Die Wahrnehmungsgeographie, die im deutschen Sprachraum auch bereits eine Tradition von über 40 Jahren hat, stellt eine Forschungsperspektive dar, die alltagsweltliche (räumliche) Problemstellungen analysieren hilft. Vor dem Hintergrund des wahrnehmungsgeographischen Paradigmas steht das menschliche Handeln in seinen vielen unterschiedlichen Facetten im Vordergrund. Das Zustandekommen und die Auswirkungen kultureller Unterschiede, nationaler Feindbilder und Stereotype werden beispielsweise dabei untersucht. Dadurch kommt es zu Fragestellungen wie: Welche Arten von Informationen produzieren welche Raumbilder? Was Images in der Geographie bedeuten und wie Images und Raum zusammengebracht werden können?
Ein tieferer Einblick in die Wahrnehmungsgeographie und Images und wie diese beiden sich gegenseitig beeinflussen und zusammen im Verhältnis stehen soll im Folgenden dargelegt werden. Anhand von Beispielen werden außerdem auch Images in Deutschland präsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wahrnehmungsgeographie
3 Images
4 Images in Deutschland
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Imagebegriffs im Kontext der Wahrnehmungsgeographie und analysiert, wie subjektive Raumbilder entstehen, welche Rolle sie für das Handeln des Menschen spielen und wie sie gezielt eingesetzt werden, um Stadtentwicklungsprozesse zu beeinflussen.
- Grundlagen der Wahrnehmungs- und Perzeptionsgeographie
- Prozesse des "Cognitive mapping" und die Entstehung von Mental Maps
- Die Funktion von Images als Steuerelemente menschlichen Verhaltens
- Strukturen und Stereotype in der regionalen Wahrnehmung Deutschlands
- Strategien des Stadtmarketings und die Bedeutung von Quartiersimages
Auszug aus dem Buch
3 Images
Der amerikanische Stadtplaner und Architekt Kevin Lynch machte in den 1960er Jahren städtebezogene Imageanalysen, indem er Bewohner unterschiedlicher amerikanischer Großstädte, Karten ihrer Stadt mit den für sie charakteristischen Elementen der Stadt zeichnen lies und anschließend versuchte, in einer Synthese der Karten das Image der jeweiligen Städte zu ergründen (PRABEL 2005, S. 21). Lynch interessierte sich vor allem für die räumlich-kognitiven Aspekte in Hinblick auf die eindeutige Orientierung innerhalb einer Stadt. Er analysierte entsprechende Merkmale, wobei er unterschiedliche räumlich-architektonische Aspekte herausarbeitete, an denen sich Menschen verschieden orientieren. Es handelte sich hierbei um die Komplexität eines Stadtraumes über Symbole zu reduzieren und sich ein eigenes Orientierungssystem zu schaffen (ZURAWSKI 2014, S. 54).
Diese sogenannten Mental Maps der Probanden brachten interessante Befunde zum Vorschein. Erstens wurde bei den Probanden eine Abhängigkeit der Kartierungen von individuellen Merkmalen (Geschlecht, Alter, Wohngebiet, Wohndauer) festgestellt. Zweitens wurden physisch-materielle Orientierungselemente wie Wahrzeichen, Grenzlinien oder Wege aus den Karten herausgefiltert, die sich als orientierungsleitend herausstellten. Andere Geographen wie Roger M. Downs versuchten diese Methode des kognitiven Kartierens nachzuvollziehen und anhand der Mental Maps herauszufinden, wie sie zur räumlichen Bewertung und Orientierung beitragen. Seinen Erkenntnissen zufolge sind Mental Maps Produkte einer selektiven und subjektiven Wahrnehmung und stellen auf dieser Weise verzerrte Abbilder der Realität dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in den geographischen Imagebegriff ein und erläutert dessen zunehmende Bedeutung sowie die Forschungsrelevanz innerhalb der Wahrnehmungsgeographie.
2 Wahrnehmungsgeographie: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen der Wahrnehmungsgeographie und erklärt Prozesse wie "Cognitive mapping" sowie die Entstehung kognitiver Karten als Filter für menschliches Handeln.
3 Images: Das Kapitel analysiert die wissenschaftliche Herleitung des Imagebegriffs, basierend auf den städtebaulichen Ansätzen Kevin Lynchs und der Bedeutung subjektiver Raumbilder.
4 Images in Deutschland: Hier wird die Anwendung von Raumbildern und Stereotypen auf deutsche Regionen und Städte betrachtet sowie der Einsatz von Stadtmarketingstrategien diskutiert.
5 Fazit: Das Fazit fasst die enge Wechselwirkung zwischen Raumvorstellungen, gesellschaftlichem Handeln und der Bedeutung für die moderne Planungspraxis zusammen.
Schlüsselwörter
Wahrnehmungsgeographie, Imageforschung, Mental Maps, Cognitive mapping, Raumvorstellungen, Stadtentwicklung, Quartiersimages, Stereotype, Stadtmarketing, Humangeographie, Subjektivität, Selektion, Raumplanung, Raumbilder, Umweltwahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von "Images" und der subjektiven Raumwahrnehmung innerhalb der Geographie, insbesondere im Kontext der Wahrnehmungsgeographie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entstehung von Welt- und Raumbildern, der psychologischen Komponente des kognitiven Kartierens und der praktischen Anwendung dieser Konzepte im Stadt- und Quartiersmarketing.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, das Verhältnis zwischen menschlicher Wahrnehmung, der Konstruktion von Images und der daraus resultierenden räumlichen Handlungspraxis sowie deren Nutzung in der Planung zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die den aktuellen Forschungsstand der Wahrnehmungsgeographie systematisiert und anhand von Beispielen und Fallstudien reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Wahrnehmungsgeographie, die methodische Entwicklung des "Cognitive mapping" durch Kevin Lynch und eine Analyse zur Bedeutung von Images in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wahrnehmungsgeographie, Mental Maps, Raumbilder, Imageforschung, Kollektive Identität und Stadtmarketing.
Wie prägen Medien und Geschichte die Wahrnehmung eines Quartiers?
Historisch gewachsene Negativimages, etwa durch mediale Zuschreibungen ("Glasscherbenviertel"), zeigen eine hohe Beharrlichkeit und beeinflussen das Außenbild oft stärker als die tatsächliche Realsituation vor Ort.
Warum kritisieren manche Geographen die Nutzung von "Mental Maps"?
Kritiker bezweifeln die Erklärungskraft von "Mental Maps" hinsichtlich tatsächlicher Handlungen, da subjektive Wahrnehmungsprozesse oft nicht eindeutig von äußeren Sozialräumen und Kommunikationsprozessen abgrenzbar sind.
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- Andres Dittrich (Author), 2021, Die Bedeutung von Images im Kontext der Wahrnehmungsgeographie. Images in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1401338