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Ist der Einfluss der Lobbyisten in der EU zu groß?

Titre: Ist der Einfluss der Lobbyisten in der EU zu groß?

Essai , 2009 , 10 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Robert Falk (Auteur)

Politique - Sujet: Union européenne
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Résumé Extrait Résumé des informations

Ist der Einfluss der Lobbyisten in der EU zu groß?

Bereits 2006 stelle Petra Pinzler in der Wochenzeitung „Die Zeit“ im Untertitel eines Beitrages die Behauptung auf: „Sie [die Lobbyisten ] überwachen die Gesetzgebung, drohen Angeordneten und kaufen Entscheidungen“ ( Petra Pinzler, Die Dunkelmänner, in: Die Zeit vom 23.11.06). Ob diese Behauptung einer Verifizierung standhält ist fraglich; in diesem Essay soll die Frage diskutiert werden, ob in der EU die Lobbyisten einen zu großen Einfluss haben. Die pointierten Behauptungen von Petra Pinzler müssen hierzu – wie viele andere Äußerungen in den Medien zu diesem Thema- einer kritischen Würdigung unterzogen werden.
Zunächst ist Lobbyismus keine neue Erfindung der heutigen politischen Verhältnisse; er entstand bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts als Wirtschaftsvertreter in USA versuchten, Abgeordnete zu beeinflussen. Der Ort dieses Handelns waren damals eine Lobby, woraus sich dann der Begriff des Lobbyismus entwickelte (Speth und Leif, Die fünfte Gewalt 2006, S.18). Im Kern geht es bei Lobbyismus um die konkrete , Ziel orientierte Beeinflussung von Entscheidungen der Exekutive und Legislative. Das Typische an Lobbygruppen ist, dass sie sich auf ein Hauptthema konzentrieren und hierzu ihre spezielle Klientelsicht vertreten (Warntjen und Wonka, Governance in Europe 2004, S.17).
Zunächst ist es grundsätzlich legitim, dass Interessensgruppen verschiedener Art Regierung und Verwaltung ihre Sicht zu bestimmten Entscheidungen und Themen darstellen. Aufgrund der gestiegenen Bedeutung europäischer Entscheidungen im Verhältnis zu nationalen Gesetzen, hat sich der Lobbyismus teilweise verstärkt auf die EU- Ebene verlagert. So schrieben Sonia Mazey und Jeremy Richardson bereits 1993 zutreffenderweise: „The integration process will tend to drive the pattern of pressure-group activity...“ (Mazy und Richardson, Lobbying in the european Community 1993, S.45).

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aktionsformen des Lobbyismus

2.1 Information und Kommunikation

2.2 Verschmelzung von Politik und Interessensorganisationen

2.3 Politikfinanzierung

2.4 Politisches Drohen

3. Regulierung und Transparenz auf EU-Ebene

4. Ungleichgewicht zwischen Unternehmens- und Gesellschaftsinteressen

5. Fazit und Bewertung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Behauptung, dass Lobbyisten in der Europäischen Union einen zu großen Einfluss ausüben, und analysiert dabei die Balance zwischen legitimer Interessenvertretung und intransparenter Beeinflussung.

  • Methodische Einordnung der verschiedenen Aktionsformen des Lobbyismus.
  • Analyse der regulatorischen Rahmenbedingungen und Transparenzpflichten innerhalb der EU.
  • Untersuchung des Machtungleichgewichts zwischen Unternehmenslobbys und gesellschaftlichen Interessenvertretern.
  • Kritische Würdigung von Medienberichten und wissenschaftlichen Thesen zum Einfluss von Lobbyisten.

Auszug aus dem Buch

Aktionsformen des Lobbyismus

Grundsätzlich sind vier Aktionsformen zu unterscheiden, welche allesamt sowohl legal wie auch illegal eingesetzt werden können. Dies gilt zunächst für den Bereich der Information und Kommunikation; dieser Bereich beinhaltet den Informationsaustausch zwischen Abgeordneten sowie Lobbyvertretern, was den Aufbau und die Pflege von Beziehungsnetzwerken beinhaltet. Diese Aktionsform ist zunächst positiv bewerten; problematisch wird es jedoch, wenn die Netzwerke missbraucht werden oder zur Tarnung von private Interessen dienen. Sehr häufig ist hierbei eine gewisse Asymmetrie der verschiedenen Lobbygruppen und der staatlichen Stellen festzustellen. Diese Asymmetrie beruht auf unterschiedlichen finanziellen und professionellen Ressourcen sowie ungleichen Zugangsvoraussetzungen. Dieses Problem lässt nur begrenzt einengen, da grundsätzlich jeder Lobbyverband frei über die Höhe seines Mitteleinsatzes entscheiden kann.

