Seit der Wirtschaftskrise 1973/74 begleitet uns das Problem der Arbeitslosigkeit in der Politik und Gesellschaft.
Die unterschiedlichen Ursachen und Folgen von Arbeitslosigkeit wurden zum Abbau und zur Prävention wissenschaftlich aufgezeigt und analysiert. Besonders Anfang der achtziger Jahre entstand eine Vielzahl von Expertisen zur Begegnung und Verringerung von Arbeitslosigkeit. Obwohl das Problem bis heute nicht gelöst wurde, trat es in der Folgezeit im Rahmen der soziologischen und wissenschaftlichen Betrachtung in den Hintergrund. Dabei sind Lösungsansätze für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit aktuell mehr denn je gefordert!
Gerade die Jugendarbeitslosigkeit ist in der Gesellschaft stark in den Fokus geraten. Perspektivlosigkeit und Lebensängste können aus ihr resultieren. Von der Politik wird ihre Absenkung, durch Ergreifung effektiver Maßnahmen, verlangt. So versprach Angela Merkel in der Neujahrsrede 2008 „…jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz oder eine Qualifizierungsmaßnahme anbieten zu können.“
Fraglich erscheint jedoch, wie dieses Versprechen eingehalten werden kann. Was passiert mit Jugendlichen, die nach der Schule in keinen Berufszweig eintreten? In welchen Lebensbereichen wirkt sich die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen aus? Welche Erfahrungen, Ängste und Ziele haben arbeitslose Jugendliche, in ihrem oftmals monotonen Tagesablauf?
Zur Lösung der Fragekomplexe muss untersucht werden, welche psychischen, psychosozialen und ökonomischen Folgen durch Jugendarbeitslosigkeit entstehen und welche Konsequenzen diese für die Identitätsbildung haben.
Hierzu bedarf es einer Definition und Abgrenzung von Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland muss aufgezeigt und im internationalen Vergleich betrachtet werden. Bei der anschließenden Ursachenanalyse stehen die soziale Lage, sowie das Bildungsniveau im Vordergrund. Fraglich erscheint, in wieweit die Bildung und das soziale Milieu die Chancen der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt beeinflussen. Auch die Auswirkung auf soziale Kontakte ist Teil der ganzheitlichen Analyse des Problems.
Aus diesen Ergebnissen können im Nachgang politische, wie auch schulische Schritte zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit abgeleitet und auf ihre Wirkungsweise untersucht werden, um geeignete Mittel gegen Perspektivlosigkeit und Lebensängste bei Jugendarbeitslosen zu finden.
1 Einleitung
2 Begriffsabgrenzung Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit
2.1 Definition Arbeitslosigkeit
2.2. Definition Jugendarbeitslosigkeit
3 Entwicklung und Situation der Jugendarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Aktueller Stand der arbeitslosen Jugendlichen in den neuen und alten Bundesländern
3.2 Jugendarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich
4 Ursachen von Jugendarbeitslosigkeit vor dem Hintergrund der sozialen Milieus
4.1 Jugendliche und ihre Bildungschancen
4.1.1 Zum Begriff Schichten
4.1.2 Soziale Schichten - Ihre Bildung und Wertorientierung
4.2 Jugendarbeitslosigkeit beim Übergang von der Schule in den Ausbildungsplatz
4.3 Jugendarbeitslosigkeit beim Übergang von der Ausbildung in den Beruf
4.4 Jugendliche ohne Berufsausbildung
5 Psychische, psychosoziale und ökonomische Belastungen von arbeitslosen Jugendlichen
5.1 Arbeit als wichtiger Schritt für die Identität und Persönlichkeit
5.1.1 Zum Begriff Identität
5.1.2 Die Bedeutung der Arbeit für die Persönlichkeit
5.2 Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf soziale Kontakte
5.2.1 Die Situation der Arbeitslosigkeit in der Familie
5.2.2 Rückzug aus dem Freundeskreis
5.3 Zerfall der Zeitstruktur
5.4 Die finanzielle Belastung arbeitsloser Jugendlicher
5.5 Arbeitslosigkeit - eine langsame Identitätskrise
5.5.1 Zum Selbstwertgefühl arbeitsloser Jugendlicher
5.5.2 Verlust jeglicher Zukunftsperspektiven
6 Strategien gegen Jugendarbeitslosigkeit
6.1 Staatliche Hilfsprogramme
6.1.1 JUMP – das Jugendsofortprogramm
6.1.2 JOBSTARTER- Unternehmen für Ausbildung gewinnen
6.1.3 Fazit zu staatlichen Hilfsprogrammen
6.2 Schulische Maßnahmen
7 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychischen, psychosozialen und ökonomischen Auswirkungen von Jugendarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen sozialem Milieu, Bildungschancen und der Arbeitsmarktsituation aufzuzeigen, um daraus effektive politische und schulische Handlungsansätze zur Prävention und Bewältigung von Perspektivlosigkeit und Lebensängsten abzuleiten.
- Analyse der soziologischen Ursachen von Jugendarbeitslosigkeit (soziale Schichtung und Bildung).
- Untersuchung der psychischen Belastung durch den Verlust der Arbeit und den Zerfall von Strukturen.
- Betrachtung der Auswirkungen auf soziale Kontakte und die familiäre Situation.
