Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

Schrift und Schriftlichkeit im Rahmen mittelalterlicher Bildung

Title: Schrift und Schriftlichkeit im Rahmen mittelalterlicher Bildung

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 23 Pages , Grade: Sehr Gut

Autor:in: Elisabeth Mayr (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

"Vox audita perit, littera scripta manet."
Das gesprochene Wort verweht, das Geschriebene besteht, sagte
schon Horaz, einer der bedeutensten römischen Dichter im ersten nachchristlichen Jahrhundert. Für Horaz und seine Zeitgenossen war lesen und schreiben Bestandteil ihres täglichen Lebens. [...] Mit dem Ende des römischen Reiches kam es auch zu einem Ende der Schriftlichkeit
und erfolgte im selben Schritt ein Übergang zu einer überwiegend oral-tradierten Welt, die bis zum Ende des Mittelalters Bestand haben sollte. Bildung im Mittelalter ging hauptsächlich ohne Schrift und "Schreiben können" vonstatten und war auch kein Bestandteil des täglichen Lebens. Für unsere heutige Zeit ist dies völlig undenkbar, da die Beherrschung von Schrift zur Grundvoraussetzung zum Funktionieren unserer Gesellschaft gehört und ein Analphabet als minder begabt stigmatisiert ist und in Folge dessen oft ausgegrenzt wird. In der Welt des Mittelalters hingegen waren beinahe alle Teile der Bevölkerung Analphabeten und es war kein Manko. Für ein besseres Verständnis des mittelalterlichen
Bildungsgedanken, ist es nötig, sich von unserem humanistischen oder
auch "Humboldtschen" Bildundsideal zu entfernen. Das Wort Bildung,
oder besser "pildunga", wie es im Althochdeutschem hieß, bedeutete
im Mittelalter Bildnis oder auch Schöpfung und es gab keine direkte
lateinische Entsprechung dafür, es war vielmehr eine ganze reihe von
Wörtern, die die mittelalterliche Bildungswelt umschrieb: [...]
Diese vorliegende Arbeit wird sich nun mit den obig erwähnten Aspekten
befassen und Fragen nach Wissensvermittlung und Unterricht anhand
der "Hauptbildungsträger" Klerus, Adel, Frauen und Stadtbürger
zu klären versuchen. Dabei werden einzelne Epochen oder Personen,
die eine wesentliche Rolle für die Bildung spielten, hervorgehoben
und auch Fragen, wie etwa die Glaubensvermittlung ohne Schrift funktionierte,
behandelt. Ziel ist es, die Gesamtsituation im Mittelalter aufzuzeigen,
vor allem hinsichtlich darauf, dass nicht das geschriebene Wort diese
Zeit regierte, sondern beinahe ausschließlich das gesprochene. Wissen
wurde mündlich weitergegeben, Bücher wurden vor allem und lange Zeit
nur zur Zierde angefertigt und erst im späten Mittelalter stieg die
Zahl der hergestellten Bücher. Horaz, dessen Satz vor allem auf eine
Selbstverständlichkeit im Umgang mit Schrift und Bücher hinweist,
wäre im Mittelalter schnell eines besseren belehrt worden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Bildung

1 Der Klerus

1.1 Schule und Lehrplan

1.1.1 Nach der Antike

1.1.2 Die septem artes liberales

1.1.3 Karl der Große

1.2 Klerus und Laien: Glaubensvermittlung?

2 Der Adel

2.1 Der Ritter

2.2 Die Herrscher

2.3 Adelige Laien

3 Die Frauen

3.1 Frauenklöster

3.2 Bei Hofe

3.3 Eine gebildete Frau?

4 Änderungen

5 Die Städte

6 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bildungslandschaft des Mittelalters und stellt die zentrale These auf, dass die Epoche nicht primär durch das geschriebene Wort, sondern durch mündliche Überlieferung und visuelle Vermittlung geprägt war, wobei die Bildungsträger Klerus, Adel, Frauen und Stadtbürger unterschiedliche Schwerpunkte setzten.

  • Die Monopolstellung des Klerus und die Bedeutung des Lateinischen.
  • Die Erziehungsideale des Adels, fokussiert auf körperliche Fertigkeiten.
  • Die Rolle der Bildung in Frauenklöstern und an adeligen Höfen.
  • Der gesellschaftliche Wandel durch das Aufkommen der Städte und der Volkssprache.

Auszug aus dem Buch

1.1.2 Die septem artes liberales

Der mittelalterliche Bildungskanon, die septem artes liberales, waren im Kern bereits in der Antike entstanden. Es war ein Wissenskanon, der jedem freien Mann (deswegen auch liberales) gestattet war zu lernen. Ein Streitfrage war, welche Künste in den Kanon Eingang finden sollten und beschäftitge schon antike Staatsmänner wie Cicero. Erst mit Cassiodor und seiner Abhandlung “Institutiones divinarum et saecularum lectionum”, kam es zu einer genauen Festlegung der sieben Freien Künste und die klassische Einteilung Quadrivium und Trivium. Da sein Werk bis ins Hochmittelalter hinein Wirkung hatte, gilt er heute als “der eigentliche Schöpfer des mittelalterlichen Lehrplans” schlechthin, der dem “folgenden Jahrtausend als einem christlichen seinen Lehr- und Studienplan gab”.

