Das kurze Essay beschäftigt sich mit Frage inwiefern Marquard die Skepsis als das passende Ethos des modernen Menschen ansieht.
Odo Marquard gehört nach einer weitläufigen Auffassung zu den Vertreterinnen der sog. Ritter Schule, eines liberalen bis konservativen Kreises um den Münsteraner Philosophen Joachim Ritter im Nachkriegsdeutschland. Wie es bei Schulen und Kreisen in der Philosophie üblich ist, fällt es einem einfacher die Unterschiede zwischen den Vertreterinnen herauszukristallisieren, als die Gemeinsamkeiten. Marquard selbst behält den Impetus dieser Schule die Moderne als unvollendet und die Philosophie als Arbeit daran zu begreifen, bei, entwickelt daraus keine herkömmliche philosophische Position oder eine Fortführung der Ritterschen Philosophie im engeren Sinne, sondern ein skeptisches Ethos, das sich nach eigenen Angaben in die Tradition der bürgerlichen Moderne reiht, deren besonderes Merkmale er als die Skepsis gegenüber großen Erzählungen und einer jeweils exklusiven Wahrheit in der Welt ansieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Odo Marquard – Skepsis als Ethos der bürgerlichen Moderne
2. Abschied vom Prinzipiellen
3. Skepsis und Zustimmung
4. Skepsis in der Moderne
5. Ästhetik und Anästhetik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem philosophischen Werk und Denken von Odo Marquard auseinander, insbesondere mit seiner Deutung der Skepsis als notwendigem Ethos in der bürgerlichen Moderne angesichts eines verlorenen, globalen Sinnanspruchs.
- Die historische Rolle und Krise der Philosophie im Verlauf der Moderne.
- Die Analyse des „moralischen Pendels“ zwischen Vergangenheit und Zukunft.
- Die Funktion der Skepsis als Kompensation für den Verlust absoluter Wahrheitsansprüche.
- Das Verhältnis zwischen Philosophie, Gesellschaft und den menschlichen Bedürfnissen.
- Die positive Bewertung von Entzweiung und Pluralismus als Bedingungen der Moderne.
Auszug aus dem Buch
Odo Marquard – Skepsis als Ethos der bürgerlichen Moderne
Odo Marquard gehört nach einer weitläufigen Auffassung zu den Vertreterinnen der sog. Ritter Schule, eines liberalen bis konservativen Kreises um den Münsteraner Philosophen Joachim Ritter im Nachkriegsdeutschland. Wie es bei Schulen und Kreisen in der Philosophie üblich ist, fällt es einem einfacher die Unterschiede zwischen Vertreterinnen herauszukristallisieren, als die Gemeinsamkeiten. Marquard selbst behält den Impetus dieser Schule die Moderne als unvollendet und die Philosophie als Arbeit daran zu begreifen, bei, entwickelt daraus keine herkömmliche philosophische Position oder eine Fortführung der Ritterschen Philosophie im engeren Sinne, sondern ein skeptisches Ethos, das sich nach eigenen Angaben in die Tradition der bürgerlichen Moderne reiht, deren besonderes Merkmale er als Skepsis gegenüber großen Erzählungen und einer jeweils exklusiven Wahrheit in der Welt ansieht.
Marquard wird neuerdings als das konservative Pendant zum linken Richard Rorty angesehen. Mit einer persönlichen Zwischenbemerkung, nämlich, dass Marquard im Gegensatz zu Rorty nicht nur zynisch und resignativ, sondern dazu auch noch überaus amüsant ist, könnte man diese Gleichsetzung zunächst durchwinken. Der Anlass zu dieser ist durch die skeptische Haltung, die diese beiden Philosophen gegenüber einer speziellen Spielart des Philosophierens einnehmen, sicherlich gebührend geboten. Dass der eine dem linken und der andere wiederum dem konservativen Lager im politischen Spektrum zugeordnet wird, ist u.a. dem Umstand geschuldet, dass der historische Textkorpus, dem sie skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen, disparat ist. Beide haben erfreulicherweise auf die Dogmen innerhalb der Philosophie abgesehen; was aber einem Korpus her als dogmatisch gilt, ist dem anderen die Quelle jener befreienden Skepsis, die sie als einen zeitgemäßen Ethos der Philosophie und Wissenschaft proklamieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Odo Marquard – Skepsis als Ethos der bürgerlichen Moderne: Einleitung in das Denken Marquards als Vertreter der Ritter-Schule und Definition seines skeptischen Ansatzes.
2. Abschied vom Prinzipiellen: Untersuchung der historischen Krise der Philosophie und ihres Scheiterns bei der Lösung menschlicher Probleme.
3. Skepsis und Zustimmung: Reflexion über das moralische Pendel der Moderne und die Akzeptanz einer pluralistischen Welt.
4. Skepsis in der Moderne: Vertiefung der Rolle der Philosophie als Akteurin in einer Welt, die bereits Rationalisierung und Pluralisierung umfasst.
5. Ästhetik und Anästhetik: Auseinandersetzung mit der notwendigen Transformation der Philosophie hin zu einer bescheidenen, aber lebensbejahenden Disziplin.
Schlüsselwörter
Odo Marquard, Skepsis, bürgerliche Moderne, Joachim Ritter, philosophisches Ethos, moralisches Pendel, Pluralismus, Rationalisierung, Entzweiung, Krisenbewältigung, Philosophiegeschichte, Rorty, Kompensation, Wissenschaftskritik, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in den Texten grundlegend?
Die Arbeit behandelt die philosophische Position von Odo Marquard, der die Skepsis als angemessenes Ethos für die Herausforderungen der bürgerlichen Moderne versteht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Krise der Philosophie in der Moderne, die Kritik an großen Erzählungen sowie die Frage nach der Aufgabe der Philosophie in einer pluralistischen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel dieser Ausführungen?
Das Ziel ist es, Marquards skeptisches Modell als Alternative zu dogmatischen und absolutistischen Wahrheitsansprüchen innerhalb der modernen Welt darzustellen.
Welche methodische Herangehensweise wählt der Autor?
Es erfolgt eine philosophiehistorische Analyse, die Marquards Schriften in Bezug zu anderen Denkströmungen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Moderne setzt.
Was deckt der Hauptteil inhaltlich ab?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Philosophie von der Theologie bis zur Moderne und hinterfragt deren moralische Ausrichtung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Schlüsselbegriffe sind Skepsis, Moderne, bürgerliches Subjekt, moralisches Pendel und der Abschied vom Prinzipiellen.
Wie unterscheidet sich Marquard von Richard Rorty?
Marquard wird zwar oft als konservatives Pendant zu Rorty gesehen, unterscheidet sich aber durch seinen humorvollen Stil und seine spezifische skeptische Grundhaltung.
Was bedeutet das „moralische Pendel“ bei Marquard?
Es symbolisiert die Spannung zwischen Vergangenheit und Zukunft, bei der die Moderne Gefahr läuft, die Vergangenheit lediglich als operatives Material für Idealvorstellungen zu nutzen.
Warum hält Marquard eine „positive Entzweiung“ für wichtig?
Weil sie der Philosophie ermöglicht, ihre Rolle als eine unter vielen Wissensformen anzuerkennen, statt den Anspruch auf totale Weltkenntnis zu erheben.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des „Endes der Philosophie“?
Nach Marquard bedeutet ein solches Ende nicht den Untergang, sondern kann einen Neuanfang markieren, sofern die Philosophie ihre Bescheidenheit findet und die Welt bejaht.
- Arbeit zitieren
- Rahmet Yelken (Autor:in), 2019, Odo Marquard. Skepsis als Ethos der Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1400827