- Evaluation staatlicher Hilfsprogramme (z.B. JUMP, JOBSTARTER) und schulischer Maßnahmen.
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Die Situation der Arbeitslosigkeit in der Familie
Die Familie hat für Jugendliche eine zentrale Bedeutung, da sie die meiste Zeit ihrer Adoleszenz zu Hause verbringen und ihre Probleme und Sorgen mit ihren Eltern teilen. Der Rückhalt in der Familie spielt bei Arbeitslosigkeit eine zentrale Rolle. Je nach dem wie das Verhältnis zu den Eltern ist, können sie ihre Kinder psychisch auffangen und Hilfestellungen geben. Neun von zehn Jugendlichen kommen mit ihren Eltern gut zurecht. Besonders schwierig haben es aber arbeitslose Jugendliche, bei denen das Verhältnis zwischen ihnen und den Eltern schlechter ausfällt. Ebenso wirkt die soziale Herkunft als Indikator für das Verhältnis zwischen Eltern und Kind.85
Die Eltern der Unterschicht erfahren in ihren Beruf Unterdrückung und Frustration, was sich in aggressivem oder gleichgültigem Verhalten gegenüber dem eigenen Kind äußert.86
Trotzdem wirkt die Familie für alle Jugendlichen „…weiterhin als Schutzraum […], als eine Rückzugsmöglichkeit…“.87 Die Familie ist in ihrer schweren und oft ersten Lebenskrise der einzige Halt. Dennoch ist bewiesen, dass sich die Länge der Arbeitslosigkeit auf die Konfliktbereitschaft auswirkt.88
Die Arbeitslosigkeit beginnt bei den Jugendlichen in einem Zeitrahmen, in dem sie sich selbstständig machen und sich aus dem Elternhaus herauslösen wollen. Dies kann zu schwerwiegenden innerfamiliären Konflikten führen, da der Verlust der Arbeit die Jugendlichen zwingt bei ihren Eltern zu bleiben oder dorthin zurückzukehren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik der Jugendarbeitslosigkeit ein und verdeutlicht die Notwendigkeit, sowohl psychische als auch soziale Folgen wissenschaftlich zu betrachten.
2 Begriffsabgrenzung Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und grenzt die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen präzise ein.
3 Entwicklung und Situation der Jugendarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland: Hier wird der historische Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen sowie deren aktuelle Situation im nationalen und internationalen Vergleich analysiert.
4 Ursachen von Jugendarbeitslosigkeit vor dem Hintergrund der sozialen Milieus: Das Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen sozialer Schichtung, Bildungschancen und dem Übergang von der Schule in die Berufswelt.
5 Psychische, psychosoziale und ökonomische Belastungen von arbeitslosen Jugendlichen: Der Hauptteil untersucht die schwerwiegenden Folgen wie Identitätskrisen, Isolation, den Zerfall der Zeitstruktur und finanzielle Belastungen.
6 Strategien gegen Jugendarbeitslosigkeit: Die Autorin bewertet staatliche Hilfsprogramme wie JUMP und JOBSTARTER sowie schulische Maßnahmen als Lösungsansätze für die Integration in den Arbeitsmarkt.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und appelliert an eine verbesserte Förderung von Jugendlichen durch Politik, Wirtschaft und Familie, um Langzeitarbeitslosigkeit entgegenzuwirken.
Schlüsselwörter
Jugendarbeitslosigkeit, Soziale Milieus, Bildungschancen, Identitätsbildung, Langzeitarbeitslosigkeit, Psychische Belastung, Sozialstruktur, JUMP, JOBSTARTER, Duales Ausbildungssystem, Lebensängste, Perspektivlosigkeit, Arbeitsmarktforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung soziologischer und psychologischer Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Einfluss der sozialen Herkunft auf Bildungserfolge, die psychischen Folgen von Arbeitslosigkeit und die Wirksamkeit staatlicher Förderprogramme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen für den schwierigen Übergang in die Berufswelt zu identifizieren und aufzuzeigen, wie Jugendliche durch gezielte Maßnahmen vor Isolation und Identitätskrisen geschützt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse empirischer Studien und statistischer Daten staatlicher Institutionen zur Lage der Jugendarbeitslosigkeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die psychosozialen Belastungsfaktoren: von der Rolle der Familie über den Zerfall der Zeitstruktur bis hin zur schleichenden Identitätskrise durch Erfolglosigkeit bei der Jobsuche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Jugendarbeitslosigkeit, soziale Milieus, Identitätskrise, Bildungschancen und staatliche Integrationsstrategien.
Wie beeinflusst die soziale Herkunft die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?
Die Autorin zeigt auf, dass Kinder aus bildungsfernen Familien systematisch benachteiligt werden und ihre Startchancen durch eine geringere Unterstützung und andere kulturelle Werte innerhalb der Familie oft schlechter sind.
Warum ist das "JUMP"-Programm für arbeitslose Jugendliche wichtig?
JUMP zielte darauf ab, neben der beruflichen Qualifizierung insbesondere die psychische Stabilität der Jugendlichen zu fördern, da lang anhaltende Arbeitslosigkeit häufig zu depressiven Zuständen und Resignation führt.
- Quote paper
- Karolina Surma (Author), 2009, Arbeitslose Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139901