Trivium und Quadrivium Zum Trivium, auch Dreiweg genannt, zählten die Grammatik, die Rhetorik und die Dialektik. Wegen der Nähe der Sprache werden sie auch als die “redenden” Künste bezeichnet.

Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie waren die Fächer des “rechnenden” Quadriviums, auch Vierweges. Gelernt wurde zuerst der Dreiweg, das war sozusagen die Grundausbildung eines Klerikers. Darauf folgte der Vierweg, so zumindest in der Theorie. In der Praxis sah es jedoch ganz anders aus, denn oft wurde die Lehre nur auf den Dreiweg beschränkt und der Vierweg Teil eines höheren Studiums, das nur wenige abschlossen. Oft hing die Qualität der Ausbildung auch von den unterschiedlichen Klöstern ab. So waren die Klosterschulen der Benediktinermönche die bedeutensten Bildungsstätten in Europa, denn ihr Gründer, der Hl. Benedikt von Nursia rief zur Betätigung mit den Wissenschaften auf.

Zusammenfassung der Kapitel

Bildung: Diese Einleitung erläutert den mittelalterlichen Bildungsbegriff, der sich stark von heutigen Vorstellungen unterscheidet und eher die geistige Formung und den Glauben in den Fokus rückte.

1 Der Klerus: Dieses Kapitel beschreibt das Bildungsmonopol der Kirche, das eng mit der Beherrschung der lateinischen Sprache und der mündlichen Wissensvermittlung verknüpft war.

2 Der Adel: Hier wird die spezifische Ausbildung des Adels dargelegt, die auf physische Fähigkeiten und ritterliche Tugenden abzielte, während die Schriftlichkeit lange Zeit als nachrangig betrachtet wurde.

3 Die Frauen: Dieser Abschnitt thematisiert die Rolle der Bildung in Frauenklöstern und an Höfen, wobei nonnliche und adelige Frauen trotz gesellschaftlicher Einschränkungen beachtliche Bildungsleistungen erbrachten.

4 Änderungen: Das Kapitel analysiert den sozialen und technologischen Wandel, der durch den zunehmenden Gebrauch der Volkssprache und die Entwicklung neuer Schriftarten angestoßen wurde.

5 Die Städte: Hier wird der Aufstieg des Stadtbürgertums und die Gründung weltlicher Schulen als Gegenmodell zum klerikalen Bildungssystem behandelt.

6 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel rekapituliert die zentralen Thesen über die Bedeutung von Latein, die unterschiedlichen Bildungskulturen und die „Nicht-Dunkelheit“ des Mittelalters.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Bildung, Klerus, Adel, Frauenklöster, septem artes liberales, Latein, Volkssprache, Wissensvermittlung, Rittertum, Schriftlichkeit, Stadtbürger, Bildungsmonopol, Erziehung, Skriptorium.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bildungs- und Erziehungsstrukturen im Mittelalter unter Berücksichtigung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen wie Klerus, Adel, Frauen und Stadtbürger.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der lateinisch geprägten Bildungstradition, der Rolle mündlicher Überlieferung, den Bildungskanons der septem artes liberales und dem gesellschaftlichen Wandel durch das Aufkommen des Stadtbürgertums.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass das Mittelalter nicht primär vom geschriebenen Wort dominiert wurde und trotz fehlender allgemeiner Alphabetisierung eine fundierte Wissensvermittlung stattfand.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer Quellen zum mittelalterlichen Bildungswesen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden nacheinander die Bildungsmonopole des Klerus, die spezifischen Ausbildungsformen des Adels, die Rolle der Frauen in Klöstern und bei Hofe sowie die städtischen Veränderungen analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Mittelalter, Bildung, Klerus, Adel, Schriftlichkeit, Wissensvermittlung, septem artes liberales und Volkssprache sind die prägenden Begriffe.

Warum galt der Adel fast während des gesamten Mittelalters als illiterat?

Da der Fokus der ritterlichen Erziehung auf körperlichen Aktivitäten und militärischen Fertigkeiten lag, galt das Lesen und Schreiben als Handwerk oder klerikale Tätigkeit, die für einen Ritter als nicht notwendig oder gar standesunwürdig betrachtet wurde.

Welche Bedeutung hatten Klosterschulen für den Erhalt antiken Wissens?

Die Klöster fungierten als kleine Bildungsinseln und Träger der Schriftkultur, in denen Bücher reproduziert wurden, wodurch ein Großteil des antiken Wissens vor dem Untergang bewahrt blieb.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Schrift und Schriftlichkeit im Rahmen mittelalterlicher Bildung
College
University of Innsbruck  (Geschichte)
Grade
Sehr Gut
Author
Elisabeth Mayr (Author)
Publication Year
2009
Pages
23
Catalog Number
V139929
ISBN (eBook)
9783640470587
ISBN (Book)
9783640470709
Language
German
Tags
Schrift Schriftlichkeit Rahmen Bildung Sehr
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elisabeth Mayr (Author), 2009, Schrift und Schriftlichkeit im Rahmen mittelalterlicher Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139929
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint