Die letzten Jahre an den weltweiten Rohstoffmärkten haben gezeigt, dass enorme Preisvolatilitäten bestehen. Darüber hinaus war es für alle Marktteilnehmer schwierig bis unmöglich einzuschätzen, in welche Richtung und auf welches Niveau sich die Preise bewegen werden. Hat der Markt daher seine Informationsfunktion verloren? Das ist nur eine der Fragen, denen im Zuge dieser Arbeit auf den Grund gegangen wird. Durch diese Entwicklung der letzten Jahre ist es interessant herauszufinden, wie Verkehrsunternehmen mit den veränderten Volatilitäten umgehen.
• Themenabgrenzung
Diese Problemstellung ist auf den ersten Blick zu weit gefasst, um sie in einer Diplomarbeit zu behandeln. Daher fokussiert diese Arbeit den Rohölmarkt mit all seinen Produkten und die Anpassungsmaßnahmen von Verkehrsunternehmen auf seine Preisvolatilität. Wie stellen sich Transportbetriebe auf diese Entwicklung ein? Da ihr Kerngeschäft wesentlich von Treibstoffkosten beeinflusst wird, ist es nahe liegend diese so gering und so kalkulierbar wie möglich zu gestalten. Diese Diplomarbeit soll also herausfinden, welche Methoden es dafür gibt und ob/wie Verkehrsunternehmen diese einsetzen. Der passende Titel lautet daher: „Treibstoffhedging von Verkehrsunternehmen“ Im Rahmen dieser Diplomarbeit sollen Fragen, anhand von Sekundärliteratur-recherche und generierten Fallstudien durch Leitfadeninterviews mit internationalen Unternehmen über deren Treibstoffhedgingstrategie, behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Risikomanagement bei Verkehrsunternehmen
2.1 Systematisierung von Risiko
2.2 Der Risikomanagementbegriff
2.2.1 Risikomanagement Ansatz
2.2.1.1 Risikoerkennung/ -identifikation
2.2.1.2 Risikoanalyse/ -bewertung
2.2.1.3 Risikohandhabung/ -steuerung
2.2.1.4 Risikokontrolle/ -überwachung
2.2.2 Organisationsmöglichkeiten des Risikomanagements
2.3 Risiken von Verkehrsunternehmen
2.4 Der Ölmarkt
2.4.1 Geschichtliche Entwicklung
2.4.2 Abhängige Transportbranche
3 Hedging als Maßnahme des Risikomanagements
3.1 Geschichtliche Entwicklung von Terminbörsen, Derivaten und Hedging
3.2 Abgrenzung Kassa- und Terminmarkt
3.3 Terminbörsen
3.3.1 Funktionen von Terminbörsen
3.3.2 Wichtige Terminbörsen
3.4 Abgrenzung Spekulation und Hedging
3.5 Kritik an der Spekulation mit Derivaten
3.6 Hedginginstrumente im engeren Sinn
3.6.1 Forwards und Futures
3.6.1.1 Auflösung einer Futuresposition
3.6.1.2 Margining / marking-to-market
3.6.1.3 Preisbildung von Futures
3.6.1.4 Kosten von Forwards und Futures
3.6.1.5 Relevanz von Forwards und Futures zum Treibstoffhedging
3.6.2 Swaps
3.6.2.1 Kosten von Swaps
3.6.2.2 Relevanz von Swaps zum Treibstoffhedging
3.6.3 Optionen
3.6.3.1 Weitere praxisrelevante Instrumente
3.6.3.2 Hebelwirkung von Optionen
3.6.3.3 Auflösung einer Optionsposition
3.6.3.4 Margining
3.6.3.5 Gewinn- und Verlust (GuV)-Profile
3.6.3.6 Optionspreisbildung
3.6.3.7 Kosten von Optionen
3.6.3.8 Relevanz von Optionen zum Treibstoffhedging
3.7 Hedginginstrumente im weiteren Sinn
3.7.1 Lagerhaltung
3.7.2 Langfristige Verträge
3.8 Vor- und Nachteile von Hedging
3.9 Risiken durch Hedging mit Derivaten
3.9.1 Marktrisiko
3.9.2 Kreditrisiko
3.9.3 Rechtliche und operationale Risiken
4 Treibstoffhedgingverhalten von Verkehrsunternehmen
4.1 Einleitung
4.2 Analyse des Treibstoffhedgingverhaltens von Verkehrsunternehmen
