Die Adelphen des Terenz gelten als eine der bekanntesten und auch für den Schulunterricht beliebtesten Komödien römischer Zeit. Der Streit der namensgebenden Brüder Demea und Micio, deren Erziehungsstile unterschiedlicher nicht sein könnten, zeigen beispielhaft die humoristische Konzeption des antiken Lustspiels in der Tradition Menanders.
Ein Kuriosum im Werk des Terenz bildet dabei der plötzliche Sinneswandel des Demea vom strikten "severus senex" zum "lepidus" nach dem Vorbild seines Bruders am Ende seines Stückes. Durch wesentliche Abweichungen vom menandischen Vorbild erzeugt Terenz dabei nicht unerhebliche Bewertungsvariationen seiner Figuren und dem Ausgang der Handlung, die es im Zuge dieser Arbeit herauszuarbeiten gilt. Dazu gilt es, die Bruderfiguren in ihrer und der Eigenartigkeit der jeweiligen pädagogischen Maximen zu betrachten, den Konfliktverlauf an ausgewählten Schlüsselszenen (die ohne Zweifel die komödiantischen Höhe- und Wendepunkte der Handlung formen) zu skizzieren und wesentliche Unterschiede zum griechischen Originaltext aufzuzeigen und zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhaltlicher Überblick zu den Adelphen des Terenz
2.1 Der Konflikt der Brüder im ersten Akt und die Darstellung ihrer Erziehung
2.2 Die Verspottung des Demea
2.3 Der Konflikt der Brüder im vierten Akt
3. Demeas Wandlung im Schlussakt
3.1 Demeas Schlussrede
3.2 Deutung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische und charakterliche Wandlung der Figur Demea in Publius Terentius Afers Komödie "Adelphoe". Dabei wird insbesondere der Erziehungsstreit zwischen den ungleichen Brüdern Micio und Demea analysiert, um zu ergründen, ob Demeas Sinneswandel im Schlussakt als authentische Entwicklung oder als konstruierte Täuschung zu bewerten ist.
- Analyse der gegensätzlichen Erziehungsmethoden von Micio und Demea
- Untersuchung der Figurendynamik und des Konfliktpotenzials zwischen den Brüdern
- Interpretation der Ironie und Satire im Schlussakt des Werkes
- Reflexion über soziale Rollenbilder und das Konzept des "gerechten Herrschers"
- Kritische Würdigung der Wirkmacht von Terenz' didaktischer Inszenierung
Auszug aus dem Buch
2. Inhaltlicher Überblick zu den Adelphen des Terenz
Im Bühnenstück Adelphoe des Terenz sind die namensgebenden Brüder der Bauer Demea und der Städter Micio. Zum Zeitpunkt der Geschehnisse sind sie keine jungen Männer mehr, sondern nehmen die Rollen der senes an, die im römischen Lustspiel üblich sind4. Lediglich der ältere Demea ist verheiratet und hat zwei Söhne: Aeschinus und Ctesipho. Während Ctesipho von seinem leiblichen Vater aufgezogen wird, adoptiert sein Bruder den anderen Sohn, Aeschinus, und erzieht ihn fortan, wie er selbst es als richtig erachtet. In ihrer Auffassung und Durchführung der Erziehung ihrer Söhne unterscheiden sich die beiden Brüder jedoch sehr. Micio lässt Aeschinus in dessen Betragen viele Freiheiten und sieht über manche Tat hinweg, weil er Verständnis für den Tatendrang der Jugend zeigen möchte. Darüber hinaus ist er sehr spendabel (lepidus senex) und bringt diese Freigiebigkeit auch seinem Sohn nahe. Auf der anderen Seite verfolgt Demea einen sehr strengen Kurs als Vater (severus senex). Die übermäßige Nachsichtigkeit seines Bruders tadelt er und wirft ihm vor, Aeschinus in seinem Wesen zu verderben.
Das Zerwürfnis der beiden Brüder wird in gesteigertem Ausmaß vorangetrieben, als Demea von einem weiteren Fehltritt des Aeschinus hört. So habe jener die psaltria Bacchis des Kupplers Sannio entführt. Dazu kommt eine weitere Problematik, da die hochschwangere Pamphila, die Aeschinus eigentlich versprochen ist, und deren Mutter Sostrata ebenfalls von dem Vorfall erfahren. Trotz der großen Schwierigkeiten, die der Fehltritt seines Sohnes nach sich ziehen, verhält sich Micio, obwohl er von seinem Bruder zu mehr Strenge gedrängt wird, ruhig und ändert seine Haltung gegenüber Aeschinus nicht.
