„Im Vergleich mit Denkern wie Hobbes, Rousseau oder Marx ist er der modernste, da er das politische, philosophische und ökonomische Weltbild des bürgerlichen Zeitalters wie sonst keiner geprägt hat.“ John Locke (1632-1704), englischer Philosoph, Psychologe und Pädagoge, beschäftigte sich unter anderem mit der Begrenztheit des menschlichen Denkens, sowie mit den Problemen der politischen Freiheit und des religiösen Friedens. Seine politische Theorie veränderte die Welt, er argumentierte gegen den Absolutismus und entwickelte die Theorie eines freien Staates, der durch einen Vertrag mit freien Bürgern entsteht und Gewaltenteilung praktiziert. „He is perhaps best described as an independent, free-moving intellectual, aware as others were not of the direction of social change.” „Locke begründete das liberale Weltbild und hat damit das Entstehen der revolutionären Verfassungen Frankreichs und der USA beeinflusst.“ Diese Arbeit wird am Beispiel der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung zum Ende des 18. Jahrhunderts untersuchen, inwieweit Lockes Vertragstheorie Einfluss auf das politische Denken einzelner Bevölkerungsgruppen im Aufbruch einer Revolution genommen hat. Kann man den Zustand der Kolonialherrschaft Englands über die 13 amerikanischen Kolonien mit dem des kriegerischen Naturzustandes bei John Locke vergleichen? Wenn ja, war dann Lockes Ansatz zur Befreiung aus dem Naturzustand die Lösung für die Probleme der amerikanischen Siedler und der Anstoß zur Unabhängigkeitsbewegung?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lockes Naturrechts- und Vertragstheorie
2.1. Der Naturzustand
2.2. Die Problematik des Naturzustandes
2.3. Staatlicher Zustand als Ausweg
3. Lockes Theorie im Spannungsverhältnis der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung
3.1. Historischer Hintergrund
3.2. Lockes Gedankengut – Ideologische Ursprünge der Revolution
4. Anfänge des Bundesstaates
4.1. Die „kritische Periode“
4.2. Die Federalist Papers unter dem Gesichtspunkt der Lock’schen Vertragstheorie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den maßgeblichen Einfluss der Naturrechts- und Vertragstheorie von John Locke auf das politische Denken und die ideologischen Grundlagen der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und der nachfolgenden Entstehung des amerikanischen Bundesstaates.
- Analyse des Lockeschen Naturzustands und des daraus resultierenden Vertragsschlusses.
- Untersuchung der Parallelen zwischen Lockes Vertragstheorie und den Forderungen der amerikanischen Siedler.
- Erörterung der historischen Rahmenbedingungen der „kritischen Periode“ nach dem Unabhängigkeitskrieg.
- Vergleich der Argumentationslinien in den Federalist Papers mit Lockeschen Prinzipien.
- Darlegung der Bedeutung von Gewaltenteilung und Volkssouveränität für das neue amerikanische Regierungssystem.
Auszug aus dem Buch
2.1. Naturzustand
„Der Naturzustand ist bei Locke, was er immer ist, ein staatsloser Zustand [..].“ Die Menschen, die in diesem Zustand leben, sind Teil der von Gott geschaffenen Ordnung. Sie sind von Natur aus gleich und friedfertig und mit natürlichen Rechten ausgestattet. Die höchsten Rechtsgüter, welche dem Menschen in diesem Zustand zuteil werden, sind Freiheit, Gleichheit und Unverletzlichkeit von Person und Eigentum. Daraus begründet sich die Locksche Trias vom Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum. Zusätzlich zu diesen Privilegien steht dem Mensch das Recht auf Selbstjustiz und Wiedergutmachung zu. Diese Naturrechte sind durch die Rechte der anderen Gesellschaftsmitglieder beschränkt und für alle verbindlich. Wer dagegen verstößt, wird bestraft. Der Mensch bekam zur Ergänzung dessen die Vernunft verliehen, um diese natürlichen Gesetze, insofern sie ihn betreffen, zu erkennen. Eine zentrale Rolle bei Lockes Naturrechtstheorie spielt das Eigentum. In ihm sah Locke die notwendige Voraussetzung für menschliche Existenz. Leben sei die Bearbeitung der Natur, um materielle Voraussetzungen für das Überleben zu schaffen. Durch dieses Erzeugen von Gebrauchsgegenständen erhielten die Menschen Privateigentum, da sich im Arbeitsprozess körperliche und geistige Kräfte mit dem Rohstoff vermischten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt John Locke als einen der bedeutendsten Denker des bürgerlichen Zeitalters vor und definiert die Forschungsfrage, inwiefern seine Vertragstheorie die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung beeinflusst hat.
