Die phonologische Beschreibung des Vokalismus im Hildebrandslied


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

29 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der historische Hintergrund
2.1. Der Inhalt
2.2. Die Entstehungsgeschichte

3. Der Begriff Vokalismus

4. Die kurzen Vokale des Ahd.
4.1. Die Entwicklung des germ. a zu ahd./ as. e
4.2. Die Brechung des germ.e zu ahd./ as. i
4.3. Der Erhalt des germ. i ins Ahd. und As.
4.4. Die Brechung des germ. u zu ahd./ as. o

5. Die langen Vokale des Ahd.
5.1. Der Zusammenfall der verschiedenen ā zu einem Vokal
5.1.1. Der Erhalt des germ. ā
5.1.2. Die Entwicklung des germ. æ (e 1) zu ahd./ as. ā
5.2. Die Entwicklung des germ. ē (e 2) zu ahd./ as. ē (æ, ae, ę) und die ahd. Diphthongierung zu –ie-
5.3. Der Erhalt des germ. ō ins Ahd. und As. und die Diphthongierung zu uo
5.4. Der Erhalt des germ. ī ins Ahd./ As.
5.5. Der Erhalt des germ. ū ins Ahd. und As.

6. Die ahd. Monophthongierung
6.1. Die Monophthongierung des germ. ai zu ahd. ai/ ei, ē und as. ē
6.2. Die Monophthongierung des germ. au zu ahd.-au-, -ou-, -ō- und as. -ō-
6.3. Die Monophthongierung des germ. eu zu ahd. –eu-, -eo-, -io-, -ē- und as. -ē-

7. Die Vokale der Nebensilben
7.1. Die Vokale der Präfixe
7.2. Die Vokale der Endsilben
7.3. Die Vokale der Mittelsilben
7.3.1. Synkope

8. Fazit

9. Schematische Übersicht
9.1. Die kurzen Vokale
9.1.1. Germ. a
9.1.2. Germ. e
9.1.3. Germ. i
9.1.4. Germ. u
9.2. Die langen Vokale
9.2.1. Germ. ā
9.2.2. Germ. æ (e 1)
9.2.3. Germ. ē (e 2)
9.2.4. Germ. ī
9.2.5. Germ. ō
9.2.6. Germ. ū
9.3. Die Diphthonge
9.3.1. Germ. au
9.3.2. Germ. eu
9.3.3. Germ. ai

10. Abkürzungsverzeichnis

11. Literaturverzeichnis

Die phonologische Beschreibung des Vokalismus im

Hildebrandslied

1. Einleitung

Die sprachliche und lautliche Untersuchung hinsichtlich des Vokalismus im Hildebrandslied, des einzigen überlieferten deutschen Heldenliedes, stellt sich als sehr interessant und abwechslungsreich dar. Abwechslungsreich insofern, als dass man eine Variation der ahd. und as. Mundarten in Form einer Mischsprache antrifft.

Eine Mischung der Sprachdialekte findet man vor, da dem ursprünglich hd. Text im Nachhinein eine unvollkommene und nicht konsequent durchgeführte Umsetzung ins Nd. zugeführt wird.

Das Hildebrandslied ist in seinem Kern oberdeutsch, bairisch, mit einigen frk. Anteilen durchsetzt sowie mit starken Einfüssen nd. Formen durchwachsen, die erst später eingefügt bzw. umgesetzt werden. Meist findet man künstlich konstruierte Formen vor, die vom Hd. ins Nd. sprachlich auf künstliche Art und Weise umgesetzt werden, aber tatsächlich im Nd. so meist nicht existierten. Es handelt sich dabei um nd. Scheinformen.[1]

Diese nd. Formen sind von einem hd. Schreiber nachgebildet worden und weisen eine orthographisch falsche Darstellung auf.

Es sind nicht nur Mischformen innerhalb des Wortschatzes, sondern auch innerhalb einzelner Wörter vorzufinden.[2]

Des weiteren gibt es daneben Wörter im Text, die ansonsten nirgends in einer anderen älteren Quelle auftauchen, wie beispielsweise das Kompositum staimbort Vers 65 des Textes in Verform . Auch erscheinen Wörter, die man weder als hd. noch als nd. Formen bestimmen kann.[3]

Zum auftretenden Wort heuane 30 schreibt Baese name="_ftnref4" title="">[4]

Man nimmt an, dass es sich beim Abschreiber einer älteren Grundlage um eine Person gehandelt haben muss, die das Hd. als Muttersprache besaß, und versuchte, dem Heldenlied oberflächlich ein nd. Aussehen zu geben.