Er erfährt schließlich, dass Aeschinus zwar den Raub der Bacchis verübt hat. Allerdings ist er von Ctesipho, dem Sohn des Demea, angehalten worden, dies zu tun, denn jener habe sich in Bacchis verliebt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das literarische Motiv des Brüderkonflikts und führt in die spezifische Problematik der Adelphoe sowie die Forschungsrelevanz von Demeas Sinneswandel ein.
2. Inhaltlicher Überblick zu den Adelphen des Terenz: Dieses Kapitel fasst die Ausgangslage des Stücks zusammen, insbesondere die gegensätzlichen Erziehungsstile von Micio und Demea und die daraus resultierenden Spannungen durch die Fehltritte von Aeschinus.
2.1 Der Konflikt der Brüder im ersten Akt und die Darstellung ihrer Erziehung: Hier werden die philosophischen Grundlagen (aequanititas vs. paideia) und die pädagogischen Extrempositionen der beiden Protagonisten detailliert gegenübergestellt.
2.2 Die Verspottung des Demea: Dieses Kapitel thematisiert, wie der Sklave Syrus durch seine Handlungen Demeas Unbeholfenheit bloßstellt und ihn zur Witzfigur degradiert.
2.3 Der Konflikt der Brüder im vierten Akt: Fokus auf der Zuspitzung des Misstrauens gegenüber Micio und der zunehmenden emotionalen Emotionalisierung und Lächerlichkeit von Demeas Auftreten.
3. Demeas Wandlung im Schlussakt: Analyse des Wendepunkts im Stück, an dem Demea beginnt, die Methoden seines Bruders zu imitieren, um Söhne und Publikum für sich zu gewinnen.
3.1 Demeas Schlussrede: Untersuchung der spezifischen rhetorischen Argumentation in der Schlussrede und deren Wirkung auf die anderen Figuren.
3.2 Deutung: Einordnung der Wandlung im kulturellen Kontext und Diskussion, ob es sich um eine authentische Metamorphose oder Satire handelt.
4. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse mit dem Hinweis auf die Komplexität der terenzischen Inszenierung.
Schlüsselwörter
Adelphoe, Terenz, Demea, Micio, Erziehungsstreit, Brüderkonflikt, römische Komödie, Pädagogik, Sinneswandel, aequanititas, severus senex, Aeschinus, Ctesipho, Metamorphose, antike Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Charakterwandlung der Figur Demea in der Komödie Adelphoe des lateinischen Dichters Terenz, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Gegensatz zu seinem Bruder Micio liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die verschiedenen Erziehungsmodelle im antiken Rom, die soziale Dynamik innerhalb einer Familie sowie die literarische Darstellung von Konflikten zwischen Individuen mit gegensätzlichen Weltanschauungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob der plötzliche Sinneswandel von Demea im letzten Akt des Stücks als echter psychologischer Fortschritt oder als ein Stück Ironie des Autors zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär genutzt?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext unter Einbeziehung zeitgenössischer Kommentarliteratur (Donat) und der modernen Forschung diskutiert.
Was bildet den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Einführung, detaillierte Ak-Analysen bezüglich der Konfliktdynamik und die abschließende hermeneutische Deutung der Schlussrede Demeas.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Adelphoe, Terenz, Erziehungsstile, Brüderkonflikt und Komödiengenre charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Micio von Demea in ihrer Erziehung?
Micio agiert als liberaler, nachgiebiger Erzieher (aequanimitas), während Demea ein strenges, autoritäres Modell (severus senex) verfolgt, das auf Zucht und Ordnung basiert.
Warum wird Demea im Stück oft als Witzfigur betrachtet?
Besonders durch die Manipulationen des Sklaven Syrus wird Demeas Unbeholfenheit offengelegt, was ihn wiederholt der Lächerlichkeit preisgibt und seine moralische Überlegenheit untergräbt.
Ist Demeas Wandlung am Ende des Stücks als aufrichtig zu werten?
Die Arbeit zeigt auf, dass dies in der Forschung umstritten ist; es spricht viel für eine satirische Überzeichnung durch Terenz, die Demeas eigentliche Beständigkeit in seinem starren Wesen beibehalten könnte.
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- Marvin Schmidt (Author), 2017, Untersuchung zur Wandlung des Demea in den Adelphen des Terenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1399187