2. Lockes Naturrechts- und Vertragstheorie: Das Kapitel erläutert die Grundpfeiler von Lockes Philosophie, insbesondere das Konzept des Naturzustands, die daraus resultierende Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Vertrags und die Bedeutung des Eigentums.
3. Lockes Theorie im Spannungsverhältnis der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung: Hier wird der historische Kontext der amerikanischen Kolonien beleuchtet und aufgezeigt, wie Lockes Ideen als ideologische Grundlage für den Widerstand gegen die britische Krone dienten.
4. Anfänge des Bundesstaates: Das Kapitel analysiert die Herausforderungen der „kritischen Periode“ und untersucht, wie die Autoren der Federalist Papers Lockes Prinzipien nutzten, um die neue amerikanische Verfassung zu rechtfertigen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Lockes Vertragstheorie und seine Ideen zur Gewaltenteilung maßgeblich zum Erfolg der amerikanischen Revolution und zur Stabilität des neu geschaffenen föderalen Systems beitrugen.
Schlüsselwörter
John Locke, Naturrecht, Vertragstheorie, Unabhängigkeitsbewegung, Federalist Papers, Gewaltenteilung, Eigentum, Volkssouveränität, amerikanische Verfassung, Widerstandsrecht, Naturzustand, Liberalismus, Menschenrechte, Rechtsstaat, politische Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rezeption und dem Einfluss der politischen Philosophie John Lockes auf die Entstehung und ideologische Ausgestaltung des amerikanischen Staates im späten 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Naturrechtslehre, den Gesellschaftsvertrag, das Widerstandsrecht gegen Tyrannei sowie die Prinzipien des modernen Föderalismus und der Gewaltenteilung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwiefern Lockes Ansatz zur Befreiung aus einem kriegerischen Naturzustand durch Vertragsschlüsse als theoretische Basis für die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die spätere Verfassung fungierte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit verfolgt einen vergleichenden Ansatz, bei dem Aspekte der Lockschen Theorie mit den politischen Dokumenten und dem Gedankengut der amerikanischen Revolutionäre gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Darlegung von Lockes Naturrechts- und Vertragstheorie sowie die angewandte Untersuchung dieser Konzepte im Kontext der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und der Debatten um die Federalist Papers.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Volkssouveränität, natürliche Rechte, konstitutionelle Ordnung, liberale Regierungsform und „checks and balances“ charakterisiert.
Wie interpretierte Locke das Verhältnis von Eigentum und politischer Freiheit?
Für Locke ist Eigentum eine notwendige Voraussetzung für die menschliche Existenz; der Schutz von Leben, Freiheit und Eigentum ist der Hauptzweck der Staatsgründung.
Welche Rolle spielten die Federalist Papers in diesem Kontext?
Die Federalist Papers dienen in der Arbeit als Beispiel für die praktische Anwendung Lockescher Prinzipien bei der Gestaltung der neuen föderalen Republik und der Suche nach Schutz vor Machtmissbrauch.
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- Pia Oelke (Author), 2008, John Lockes Naturrechts- und Vertragstheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139900