Der Begriff „Wohnen“ ist ein historisch und sozial wandelbarer Begriff für die Art und Weise der Unterkunft. Die Form der Unterkunft ist immer auch charakteristisch für die Form der Gesellschaft. Deshalb betrachte ich in meiner Analyse nicht nur das Wohnen, sondern auch die Arbeit als Lohnerwerb.
In der heutigen Soziologie unterscheidet man folgende Dimensionen des Wohnens:
1. funktional (Wohnung als Ort der Nicht- bzw. der
Reproduktionsarbeit)
2. sozial (Ort der Familie)
3. sozialpsychologisch (Ort der Emotionalität und Intimität)
4. ökonomisch (Wohnung als Ware)
(vgl. Lexikon der Soziologie, Fuchs-Heinritz u.a., 2007)
Unter diesen Gesichtspunkten möchte ich die Entwicklung des Wohnens in Österreich zum Idealtypus des modernen Wohnens für die Zeit seit der Monarchie Österreich-Ungarn beleuchten. Das Gebiet des heutigen Österreichs, welches erst seit 1915 offiziell Österreich heisst, wurde damals noch als Cisleithanien bezeichnet.
Die einzelnen Wohnformen sind von Stadt, Land, vorindustrieller und industrie-kapitalistische Produktionsweise, sowie von der Schicht- und Klassenzugehörigkeit abhängig. Deshalb führe ich auch jeweils die jeweiligen Klassen mit an und unterscheide zwischen Stadt und Land.
Inhaltsverzeichnis
1. Struktur und Entwicklung in Österreich
1.1 Einleitung und Begriffsdefinition Wohnen
1.2 Zum geschichtlichen Hintergrund
1.3 Wohnen im Industriellen Zeitalter – Wien als Stadt
1.4 Agrarisch bäuerliche Struktur der ländlichen Regionen
1.5 Wie ist die Beschaffenheit der Wohnungen – menschenwürdig, bedürfnisorientiert?
1.6 Verteilung und Nutzung des Wohnraumes auf der Grundlage des Wohnungsmarktes
2. Vergleich mit anderen EU-Ländern
3. Zukunft - Welche Wohnbedürfnisse gilt es zu decken?
4. Anhang:
4.1 Gemeindegrössenklassen
4.2 Einwohnerdichte der europäischen Länder
4.3 Ausgewählte Merkmale der Wohnqualität
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die historische und soziale Entwicklung des Wohnens in Österreich mit dem Ziel, den Idealtypus des modernen Wohnens unter Berücksichtigung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen und der Wohnraumsituation in Stadt und Land zu beleuchten sowie zukünftige Wohnbedürfnisse abzuleiten.
- Historische Entwicklung des Wohnens seit der Monarchie
- Einfluss der Arbeitswelt auf Wohnformen und Lebensstile
- Soziale Ungleichheit auf dem Wohnungsmarkt
- Vergleich der Wohnverhältnisse innerhalb der EU
- Anforderungen an zukünftige innovative Wohnmodelle
Auszug aus dem Buch
1.3 Wohnen im Industriellen Zeitalter – Wien als Stadt
Aufgrund der geographisch besonderen Lage Österreichs (Alpen und Alpenvorland) entwickelte sich keine so ausgeprägte Industrie, wie in Westeuropa.
Wirtschaft: Rund um Wien entwickelten sich Maschinenbau und Elektrotechnik. Die Textilbranche wurde von der Bekleidungsbranche als beschäftigungsintensivste Branche abgelöst. (vgl. www.Demokratiezentrum.org, Sozialer Wohnbau in Wien Eine historische Bestandsaufnahme, Eigner, Matis, Resch, S.3) (Eigner, Matis, & Resch, 1999)
In Wien und Salzburg war der Wohnungsmarkt als Mechanismus der Wohnungsversorgung etabliert. Wien war Vorreiter einer technischen Infrastruktur - erste Kanalisation Europas - Wien 1739, die erste Wiener Hochquellenwasserleitung wurde 1873 gebaut, Quelle Rax/Schneeberg. Bedingt durch die Tatsache, dass vorher kein ausgeprägter Mietermarkt vorhanden war, trat ein Wohnungsnotstand ein. Es entwickelten sich Untervermietung und Schlafgängertum. Diese halboffene Wohnweise war einerseits bedingt durch die wirtschaftliche Situation der Arbeiter, andererseits geht es als Kulturleistung des Proletariats im Sinne von Integration ein. Die Wohnung als Ort der Familie, als Ort der Intimität und Emotionalität mit funktionaler Trennung gibt es nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Struktur und Entwicklung in Österreich: Dieses Kapitel untersucht die soziologischen Dimensionen des Wohnens und analysiert die historische Entwicklung der Wohnformen sowie die unterschiedlichen Strukturen in Stadt und Land.
2. Vergleich mit anderen EU-Ländern: Hier werden internationale Unterschiede bei der Wohnqualität und Eigentumsstruktur aufgezeigt, wobei Österreich als Bindeglied zwischen verschiedenen Gesellschaftssystemen verortet wird.
3. Zukunft - Welche Wohnbedürfnisse gilt es zu decken?: Das Kapitel diskutiert aktuelle Herausforderungen wie demografischen Wandel und Ressourcenknappheit und entwirft Strategien für innovative, flexible Wohnmodelle.
4. Anhang: Der Anhang liefert ergänzende statistische Daten zu Gemeindegrößen, Bevölkerungsdichten und Wohnqualitätsmerkmalen im europäischen Vergleich.
Schlüsselwörter
Wohnen, Österreich, Wohnungsmarkt, Industrielles Zeitalter, Soziale Ungleichheit, Wohnqualität, Wohnbedürfnisse, Stadtentwicklung, Wohnbauförderung, Demografischer Wandel, Architektur, Wohnzufriedenheit, Mietmarkt, Soziologie des Wohnens.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen und historischen Analyse der Wohnsituation in Österreich seit der Zeit der Monarchie bis zur Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung des Wohnbaus, die Differenzierung zwischen Stadt- und Landstrukturen sowie die soziale Bedeutung von Wohnraum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das heutige Wohnen als gesellschaftlichen Spiegel zu verstehen und Kriterien für zukünftige, bedürfnisorientierte Wohnformen zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse soziologischer und wirtschaftshistorischer Quellen sowie auf die Auswertung statistischer Daten der Statistik Austria und internationaler Indikatoren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Analyse der Wohnverhältnisse, den Vergleich der österreichischen Situation mit anderen EU-Staaten und die Diskussion über Anforderungen an modernes Wohnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Wohnen, soziale Ungleichheit, Wohnungsmarkt, demografischer Wandel und architektonische Flexibilität.
Was unterscheidet das „Rote Wien“ in der Darstellung?
Das Kapitel thematisiert das "Rote Wien" als wichtige Phase, in der durch massive kommunale Wohnbauprogramme die Wohnverhältnisse für die Arbeiterschicht funktional und qualitativ entscheidend verbessert wurden.
Welche Rolle spielt die „weibliche Hausarbeit“ in der historischen Analyse?
Die Autorin hebt hervor, dass die weibliche Hausarbeit sowohl in ländlichen Regionen als auch in Städten über lange Zeit hinweg die häusliche Reproduktion und Kinderbetreuung in Abhängigkeit vom Hausvorstand definierte.
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- Monika Wittke (Author), 2009, Wohnen in Österreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139874