Die Entstehung der weltweiten Finanzkrise und ihre Auswirkung auf die deutsche Realwirtschaft


Studienarbeit, 2008

33 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. AUSLÖSER DER KRISE
2.1. Ausbruch der Immobilienkrise in den USA
2.1.1. Beginn der Krise
2.1.2. Die „Alles-auf-Pump“-Kaufkultur in Amerika
2.1.3. Die Weitergabe von Krediten, Verbriefungen und Ratingagenturen
2.1.4. Der Zusammenbruch

3. FINANZKRISE
3.1. Ausbruch
3.1.1. Aus der Immobilienkrise entsteht die Bankenkrise
3.1.2. Verschuldungsfalle durch die Verbriefungen
3.1.3. Hedgefonds
3.2. Misstrauen in der Bankenbranche
3.2.1. Der Fall Commerzbank
3.2.2. Die neue Zeitrechnung
3.3. Übergriff auf deutsche Banken
3.5. Konsequenzen
3.6. Rückblick: Damals, wie Heute
3.7. Rettungspakete für Banken

4. AUSWIRKUNGEN AUF DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT UND IHRE UNTERNEHMEN
4.1. Allgemein
4.1.1. Übergriff der Finanzkrise auf die Realwirtschaft
4.2. Wege aus der Krise
4.2.1. Konjunkturpaket II
4.3. Probleme der Automobilindustrie
4.3.1. Allgemein
4.3.2. General Motors und Opel

5. FAZIT

6. LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS

1. Einleitung

Von einer Hypothekenkrise in den USA, zu einer Bankenkrise in der ganzen Welt, bis hin zu einer der schlimmsten Wirtschaftskrise überhaupt. Wie konnte dies geschehen? In der folgenden Arbeit werden vor allem die Auslöser der Krise und die Zusammenhänge zwischen Banken und Wirtschaft beleuchtet, um einen Überblick über die derzeitige Situation zu verschaffen und um aufzuzeigen, welche Probleme, bei einer weltweiten Vernetzung der Wirtschaft und des Finanzwesens, auftreten können.

2. Auslöser der Krise

2.1. Ausbruch der Immobilienkrise in den USA

2.1.1. Beginn der Krise

Die weltweite Krise ist nicht von heute auf morgen über die Finanzmärkte und die gesamte Wirtschaft hereingebrochen. Die heutige Krise hat ihren Ursprung zu einem ganz anderen Zeitpunkt. Im Jahr 2000 kannte der Optimismus der Finanzmärkte keine Grenzen. Das Internet und die Informations- uns Kommuni-kationstechnologien wurden als Schlüssel des immerwährenden Wachstums angesehen. Unternehmen, wie Yahoo!, Amazon.com oder eBay hatten Börsen-bewertungen, die die Börsenbewertungen von DaimlerChrysler, Siemens oder Coca-Cola teilweise um ein Vielfaches überstiegen. Heute sind nicht wenige dieser Unternehmen, wie z. B. Dr.Koop.com, Furniture.com und Webvan, insol-vent oder mussten sich einer Neubewertung unterziehen. Als diese Spekulati-onsblase der sogenannten „New Economy“ platze, hätte die Welt eigentlich in eine schwere Rezession oder sogar in eine Depression rutschen müssen, denn immerhin hatten sich Privatvermögen in Höhe von unglaublichen zwölf Billionen Dollar bei dem Börsencrash in Luft aufgelöst. Aber es kam nur zu einer milden Rezession. Denn, als die Kurse der Technologiewerte implodierten und auch die Aktien der etablierten Unternehmen zurückgingen, entwickelte sich, zu-nächst langsam, dann immer schneller, die von englischen „Economists“ be-zeichnete Spekulationsblase. Amerika entdeckte, dass es sinkende Hypothe-kenzinsen und steigende Häuserpreise nutzen konnte, um seinen Lebensstan-dard durch „Refinancing“ und „Home Equity Loans“ wieder zu subventionieren.1

