Die Entwicklung und Bedeutung des Hafens Al Mina in der Zeit der griechischen Ostkolonisation


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung
1.2. Quellenlage und Forschungsstand

2. Vorgeschichte

3. Al Mina/ Poseideion

4. Handelsposten Al Mina
4.1. Al Mina: Die erste Periode
4.2. Al Mina unter den Assyrern
4.3. Al Mina: Die zweite Periode

5. Von Al Mina nach Seleukia

6. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Arbeit „Al Mina“

7. Quellen- und Literaturverzeichnis:
7.1. Quellenverzeichnis:
7.2. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung

In der Arbeit mit dem Thema „Al Mina“ soll die Entwicklung des Hafens Al Mina in der Zeit der griechischen Ostkolonisation und dessen Bedeutung für den Handel zwischen der griechischen und der nahöstlichen Welt dargestellt werden. Die Gründungsgeschichte Al Minas fällt in eine Zeit in der schriftliche Aufzeichnungen im griechischen Raum noch nicht existent sind. So muss die Geschichte dieses Hafens aus den archäologischen Fundstücken heraus interpretiert werden.

Der erste Kontakt zwischen den beiden Welten an diesem Hafen wird in das 8. Jahrhundert v. Chr. datiert. Das wirtschaftlich starke Euböa drängte in diesem Jahrhundert in den östlichen Mittelmeerraum. Eine große Anzahl an Töpferware belegt den ausgiebigen Handel zwischen den beiden verschiedenen Kulturen. Neben Keramiken wurden auch Metalle, Sklaven und vor allem Wissen gehandelt. Dieses Wissen förderte die Entwicklung von Rüstungen und Waffen. Ein besonders wichtiges Ereignis war die Übernahme der Schrift durch die Griechen. Ihre, höchstwahrscheinlich durch Missverständnisse aufgetretene, Modifikation des semitischen Alphabets sorgte dafür, dass sich das neue Alphabet sehr schnell in Griechenland und den Nachbarstaaten ausbreitete. Al Mina wird für diesen Wissenstransfer von einigen Wissenschaftlern als Hauptort betrachtet. Was mit Sicherheit gesagt werden kann, ist dass Al Mina für die Griechen über Jahrhunderte hinweg ein wichtiger Handelsposten war. Nach den Euböern und Zyprern entdeckten das griechische Festland und die ostgriechischen Inseln Al Mina für sich. Die Waren die dabei nach Al Mina gelangten verbreiteten sich weit ins Hinterland, bis nach Babylon und Ninive. Diese Regionen blieben jedoch auch nicht von politischen Umweltzungen verschont. In der über vierhundert jährigen Geschichte wechselten die Machtverhältnisse von den Assyrern über die Babylonier zu den Persern, bis schließlich Alexander der Große 333 v. Chr. diese Region eroberte. All diese Wechsel konnten den Handel in Al Mina nicht stoppen. Zwar war Al Mina immer wieder vom Verfall betroffen doch erlangte der Hafen stets so an Signifikanz für die Griechen, dass er immer wieder aufgebaut wurde und mehrere Blütephasen durchlebte. Für das 5. Jahrhundert wurden Münzen in Al Mina nachgewiesen.

Diese stammten hauptsächlich aus Attika und wurden unter Alexander dem Großen durch mazedonische ersetzt. Der mittlerweile griechisch gewordene Hafen konnte zu dieser Zeit seinen Wohlstand noch einmal entfalten, bevor sein Niedergang durch die Gründung Seleukias besiegelt wurde und er 301 v. Chr. dann in der Bedeutungslosigkeit verschwand.

Zwischen 400 und 500 n. Chr. wurde der Hafen neu gegründet. Dieses Mal unter dem Namen Bytyllion. Sein endgültiges Ende fand der Hafen als Kreuzfahrerhafen St. Simeon 1286. Da für diese Arbeit nur die Zeit der griechischen Ostkolonisation von Bedeutung ist, wird die Zeit nach 400 n. Chr. nur der Vollständigkeit halber erwähnt, findet aber in dieser Arbeit keine weitere Betrachtung.