Die verwendete Sprache wirft Fragen auf, die sich nicht völlig klären lassen. Feststeht, dass hier eine Mischsprache vorliegt. Die uneingeschränkte Vermeidung der Verschiebung des germ. t (vgl. t ō 6, uuē t 12), der Nasalschwund vor Dentalen (vgl. ūsere 15, gūdhamum 5) und die Monophthongierung von ei zu ē vor Nasal und Dental (ē nan 12, h ē me 47) stellen sich als typische Merkmale des Nd. dar. Durchaus hd. ist der sonstige Vokalstand und das übrige Verfahren der Verschiebung.

Ich beschäftige mich im Folgenden intensiver mit dem Vokalismus innerhalb des Hildebrandliedes.

„Fünf Lautwandel innerhalb der ahd. Periode betreffen die Vokale. [...] den i- Umlaut, die ahd. Monophthongierung, die ahd. Diphthongierung, die Entwicklung von vorahd. *eu , die Vokalentwicklung in Nebensilben.“[5]

In der lautlichen Untersuchung werde ich zunächst auf die langen und kurzen Vokale des Ahd. eingehen und anhand von Beispielen aus dem Text erläutern, inwieweit es sich um hd., nd. bzw. künstliche Formen handelt.

Des weiteren werde ich auf die ahd. Monophthongierung eingehen. Als weiteres Untersuchungsfeld widme ich mich den Nebensilbenvokalen, wobei ich auf die Vokale der Präfixe, Endsilben und Mittelsilben genauer Bezug nehmen werde und auf einzelne Dialektunterschiede genauer eingehen werde.

2. Der historische Hintergrund

Das Hildebrandslied ist die einzige Heldendichtung des Deutschen, die jedoch nur bruchstückhaft überliefert ist. Das Ende fehlt und der Ausgang des Kampfes zwischen Vater und Sohn bleibt ungeklärt und somit offen.

Das Heldenlied ist etwa um 830/ 840 im Kloster Fulda aufgeschrieben und liegt in einer ahd./ as. Mischsprache vor. Bei der Handschrift handelt es sich lediglich um eine Abschrift eines älteren Originals.

Man nimmt an, dass der Prototyp langobardischen Ursprungs ist und im 7. Jahrhundert in Oberitalien entstanden ist.

2.1. Der Inhalt

Der Text beschäftigt sich inhaltlich mit dem dramatischen Zweikampf zwischen Vater und Sohn.

Diese treffen als Befehlshaber zweier Heeren aufeinander, ohne sich dabei zu erkennen. Hildebrand fragt den Jüngeren nach seinem Namen und Herkunft. Mit der Nennung des Namens berichtet Hadubrand gleichzeitig von der Geschichte seines Vaters. Dieser habe, als Gefolgsmann Dietrich von Berns, ihn und seine Mutter vor über dreißig Jahren zurückgelassen. Er war mit Dietrich von Bern vor Odoaker geflohen und hatte seine Familie im Stich gelassen.

Hildebrand erkennt seinen Sohn und versucht, ihn zu überzeugen, dass er sein Vater ist. Hadubrand hingegen ist aber der festen Überzeugung, dass sein Vater in der Fremde gefallen ist. Hildebrand möchte ihm als Zeichen der Versöhnung einen Ring geben, doch Hadubrand vermutet, der Ältere wolle ihn betrügen und ihn dann durch eine List überwältigen. Aus diesem Grund weist Hadubrand den Älteren zurück. Hildebrand sieht das Unheil unabwendbar von sich und sieht sich gezwungen, zum Schwert zu greifen und seine Ehre zu verteidigen. Es kommt zum Kampf. Der wahrscheinlich tragische Ausgang mit dem Tod Hadubrands fehlt und ist nicht überliefert.

2.2. Die Entstehungsgeschichte

Die Handschrift führt nach Fulda. Aus der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts ist das Hildebrandslied in einem ursprünglich fuldischen Codex der Kasseler Landesbibliothek auf der ersten und letzten Seite zu Anfang des 9. Jahrhunderts durch zwei Schreiber festgehalten worden.