Bereits Anfang des Jahres 2001, jedoch nach den Anschlägen des 11. Sep- tember verstärkt, begann die US-Notenbank eine Politik der niedrigen Zinsen. Hierdurch sollte die Panik verhindert werden, die durch die Terroranschläge ausbrach. Der damalige Notenbankchef Alan Greenspan „überflutete“ durch die Niedrigzinsen, die gesamte amerikanische Wirtschaft und somit auch die restliche Welt, mit Liquidität.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Jedoch behielt die Notenbank ihre Niedrigzinspolitik auch bei, als es der Wirt-schaft in den USA längst schon wieder besser ging. Zwischen Anfang des Jah-res 2001 und Mitte des Jahres 2003 sanken die Zinsen von 6,5 auf ein Prozent. Erst Mitte des Jahres 2004 begann die amerikanische Federal Reserve (FED) die Zinsen wieder zu erhöhen. Mehr als 2,5 Jahre war das Geld also „billig“ und die Amerikaner griffen zu. Ein Großteil des Kapitals, das in dieser Zeit aufge-nommen wurde, floss in den Konsum, in die Tilgung anderer Schulden, in Fi-nanzinvestments oder in Immobilien. So rückte der Traum von den eigenen vier Wänden, auch für Menschen, die sich eigentlich ein eigenes Haus nicht leisten konnten, in greifbare Nähe. Hieraus ergab sich, dass die Nachfrage nach Im-mobilien größer wurde, als das Angebot. Die Preise für die Immobilien stiegen somit noch drastischer an.

2.1.2. Die „Alles-auf-Pump“-Kaufkultur in Amerika

In dieser Situation traten willige Geldgeber auf den Plan. Immobilienfinanzierer und Regionalbanken verliehen viele Milliarden US-Dollar an Privatpersonen mit zweifelhafter Bonität. Die Kreditnehmer mussten keinerlei Sicherheiten nach-weisen können. Nicht einmal der Wert der Immobilie wurde genau geprüft. Die-se zweitklassigen Hypothekendarlehen, die sogenannten Subprime Loans, waren in der Regel teurer, als herkömmliche Darlehen. Dafür wurde darüber hinweggesehen, dass die Schuldner keine Sicherheiten vorweisen konnten. Außerdem wurde von den Kreditnehmern nicht bedacht, dass sie die Kredite in einer Niedrigzinsphase mit variablem Zins abschlossen. Für sie stand nur das Eigenheim im Vordergrund. Die meisten Häuser wurden ohne einen einzigen Cent Eigenkapital finanziert, was für deutsche Verhältnisse unvorstellbar ist. Durch dieses fehlerhafte Kreditvergabesystem begann sich die Blase aufzublä-hen.3

Jedoch schienen alle davon zu profitieren: die glücklichen Besitzer, ebenso die Handwerker, die am Bau oder an den Renovierungen ihr Geld verdienen konn-ten, und natürlich die Banken und Makler, die ihre Provisionen und Zinsen kas-sierten. Die neuen Hausbesitzer konnten nun ihre Darlehen und deren Tilgung durch Anschlusskredite finanzieren, denn als Sicherheit konnten sie nun ihre Gebäude vorweisen und dessen Wert stieg ständig weiter an. Auch Unternehmen im Ausland profi-tierten von dem amerikanischen Boom, wie etwa chinesi-sche Textilfabrikanten oder europäische Maschinenbauer, denn die die Amerikaner gaben ihr Geld aus, als müssten sie es nie mehr zurückzahlen. Denn US-Amerikaner leben auf Pump. Dies war schon immer so. Die Immobilienkrise ist nur die Spitze des Eisberges. Keine Gesellschaft ist mehr auf den Konsum fixiert, wie die amerikanische Gesellschaft. Egal ob Autos, Möbel, Kreuzfahrten, aber auch alltägliche Dinge, wie Lebensmittel, Arztbesuche oder Medikamente

