Das Konzept der Emotionalen Intelligenz und dessen Anwendung in der Praxis der Sozialen Arbeit


Bachelorarbeit, 2009
78 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

a) Abkürzungsverzeichnis

b) Abbildungsverzeichnis

Vorwort /Motivation

1. Einleitung
1.1 Bemerkung zur Sprache
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Begriffsbestimmung
1.3.1 Intelligenz
1.3.2 Emotionen
1.3.3 „Emotionale Intelligenz“

2. Hauptteil
2.1 Das Konzept der EI nach Salovey & Mayer
2.1.1 Emotionale Intelligenz 1990
2.1.2 Emotionale Intelligenz 1997
2.1.2.1 Zweig I: Wahrnehmung, Bewertung und Ausdruck von Emotionen
2.1.2.2 Zweig II: Emotionale Förderung des Denkens
2.1.2.3 Zweig III: Verstehen und Analysieren von Emotionen
2.1.2.4 Zweig IV: Reflexive Emotionsregulation
2.2 Praxis der Sozialen Arbeit
2.2.1 Klientin X
I Beobachtungsprotokoll
II Beobachtungsprotokoll
III Beobachtungsprotokoll
IV Beobachtungsprotokoll
2.2.2 Analyse Zweig I
2.2.2.1 Zweig I a)
2.2.2.2 Zweig I b)
2.2.2.3 Zweig I c)
2.2.2.4 Zweig I d)
2.2.3 Analyse Zweig II
2.2.3.1 Zweig II a)
2.2.3.2 Zweig II b)
2.2.3.3 Zweig II c)
2.2.3.4 Zweig II d)
2.2.4 Analyse Zweig III
2.2.4.1 Zweig III a)
2.2.4.2 Zweig III b)
2.2.4. 3 Zweig III c)
2.2.4.4 Zweig III d)
2.2.5 Analyse Zweig IV
2.2.5.1 Zweig IV a)
2.2.5.2 Zweig IV b)
2.2.5.3 Zweig IV c)
2.2.5.4 Zweig IV d)
2.3 Zwischenbeurteilungen

3. Schluss
3.1 Fazit
3.2 Persönliche Schlussbetrachtung

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

a) Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

b) Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort /Motivation

Im Bachelorstudium der Sozialen Arbeit konnte ich methodische und theoretische -rechtliches Fachwissen hierbei nicht ausgeschlossen- Kenntnisse erwerben. Ein ebenfalls großer Bestandteil des Studiums setzte sich mit der Reflexion des eigenen Handelns auseinander, mit dem Verstehen und Wahrnehmen der eigenen Emotionen und dessen Interpretation zur Herausbildung einer beruflichen Identität, wobei die Wahrnehmung oft auf sich selbst beschränkt blieb. Emotionale Intelligenz als ein psychologisches Konstrukt nimmt Bezug auf die eigenen Person und auf das Personenumfeld, es wird als eine regulierende, verbale und verständnisorientierte Fähigkeit gesehen und stellt detailliert emotionsbezogene Prozesse dar. Daraus entwickelte sich meine Motivation, zur eigenen Kompetenzerweiterung das Konzept der Emotionalen Intelligenz nach Salovey und Mayer zu behandeln, um dies ggf. für das Berufs- und Privatleben zu nutzen. Das Konzept nach Salovey und Mayer ist ein nur auf mentale Fähigkeitsbereiche beschränktes und damit für diese Bachelorarbeit geeignet. Mein Ziel der Arbeit ist somit auch praktischer Art, denn es werden Kenntnisse eigener und fremder Emotionen beim professionellen Handeln dargestellt, welche Fragen hierbei offen sind und vor allem, wie gewonnene Erkenntnisse mögliche Verhaltensänderungen professionellen Abläufen verbessern können.

In Anbetracht der Tatsache, dass ein Sozialarbeiter – ein Mensch mit all seinen Fehlern, Unzulänglichkeiten und Emotionen- lediglich sich selbst als „Handwerkzeug“ in der Praxis hat, erscheint hierbei ein Modell zur Emotionsregulation folgerichtig, um eine Abgrenzung zwischen emotionalen Empfindungen im beruflichen- und privaten Kontext herstellen zu können. Das „Handwerkzeug“ kann gleichgesetzt werden mit gezielter Kommunikation. Teil einer jeder Kommunikation, sei es im professionellen oder privaten Rahmen, sind menschliche Gefühle, Emotionen.