Ein andere Aktionsform betrifft die Verschmelzung von Politik und Interessensorganisationen; diese entsteht unter anderem dann, wenn Lobbyvertreter politische Standpunkte einnehmen oder bei politischen Beratungen einbezogen werden. Eine Anhörung von Verbandsvertretern in Gesetzgebungsverfahren ist allgemein üblich. Problematisch wird es dann, wenn eine Lobbygruppe es schafft ihre Partikularinteressen über die Gemeinschaftsinteressen zu stellen. Dies geschieht auf europäischer Ebene unter anderem durch die Verlagerung von Entscheidungen in die Ausschüsse; die Konsequenz hieraus ist, dass der Ministerrat dann nur noch über den schon zum Vorteil der Lobbygruppen geänderten Gesetzesvorschlag abstimmen kann. Eine solche Praxis widerspricht demokratischen Grundsätzen, da hierbei die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist. Sehr beliebt ist der Praxis die Besetzung von wichtigen Lobbypositionen in der Wirtschaft durch ehemalige Politiker.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die kritische Forschungsfrage nach dem potenziell zu großen Einfluss von Lobbyisten in der EU und hinterfragt populäre mediale Behauptungen.

2. Aktionsformen des Lobbyismus: Dieses Kapitel differenziert zwischen verschiedenen legalen und illegalen Strategien, von der Informationsarbeit bis hin zur politischen Finanzierung und dem Drohpotenzial von Verbänden.

3. Regulierung und Transparenz auf EU-Ebene: Hier werden die bestehenden Registrierungspflichten, Verhaltenskodizes und Karenzzeiten für EU-Politiker einer kritischen Prüfung unterzogen.

4. Ungleichgewicht zwischen Unternehmens- und Gesellschaftsinteressen: Das Kapitel beleuchtet, warum große Konzerne durch ihre Ressourcen privilegierte Zugänge zu Entscheidungsträgern haben, während zivilgesellschaftliche Akteure benachteiligt sind.

5. Fazit und Bewertung: Das Fazit fasst zusammen, dass zwar die Intransparenz das Ansehen des Lobbyismus schädigt, eine pauschale Bestätigung des „zu großen Einflusses“ jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig belegbar ist.

Schlüsselwörter

Lobbyismus, Europäische Union, Interessenvertretung, Transparenz, Unternehmenslobbying, Politische Entscheidungsprozesse, Demokratie, Partizipation, Politikfinanzierung, EU-Kommission, Europaparlament, Transnationale Konzerne, Interessengruppen, Einflussnahme, Regulierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob der Einfluss von Lobbyisten in den Institutionen der Europäischen Union als übermäßig oder demokratiegefährdend einzustufen ist.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind die Aktionsformen von Lobbygruppen, die regulatorischen Transparenzstandards der EU sowie das Machtgefälle zwischen wirtschaftlichen Akteuren und zivilgesellschaftlichen Interessen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Wahrheitsgehalt pointierter medialer Vorwürfe gegen Lobbyisten durch eine wissenschaftlich fundierte Analyse der EU-Strukturen kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturstudie, die aktuelle Fachliteratur und Dokumente zur europäischen Governance und Interessenvermittlung auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden verschiedene Lobby-Strategien wie Informationsaustausch, personelle Verflechtungen und politische Finanzierung detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Lobbyismus, Transparenz, EU-Entscheidungsprozesse und demokratische Kontrolle sind die maßgeblichen Begriffe.

Wie bewertet der Autor die Rolle von ehemaligen Politikern in Lobby-Positionen?

Der Autor sieht die Praxis der „Drehtüreffekte“ kritisch und weist auf die Notwendigkeit von Karenzzeiten hin, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

Wird der Einfluss von Lobbyisten als "zu groß" bestätigt?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Einfluss zwar aufgrund fehlender Transparenz anrüchig wirkt, die plakative Behauptung einer vollständigen Abhängigkeit jedoch nicht zweifelsfrei bestätigt werden kann.

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Résumé des informations

Titre
Ist der Einfluss der Lobbyisten in der EU zu groß?
Université
University of the Federal Armed Forces München
Note
1,3
Auteur
Robert Falk (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
10
N° de catalogue
V140297
ISBN (ebook)
9783640504732
ISBN (Livre)
9783640504558
Langue
allemand
mots-clé
Einfluss Lobbyisten
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Robert Falk (Auteur), 2009, Ist der Einfluss der Lobbyisten in der EU zu groß?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140297
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Extrait de  10  pages
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