1.2. Quellenlage und Forschungsstand

Da es für den Zeitraum den diese Arbeit behandelt so gut wie keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, dienen die Auswertungen von archäologischen Funden als Grundlage zur Bearbeitung des Themas. Diese basieren auf den Ausgrabungen, die Sir Leonard Woolley[1] 1935 in Nordsyrien durchgeführt hat. Dabei entdeckte er einen Hafen, der ein wichtiger Handelsposten zwischen der griechischen und der nahöstlichen Kultur darstellte. Die dort gefunden Keramiken, sowie Keramikfunde in anderen Regionen Griechenlands, Zypern und im Nahen Osten ermöglichten es Wissenschaftlern ein Bild über die Entwicklung Al Minas und des Handels in diesem Hafen zu geben. Eine ausgiebige Debatte über die Herkunft der Funde und die daraus resultierenden Handelsbeziehungen zwischen der griechischen und nahöstlichen Welt hat seit den Ausgrabungen 1935 bis heute stattgefunden. Dabei kam es immer wieder zur Weiterentwicklung des Geschichtsbildes genauso wie zu Fehlinterpretationen. Da wie in dem Werk von John Boardman[2] niedergeschrieben, es immer wieder neue Entdeckungen gibt und Funde neu interpretiert werden müssen, kann das Geschichtsbild Al Minas und des Handels zwischen diesen beiden Welten auch noch nicht als abgeschlossen gelten.

Und obwohl die historische Rahmenlage in dieser Zeit weitgehend abgesteckt ist, ist diese Arbeit und die zu Grunde gelegten Untersuchungen nur eine derzeitige Bestandsaufnahme.

John Boardmans Buch „Kolonien und Handel der Griechen“ bildet für diese Arbeit die Grundlage und gibt zudem einen sehr guten Überblick über den Forschungsstand und die vertiefende Literatur. Das zweite wichtige Werk ist der Bericht Woolleys über die Ausgrabungen von Atschana und Al Mina. Um die Handelsbeziehungen darstellen zu können wurde auf die Untersuchung der Keramikfunde von Robertson[3] zurückgegriffen. Zwar stammt diese aus dem Jahr 1940, jedoch wird sie von vielen Historikern als Basis ihrer Arbeiten verwendet.

2. Vorgeschichte

Enge Verbindungen der Griechen in den Osten des Mittelmeeres lassen sich bis in die Bronzezeit nachweisen. Über die Küsten Syriens und Palästinas gelangten minoische und mykenische Händler nach Mesopotamien, um dort die Reichtümer und technischen Fertigkeiten des Zweistromlandes kennen zu lernen und Handel zu treiben. Diese Verbindungen wurden durch das Anlegen von Handelsniederlassungen oder Kolonien an verschiedenen Punkten der kleinasiatischen und syrischen Küste intensiviert. Im Laufe des 12. Jahrhunderts v. Chr. wurden die Mykener von den Doriern abgelöst. In dieser Zeit herrschten Kriege und innere Zwistigkeiten, die zum kulturellen Einbruch, Bevölkerungsrückgang und dem Versiegen der Handelsbeziehungen führten. Denn auch die Reiche im Osten, vor allem die Hethiter, wurden in kleine Staaten und Königreiche zersplittert.[4]

Ende des 11. Jahrhunderts entwickelte sich in Athen die erste neue Eisenzeitkultur Griechenlands. Eisen wurde zunehmend für die Herstellung von Schmuck und Waffen verwandt. Unter der Führung Athens verbreiteten sich Kunst und Handwerk in den alten Zentren des Festlandes und der Inseln.

Das Bevölkerungswachstum und der damit verbundene wirtschaftliche Aufschwung führten zu einem neuen Wohlstand, der sich auch darin auswirkte, dass die Griechen sich wieder für überseeische Gebiete interessierten.[5]

Die Völker, mit denen die Griechen im 9. Jahrhundert im östlichen Mittelmeer Kontakt aufnahmen, waren die Erben der ehemals großen Kulturen des fruchtbaren Mesopotamiens. Dennoch sind Zeugnisse für Importe aus dem Osten ehr spärlich. Die einzige Region, für die sich mehrere Funde, Keramik und Schmuckstücke, nachweisen ließen ist Euböa. Als Übermittler für diese Waren dienten vor dem 8. Jahrhundert die Phönizier. Mit dem 8. Jahrhundert lassen sich vier Hauptgebiete im Nahen Osten finden, mit denen die Griechen handelten oder von denen sie stark beeinflusst wurden. Diese Gebiete waren Nordsyrien, Phönizien und Palästina, Zypern und Anatolien. Nordsyrien war Heimat der neuhethitischen und aramäischen Kultur und gleichzeitig Zugang nach Uruartu, Assyrien, Babylonien und Persien oder wurde von diesen nacheinander besetzt.[6]