Bei der Überlieferung des Hildebrandsliedes handelt es sich um eine Abschrift einer älteren Aufzeichnung. Diese Erkenntnis ergibt sich aus vorliegenden elementaren Fehlern im Text, die diesen als Abschrift erst kenntlich machen.

„Es ist uns zufällig überkommen- zwei Mönche des Fuldaer Klosters schrieben es um 810 oder 820- vielleicht nur als Schreibübung- auf die Rückseite des ersten und die Vorderseite des letzten Blattes eines lateinisch- alttestamentlichen Andachtsbuches, wobei sie aber offenbar sich nur als Abschreiber betätigten und abbrachen, als kein Platz zum Weiterschreiben mehr zur Verfügung stand.“[6]

Die Veränderung der Schrift verdeutlicht, dass die Abschrift von zwei verschiedenen Mönchen vorgenommen wurde. Die Handschrift illustriert, dass der erste Schreiber die erste Seite sowie die letzten dreiviertel des zweiten Blattes niedergeschrieben hat, während der zweite Schreiber lediglich die ersten siebeneinhalb Zeilen des zweiten Blattes aufgezeichnet hat (Zeile 30- 41).

Die Handschrift ist 1944 nach Bad Wildungen gelangt, 1945 wurde sie in die USA verschleppt. Im Jahr 1955 kehrt das zweite Blatt der Handschrift nach Deutschland zurück. Das erste Blatt gelangt erst 1972 nach Deutschland zurück.

3. Die Definition: Vokalismus

Der Vokalismus beschreibt den Bestand an Vokalen einer Sprache oder Sprachstufe. Dabei stellen Vokale diejenigen Phoneme dar, die immer Silbenträger sind. Vokale umfassen einfache Vokale- Monophthonge[7] - (= -a-, -e-, -i-, -o-, -u-) in jeweils unterschiedlichen Längen und Kürzen und Diphthonge[8] (-ei-, -au-, -ou-).

4. Die kurzen Vokale des Ahd.

In der ahd. und as. Entwicklung der kurzen Vokale treten interessante Aspekte hervor, die näher zu untersuchen sind. Besonders interessant gestaltet sich der sogenannte i-Umlaut, der als typisches Merkmal des Ahd. kennzeichnend ist.

4.1. Die Entwicklung des germ. - a - zu ahd./as. – e -

Während des 8. Jahrhunderts tritt der Umlaut[9] von germ. –a- zu ahd./ as. –e- bei i, ī und j der unbetonten Folgesilbe ein und bewirkt die Palatalisierung von Stammsilbenvokalen.

Man datiert den i- Umlaut, der auch Primärumlaut genannt wird, auf etwa 750 und bezeichnet diesen Entwicklungsvorgang auch als Hebungsprozess, da bei dem auftretenden Phänomen der in seinem Artikulationsort ursprünglich tiefe Vokal –a- um eine Stufe zum mittleren Vokal –e- angehoben wird.

Viele älteren Quellen weisen noch Formen ohne Umlaut auf.

Der Primärumlaut ist zur Zeit der Niederschrift des Hildebrandsliedes um 830/ 840 generell umgesetzt, jedoch zeigen sich Ausnahmen in a nti 16 und h a bbe 29. Die nicht umgelauteten Formen müssten eigentlich e nti bzw. h e bbe lauten.

„Ob n + kons. den umlaut verhinderte, ist unsicher;“[10]

Auch die Wörter b a nin 54 und a sckim 63 weisen dieses Merkmal auf. Sie müssten eigentlich b e nin bzw. e scim heißen. Fraglich ist, ob bereits im Sprachgebrauch eine andere Form, nämlich in umgelauteter Erscheinungsart, verwendet wurde, die aber orthographisch zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgelegt war.

„Aber in arbeo 22 und warne 59 kann der i- Umlaut vor r- Verbindung vielleicht gesetzlich fehlen, wie er auch vor h in birahanen fehlt.“[11]

Bei a rbeo 22 hat mit großer Wahrscheinlichkeit keine Umlautung stattgefunden, da bei r + Konsonant keine Umlautung eintritt. Ein Umlaut erfolgt lediglich dann, wenn ein i, ī, j in der Folgesilbe steht oder ein einfacher Konsonant.

