Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der Regulierung von Inhalten, speziell am Beispiel Facebook. Welche Instanz wählt aus, was publiziert werden darf und was nicht? Gibt es etwas mit einem klassischen Gatekeeper aus dem Journalismus vergleichbares auf Facebook? Da Facebook ja eine privat betriebene Firma ist, stellt sich die Frage, wie weit eine allfällige Regulierung gehen darf und ob Kriterien willkürlich gesetzt werden können. Sind dazu theoretische Grundlagen aus dem Journalismus anwendbar?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Übersicht über Facebook
2.1 Registrierung
2.2. Publikationsmechanismen auf Facebook
2.2.1 Profile
2.2.2 The Wall
2.2.3 Messages
2.2.4 Photos
2.2.5 Tags
3. Regulierung von Inhalten auf Facebook
3.1 Richtlinien des Unternehmens Facebook
3.1.1 Nutzungsbedingungen
3.1.2 Verhaltenskodex
3.1.3 Datenschutzrichtlinien
3.2 Selbstregulierung auf Facebook durch die User
4. Vergleich mit dem Journalismus
5. Fallbeispiel
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Mechanismen der Inhaltsregulierung auf der Social-Media-Plattform Facebook und analysiert, inwiefern dabei Parallelen zur klassischen Gatekeeper-Funktion im Journalismus bestehen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Rolle des Nutzers im Rahmen der Selbstregulierung sowie der Ausgestaltung des unternehmenseigenen Regelwerks.
- Regulierungsmechanismen und Richtlinien von Facebook
- Vergleich der Gatekeeper-Funktion mit klassischen Medien
- Die Rolle der Nutzer bei der Selbstregulierung
- Government vs. Governance im Internet
- Analyse eines Fallbeispiels zur privaten Tätersuche
Auszug aus dem Buch
3.2 Selbstregulierung auf Facebook durch die User
Durch die schiere Anzahl an Veröffentlichungen von Informationen auf Facebook ist es für das Unternehmen unmöglich, alle unpassenden Inhalte selber ausfindig zu machen und zu eliminieren. Dazu wäre etwa der Aufwand nötig, den der Staat China betreibt, der mit circa 30‘000 Angestellten die Internetnutzung der ganzen Bevölkerung überwacht und unerwünschte Webseiten sperrt.18 Facebook hat diese Aufgabe zum Teil seinen Usern überlassen: Die Funktion „dieses Foto melden“ ermöglicht zumindest bei Bildern eine direkte und unkomplizierte Regulierung von unerwünschten Inhalten durch die Nutzer. Dieselbe Möglichkeit besteht für Anlässe und Gruppen. Einträge auf der Pinnwand sowie Kommentare zu Bildern können vom User selbst gelöscht werden. Damit kann er zumindest für sein eigenes Profil bestimmen, was publiziert werden soll. Dies geschieht systembedingt aber mit einer Zeitverzögerung, ausser der Nutzer würde sein Profil in jeder Minute überwachen. In der Zeit, die beispielsweise zwischen dem Schreiben eines Kommentares der Kontrolle durch den Nutzer vergeht, kann der Kommentar schon von anderen Nutzern gelesen werden. Darin besteht ein Unterschied zur Regulierung in traditionellen Medien, in denen der Inhalt im Regelfall vor der Veröffentlichung gesichtet und beurteilt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Einführung in das rasante Wachstum von Facebook und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Inhaltsregulierung und Gatekeeper-Rollen.
2. Übersicht über Facebook: Detaillierte Beschreibung der Plattformstruktur, der Registrierung und der verschiedenen Publikationsmechanismen wie Profile, Pinnwand und Fotoalben.
3. Regulierung von Inhalten auf Facebook: Analyse der internen Richtlinien (Nutzungsbedingungen, Verhaltenskodex, Datenschutz) und der aktiven Rolle der Nutzer bei der Selbstregulierung.
4. Vergleich mit dem Journalismus: Untersuchung der Gatekeeper-Funktion von News-Feed-Systemen im Vergleich zu journalistischen Selektionsprozessen und Anwendung der Begriffe Government und Governance.
5. Fallbeispiel: Fallstudie eines Kriminalfalls in Bern, bei dem ein Opfer über Facebook zur Tätersuche aufrief, und Bewertung der Reaktion bzw. Nicht-Reaktion des Unternehmens.
6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung zur Notwendigkeit neuer Theorien für Web 2.0-Plattformen und zum zukünftigen Stellenwert der Nutzer-Selbstregulierung.
Schlüsselwörter
Facebook, Regulierung, Social Networking, Gatekeeper, Web 2.0, Selbstregulierung, Nutzungsbedingungen, Governance, Journalismus, Onlinecommunity, Privatsphäre, Nutzerverhalten, Moderation, Internetrecht, Mediensystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie Inhalte auf Facebook reguliert werden und wer bei dieser privat betriebenen Plattform die Rolle eines Gatekeepers übernimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Regelwerk von Facebook, die technische Umsetzung der Regulierung und die Mitwirkung der Nutzer an der Inhaltskontrolle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob klassische journalistische Gatekeeper-Konzepte auf Facebook anwendbar sind und wie die Machtverhältnisse bei der Moderation von Inhalten zwischen Unternehmen und Nutzern verteilt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine phänomenologische Betrachtung und vergleicht theoretische Grundlagen aus der Publizistikwissenschaft mit der Praxis von Facebook.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Nutzungsbedingungen und den Verhaltenskodex, beleuchtet die Selbstregulierungsfunktionen für User und stellt einen Vergleich zum klassischen Journalismus an.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Regulierung, Selbstregulierung, Gatekeeper, Governance, soziale Netzwerke und Nutzungsbedingungen.
Welche Rolle spielt das News-Feed-System bei der Regulierung?
Das News-Feed-System fungiert als automatisierter Gatekeeper, der aufgrund von Relevanzkriterien entscheidet, welche Inhalte für den Nutzer sichtbar gemacht werden.
Was lässt sich aus dem Fallbeispiel zur Tätersuche ableiten?
Das Beispiel zeigt, dass Facebook zwar strikte Nutzungsbedingungen hat, die praktische Umsetzung der Regulierung bei speziellen Vorfällen jedoch oft intransparent bleibt oder erst zeitversetzt greift.
Warum ist das Thema Regulierung auf Facebook wissenschaftlich relevant?
Da Facebook als privates Unternehmen eine enorme Macht über die Verbreitung öffentlicher Informationen besitzt, stellt sich die medienpolitische Frage nach der demokratischen Legitimation dieser Entscheidungsprozesse.
Wie unterscheidet sich die Regulierung auf Facebook von klassischen Medien?
Während in klassischen Medien Inhalte vor der Veröffentlichung durch eine Redaktion geprüft werden, findet auf Facebook die Regulierung durch automatisierte Systeme und die nachträgliche Meldung durch Nutzer statt.
- Quote paper
- Manuel Imboden (Author), 2009, Regulierung auf Facebook, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139973