3. Al Mina/ Poseideion

In Nordsyrien an der Orontesmündung befand sich Al Mina, welches die wahrscheinlich bedeutendste und frühste der neuen griechischen Ansiedlungen oder Handelsniederlassungen im östlichen Mittelmeer war.[7]

Al Mina wurde 1935 durch Sir Leonard Woolley entdeckt. Die felsige Küste Syriens bietet nur selten einen guten Ankerplatz und der Hafen von Alalach lag an einer Stelle, die einen willkommenen Ankerplatz für die Schiffe des Altertums bot. Da der Orontes im Laufe der Zeit sein Flussbett um dreihundert Meter verschoben und somit einen großen Teil des Hügels unter dem er Al Mina vermutete, weggeschwemmt hatte, ging Woolley davon aus, auch nicht mehr viel von der ehemaligen Hafenstadt zu finden. Zwar war der größte Teil der frühesten Schichten ins Meer geschwemmt worden, trotzdem konnte Woolley zehn Schichten des Hafens unterscheiden.[8]

Er setzt Al Mina mit Poseideion gleich, welche laut Herodot Amphilochus gegründet hatte.[9] Da Amphilochus der Sohn von Amphiaraus war, welcher einer der „Sieben gegen Theben“ war, lebte dieser zur Zeit des Trojanischen Krieges, an dem er wohl auch selber teilnahm. Daher datiert Woolley die Gründung Poseideions auf nach 1194 v. Chr. Durch Ausgrabungen und Funde lässt sich die älteste Schicht, Schicht X, auf 750-700 v. Chr. datieren. Die Geschichte Poseideions lässt sich bis zur Schicht III verfolgen, die 301 v. Chr. untergeht. Danach wird der Hafen als Bytyllion 400 n. Chr. neugegründet und lässt sich bis zu seinem Ende 1286 als Kreuzfahrerhafen St. Simeon nachweisen.[10]

Al Mina bestand hauptsächlich aus Flachbauten, deren Mauern im Durchschnitt einen halben Meter dick waren und die kein zweites Stockwerk besaßen. Die Fußböden bestanden aus gestampftem Lehm. Bei dem tiefer liegenden feuchteren Stadtteil wurde der Fußboden mit einer Kiesbettung ausgestattet. Bei den höher gelegenen, trocken Gebäuden fehlte diese. Die Straßen wurden mit Deckplatten gepflastert. Die einstöckigen einfach ausgestatteten Lehmziegelhütten weisen darauf hin, dass es sich bei diesen Gebäuden hauptsächlich um Lager- und Geschäftshäuser der Kaufleute handelte, die für den Handel zwischen Asien und dem Ägäischen Meer verantwortlich waren.[11]

[...]


[1] Woolley, Sir Leonard: Ein Vergessenen Königreich, Die Ausgrabung der zwei Hügel Atschana und

al-Mina im türkischen Hatay, Wiesbaden 1954.

[2] Boardman, John: Kolonien und Handel der Griechen, Vom späten 9. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr.,

München 1981.

[3] Robertson, Martin: The Excavations at Al Mina, Sueidia, IV. The Early Greek Vases, in: The Journal

of Hellenic Studies, Vol. LX 1940.

[4] Boardman: Kolonien, S. 25f.

[5] Boardman: Kolonien, S. 27.

[6] Ebd., S. 40f.

[7] Ebd., S. 41.

[8] Woolley: S. 164f.

[9] Herodot: III, 91.

[10] Woolley: S. 186.

[11] Ebd., S. 167.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung und Bedeutung des Hafens Al Mina in der Zeit der griechischen Ostkolonisation
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Griechische Kolonisation: Siedlung und politische Organisation
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V139990
ISBN (eBook)
9783640471645
ISBN (Buch)
9783640471799
Dateigröße
1019 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
griechische Kolonisation, Keramik, Euböa, Assyrer, Zypern, Ostkolonisation, Orontes, Sir Leonard Woolley, Bytyllion, St. Simeon, Skyphoi, Lefkandi, Lelantischer Krieg, aryballos, Seleukias
Arbeit zitieren
Karsten Mertens (Autor), 2007, Die Entwicklung und Bedeutung des Hafens Al Mina in der Zeit der griechischen Ostkolonisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139990

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