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Abbildung 2

werden mit „plastic“ bezahlt - also bargeldlos mit Karte und somit auf Kredit. Materieller Wohlstand, und zwar am besten öffentlich zur Schau gestellt, hatte in Amerika schon immer einen besonders hohen Stellenwert. Mehr als 70 % des Bruttoinlandsproduktes fließen direkt wieder in den Verbrauch. Mit der hohen Konsumquote geht eine sehr geringe Sparquote einher. Im Jahr 2004 sank diese auf 1 % des verfügbaren Einkommens. 2005 war die Sparquote sogar negativ. Im Vergleich zu Deutschland: Im Jahr 2004 betrug die Sparquote 10,9 %. Durchschnittlich kann man sagen, dass jeder US-Haushalt mit 10 000 Dollar in den Miesen ist, und dies ohne die wachsende Belastung durch die gestiegenen Darlehenskosten für die eigenen vier Wände.4

2.1.3. Die Weitergabe von Krediten, Verbriefungen und Ratingagenturen

Durch den steigenden Leitzins5 platzten nun viele Hypothekendarlehen. Diejenigen, die den Kreditnehmern ihr Geld leichtfertig geliehen hatten, wie die Hypothekenfinanzierer, gerieten in Probleme.

Diese dachten ein todsicheres Geschäft zu entwickeln. Um das Risiko der Sup-rime Loans möglichst klein zu halten, wenn es etwa zu Kreditausfällen kommen sollte, verbrieften sie die Kredite und verkauften diese einfach weiter. Sie nah-men an, dass die geballte Kraft vieler Anleger die Last sicher tragen könnte. Außerdem wurden die Suprimes, entgegen ihres Namens, von amerikanischen Ratingagenturen zum Teil auch noch mit dem höchsten Bonitätssiegel, dem Triple A, bewertet. Somit stand dem Verkauf in die weltweite Bankenwelt nichts mehr im Weg. Die Käufer der Suprimes waren Großanleger, wie Banken und Hedgfonds. Diese stückelten dann die Darlehen oftmals bis zur Unkenntlichkeit, mischten „die Guten“ mit „den Schlechten“, bündelten das Ganze neu und ver-kauften diese Pakete ebenfalls weiter. Jedoch waren die Immobilien nicht so wertvoll, wie man annahm und deshalb das Geld, dass an den Börsen „ver-brannt“ wurde, teilweise nur virtuell vorhanden. Am Ende dieser Kette standen oft Finanzkonstrukte, wie die „Rhineland Funding“, die im vergangen Jahr die deutsche IKB ins Schleudern brachte. Diese Gesellschaften refinanzierten ihre Ankäufe, indem sie Spezialanleihen herausgaben, als deren Sicherheiten wie-derum die angekauften Kredite dienten.

2.1.4. Der Zusammenbruch

2006 setzte die Abwärtsspirale ein. Auch wenn nun Finanzexperten einwenden, dass durch die Kreditweitergabe die Risiken auf viele Schultern verteilt wurden, hilft dies nun auch nichts mehr. Eher im Gegenteil, denn die unzähligen „faulen“ Kredite, auf denen das ganze System lastete, rissen nach und nach alle Betei-ligten mit. Nach den geschwächten Hypothekenfinanzierern erwischte es die Banken. Diese kündigten bereits Mitte des Jahres 2007 milliardenschwere Ab-schreibungen an. Diese mussten getätigt werden, da nun die auf dem Markt erzielbaren Immobilienpreise unter den Restwerten der Kredite lagen. Der Traum vom immerwährenden Aufschwung war ausgeträumt - der Dauerboom am amerikanischen Immobilienmarkt war vorüber. Im Jahr 2006 platzte die Bla-se. Nach Jahren des ungebremsten Baubooms hatte das Angebot nun die Nachfrage überholt. Die Preise, die der Markt bereit war, für die Häuser zu be-zahlen, sanken drastisch nach unten. Jedoch sorgte das Steigen der Zinsen, bei vielen Hausbesitzern, für ein böses Erwachen. Die Zinsen erhöhten sich so, dass die bis dahin so stolzen Hausbesitzer nicht mehr in der Lage waren, ihre Raten zu begleichen. Ende 2006 lag die Zahl der Zwangsversteigerungen auf dem höchsten Stand seit fast 40 Jahren. Viele wurden obdachlos. Die Banken und Hypothekenfinanzierer verloren so viel Geld, dass ihre Existenz in Gefahr geriet. Die Kreditverbriefungen fielen drastisch im Wert und weil so viele Anle-ger sie erworben hatten, wurden Geldhäuser überall auf der Welt in den „Stru-del“ der Vermögensvernichtung gerissen. Als dann selbst Amerikas viertgrößte, traditionelle Investmentbank Lehman Brothers bankrott ging, erreichte die Krise einen Höhepunkt. Auch der weltgrößte Versicherer, die AIG, geriet ins Wanken und konnte nur durch einen Kredit der US-Notenbank in Höhe von 85 Millionen Dollar gerettet werden. Die Makler machten keine Geschäfte mehr, die Hand-werker bleiben auf ihren Rechnungen sitzen, die Exporteure aus dem Ausland bekamen keine Aufträge mehr. Genau jene Gruppen, die vom Aufschwung pro-fitierten, haben im Crash Vermögen verloren. Ausnahmen sind natürlich Haus-besitzer, die rechtzeitig verkauft haben, oder Banker, die früh genug aus den Geschäften ausstiegen. Sie haben ihre Gewinne mitgenommen. Jedoch entwi-ckelten sich aus dem Desaster der Immobilienkrise zunächst eine Banken- und später sogar eine Wirtschaftskrise.

