Der reiche Jüngling und der Lohn der Nachfolge

Ein synoptischer Vergleich von Mk 10,17-31 und Mt 11,16-30


Quellenexegese, 2009

14 Seiten

Emil Wahrenberg (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textabgrenzung von Mt 19,16-30

3. Eigene Übersetzung von Mt 19,16-30

4. Gliederung und Kompositionsanalyse von Mt 19,16-30

5. Synoptischer Vergleich von Mt 19,16-30 par Mk 10,17-31

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Erzählung vom reichen Jüngling, die von den Gefahren des Reichtums handelt und an die sich eine Darstellung über den Lohn der Nachfolge Christi anschließt, gehört, wie die Bergpredigt, zu einer der am meisten überdachten, kommentierten und analysierten Passagen des Neuen Testaments. Sie findet sich nahezu wörtlich übereinstimmend im Matthä us- und im Markusevangelium (Mt 19,16-30 einerseits und Mk 10,17-31 andererseits) sowie, in einer leicht verkürzten Fassung, im Lukasevangelium (Lk 18,18- 30). Also in allen drei Evangelien, die wegen ihrer Gleichartigkeit „zusammengeschaut“ werden können1 und deshalb als „synoptische“ Evangelien bezeichnet werden. Im Johannesevangelium wird die Erzählung vom reichen Jüngling dagegen, obwohl Johannes wie Matthäus nach der Schrift ebenfalls einer der zwölf Jünger, Begleiter Jesu und somit Augenzeuge war, nicht erwähnt.

Die Erzählung hat immer wieder zu Neuinterpretationen Anlass gegeben, da sie in ihren konkreten Aussagen über das christliche Verhältnis zum Reichtum, den einzelnen Gläubigen zu Grundsatzentscheidungen für sein Leben mit den Menschen und vor Gott auffordert. Dabei gingen die Christen der frühen Kirche zunächst davon aus, dass die Armen in der besonderen Gunst Gottes stünden, eine Überzeugung, die sowohl auf die „Armenfrömmigkeit“ des Frühjudentums als auch auf die eschatologische Predigt Jesu zurückzuführen ist (siehe z.B. Seligpreisungen der Bergpredigt).2 Demnach wurden Reichtum und christliche Gesinnung als unvereinbare Gegensätze empfunden, da Reichtum an die Welt binde und daher dem Anspruch Gottes im Wege stehe. Da die junge Kirche ebenso in wohlhabenden Bevölkerungskreisen in immer stärkerem Maße Anhänger gewann, stellte sich allerdings bald die Frage, wie man den Vermögenden innerhalb der Gemeinde begegnen müsse. Den wohl ersten außerbiblischen Lösungsversuch stellte die Schrift des Clemens von Alexandrien3 mit dem Titel “Welcher Reiche wird gerettet werden?“ dar.

Im Verlaufe der Kirchengeschichte wechselten die Betrachtungsweisen immer wieder, wie noch im Einzelnen beleuchtet wird. Dabei sei bereits an dieser Stelle auf den kritischen Kommentar von Ernst Bloch4 verwiesen, dass „die Kirche ... das Nadelöhr sehr erweitert habe“, um auch den Reichen den Weg ins Himmelreich zu ebnen und sich selbst die Konsequenz der Perikope „bequemer“ zu machen.

2. Textabgrenzung von Mt 19,16-30

Zunächst gilt es, den zu untersuchenden Text von dem weiteren Erzähltext abzugrenzen und in sachlich zutreffender Weise zu segmentieren.5 Die Textabgrenzung lässt sich wie folgt vornehmen:

a) Der Anfang der Perikope

Bei Mt 19,15 zu Mt 19,16 liegen Texttrennungsmerkmale in vier Kategorien vor. Es handelt sich hierbei um: Ortswechsel, Personenwechsel, Ende eines Erzählfadens und Gattungswechsel.

