Der Fall der 16-jährigen Cyntoia Brown, die 2004 wegen Mordes an einem Mann verurteilt wurde, sorgte in den USA für großes mediales Aufsehen. Die 16-jährige war zur Tatzeit als Prostituierte tätig. Der 43-jährige ehemalige Soldat, den Cyntoia im Schlaf tötete, zeigte ihr seine Waffensammlung bevor er sich an ihr vergangen hatte. Nach einem großen gesellschaftlichen Aufschrei wird Cyntoia Brown nach 15 Jahren im Jahr 2019 begnadigt. Dies ist nur ein Beispiel, welches die Diskussion über das Jugendstrafrecht, auch in Deutschland, wieder entfachte. Ein wesentlicher Bestandteil, der das deutsche Jugendstrafrecht kennzeichnet, ist der Erziehungsgedanke. Doch inwieweit sind die rechtlichen Maßnahmen mit dem Erziehungsgedanken vereinbar und somit auch eine wirksame Erziehungsmaßnahme, um die jugendlichen Angeklagten von zukünftigen kriminellen Handlungen abzuhalten? Im Fall von Cyntoia Brown wird ebenfalls deutlich, dass die Geschichte der jugendlichen Angeklagten und die Hintergründe einer Tat für das Urteil eine entscheidende Rolle spielen können oder vielleicht auch sollten. Deshalb ist es auch wesentlich herauszufinden, wie stark und ob der persönliche Hintergrund der Jugendlichen im Urteil einbezogen wird. In diesen Forschungsexposé soll eine mögliche Methode präsentiert werden, diese Fragen zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Rechtsbegriff
4. Methodisches Vorgehen
5. Vorläufige Analyse und Ergebnisse
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Funktionen und Schwachstellen des Jugendstrafrechts kritisch zu analysieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit das Jugendstrafrecht eine sinnvolle Erziehungsmaßnahme darstellt und wie stark individuelle Lebensläufe der Jugendlichen in richterliche Urteilsentscheidungen einfließen.
- Analyse des aktuellen Forschungsstandes zur Jugendkriminalität
- Diskussion der Definition und des erzieherischen Anspruchs des Jugendstrafrechts
- Methodische Konzeption einer ethnographischen Untersuchung von Gerichtsverfahren
- Vorläufige Fallanalyse (u.a. Fall Mehmet und Marcel H.) zur Identifikation von Einflussfaktoren
- Erörterung gesellschaftlicher und medialer Einflüsse auf strafrechtliche Sanktionen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Der Fall von Cyntoia Brown „ein Opfer von Sexhandel, das mit 16 Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt und später begnadigt wurde“ (Archie 2020) wurde in den USA sehr bekannt und sorgte für viel Diskussionen über das amerikanische Strafsystem.
„Fassungslosigkeit über die Missstände der US-amerikanischen Justiz, Trauer über Cyntoias Schicksals und Wut über ein System, das zulässt, dass Mädchen missbraucht werden und am Ende nicht die Täter, sondern die Opfer hinter Gittern bringt“ (ebd.).
Viele Personen und Prominente, wie Kim Kardashian, Rihanna und Snoop Dogg sprachen sich für die Freilassung von Cyntoia Brown aus (Panorama - Der Spiegel 2019). Das Hashtag #FreeCyntoiaBrown, mit dem die verschiedensten Menschen ihre Unterstützung zeigen, wurde erstmal von den eben genannten Prominent*innen im Internet und den sozialen Medien verbreitet (Archie 2020). Dieser Ausruf sollte dazu dienen mehr Leute auf das Schicksal von Cyntoia Brown aufmerksam zu machen (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt anhand des Fallbeispiels Cyntoia Brown in die Thematik der Jugendkriminalität und die damit verbundenen gesellschaftlichen sowie rechtlichen Debatten ein.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel betrachtet die Ursachen für kriminelles Verhalten bei Jugendlichen, beleuchtet statistische Auffälligkeiten und diskutiert den Kreislauf von Gewalt sowie die Rolle von Erziehung und sozialen Institutionen.
3. Rechtsbegriff: Hier wird die Problematik der fehlenden einheitlichen Definition des Jugendstrafrechts erörtert und die spezielle rechtliche Stellung von Minderjährigen sowie der Erziehungsgedanke in § 2 I 1 JGG thematisiert.
4. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel entwickelt ein Forschungsdesign zur Analyse von Gerichtsverfahren, das auf ethnographische Beobachtungen und halbstrukturierte Interviews mit Beteiligten setzt.
5. Vorläufige Analyse und Ergebnisse: Anhand prominenter Fälle wie "Mehmet" und Marcel H. werden erste Hypothesen dazu aufgestellt, welche Faktoren die richterliche Urteilsfindung neben den reinen Fakten beeinflussen.
6. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer interdisziplinären Untersuchung und weist auf Herausforderungen bei der Erforschung schwer zugänglicher Gerichtsverfahren hin.
Schlüsselwörter
Jugendstrafrecht, Jugendkriminalität, Erziehungsgedanke, Gerichtsverfahren, Ethnographie, Schuldfähigkeit, Reife, Sanktionen, Rückfallprävention, Rechtsbegriff, Fallanalyse, Sozialforschung, Jugendgerichtsgesetz, Strafmündigkeit, Strafrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Funktion des deutschen Jugendstrafrechts und hinterfragt, ob es seinem primären Ziel, der Erziehung jugendlicher Straftäter, in der Praxis gerecht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Forschungsstand zur Jugendkriminalität, die rechtliche Definition von Reife und Schuldfähigkeit sowie die Analyse von Einflussfaktoren auf richterliche Urteile.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Hauptziel liegt in der Beantwortung der Frage, inwieweit das Jugendstrafrecht eine sinnvolle Erziehungsmaßnahme darstellt und wie stark der persönliche Hintergrund im Urteilsprozess Beachtung findet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Das Forschungsexposé schlägt eine ethnographische Vorgehensweise vor, die Beobachtung von Gerichtsverfahren sowie Interviews mit Richtern, Anwälten und Gutachtern kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Jugendstrafrechts, die methodische Herleitung des Forschungsvorhabens und eine vorläufige Fallanalyse zur Verdeutlichung der Forschungslücken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Jugendstrafrecht, Jugendkriminalität, Erziehungsgedanke, Rechtsbegriff, Ethnographie, Reife, Sanktionen und Schuldfähigkeit stehen zentral.
Welche Rolle spielt die "Reife" im Jugendstrafrecht laut der Arbeit?
Die Reife ist ein entscheidendes Kriterium zur Bestimmung der Schuldfähigkeit. Die Arbeit zeigt jedoch auf, dass deren Bestimmung subjektiv ist und je nach Prozessverlauf variieren kann.
Warum wurden die Fälle Mehmet und Marcel H. in die Analyse einbezogen?
Diese medial präsenten Fälle dienen exemplarisch dazu, die Grenzen und Herausforderungen des Erziehungsgedankens im Jugendstrafrecht sowie den Einfluss gesellschaftlicher Stimmungen auf die Urteilsfindung aufzuzeigen.
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- Hanin Abou Jarad (Autor), 2020, Die Funktion des Jugendstrafrechts. Ein Forschungsexposé, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1401350