Im Klienten- Sozialarbeiter- Verhältnis ist somit ein besonderes Augenmerk auf die Kommunikation mit den einhergehenden Emotionen zu legen, um qualitativ hochwertig und damit professionell zu arbeiten. Sinn und Zweck meiner vorgelegten Abschlussarbeit ist letztlich ein Beitrag zur Professionalisierung durch qualitativ darstellbare Methoden und folglich mehr gesellschaftliches Ansehen für den Beruf des Sozialarbeiters.

1. Einleitung

In der nun vorliegenden Bachelorarbeit werde ich das Thema der Emotionalen Intelligenz nach dem Konzept von Salovey & Mayer bearbeiten und die Relevanz des Modells für die Praxis der Sozialen Arbeit unter Einbeziehung des Qualitätsaspektes herausarbeiten. Mit der verstärkt aufkommenden Frage nach Qualität seit Beginn der 1990er Jahren in der Sozialen Arbeit[1] und der zeitgleichen dramatischen Fortentwicklung des Forschungsgebietes der Emotionalen Intelligenz- einhergehend mit einer Publikation von Jack Mayer und Peter Salovey[2] - kann diese Abschlussarbeit als ein Versuch angesehen werden, die Emotionale Intelligenz als ein Qualitätskriterium und als ein Instrument des professionellen Handelns in die Praxis der Sozialen Arbeit zu integrieren.

Bereits Max Weber meinte, dass „drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind (…): Leidenschaft, Verantwortungsgefühl, Augenmaß.“[3] [4] Hiernach stellt Leidenschaft, nach der heutigen Ausdrucksweise durchaus harmonierend mit Emotionen und Gefühlen, den Motor für jegliches Handeln dar, wobei sich professionelles Handeln durch eine gesteuerte, gezielte und auch gekonnte Beschränkung des Antriebes unterscheidet. Die führenden Forscher im Bereich der Emotionalen Intelligenz, Peter Salovey & Jack Mayer, stellten mit ihrem revidierten Fähigkeitsmodell- ein nur auf mentalen Fähigkeiten beschränkten Modell- ein neues Konstrukt den klassischen sozio -emotionalen Konzeptionen wie z.B. den Big-Five-Persönlichkeitseigenschaften entgegen[5], weshalb sich diese Abschlussarbeit vornehmlich mit dem Konzept der Emotionalen Intelligenz nach Salovey & Mayer beschäftigen wird.

1.1 Bemerkung zur Sprache

In der folgenden Arbeit wird stellvertretend für Sozialarbeit und Sozialpädagogik der Begriff Soziale Arbeit aus Gründen der Lesbarkeit genutzt. Natürlich steht dieser stellvertretend für Sozialarbeiter, Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen. Unter Würdigung beider Geschlechter wird jedoch auf die explizite Nennung der weiblichen Form aus Übersichtsgründen verzichtet und stets nur die männliche Form des Substantivs verwendet. Bei Gebrauch der männlichen Form ist implizit auch die weibliche gemeint. Die Begriffe der Emotionalen und Sozialen Intelligenz werden in dieser Arbeit als stehende Größe gesehen und daher im weiteren Verlauf der Arbeit stets großgeschrieben. Diverse verwendete Abkürzungen sind im Abkürzungsverzeichnis aufgeführt. Als Ausdruck der Wertschätzung wird auf den Begriff der Behinderung verzichtet und im weiteren Verlauf der Arbeit durch den Begriff der „Enthinderung“ ersetzt.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die Einleitung kann als Zieldefinierung und formale Einführung in die Thematik der Emotionalen Intelligenz betrachtet werden. Konfrontiert mit der Problematik, dass Begriffe wie Emotionen und Intelligenz in den Auslegungen zahlreich differieren, erscheint eine Begriffsbestimmung sinnvoll. Hierbei wurden bei der Bestimmung von Emotionen charakterisierende Merkmale herangezogen, um eine Arbeitsdefinition zu ermöglichen. Wohl wissend, dass die vorangegangenen Begriffsbestimmungen für den hier dargestellten Kontext nicht ausreichen, erfolgt eine genaue Abgrenzung und Explikation der Emotionalen Intelligenz, angelehnt an dessen Hauptvertreter Peter Salovey & Jack Mayer, um eine formelle Einführung in die Thematik zu gewährleisten. Zugleich wird versucht, den Begriff der Emotionalen Intelligenz von anderen Intelligenzbegriffen zu differenzieren, um einen Konsens darüber- was emotionale Intelligenz überhaupt ist- herzustellen.