Der Ortswechsel ist durch das „zog weiter“6 in Vers 15 erreicht, indem sich ebenfalls ein Personenwechsel ereignet. Während „er“ (V. 15), nämlich Jesus, „ihnen“ (V. 15), also den Kindern aus Vers 14 noch die Hände auflegt (V. 15), begegnet ihm bereits im Folgevers „einer“, der „zu ihm hintrat“. Jenes Auflegen der Hände in Vers 15 schließt gleichsam die in den Versen 13-14 genannte Segenshandlung ab. Dem somit geendeten Erzählfaden schließt sich eine neue Handlung an. Ein Lehrgespräch (V. 16-22) mit Bildredeelementen (V. 24) beginnt; der sich so ereignende Gattungswechsel ist deutlich.

b) Das Ende der Perikope

Bei Mt 19,30 zu Mt 20,1 liegen Texttrennungsmerkmale in vier Kategorien vor. Hierbei handelt es sich um: typische Abschlussformel, Ende eines Erzählfadens, Gattungswechsel und Personenwechsel.

Das Lehrgespräch von Reichtum und Nachfolge findet seinen erzählerischen und inhaltlichen Höhepunkt, seine Konklusion in Mt 19,30. Mit der Ankündigung von der völligen Umkehrung der Verhältnisse („Aber viele, die die Ersten sind, werden die Letzten sein und die Letzten werden die Ersten sein“) erhält das in den Versen zuvor Gesagte eine Zusammenfassung und prophetische Wirkfolgerung. Ein neuer Erzählfaden mit einer nun ausgedehnten Parabelerzählung über Wesen und Erlangung des Himmelreiches folgt (Mt 20,1). Auch die „Ersten“ und „Vielen“ aus Mt 19,30 sind einem „Gutsbesitzer“ und dem „Himmelreich“, sofern man dieses als Person betrachten möchte, gewichen.

3. Eigene Übersetzung von Mt 19,16-30

Und siehe da, einer sagte zu ihm, während er zu ihm (auf hin) hintrat: „Lehrer, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?“ Jesus aber sagte zu ihm: „Was fragst Du mich über den, der gut ist? Der Gute ist einer, (nämlich: Gott). Wenn Du in das ewige Leben eingehen willst, dann befolge die Gesetze“.[7]Er sagt: „Welche?“ Jesus antwortete: „Du sollst nicht töten, Du sollst nicht die Ehe brechen, Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen, ehre den Vater und die Mutter und Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.“ Der Jugendliche (Jüngling) antwortete ihm: „Alles dies habe ich befolgt, was fehlt noch?“ Jesus s agte ihm: „Wenn Du vollkommen sein willst, gehe weg, verkaufe Dein Vermögen (Deinen Besitz) und gib ihn (den Erlös) den Bettlern (den Bettelarmen bzw. Armen) und Du wirst einen Schatz im Himmel[8]haben; und wohlauf,[9]folge mir!“ Als der (dieses) Wort hörte, ging der Jüngling traurig (seiend) fort, da er nämlich (viele Güter=) ein g roßes Vermögen hatte.

[...]


1 Rienecker „Matthäusevangelium“; Roloff, S. 146 ff.

2 Clemens, S. 70-71 unter Hinweis auf M. Dibelius, Der Jakobusbrief, Göttingen 1964, S. 58-69.

3 Clemens von Alexandrien, ca. 150-ca. 215 n.Chr., griechischer Theologe, Kirchenschriftsteller und Lehr er der Katechetenschule in Alexandria, Vorgänger des Origenes, setzte sich mit heidnischen Philosophen auseinander und machte deren Gedankengänge für christliche Rezipienten fruchtbar. Ob er als Kirchenvater anzusehen ist, ist umstritten.

4 Bloch, S. 171.

5 Egger, S. 56-57.

6 Alle zitierten Schriftstellen außerhalb der Eigenübersetzung sind der Einheitsübersetzung entnommen.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der reiche Jüngling und der Lohn der Nachfolge
Untertitel
Ein synoptischer Vergleich von Mk 10,17-31 und Mt 11,16-30
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V140096
ISBN (eBook)
9783640477654
ISBN (Buch)
9783640477968
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jüngling, lohn, nachfolge, vergleich
Arbeit zitieren
Emil Wahrenberg (Autor:in), 2009, Der reiche Jüngling und der Lohn der Nachfolge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140096

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