3. Finanzkrise

3.1. Ausbruch

3.1.1. Aus der Immobilienkrise entsteht die Bankenkrise

Durch den nun angestiegen Zins konnten die Schuldner ihre Schulden nicht zurückbezahlen und die Blase platze. Keiner, weder Bürger, noch Unternehmer, bekamen neue Kredite, um die alten zu begleichen. Die Banken blieben auf ihren Darlehen sitzen und fuhren immense Verluste ein. Die Liquiditätsprobleme stiegen langsam, aber stetig an. Die Zinsen, die nicht hereinkamen, wurden auf der Bilanzpassivseite negativ bilanziert. Das fehlende Geld in der Bilanz waren eigentlich die Erlöse, nun aber immer noch Forderungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3

3.1.2. Verschuldungsfalle durch die Verbriefungen

Die globale Verschuldung hätte nie zu ihrer heutigen Dimension auslaufen können, wenn die Finanzbranche nicht etwas erfunden hätte, was es den Unternehmen ermöglichte, in den letzten fünfundzwanzig Jahren die Verschuldungsmaschine noch einmal stark zu beschleunigen. Dies war durch die „Securitization“, abgeleitet von dem englischen Wort security, was Wertpapier oder auch „Verbriefung bedeutet, möglich geworden. Im weitesten Sinne geht es darum, aus Forderungen handelbare Wertpapiere zu schaffen.

[...]


1 Vgl. Max Otte, Der Crash kommt, Berlin 2008, S. 87 ff

2 Vgl. Fragen und Antworten zur Immobilienkrise, tagesschau.de/wirtschaft 26.09.2008 16:30 [November 2008]

3 Vgl. Alexandra Endres, Wo ist das ganze Geld geblieben?, zeit online 28.10.2008 [November 2008]

4 Vgl. Carsten Schmiester, Aus für die „Alles-auf-Pump“-Kaufkultur, tagesschau.de/wirtschaft 17.08.2007 NDR-Hörfunkstudio Washington [Dezember 2008]

5 Vgl. Björn Sievers, Leitzins, Focus online 08.10.2008 [November 2008]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung der weltweiten Finanzkrise und ihre Auswirkung auf die deutsche Realwirtschaft
Hochschule
Akademie für Betriebswirtschaft und Welthandelssprachen ABW, Stuttgart
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
33
Katalognummer
V139988
ISBN (eBook)
9783640472055
ISBN (Buch)
9783640471942
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung, Finanzkrise, Auswirkung, Realwirtschaft
Arbeit zitieren
Dominique Futterer (Autor), 2008, Die Entstehung der weltweiten Finanzkrise und ihre Auswirkung auf die deutsche Realwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139988

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