Thema dieser Hausarbeit ist Gianlorenzo Berninis Cornaro- Kapelle in Santa Maria della Vittoria in Rom. Die Ausstattung der Grabkapelle des Kardinals Federico Cornaro wurde 1647 begonnen und 1651 beziehungsweise 1652 vollendet.
Die Kapelle muß als ein barockes „Gesamtkunstwerk“ aus Architektur, Skulptur und Malerei gesehen werden, denn sie setzt sich aus sieben Komponenten zusammen. Diese sind das Altarhaus, die Altarskulptur, die die Verzückung der heiligen Theresa darstellt, die beiden Reliefs der acht Mitglieder der Cornaro- Familie, das Bronzeantependium, die Gewölbe- und Fußbodendekorati-on und schließlich die Seitentüren.
Baldinucci, der Biograph Berninis, berichtet im Zusammenhang mit der Cornaro- Kapelle, daß Bernini der erste gewesen sei, der er es in einer solchen Weise unternommen habe, Architektur, Skulptur und Malerei zu vereinigen, daß daraus ein schönes Ganzes, ein „bel composto“, ent-standen sei. Ähnlich wie Baldinucci spricht Wittkower vom „unified concept“ . Bernini läßt in seiner Kapelle die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Architektur verschwimmen, so daß aus den drei Gattungen ein einheitliches Konzept entsteht.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, alle Bestandteile der Kapelle, wie zum Beispiel Altarhaus und Altarskulptur zu beschreiben und interpretativ zu erläutern. Bei der Besprechung der Kapelle muß darauf geachtet werden, inwiefern die verschiedenen Komponenten miteinander in Verbindung stehen. Nur so kann festgestellt werden, ob die Bezeichnung „Gesamtkunstwerk“ für die Cornaro- Kapelle gerechtfertigt ist.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Entstehungsgeschichte
2.1) Die Kirche Santa Maria della Vittoria
2.2) Federico Cornaro
2.3) Die heilige Theresa von Avila
3) Die Cornaro- Kapelle
3.1) Der Altarbau
3.1.1) Beschreibung
3.1.2) Vorformen und Interpretation
3.2) Die Altargruppe
3.2.1) Beschreibung und Bildtradition
3.2.2) Das Gewand als Ausdrucksträger
3.2.3) Interpretation
3.3) Die Bildnisgruppen
3.3.1) Beschreibung und Vorbilder
3.3.2) Interpretation
3.4) Das Antependium
3.5) Die Gewölbedekoration
3.6) Der Marmorfußboden
3.7) Die Seitentüren
4) Schlußbetrachtung
5) Die Cornaro- Kapelle als Theatrum Sacrum
6) Liste der erwähnten Vergleichsobjekte
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Gianlorenzo Berninis Cornaro-Kapelle in der römischen Kirche Santa Maria della Vittoria. Ziel ist es, die Kapelle als barockes Gesamtkunstwerk zu analysieren, indem die Interaktion von Architektur, Skulptur und Malerei sowie die inszenatorische Qualität des Raumes als "Theatrum Sacrum" hinterfragt werden.
- Strukturelle Analyse der architektonischen und skulpturalen Bestandteile
- Untersuchung der ikonographischen Bedeutung der heiligen Theresa von Avila
- Analyse der Rolle der Cornaro-Familie als Betrachter und Stifter
- Bedeutung der Lichtregie für die religiöse Inszenierung
- Einordnung der Kapelle in den kunsthistorischen Kontext des Barock
Auszug aus dem Buch
3.1.1) Beschreibung
Beim Altarbau verwendete Bernini Elemente, die schon in der Architektur des Hauptschiffes und des Querhauses vorhanden waren. Er fügte in die große Pilasterordnung des Querhauses und deren mächtiges Gebälk mit dem ebenso mächtigen Konsolengesims ein genauso vollständiges, nur kleineres System ein.
Der Altarbau besteht aus einer Ädikula mit einem durchgehenden Gebälk wie auch einem durchgehenden zweistufigen Sockel. Die erste Stufe reicht bis zur Mensa des Altars. Mit der zweiten Stufe des Sockels wird der Altarbau nochmals um etwa die gleiche Höhe nach oben versetzt. Das Gebälk ruht außen auf Pilastern und wächst an der Altarnische zu Säulenpaaren an, auf denen ein konvexer gesprengter Dreiecksgiebel ruht.