Im Hauptteil werde ich in verkürzter Form das Modell der Emotionalen Intelligenz nach den bereits oben erwähnten Vertretern darstellen, wobei andere Modelle der Emotionalen Intelligenz weitestgehend außer Acht gelassen werden- außer zur Verdeutlichung von Gegebenheiten bzgl. des vorgestellten Konzeptes-, da diese im Sinne meiner Untersuchung keine Relevanz haben.

Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der inhaltlichen Analyse des Modells, weshalb auf Fragen und Problematiken bzgl. der Messverfahren/ Messmethoden im Rahmen dieser Bachelorarbeit nicht eingegangen wird, da dies für die behandelnde Themenstellung nicht zweckdienlich ist. Vorher wird der aktuelle Forschungsstand im Bereich der Emotionalen Intelligenz kurz dargelegt und Aussagen bzgl. der belangvollen Literatur gemacht. Das Konstrukt der Emotionalen Intelligenz (EI 1997) wird nach dessen Darstellung auf die Anwendbarkeit in der Praxis der Sozialen Arbeit anhand von mir erstellter Beobachtungsprotokolle nach Aglaja Przyborski und Monika Wohlrab-Sahr von einer enthinderten Jugendlichen, welche von mir im Rahmen der Eingliederungshilfe nach §§ 54 SGB XII i. V. m. § 55 SGB IX[6] betreut wird, überprüft. Dies erschien mir aufgrund der Tatsache, dass dieses Klientel meinen späteren Berufsalltag prägen wird, besonders sinnvoll.

Es folgt eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse, um anschließend die Relevanz des Konzeptes der Emotionalen Intelligenz (EI 1997) für die Praxis der Sozialen Arbeit- stellvertretend herausgearbeitet anhand von Beobachtungsprotokollen der Eingliederungshilfe- darzustellen. In einem umfassendes Fazit wird anschließend erörtert, inwiefern das Konzept einen qualitativen Beitrag für die Praxis geben kann und ob die Integration in die praktizierende Sozialarbeit sinnvoll wäre. Dem folgen eine Reflektion der gewonnenen Erkenntnisse und ein Ausblick auf die weiteren Entwicklungen mit Verbesserungsvorschlägen im Sinne einer qualitätsorientierten Sozialarbeit. Abschließend werde ich mein Resümee darlegen, indem ich meine Abschlussarbeit noch einmal reflektiere.

1.3 Begriffsbestimmung

In den folgenden Abschnitten werde ich die unbestimmten Begriffe Intelligenz, Emotionen und Emotionale Intelligenz -letzteres angelehnt an der Definition von Salovey & Mayer- bestimmen. Gleichzeitig werde ich den Begriff der Emotionalen Intelligenz von anderen Intelligenzbegriffen abgrenzen, um eine Interferenz auszuschließen. Neben der Würdigung aller Intelligenzmodelle ist es jedoch im Rahmen dieser Bachelorarbeit nicht zweckdienlich, auf andere Intelligenzmodelle vertiefend einzugehen.

1.3.1 Intelligenz

In Anbetracht einer stetig steigenden Vielzahl von Intelligenzdefinitionen ist es für diese Arbeit von Nöten, eine möglichste breit angelegte und im Kontext schlüssige Definition zum Intelligenzbegriff zu ersuchen.

