Absolutismus und Öffentlichkeit: Zeitung, Nachricht, Zensur


Seminararbeit, 2001
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Absolutismus und Öffentlichkeit
2.1 Entstehung der literarischen Öffentlichkeit
2.2 Die Zeitungsentwicklung bis in den Abso- lutismus und ihre gesellschaftlichen Folgen
2.3 Die Zensur

3. Der Wandel des Mediums Zeitung

4. Bibliographie

1. Einleitung

Die hier vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Thematik des Absolu­tismus und der Öffentlichkeit und liegt dem Seminar „Chris­tian Friedrich Daniel Schubart: Sturm und Drang in Württemberg“ zu Grunde. Dem Un­tertitel zu Folge werde ich mich eingehend mit der Zeitung des 18. Jahr­hunderts befassen. Ich werde und muss allerdings auch, um die Proble­matik möglichst umfassend darzu­stellen und zu analysieren, die Ge­schichte und Entstehungsbe­dingungen des Mediums Zeitung beleuchten. Ferner werde ich die interessante Parallele zu der heutigen Medien­gesellschaft ziehen und mögliche Unterschiede bzw. auch Gemeinsam­keiten ver­suchen aufzudecken und zu explizieren. Dabei soll der Öffentlich­keits­diskurs sowie die mühsame Entwicklung der Pressefreiheit nicht zu platzsparend behandelt werden. Allerdings soll C. F. D. Schubart und seine „Deutsche Chronik“ dabei nur am Rande tangiert werden.

Bei der Menge an Literatur und bei dem bis heute andauernden Streit über die inhaltliche Definitionsproblematik versteht es sich, dass die Arbeit kei­nen Anspruch der Vollständigkeit genießen kann.

2. Absolutismus und Öffentlichkeit

2.1 Entstehung der literarischen Öffentlichkeit

Medien bestimmen die Öffentlichkeit und die Öffentlichkeit ent­scheidet wiederum das Medium. In der heutigen Zeit, dem „media­len Zeitalter“, sind Internet und Fernsehen nicht mehr wegzuden­ken. Sie sind die diktieren­den Leitmedien unserer Zeit. Sie informieren, unterhalten, kommentieren, argumentieren, berichten und bilden Meinungen. Aber diese Eigen­schaf­ten würden in An­fängen auch zutreffen, wenn wir die Zeit etwa 500 Jahre zurück­drehen würden. Zu dieser Zeit begann sich die Flugschrift als im­mer wichtiger werdendes Organ der Meinungsäußerung heraus­zukristallisie­ren. Die Flugschriften sind auch deswegen von unse­rem Inte­resse, da sie, wie wir später noch untersuchen werden, die Vorläufer der Zeitung dar­stellen.

Die eigentliche Entstehungsgeschichte der Flugschriften beginnt aber ei­gentlich schon viel früher. In der Antike ließ man in arrangier­ten Dialogen Persönlichkeiten dieser Zeit verspotten. Wie auch heute noch erfreuten sich diese satirischen Schriften großer Be­liebtheit. Doch bis ins Mittelalter hinein gab es das entscheidende Problem der Verbreitung. Oft wurden die Informationen, Geschich­ten und auch Gerüchte vorgelesen und dann mündlich weitergege­ben. Erst mit der Erfindung des Buchdrucks wurde die Flugschrift als mediales Instrument wahrgenommen und gebraucht (vgl. Schwitalla 1999, S. 1, 46ff.). Auch Ablassbriefe, Spottblätter, amt­liche Verordnungen und Lieder wurden verbreitet, Geschichten über Wunder­heilungen, Kriegsnachrichten, Informationen über die Pest bis hin zu wol­lüstig-erotischen Darstellungen waren haupt­sächliche Inhalte, die sich dann erst im Kontext der Reformation und u. a. auch durch Martin Luthers Einfluss hin zur politischen Li­teratur entwickelten.

Die einfache Herstellung, die Spontaneität und Aktualität der meist mehrblättrigen Schriften, ermöglichten einen vorher nie da gewe­senen Boom (vgl. Bentzinger 1992, S. 9). Erhalten konnte man die­sen Lesestoff an öffentlichen Plätzen. Oft auch brachten die Drucker die Flugschriften selbst unter die Leute. Gar nicht selten lasen sie, wo Not am Mann war, die Inhalte selbst vor, da die Al­phabetisierung der Massen gerade erst einzusetzen begann.

Neben der Erfindung des Buchdrucks ist der entscheidende Faktor im Bezug auf die Entstehung der literarischen Öffentlichkeit doch wohl der, dass dem vorherrschenden Latein die deutsche Volks­sprache ebenbürtig gegenüber gestellt wird. Dieser Aspekt ist ohne Martin Luther nicht zu beleuchten. Durch seine zahlreichen Reisen und Unterhaltungen mit Ge­lehrten und Laien hat Luther sich zum einen seine eigene sprachlich-kommunikative Kompetenz enorm ausgeprägt. Zum anderen gab er mit der Übersetzung des Neuen Testaments (seinem Evangelium) dem Volk eine eigene Identitäts­grundlage, die gleichbedeutend mit einer Rang­erhö­hung des Vol­kes war.