Der Grundriß der Nische ist oval. In der Cornaro- Kapelle wird eine (ovale) Rotunde mit einer Ädikula kombiniert. Im Gegensatz zu einer lediglich konvexen Nische erlaubt die ovale Form größere Weite und Tiefe. Das Innere des Altarhauses ist höher und weiter, als die nur schmale Öffnung suggeriert. Indem sich die Ädikula nach vorne wölbt, wird erreicht, daß sie früher ins Blickfeld des Betrachters tritt, der sich im Langhaus nähert. Sie schwingt dem Betrachter entgegen, schwingt aber auch in die Tiefe zurück, sogar bis in die Querhauswand hinein.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Einführung in das Thema der Cornaro-Kapelle und Definition als barockes Gesamtkunstwerk sowie Zielsetzung der Arbeit.
2) Entstehungsgeschichte: Beleuchtung der Geschichte von Santa Maria della Vittoria, der Person Federico Cornaros und der biographischen Hintergründe der heiligen Theresa von Avila.
3) Die Cornaro- Kapelle: Detaillierte Beschreibung und Interpretation der einzelnen Komponenten wie Altarbau, Altargruppe, Bildnisgruppen, Antependium, Gewölbedekoration, Marmorfußboden und Seitentüren.
4) Schlußbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Bestätigung der Gesamtkunstwerk-Theorie sowie Differenzierung der verschiedenen Realitätsebenen.
5) Die Cornaro- Kapelle als Theatrum Sacrum: Erläuterung des theatralischen Inszenierungscharakters der Kapelle als heiliges Theater.
6) Liste der erwähnten Vergleichsobjekte: Auflistung der im Text referenzierten Kunstwerke und Quellen.
Schlüsselwörter
Gianlorenzo Bernini, Cornaro-Kapelle, Santa Maria della Vittoria, Barock, Gesamtkunstwerk, heilige Theresa von Avila, Transverberation, Architektur, Bildhauerei, Theatrum Sacrum, Kardinal Federico Cornaro, Sakralbau, Kunstgeschichte, Italienischer Barock, Religiöse Inszenierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Cornaro-Kapelle in Rom als ein bedeutendes Beispiel barocker Kunst, in dem Architektur, Bildhauerei und Malerei zu einer Einheit verschmelzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entstehungsgeschichte der Kapelle, die bildliche Darstellung der Ekstase der heiligen Theresa und die Funktion der Kapelle als Grabstätte der Cornaro-Familie.
Welches primäre Ziel verfolgt die Hausarbeit?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die Bezeichnung "Gesamtkunstwerk" für die Kapelle gerechtfertigt ist und wie die verschiedenen gestalterischen Elemente zu diesem Eindruck beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive und interpretative kunsthistorische Analyse der Kapellenarchitektur, der Bildprogramme und zeitgenössischer Vergleichsobjekte verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelbesprechung der Kapellenbestandteile, vom Altarbau über die Skulpturengruppe bis hin zur Gewölbedekoration und den Grabreliefs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Gesamtkunstwerk", "Theatrum Sacrum", "Transverberation", "Illusionismus" und "Barockplastik".
Was macht das Altarhaus der Kapelle zu einem besonderen architektonischen Ort?
Das Altarhaus kombiniert durch seine ovale Form und den Einsatz von Licht eine erhöhte Plastizität, die den Betrachter tiefer in das religiöse Geschehen hineinzieht und von der profanen Welt abhebt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der heiligen Theresa von anderen Zeitgenossen?
Bernini kombiniert die Transverberation mit dem Motiv der Levitation und betont durch die Lichtregie sowie die körperliche Expressivität der Figur die übernatürliche Erfahrung der Heiligen.
Welche Rolle spielen die Skelettdarstellungen auf dem Marmorfußboden?
Sie werden als memento mori interpretiert und verweisen auf die Funktion der Kapelle als Grabstätte, wobei sie den Betrachter zur Fürbitte für die Verstorbenen anregen sollen.
Wie ist die Interpretation der seitlichen Nischen für die Cornari zu verstehen?
Die Nischen mit den Reliefs der Cornaro-Familie werden als illusionistische Raumverlängerungen verstanden, die die Dargestellten als Zeugen der Transverberation zeigen, ohne dass diese das eigentliche Ereignis physisch sehen können.
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- Magistra Artium Silvia Katzenmaier (Author), 2005, Die Cornaro-Kapelle in Santa Maria della Vittoria, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139976