Niklas Luhmanns Konzept von Macht

Dargestellt an zentralen Begriffen seiner Systemtheorie


Hausarbeit, 2006
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Über Niklas Luhmann: Leben und Theorie

2 Der Begriff & die Definition(en) von „Macht“

3 Zentrale Begriffe der Luhmannschen Systemtheorie
3.1 Grundzüge der Systemtheorie
3.2 Die funktional differenzierte Gesellschaft
3.3 Strukturelle Kopplung

4 Niklas Luhmanns Konzept von Macht

5 Fazit

6 Quellen- & Literaturangaben

1 Einleitung

Die hier vorliegende Hausarbeit soll sich mit der Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann beschäftigen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf sein Konzept von Macht gelegt. Der erste Teil stellt dazu die Definition von Macht seitens Foucault und anderer vor, um zu verdeutlichen wie verschieden man diesen Begriff deuten kann und um dann näher auf das Konzept und die Definition von Niklas Luhmann einzugehen.

Um die Luhmannsche Systemtheorie zu verdeutlichen soll danach auf zentrale Begriffe der Systemtheorie eingegangen werden, welche das Gesamtkonzept von Macht als ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium näher erläutern sollen und zum Verständnis des Konzepts führen sollen. Eine ausführliche Darstellung der Systemtheorie, die alle Facetten umfasst wird dabei jedoch nicht möglich sein, dies würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Deswegen wurde beschlossen sich auf spezifische zusammenhängende Begriffe zu stützen die sich alle auf Niklas Luhmanns Theorie über die Autopoiesis sozialer Systeme beziehen. Die Frage die sich dabei stellt ist, inwiefern Macht als Kommunikationsmedium in dieses Konzept hineinpasst und sich die Theorie der Autopoiesis sozialer Systeme, die Begriffe der Strukturellen Kopplung und einer funktionalen Differenzierung in Zusammenhang bringen lassen.

1.1 Über Niklas Luhmann: Leben und Theorie

Niklas Luhmann wurde am 8. Dezember 1927 in Lüneburg geboren und verstarb am 6.November 1998 bei Bielefeld. Er war vor allem ein Soziologe, obwohl man ihn ähnlich dem bekannten Jürgen Habermas als Theoretiker der Wissenschaften auffassen kann. Er hatte vor allem ab ca.1967 einen grossen Einfluss auf die deutsche und auch internationale Soziologie. Als einer der Begründer der soziologischen Systemtheorie machte er sich auch in anderen Bereichen wie der Philosophie und der Jurisprudenz einen Namen. Von 1968 bis 1993 lehrte er als Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld.

Seine Systemtheorie versteht Gesellschaft nicht als eine Ansammlung von Menschen, sondern als eine Ansammlung von Kommunikation. Die Systemtheorie behandelt selbstreferenzielle soziale Kommunikation d.h. dass sich Systeme nur auf ihre eigene Kommunikation beziehen und dennoch kognitiv offen sind. So beziehen sich die Funktionssysteme immer auf eine System-/Umweltunterscheidung. Diese Leitdifferenzen bezeichnet Luhmann als symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien. Luhmanns Systemtheorie basiert auf der Evolution von Kommunikation, von mündlicher Kommunikation über Schrift bis hin zu elektronischen Medien, als auch gleichzeitig auf der Evolution von Gesellschaft durch funktionale Ausdifferenzierung.

2 Der Begriff & die Definition(en) von „Macht“

Generell wird Macht als eine Fähigkeit angesehen, die Individuen, Gruppen oder Institutionen besitzen können, die das Denken und / oder das Verhalten von anderen in ihrem Sinne beeinflussen kann. Dabei ist es frei, ob die Ausübung der Macht über Zwang / Gewalt oder über z.B. Überzeugung erfolgt. Macht findet sich in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens wieder, sei es bei der Bildung von sozialen Strukturen an Schulen oder aber im Sinne der politischen Macht, zentriert auf den Staat und die Macht definierende Herrschaftsform.

Lexikalisch wird Macht als „instrumentell verstärkte praktisch-technische Wirkungsmöglichkeit“[1] definiert.

Der wohl bekannteste Soziologe der letzten Zeit, Max Weber (* 1864; †1920) prägte den Begriff der Macht als „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“[2]

Diese Definition beschäftigt sich nicht mit den Quellen von Macht und beachtet nicht die Legitimation von Macht.