Die traditionellen Linien der Intelligenz[7] führen auf Ansätze der kognitiven Leistungsbeurteilung zurück und sind gekennzeichnet entweder durch Lösungen eines abstrakten Problems wie z.B. eine mentale Rotation eines dreidimensionalen Objektes, oder durch Abfragungen von Kenntnissen, also die Beantwortung einer Wissensfrage nach den Kriterien „falsch“ oder „richtig“. Diese kognitiven Tests bewegten sich in engen Grenzen, da nur ein Teil einer gesamten Kriterienvarianz aufgeklärt werden konnte. Ebenso kann davon gesprochen werden, dass diese kognitiven Konstrukte kulturell oder/und ethnisch als unausgewogen kritisiert vorher artifiziell und ökologisch als fragwürdig galten. Im Zuge dessen wurden durch Metaanalysen und immanenter Kritik der kognitiven Tests neue psychologische Gebiete herangezogen und profundere Intelligenzmodelle entstanden.[8]

Neben Intelligenzmodellen von Spearman, Thurstone, Gardner, Sternberg ist das Modell der 3 Ebenen von Caroll hier besonders zu erwähnen, da sein wissenschaftliches Verständnis von kognitiven Fähigkeiten die weiteren Forschungsarbeiten beeinflussten.[9] Er stellte in seiner Arbeit fest: „Curiously, none of these definitions contains, in any explicit way, the notion that there can be variations in ability over individuals. “[10].

Mit seinem Modell ebnete er den Weg für weitere Intelligenzmodelle. Nach seinem Konstrukt befinden sich im Stratum I primäre mentale Fähigkeiten, während er im zweiten Stratum eine Zahl breiter kognitiver Fähigkeiten sah. Schließlich befindet sich erst im dritten Stratum der allgemeine Intelligenzfaktor.[11]

Daran schließen sich heutige Intelligenzdefinitionen an und beschreiben die Intelligenz als eine „(…)Bezeichnung für kognitive psychische Fähigkeiten; i.e.S. geistige Begabung und Beweglichkeit, die Menschen befähigt, sich schnell in neuen Situationen zurecht zu finden, Sinn- und Beziehungszusammenhänge zu erfassen sowie den neuen Gegebenheiten und Anforderungen durch Denkleistungen sinnvoll zu entsprechen (…)“.[12]

Die zuletzt genannte Definition wird in dieser Arbeit den Begriff der Intelligenz mit seiner Bandbreite und seinen Grenzen bestimmen und stets an dieser angelehnt sein, da sie sich von allen Auslegungen als pragmatischste mit Blickpunkt auf die zu bearbeitende Thematik erweist und Unklarheiten, was ggf. ein verkürzt wiedergegebenes Intelligenzmodell als Konsequenz nach sich ziehen würde vermeidet.

1.3.2 Emotionen

In einer verwirrenden Vielfalt werden Definitionen von Emotionen[13] gegeben.[14] Neben vielen schwammigen Definitionen und einer Reihe von Merkmalen erscheint es mir am sinnvollsten, mich lediglich auf eine Definition mit den dazugehörigen Merkmalen im weiteren Verlauf meiner Arbeit zu beziehen. Dies stellt nun aufgrund von grundsätzlich stark differierenden psychologischen Emotionstheorien, welche inkompatible Ansätze verfolgen, und der Tatsache der subjektiven Natur von Emotionen ein Problem dar. Primär kann jedoch nur festgestellt werden, dass sich fast alle Begriffsbestimmungen- bis auf die physische Repräsentation von Emotionen- auf der Basis von bewussten Erlebniszuständen definieren ließen.

Biologisch orientierte Definitionsansätze, in welchen Emotionen Zustände spezifischer neuronaler Systeme sind, sind im Rahmen dieser sozialwissenschaftlich und praxisbezogenen Arbeit jedoch auszuschließen.[15]

