dessen humorvoller Darstellung in der Mandragola vor.
2. Il Principe: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte, das "magische Viereck" aus virtù, fortuna, occasione und necessità sowie die Fuchs-Löwe-Allegorie als Instrumente der Machterhaltung.
3. Aristoteles’ Poetik: Hier werden die Grundlagen der aristotelischen Tragödientheorie, insbesondere der Begriff des μῦθος als Ganzheit und Einheit einer Handlung, erarbeitet.
4. Mandragola: Die Inhaltsangabe der Komödie fokussiert auf die Intrigen um Callimaco, Lucrezia und den "Heiratsvermittler" Ligurio, der die Täuschung leitet.
5. μῦθος und der Einfluss Il Principe in Mandragola: Dieser Abschnitt analysiert die konkrete Umsetzung der Machtprinzipien des Principe in den Täuschungen der Mandragola und prüft deren aristotelische Struktur.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass zwar alle Machtelemente des Principe Einzug finden, Machiavelli sich jedoch bei der aristotelischen Form des μῦθος gerade beim offenen Ende der Komödie nicht strikt an die Vorgaben hält.
Schlüsselwörter
Machiavelli, Il Principe, Mandragola, virtù, fortuna, occasione, necessità, Aristoteles, μῦθος, Täuschung, Machtpolitik, Renaissance, Komödie, Literaturanalyse, Fuchs-Löwe-Allegorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die inhaltlichen und strukturellen Parallelen zwischen Machiavellis staatstheoretischem Hauptwerk Il Principe und seiner Komödie Mandragola.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Machtkategorien virtù, fortuna, occasione und necessità sowie deren Anwendung als Instrumente der Täuschung im literarischen Diskurs.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, inwieweit die politischen Prinzipien des Principe den Handlungsverlauf (μῦθος) der Mandragola bestimmen und in welchem Maße Machiavelli dabei die aristotelischen Vorgaben an eine geschlossene Erzählstruktur erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor verbindet eine Werkanalyse der politischen Schriften mit literaturwissenschaftlichen Kriterien der Poetik nach Aristoteles, ergänzt durch Tabellen zur Veranschaulichung der Täuschungsstrukturen in der Komödie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des "magischen Vierecks", die Analyse der Fuchs-Löwe-Allegorie, die Einführung in die Poetik des Aristoteles sowie die detaillierte Anwendung dieser Konzepte auf die Intrigen in der Mandragola.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zu den prägenden Begriffen gehören Machiavelli, Machtpolitik, Täuschung (inganno), Aristoteles, μῦθος, virtù und die spezifischen Elemente des Il Principe.
Wie spielt der Begriff des μῦθος (Mythos/Handlung) eine Rolle für die Bewertung von Machiavellis Komödie?
Der μῦθος dient als Maßstab für die Geschlossenheit und Strukturierung der Intrigen; die Analyse zeigt auf, dass Machiavelli zwar den Mittelteil logisch strukturiert, das offene Ende der Mandragola jedoch der aristotelischen Forderung nach einer in sich abgeschlossenen Handlung entgegensteht.
Welche Rolle nimmt Ligurio als Strippenzieher ein?
Ligurio agiert als eigentlicher Architekt des Handlungsstrangs (μῦθος), indem er als Heiratsvermittler die notwendigen Täuschungen plant und andere Akteure in das System seiner Machtspielchen einbindet.
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- Armin Hurek (Author), 2021, Der Einfluss Machiavellis Il Principe in der Komödie "Mandragola" auf der Ebene des μῦθος nach Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1398466