Weshalb bei birah a nen 57 kein Umlaut vorzufinden ist, bleibt unklar. Möglicherweise verhindert tatsächlich das h den Prozess der Umlautung von –a- zu –e-.

Bei h e riun 3 taucht ein i in der Folgesilbe auf, was den Umlaut bewirkt. Die Form hat also in einer früheren Sprachstufe ein –a- gehabt, das dann zu –e- umgelautet wurde.

Im Grunde ist der Umlaut im 9. Jahrhundert bereits vollständig durchgeführt, aber es zeigen sich noch nicht umgelautet Formen im Hildebrandslied. Möglicherweise ist der Primärumlaut noch nicht durchgängig praktiziert, immerhin bestehen noch Formen wie e nti 3 (neben a nti 16).

Dabei handelt es sich um das gleiche Wort; beide Formen kommen im Hildebrandslied vor. Die Frage, die sich aufwirft, ist, weshalb diese beiden Formen nebeneinander im Text existieren können. Ist es Unachtsamkeit des Abschreibers gewesen? Waren zur Zeit der Abschrift beide Formen parallel existent? Aus welchem Grund nicht umgelautete Formen auftreten, bleibt ungeklärt, vor allem, weil man den i-Umlaut ins 8. Jahrhundert zurückbestimmt. Deshalb müssten alle auftretenden Formen umgelautet sein.

Ein denkbarer Grund dafür wäre, dass der Umlaut bei der Folge von n + Konsonant schwankt und nicht vollständig durchgehalten wird.

Bei e nte 27 und w e ntilseo 43 ist der Umlaut im Gegensatz zu a nti 16 erfolgt. Auch bei s e ggen 1 zeigt sich der Umlaut, da die germ. Form * sagjan ein j in der Folgesilbe zeigt.

Anfang des 9. Jahrhunderts verschwinden dann die nicht umgelauteten Formen aus dem Ahd.. Im As. war der Umlaut zuvor im Allgemeinen schon durchgeführt.

[...]


[1] Vgl. heittu 17= diese Form stammt von germ. * heitan ab. Im Ahd. müsste dieses Wort heizzan lauten, im As. hētan. Man kann dieses Wort weder als hd. noch als nd. Wort einstufen, was wiederum die Künstlichkeit hinsichtlich der Umsetzung vom Hd. ins Nd. verdeutlicht, vor allem, wenn man sich veranschaulicht, dass die zweite Lautverschiebung auf künstliche Art und Weise rückgängig gemacht wird. Dieses Merkmal vollzieht sich im Übrigen im gesamten Text. Es ist kein z vorzufinden.

[2] Vgl. ūse re 15= das Pronomen ist ndd.. Wenn es sich um eine hd. Form handeln würde, müsste es ūns lauten. Die Endung hingegen ist hd. Hier liegt also eine Mischform des ndd. und hd. Sprachdialektes innerhalb eines Wortes vor.

[3] Vgl. heittu 17

[4] Baesecke, Georg, 1944, S. 60; Anmerkung: Die hd. Form müsste himil lauten

[5] Penzl, Herbert, 1986, S. 127

[6] Erb, Ewald, 1965, S. 167

[7] Ein Monophthong besteht aus einem einzigen Laut

[8] Ein Diphthong ist ein als einsilbig gesprochener, aber aus zwei Vokalen bestehender Laut

[9] Außer im Gotischen lässt sich in allen anderen germanischen Sprachen das Phänomen des Umlauts feststellen. Hier trifft man eine Veränderung eines bestimmten Vokals unter der Beeinflussung eines anderen Vokals in der folgenden Silbe an.

[10] Gallée, Johan Hendrik, Lochner, Johannes, 1910, S. 43

[11] Kluge Friedrich, 1919, S. 54/55

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die phonologische Beschreibung des Vokalismus im Hildebrandslied
Hochschule
Universität Trier  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Das Hildebrandslied
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
29
Katalognummer
V13989
ISBN (eBook)
9783638195027
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beschreibung, Vokalismus, Hildebrandslied, Hauptseminar, Hildebrandslied
Arbeit zitieren
Sabrina Prinzen (Autor), 2003, Die phonologische Beschreibung des Vokalismus im Hildebrandslied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13989

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