Vielmehr werden Emotionen in dieser Abschlussarbeit mehr als „Teilmenge des bewussten Erlebens verstanden“[16]. Die verschiedenen Begriffsverständnisse von „Emotion“ legen jeweils einen anderen Schwerpunkt und betonen unterschiedliche Einzelaspekte wie Gefühlszustände, Verhaltensaspekte, physiologische und kognitive Vorgänge.[17] Das im Hauptteil behandelte Modell nach Salovey & Mayer legt hierbei besondere Schwerpunkte auf kognitive Vorgänge, weshalb dies als ein schwerpunktmäßiger Einzelaspekt in der Bestimmung von Emotion angesehen werden kann. Um eine weitere Eingrenzung vorzunehmen, ist es sinnvoll, den Begriff der Emotion von anderen Begrifflichkeiten wie Affekten, Stimmungen und Gefühlen zu differenzieren. Das Wort Affekt verweist mit seiner etymologischen Herkunft auf meist hintergründiger erlebte Stimmungen und damit passiv erfahrene körperliche oder psychische Gestimmtheit. Affekte werde in der Literatur als kurze und intensive Gefühle charakterisiert, weshalb ihre Funktionen eher in der Verteidigung oder im Angriff liegen. Stimmungen werden als wesentlich schwächer und länger andauernd klassifiziert. Ein klarer Bezug zum Auslöser ist selten. Im Gegensatz zu Stimmungen und Affekten kennzeichnen sich Gefühle durch aktives Erleben und Erfahren. Sie werden verbal oder nonverbal zum Ausdruck gebracht. Emotionen hingegen sind Zustände, die sich in körperlichen Zusammenhängen manifestieren und darüber hinaus wirken.[18]

In der Literatur wird ebenfalls eine Einteilung von Primär- oder Basisemotionen vorgenommen, welche den Grundstein für eine Zusammensetzung von anderen Emotionen bilden. Solche Basisemotionsmodelle differieren in ihrer Anzahl von Basisemotionen, dennoch wurden die primäremotionalen durch bestimmte Merkmale charakterisiert, was zur weiteren Begriffsbestimmung im Sinne einer Arbeitsdefinition von „Emotionen“ beitragen kann.

Emotionen treten nach den Merkmalsbeschreibungen unvorhersehbar und schnell auf, stellen eine kurze Dauer von heftigen Empfindungen dar und sind meist objektbezogen. Sie unterscheiden sich in Qualität und Intensität, was sich auf eine starke oder schwache Ausprägung einer bestimmten Qualität bezieht. Es treten durch Emotionen physiologische Veränderungen[19] und neue Verhaltensweisen auf. Desweiteren gilt es, zwischen emotionalen Episoden[20] und emotionalen Dispositionen[21] zu unterscheiden.[22] Die Interkulturalität von Emotionen ist ein weiterer nennenswerter Aspekt von Emotionsmerkmalen.[23]

Es kann also festgestellt werde, dass Emotionen eine Teilmenge von bewussten Erlebniszuständen subjektiver Natur sind, sich in körperlichen Zusammenhängen manifestieren und darüber wirken. Die Arbeit konzertiert sich hierbei auf den kognitiven Gesichtspunkt von Emotion und grenzt biologisch orientierte Ansätze aus. Zur weiteren begrifflichen Eingrenzung von Emotionen gelten oben aufgeführte Merkmale.

1.3.3 „Emotionale Intelligenz“

Wie bereits in dem Aufbau der Arbeit erwähnt, lehnt sich die Begriffsbestimmung an die von Peter Salovey & Jack Mayer an, um letztlich auch im Hauptteil das Konzept nach ihnen zu bearbeiten. Vorerst ist jedoch zu erwähnen, dass durch ein revidiertes Modell eine verfeinerte Definition 1997 hinzukam und die vorangegangene von 1990 ergänzt. Desweiteren soll hier die Emotionale Intelligenz von anderen Intelligenzbegriffen abgegrenzt werden, um ein einheitliches Verständnis von Emotionaler Intelligenz im Rahmen dieser Arbeit zu gewährleiten.

Mit dem ursprünglichen Modell von Salovey & Mayer in 1990 definierten sie die emotionale Intelligenz als „jene Untermenge der sozialen Intelligenz, die die Fähigkeit beinhaltet, die eigenen Gefühle und die anderen zu registrieren, zwischen ihnen zu unterscheiden und diese Information zu nutzen, um das eigene Denken und Handeln zu leiten“[24]. Dieses wurde mit der Definition von 1997 mit dem revidierten Fähigkeitsmodell ergänzt: „Emotionale Intelligenz beinhaltet die Fähigkeit, Emotionen genau wahrzunehmen, zu beurteilen und auszudrücken; die Fähigkeit, auf Gefühle zurückzugreifen oder sie zu erzeugen, wenn sie das Denken erleichtern; die Fähigkeit, Emotionen zu verstehen und emotionales Wissen anzuwenden und die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren, um emotionales und Intellektuelles Wachstum zu fördern“[25].