4.2.1 Treibstoffhedging im engeren Sinn – Strategien von ausgesuchten Transportunternehmen
4.2.1.1 Luftfahrt
4.2.1.2 Schienenverkehr
4.2.1.3 Straßenverkehr
4.2.1.4 Schifffahrt
4.2.1.5 Treibstoffhandel
4.2.2 Treibstoffhedging im weiteren Sinn
4.2.3 Kein Treibstoffhedging
5 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Verkehrsunternehmen mit den hohen Volatilitäten an den Rohstoffmärkten umgehen und welche Strategien sie einsetzen, um sich gegen Treibstoffpreisrisiken abzusichern. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Faktoren die Entscheidung für oder gegen ein Treibstoffhedgingprogramm maßgeblich beeinflussen.
- Grundlagen des Risikomanagements und dessen Bedeutung für Transportbetriebe
- Analyse der Preisvolatilität am Ölmarkt
- Vergleich und Bewertung von Hedging-Instrumenten wie Forwards, Futures, Swaps und Optionen
- Untersuchung von Unternehmensstrategien durch Fallstudien und Interviews
Auszug aus dem Buch
3.4 Abgrenzung Spekulation und Hedging
In der Semantik bedeutet Hedging soviel wie “Schutz bieten”. Umgelegt auf die wirtschaftliche Bedeutung werden am Kassa- und Terminmarkt gleichzeitig Positionen eingegangen, die sich bis zur Fälligkeit möglichst vollständig kompensieren. Die offene Position am Kassamarkt wird sozusagen mit der Terminmarktposition geschlossen und daher für Schutz gegen negative Preisänderungen gesorgt, aber meist auch die Chance auf positive Preisänderungen aufgegeben. Die Instrumente werden nach Art und Umfang so gewählt, dass das Risiko der offenen Positionen weitestgehend minimiert wird.
USZCZAPOWSKI definiert Hedgingmaßnahmen ganz einfach als Absicherungsgeschäfte.
An diesen Begriff lehnen sich auch CUSATIS/THOMAS an und beschreiben ihn folgendermaßen: „Hedging is an approach to risk management that uses financial instruments to neutralize the systematic risk of price changes or cash flows. [...] By reducing risk exposure, hedging allows companies to focus on their core business.”
BARCKOW/BEIKE führen aus, dass Hedging zu Sicherungszwecken für zukünftige Zahlungen abgeschlossen wird. Anstatt sich von der Marktpreisentwicklung abhängig zu machen, ist es möglich, heute ein zur Grundposition entgegen gesetztes Termingeschäft abzuschließen und sich gewünschte Konditionen bereits in der Gegenwart zu sichern.
Folgendes Beispiel soll Hedging, wie gerade erklärt, als synchronisierte Maßnahme auf zwei Märkten illustrieren: Der Verkehrsbetrieb „Laster“, der Treibstoff am Kassamarkt bezieht, ist von zukünftigen Preissteigerungen bei diesem Rohstoff bedroht. Aus diesem Grund kauft er– geht also eine Long-Position ein – am Terminmarkt einen Kontrakt, der einen zukünftigen Spritbezugspreis garantiert. „Laster“ profitiert folglich von Preissteigerungen über diesen fixierten Preis, da am Terminmarkt durch den erworbenen Kontrakt Gewinne erzielt werden. Andererseits bedeutet teurerer Treibstoff Verluste beim nächsten Spriteinkauf. „Laster“ sorgt also dafür, dass zukünftige Preissteigerungen keinen Einfluss auf seine Liquidität haben, denn der mit dem Termingeschäft fixierte Preis wird eingefroren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Problemstellung der Preisvolatilität an Rohstoffmärkten und grenzt den Fokus auf den Treibstoffeinkauf von Verkehrsunternehmen ein.