Davor konnten sie zu keiner Zeit in einen Diskurs eintreten, da ih­nen die Kompetenz fehlte, die lateinischen Schriften zu lesen oder gar zu inter­pre­tieren und zu kritisieren. Nun aber rückt die breite Masse des Volkes in das mediale Rampenlicht dieser Zeit. Die so­ziale Einschränkung durch das Latein oder die Kirche war dabei sich aufzulösen. Eine neue und vor allen Dingen große Leser­schicht musste nun von den Autoren berück­sich­tigt werden. Das taten sie und stießen auf einen Rezipientenkreis bzw. auf ein Au­ditorium, das die Inhalte der verschiedenen Publikationen wie ein Schwamm in sich aufsaugte, aber auch erstmalig in der Lage war diese Schriften zu reflektieren (vgl. Hohendahl 2000, S. 8ff.). Ein erster wichtiger Aspekt bei der Deter­minie­rung des Öffentlichkeits­begriffs, auch bietet dieser Exkurs eine gute Grundlage im Hinblick auf die Zeitungsentwicklung.

2.2 Die Zeitungsentwicklung bis in den Absolutismus und ihre gesellschaftlichen Folgen

Vorab soll kurz die etymologische Wurzel der Zeitung aufgezeigt werden. Die liegt nämlich im angelsächsischen „getidan“ (sich zu­tragen, sich er­eignen). Im niederdeutschen bekam sie den Namen „tiding“ und im spät­mittelhochdeutschen dann „ziding“. Mit dem Namen verbanden die Leute Nachrichten oder Berichte über Er­eignisse unterschiedlichster Art und Weise (vgl. Faulstich 1998, S. 30). Wo liegen aber die vermeintlichen Dif­ferenzen der beiden Me­dien Flugschrift und Zeitung?

Prinzipiell lagen die Abweichungen der Zeitung in der Ver­triebsform des Abonnements und in der periodischen Erscheinungsweise. Das Flugblatt musste aus platztechnischen Gründen auf umfassende Be­richterstattung verzichten. Darunter litt selbstverständlich auch die Infor­mativität und er­klärende Genauigkeit, die in den meisten Zeitungen prakti­ziert wurde. Auch verzichteten sie auf die ökono­misch gewählten Sensations­mel­dungen, da man durch die Form des Abonnements nüch­terner, faktischer und wirtschaftlicher pla­nen und recherchieren konnte. Die Zeitungen wa­ren durch das Im­pressum natürlich auch leichter kon­trollierbar und mussten so, im Gegensatz zum Flugblatt, auf parteiliche Stellungsnahmen ver­zichten (vgl. Schilling 1990, S. 114). Desweiteren muss man sich nur den heutigen „Pressedschungel“ ansehen, der, wie wir später sehen wer­den, eine enorme Angebots- und Themenvielfalt vor­wei­sen kann. Wäh­renddessen vom eigentlichen Flugblatt nur noch die Sonderform des Handzettels beziehungsweise Flyers existiert. Aber worin liegen nun die Gründe des Siegeszuges der Zeitung begründet?

Vier entscheidende Merkmale kann die Zeitung vorweisen: Sie ist aktuell, kann von allen genutzt werden (Publizität), sie berichtet möglichst offen aus allen Lebensbereichen (Universalität) und die Zeitung erscheint, wie erwähnt, in periodischen Zeitabständen (vgl. Brand 1997, S. 7). Die ersten Zeitungen im heutigen Sinn, d.h. die den aufgelisteten Eigenschaften ent­sprachen, waren 1605 die „Relation: Aller Fürnemann vnd gedenck­würdi­gen Historien“ (Straßburg) (s. Titelblatt) sowie 1609 der „Aviso“(Wolfsbüttel). Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Titelblatt der „Relation Aller Fürnemmen vnd gedeckwürdigen Historien“ des Straßburger Druckers Johann Carolus aus dem Jahre 1609. Neuere For­schungen belegen, dass die Zeitung bereits im Jahr 1605 erschien. (Brand 1997, S. 12)

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Absolutismus und Öffentlichkeit: Zeitung, Nachricht, Zensur
Hochschule
Universität Potsdam  (Germanistik)
Veranstaltung
C. F. D. Schubart: Sturm und Drang in Württemberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V14029
ISBN (eBook)
9783638195348
Dateigröße
1332 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Absolutismus, Zeitung, Nachricht, Zensur, Schubart, Sturm, Drang, Württemberg
Arbeit zitieren
Sebastian Krüger (Autor), 2001, Absolutismus und Öffentlichkeit: Zeitung, Nachricht, Zensur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14029

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