Die britische Wissenschaftlerin Susan Strange (*1923; †1998) prägte den Begriff einer strukturellen Macht. Der Begriff bezieht sich vor allem auf das Machtpotential, das Strukturen wie z.B. Wissenschaft oder wirtschaftliche Produktion auf beteiligte Akteure besitzen. Akteure sind demnach nur „mächtig“, wenn sie Macht über ihre Strukturen besitzen. Um einen Vorteil zu erzielen, müssen also die Strukturen immer angepasst werden. Dies geschieht durch direkte Machteinwirkung der Akteure.[3]

Michel Foucault (*1926; †1984) entwarf ebenfalls ein Konzept von Macht. Er weicht von der Vorstellung ab, dass Macht von einer Institution oder einem Individuum ausgeübt oder inne gehalten wird, sondern das Macht in einem Verhältnis diverser gesellschaftlicher Instanzen existiert. Für ihn gibt es also überall Machtverhältnisse, wo es eine Gesellschaft gibt.

Foucault sieht Macht z.B. in dem bekannten Beispiel vom Herrscher und Beherrschtem, die mit politischen Regierungstechniken erzeugt wird. Er versucht seine Definition so darzustellen, dass Macht eine spezifisch politische aber nicht unbedingt nur auf den Staat beschränkte Macht ist, sich in das Handeln und oft auch in das Denken der Menschen ausbreitet und diesen auch zu einem Mitglied eben jener Ordnung werden lässt.[4] Foucault äußert sich kritisch der Macht gegenüber, wegen ihres Aspektes einer individuellen und auch kollektiven Unterwerfung unter eine bestimmte Rationalität, sprich Herrschaft.

3 Zentrale Begriffe der Luhmannschen Systemtheorie

Um in das Konzept der Macht von Niklas Luhmann einführen zu können, sollte man sich erst mit den fundamentalen Begriffen und Strukturen seiner Systemtheorie auseinandersetzen. Niklas Luhmann greift das Soziale bzw. die Gesellschaft als ein System

mit vielen verschiedenen Teilsystemen auf. Jedes dieser selbstreferentiellen (autopoietischen), differenzierten Funktionssysteme reproduziert sich anhand von Kommunikation, mit Hilfe von generalisierten Kommunikationsmedien. Macht ist eines dieser Kommunikationsmedien bei Niklas Luhmann und spielt vor allem im Funktionssystem des politischen Systems eine Rolle.

Die Definition Luhmanns von autopoietischen sozialen Systemen lautet wie folgt:

„Als autopoietisch wollen wir Systeme bezeichnen, die die Elemente, aus denen sie bestehen, durch Elemente, aus denen sie bestehen, selbst produzieren und reproduzieren. Alles, was solche Systeme als Einheit verwenden, ihre Elemente und Prozesse, ihre Strukturen und sich selbst, wird durch eben solche Einheiten im System erst bestimmt. Oder anders gesagt: es gibt weder Input von Einheiten in das System noch Output von Einheiten aus dem System. Das System operiert als ein selbstreferentiell-geschlossenes System. Das heißt nicht, dass keine Beziehungen zur Umwelt bestehen, aber diese liegen auf anderen Realitätsebenen als die Autopoiesis selbst. Sie werden[...]oft als Kopplungen des Systems an seine Umwelt bezeichnet.“[5]

3.1 Grundzüge der Systemtheorie

Luhmann reichen die klassischen staatstheoretischen Errungenschaften nicht mehr aus, um die geschaffenen Realitäten zu begreifen. Er will aber keine Kritik der Institutionen oder gar der Demokratie im Allgemeinen schaffen, sondern eher die Darstellung einer allgemeinen Theorie der Gesellschaft stand in seinem Mittelpunkt.

[...]


[1] Weiß, Ulrich: Macht, in: Nohlen, Dieter(Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik, Bundeszentrale für politische Bildung, München, 2002, S. 282

[2] Siehe: Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen 1980

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Macht, vom 3.11.2006

[4] Bernhardt, Jan: Vortrag zum Begriff der Macht in Diskurs und Kommunikation bei Foucault und Luhmann, in: http://www.transforma-online.de/deutsch/transforma2004/papers/bernhardt.htm vom 7.11.2006

[5] Luhmann, Niklas: Die Autopoiesis des Bewusstseins, in: Soziale Welt, 36, S.403; in: Kiss, Gábor: Grundzüge und Entwicklung der Luhmannschen Systemtheorie, Enke Verlag, Stuttgart, 1986; S.83

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Niklas Luhmanns Konzept von Macht
Untertitel
Dargestellt an zentralen Begriffen seiner Systemtheorie
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Sozialwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Macht und Machtmissbrauch in der politischen Ideengeschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V140320
ISBN (eBook)
9783640484423
ISBN (Buch)
9783640484249
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systemtheorie, Macht, Niklas Luhmann, Politik, Soziologie
Arbeit zitieren
Rafael Malaczynski (Autor), 2006, Niklas Luhmanns Konzept von Macht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140320

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