2 Risikomanagement bei Verkehrsunternehmen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Risikomanagements und identifiziert die spezifischen Risiken, denen Transportbetriebe ausgesetzt sind.
3 Hedging als Maßnahme des Risikomanagements: Hier werden Definitionen von Hedging und Spekulation voneinander abgegrenzt und die verschiedenen Derivat-Instrumente wie Futures, Swaps und Optionen im Detail analysiert.
4 Treibstoffhedgingverhalten von Verkehrsunternehmen: Das Hauptkapitel präsentiert die Analyse von Fallstudien und Interviews zum tatsächlichen Einsatz von Absicherungsstrategien in der Branche.
5 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel resümiert die wichtigsten Erkenntnisse und stellt die Faktoren dar, die für Verkehrsunternehmen die Entscheidung für ein Hedgingprogramm bestimmen.
Schlüsselwörter
Treibstoffhedging, Risikomanagement, Rohölmarkt, Preisvolatilität, Derivate, Futures, Forwards, Swaps, Optionen, Verkehrsunternehmen, Luftfahrt, Kostenstruktur, Absicherung, Spekulation, Marktpreisrisiko
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Umgang von Verkehrsunternehmen mit der Volatilität von Treibstoffpreisen und beleuchtet dabei den Einsatz von Hedging als Absicherungsinstrument.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Themen sind das betriebliche Risikomanagement, der globale Ölmarkt, die Funktionsweise von Finanzderivaten und die spezifische Hedging-Praxis verschiedener Verkehrsträger.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Einflussfaktoren zu bestimmen, die ein Verkehrsunternehmen dazu bewegen, ein Treibstoffhedgingprogramm zu starten, und zu klären, warum dies für manche Unternehmen sinnvoll ist und für andere nicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Untersuchung basiert auf einer Kombination aus einer umfassenden Sekundärliteraturrecherche und der Auswertung von Fallstudien, die durch Leitfadeninterviews mit internationalen Unternehmen gewonnen wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Risikomanagement und Derivaten sowie die empirische Analyse des Treibstoffhedgingverhaltens ausgewählter Transportbetriebe.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Treibstoffhedging, Preisvolatilität, Derivate, Risikomanagement und die Differenzierung zwischen Spekulation und Absicherung charakterisiert.
Warum ist Kerosin für Airlines volatiler als Diesel für den Straßentransport?
Ein wesentlicher Grund ist die unterschiedliche steuerliche Behandlung: Während auf Kerosin in vielen Regionen keine oder nur geringe Steuern erhoben werden, unterliegen Benzin und Diesel deutlich höheren Steuersätzen, was die Preisvolatilität des Flugtreibstoffs stärker hervorhebt.
Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße beim Hedging?
Die Untersuchung zeigt, dass Treibstoffhedging mit Derivaten oft ab einer gewissen Unternehmensgröße profitabel ist, da hohe Kosten für Marginhinterlegungen und Know-how-Ressourcen anfallen.
Wie unterscheidet sich die Strategie von Southwest Airlines von anderen LCCs?
Southwest Airlines verfolgt eine sehr konsequente und aggressive langfristige Hedgingstrategie, die als Paradebeispiel für Planungssicherheit gilt, während andere LCCs oft zurückhaltender agieren.
Wann ist ein "Natural Hedge" bei einem Treibstoffhändler gegeben?
Ein „Natural Hedge“ liegt vor, wenn Einkaufs- und Verkaufskonditionen (z.B. FOB Rotterdam) zeitlich und preislich direkt miteinander korrelieren, wodurch kein zusätzlicher Absicherungsbedarf über Derivate besteht.
- Quote paper
- Philipp Maurer (Author), 2009, Treibstoffhedging von Verkehrsunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139914