Mittlerweile kann in der Literatur eine Bandbreite von Intelligenzbegrifflichkeiten gefunden werden. Um einer Überschneidung aus dem Weg zu gehen, erscheint es notwendig die am häufigsten verwendeten Begrifflichkeiten einzuschränken, um eine „Überlappung“ mit der Emotionalen Intelligenz weitestgehend zu vermeiden.

Häufig ist die Rede von der Sozialen Intelligenz in diverser Fachliteratur, als dessen Hauptvertreter kann E.L. Thorndike genannt werden, welcher im Jahre 1920 mit seinem Leistungskonstrukt den Begriff der Sozialen Intelligenz prägte. In den Definitionen von Salovey & Mayer von 1990 wurde die emotionale Intelligenz als eine Untermenge der Sozialen Intelligenz gesehen. Eine exakte begriffliche Abtrennung ist hier insofern nicht möglich, da sie sich überschneiden und in Beziehung zueinander stehen. Die Soziale Intelligenz wurde „zusammen mit abstrakter, verbaler, praktischer und/ oder mechanischer Intelligenz als eine von mehreren miteinander verbundenen, aber dennoch verschiedenen intellektuellen Fähigkeiten angesehen“[26].

Diese Intelligenz charakterisiert sich durch das Verstehen von anderen Menschen, mit diesen zu interagieren und mit ihnen umzugehen und kann damit als ein wesentlich offenes und damit nicht so zentriertes Konstrukt angesehen werden.

In der Definition der Emotionalen Intelligenz von 1997 wurde die Soziale Intelligenz nicht mehr zur weiteren Bestimmung genutzt, dennoch gilt sie in dieser Arbeit weiterhin als aktuell, da es sich meiner Ansicht nach um eine Ergänzung und nicht um eine Widerlegung des Begriffes handelt, denn dann müssten sie sich gegenseitig ausschließen.

Soziale Intelligenz wurde 1920 von Thorndicke definiert als: „(…) the ability to understand men and women, boys and girls, to act wisely in human relations.“[27] Die Begriffe dieser beiden Intelligenzen überschneiden sich z.B. in der sozialen/emotionalen Wahrnehmung anderer und sehen dies als unterschiedlich ausgeprägte individuelle Variable. Dennoch ist die genaue Wahrnehmung von Emotionen anderer als eine Komponente der emotionalen Intelligenz anzusehen und siedelt sich durch die große Spannbreite der sozialen Intelligenz als ein Teilkonstrukt dieser an.

Man kann wohl davon sprechen, dass die Emotionale Intelligenz nach Salovey & Mayer sich wesentlich mehr fokussiert, da auch, im Gegensatz zur Sozialen Intelligenz, internale Regulationsprozesse reichhaltig erscheinen und Soziale Intelligenz hauptsächlich Bezug nimmt auf interpersonale Fertigkeiten und Wissen über soziale Regeln und Konventionen und sich darüber definiert.[28]

Auf die populärwissenschaftliche Färbung des Begriffes der EI, hauptsächlich geprägt durch Golemans Veröffentlichungen[29], wird in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen. Es ist zusammenfassend festzustellen, dass EI ein Teilabschnitt, neben anderen Intelligenzbegriffen, darstellt. Die SI und EI weisen durchaus Parallelen auf, sind aber unterschiedlich fokussiert. Die Definitionen von Salovey & Mayer sind als ergänzende und sich nicht ausschließende Erklärungsansätze zu verstehen und werden im weiteren Verlauf der Arbeit auch als diese betrachtet.

Die folgende Übersicht soll nochmals einen Gesamtüberblick der Intelligenzbegriffe und deren Einordnung geben. Die SI steht hierbei im Mittelpunkt und bildet den Ausgangspunkt für andere Intelligenzbegrifflichkeiten. Dabei entstehen Überschneidungen, welche durch Überlappungen anschaulich gekennzeichnet sind.

Die der SI zugeordneten Intelligenzbegriffe sind somit als eine Teilkomponente mit ihrer jeweiligen Vertiefung zu betrachten. MI und PI sind als Beispiel für Intelligenz- Begrifflichkeiten ausgewählt worden.

Die mit Fragezeichen gefüllte Überlappungskomponente steht hier symbolisch für eine Reihe anderer Intelligenzbegriffe, was die Vielfalt dieser nochmal verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Eigen

2. Hauptteil

Das Konstrukt der EI kann als ein sehr junges Forschungsfeld betrachtet werden. Argumentativ können die Wurzeln bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts zurückverfolgt werden, dennoch sind die meisten Publikationen erst nach dem Artikel von Salovey und Mayer im Jahre 1990 erschienen. In der PsychINFO- Datenbank für englischsprachige Literatur konnten ca. 700 Publikationen verzeichnet werden, wovon lediglich drei vor 1990 erschienen sind . In der folgenden Übersicht von Matthews et al. wird dies noch einmal verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Publikationen zu Emotionaler Intelligenz, Matthews et al.

Matthews, G., Zeidner, M., & Roberts, R.D. Emotional Intelligence, Science & Myth., MIT Press. Cambridge Massachusetts: 2004. S. 11

In der LDBB wurden unter dem Suchbegriff Emotionale Intelligenz lediglich 20 Treffer erzielt, wovon die älteste Publikation 1996 veröffentlicht worden ist und insgesamt lediglich sechs Publikationen vor dem Jahr 2000. Man kann von einer ausgeprägten Literaturvielfalt im englischsprachigen Raum sprechen. Mit der Veröffentlichung von populärwissenschaftlichen Ansätzen ging vermutlich auch ein großes gesellschaftliches Interesse einher. Der Anlass hierfür kann nur vermutet werden und kann an für den potentiellen Leser erfolgversprechenden Inhalten und/oder Überschriften liegen.

[...]


[1] Vgl. z.B. Beckmann, Christoph; Richter, Martina: Soziale Arbeit in Gesellschaft. Verlag für Sozialwissenschaften. Bielefeld: 2008. S. 1

[2] Vgl. Schulze, Ralf; Freund, Alexander; Roberts, Richard (Hrsg.): Emotionale Intelligenz-Ein internationales Handbuch-. Hogrefe Verlag. Göttingen: 2006. S. 2

[3] Zweiter Vortrag im Rahmen einer Vortragsreihe »Geistige Arbeit als Beruf«, gehalten im Revolutionswinter 1918/19 vor dem Freistudententischen Bund in München. Ausarbeitung des Verfassers auf Grund einer stenographischen Nachschrift, im Druck erschienen im Oktober 1919. In: Textlog unter http://www.textlog.de/weber_politik_beruf.html, Datum des Zugriffs 10.08.09

[4] Diese Ausführungen bezieht Max Weber zwar auf professionelles Handeln von Politikern, dennoch ist es verallgemeinerbar auf jedes professionelle Handeln und dienlich zur Präzisierung des Themas.

[5] Vgl. Schulze, Ralf; Freund, Alexander; Roberts, Richard (Hrsg.): Emotionale Intelligenz-Ein internationales Handbuch-. Hogrefe Verlag. Göttingen: 2006. S. 44

[6] Sozialgesetzbuch I-XII. 43. Auflage. Beck-Texte. Deutscher Taschenbuchverlag: 2007. S. 1404, 1174

[7] Unter Intelligenz, lat.: intelligentia, wird Verständnis, Erkenntnis- Denkfähigkeit und Klugheit verstanden In: Meyers Lexikonredaktion: Meyers großes Handlexikon. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich. Meyers Lexikonverlag: 1997. S. 407

[8] Vgl. Schulze, Ralf; Freund, Alexander; Roberts, Richard (Hrsg.): Emotionale Intelligenz-Ein internationales Handbuch-. Hogrefe Verlag. Göttingen: 2006. S. 12

[9] Ebd. S. 12- 13

[10] Vgl. Caroll, John. B.: Human cognitive abilities- A survey of factor-analytic studies. Cambrigde University Press. New York: 1993. S. 4

[11] Ebd.

[12] Psychrembel- klinisches Wörterbuch, Fulda: de Gruyter. 2004. S. 874

[13] „Emotion“ kommt vom lat. emovere, emotus und meint das herausbringen oder erschüttern. In: Psychrembel- klinisches Wörterbuch, Fulda: de Gruyter. 2004. S. 481

[14] Die Anzahl vorgeschlagener Definitionen von „Emotionen“ deckt sich mit der Anzahl der darüber publizierten Autoren In: Brehm, Marion: Emotionen in der Arbeitswelt- Theoretische Hintergründe und praktische Einflussnahme. S. 206 Aus http://www.zeitschriftarbeit.de/docs/3-2001/brehm.pdf. Datum des Zugriffs 05.08.09

[15] Biologisch orientierte Definitionsansätze werden hierbei nicht dementiert, sondern mit Blickpunkt auf die Thematik als nicht nutzbar angesehen.

[16] Schulze, Ralf; Freund, Alexander; Roberts, Richard (Hrsg.): Emotionale Intelligenz-Ein internationales Handbuch-. Hogrefe Verlag. Göttingen: 2006. S. 16

[17] Vgl. Brehm, Marion: Emotionen in der Arbeitswelt- Theoretische Hintergründe und praktische Einflussnahme. S. 206 Aus http://www.zeitschriftarbeit.de/docs/3-2001/brehm.pdf. Datum des Zugriffs 04.08.09

[18] Vgl. Trummer, Martina: Emotionen in Organisationen. Discussion Paper No. 2/2006. Hamburg, 02/2006. Helmut-Schmidt-Universität. Institut für Personalmanagement. S. 3-4 Aus http://opus.unibw-hamburg.de/opus/frontdoor.php?source_opus=1954, Datum des Zugriffs 04.08.09

[19] Bei der Emotion Angst z.B. die erhöhte Absonderung von Schweiß.

[20] Emotionale Episode z.B. Angst als Emotion.

[21] Eine emotionale Disposition könnte z.B. die Ängstlichkeit darstellen.

[22] Vgl. http://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/lehre/emotion.pdf, S. 3-4, Datum des Zugriffs 05.08.09

[23] Vgl. http://rcswww.urz.tu-dresden.de/~cogsci/pdf/emotionen02.pdf, S. 7-8, Datum des Zugriffs 05.08.09

[24] Englisch: “We define emotional intelligence as the subset of social intelligence that involves the ability to monitor one's own and others' feelings and emotions, to discriminate among them and to use this information to guide one's thinking and actions.” Übersetzung In: Budäus, Dietrich: Governance von Profit- und Nonprofit- Organisationen in gesellschaftlicher Verantwortung. DUV. Wiesbaden: 2005. S. 152

[25] Englisch: “We define EI as the capacity to reason about emotions, and of emotions to enhance thinking. It includes the abilities to accurately perceive emotions, to access and generate emotions so as to assist thought, to understand emotions and emotional knowledge, and to reflectively regulate emotions so as to promote emotional and intellectual growth.” Übersetzung In: Budäus, Dietrich: Governance von Profit- und Nonprofit- Organisationen in gesellschaftlicher Verantwortung. DUV. Wiesbaden: 2005. S. 152

[26] Schulze, Ralf; Freund, Alexander; Roberts, Richard (Hrsg.): Emotionale Intelligenz-Ein internationales Handbuch-. Hogrefe Verlag. Göttingen: 2006. S. 118

[27] http://eqi.org/fulltxt1.htm, Datum des Zugriffs 06.08.09

[28] Vgl. Schulze, Ralf; Freund, Alexander; Roberts, Richard (Hrsg.): Emotionale Intelligenz-Ein internationales Handbuch-. Hogrefe Verlag. Göttingen: 2006. S.122-123

[29] In Publikationen von Golemann sind klare Definitionen und Abgrenzungen nicht ersichtlich.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der Emotionalen Intelligenz und dessen Anwendung in der Praxis der Sozialen Arbeit
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
78
Katalognummer
V140259
ISBN (eBook)
9783640826728
ISBN (Buch)
9783640827015
Dateigröße
1025 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzept, emotionalen, intelligenz, anwendung, praxis, sozialen, arbeit
Arbeit zitieren
Maria Prass (Autor), 2009, Das Konzept der Emotionalen Intelligenz und dessen Anwendung in der Praxis der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140259

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