Virginia Woolf ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht für alle Menschen ein Begriff - entweder weil sie keinerlei Interesse an Literatur im Allgemeinen haben oder aber auch weil sie keine Kenntnisse über englischsprachige Literatur besitzen. Vielleicht aber können einige davon, seit dem 2002 verfilmten Kinofilm The Hours, der einen kleinen Einblick in das Leben, das Schaffen und die psychischen Probleme dieser Schriftstellerin gibt, zumindest behaupten, sie hätten den Namen schon einmal gehört. Die restlichen Verbleibenden werden mit dem Namen dieser wichtigen englischen Autorin eine Vielzahl von Assoziationen verbinden können, wie beispielsweise den Begriff des Modernismus als Epochen- und Gattungsbeschreibung, einige Titel ihrer bekannten Werke aus eben dieser Zeit (z.B. Mrs. Dalloway, To the lighthouse), Virginia Woolfs psychischen Probleme und Krankheiten und letztlich ihren tragischen Selbstmord. All denen, die keinerlei Vorstellung von ihrer Person und ihrem Schaffen als Schriftstellerin in dieser modernistisch geprägten Phase der Literaturgeschichte haben, sollen die folgenden Seiten Aufschluss und einen kleinen Einblick geben.
Ich möchte dabei zuerst den Fokus auf das Leben und die Biographie Virginia Woolfs legen und danach den Begriff Modernismus verdeutlichen bevor ich auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund eingehe, innerhalb dessen diese neue Orientierung in der Literaturgeschichte entstanden ist. Sowohl ihr Leben, als auch der Kontext sind bedeutende Faktoren, die ihre Arbeit als Autorin wesentlich beeinflusst haben. Im zweiten Teil werde ich dann auf die neu entstandenen gattungsspezifischen Merkmale der Romanform des Modernismus eingehen, indem ich zentrale Merkmale und Charakteristika (sowohl formaler als auch inhaltlicher Art) anführe. Belegen und veranschaulichen möchte ich diese exemplarisch anhand eines konkreten Textbeispiels, nämlich dem Roman To the lighthouse von Virginia Woolf.
Leonard Woolf bezeichnete dieses Werk seiner Ehefrau einmal als „masterpiece“ (vgl. Mepham 1991: 101), nachdem sie es 1927 fertig gestellt hat und es ihm zum Lesen gab. Ich möchte in meiner Textanalyse verdeutlichen und darlegen, welche gattungsspezifischen Merkmale der modernistischen Strömung in diesem meisterhaften Roman, der auch als „Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens bezeichnet wird“ (Erzgärber 1999: 167), realisiert und verarbeitet wurden. Wie ist es Virginia Woolf gelungen, .....
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wer war Virginia Woolf?
3. Modernismus und zeitgeschichtlicher Kontext
3.1 Modernismus – was ist das eigentlich und wie entstand er?
3.2 Kultureller, zeitgeschichtlicher und geistesgeschichtlicher Kontext der modernistischen Strömung
4. To the lighthouse – ein Roman des Modernismus
4.1 Inhaltsangabe
4.2 Modernismus und seine Gattungskonvention am Beispiel To the lighthouse
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturliste:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Virginia Woolf in ihrem Roman To the lighthouse die gattungsspezifischen Merkmale der modernistischen Strömung realisiert und verarbeitet. Dabei wird analysiert, wie biographische Hintergründe, kulturelle Einflüsse und die Abkehr von traditionellen Erzählkonventionen die Romanform prägen.
- Biographische Einflüsse auf Virginia Woolfs literarisches Schaffen
- Modernismus als epochenspezifische Literaturform
- Die Bedeutung von Bewusstseinsdarstellung und Subjektivität
- Die Rolle der Zeitwahrnehmung (mind time vs. clock time)
- Strukturelle Analyse von To the lighthouse
Auszug aus dem Buch
Modernismus und seine Gattungskonvention am Beispiel To the lighthouse
Virginia Woolf selbst hat gesagt „In or about December, 1910, human character changed. (…) And when human relations change there is at the same time a change in religion, conduct, politics, and literature.” (Bradbury und McFarlane 1978: 33). Veränderungen in der erzählenden Literatur lassen sich dabei sowohl auf formaler wie auch auf inhaltlicher Ebene wiederfinden.
Begünstigt durch die bereits verdeutlichten geisteswissenschaftlichen Hintergründe, orientiert sich der Roman deutlich in die Richtung Bewusstsein darzustellen, was wiederum auf die „Psychologisierung und Subjektivierung der Wirklichkeitserfahrung in der Moderne“ (Nünning 1998: 41) zurückzuführen ist. Damit übten die Vertreter dieser neuen Strömung gleichzeitig Kritik an der zuvor dominierenden materialistischen Darstellungsweise der Edwardians aus, welche sich, laut Virginia Woolf, „mit der Abbildung belangloser und vergänglicher Äußerlichkeiten“ (Ebd.: 42) zufriedengaben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung Virginia Woolfs dar und umreißt das Ziel der Arbeit, gattungsspezifische Merkmale des Modernismus anhand des Romans To the lighthouse zu analysieren.
2. Wer war Virginia Woolf?: Dieses Kapitel beleuchtet die Biographie der Autorin, ihre familiären Hintergründe sowie ihre Zugehörigkeit zur Bloomsbury Group als prägende Faktoren für ihr Werk.
3. Modernismus und zeitgeschichtlicher Kontext: Hier werden der Begriff des Modernismus definiert und die gesellschaftlichen sowie geistesgeschichtlichen Umbrüche des frühen 20. Jahrhunderts als dessen Basis diskutiert.
3.1 Modernismus – was ist das eigentlich und wie entstand er?: Dieses Kapitel verdeutlicht, dass es sich beim Modernismus um keine einheitliche Gruppe, sondern um eine Epochenbezeichnung für Neuerungen in der Erzählkunst handelt.
3.2 Kultureller, zeitgeschichtlicher und geistesgeschichtlicher Kontext der modernistischen Strömung: Der Fokus liegt hier auf dem Einfluss von Sigmund Freuds Psychoanalyse auf das literarische Menschenbild und die Hinwendung zur Innenwelt.
4. To the lighthouse – ein Roman des Modernismus: Dieses Kapitel führt in den Roman ein und verknüpft dessen Struktur mit den vorher erläuterten theoretischen Ansätzen.
4.1 Inhaltsangabe: Eine knappe Zusammenfassung der drei Abschnitte des Romans sowie eine Vorstellung der zentralen Figuren und deren Bedeutung für die Autorin.
4.2 Modernismus und seine Gattungskonvention am Beispiel To the lighthouse: Eine detaillierte Analyse der modernistischen Erzähltechniken, wie die multiperspektivische Erzählweise und der Umgang mit subjektiver Zeit.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Analyseergebnisse und Bestätigung, dass To the lighthouse ein herausragendes Beispiel modernistischer Erzählkunst darstellt.
6. Literaturliste:: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Modernismus, Virginia Woolf, To the lighthouse, Bewusstseinsdarstellung, Reflektorfigur, Bloomsbury Group, Subjektivität, mind time, clock time, Psychoanalyse, Erzähltechnik, Literaturtheorie, literarische Moderne, Romananalyse, Bewusstseinsstrom.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die modernistische Erzählkunst von Virginia Woolf und analysiert, wie diese den Wandel in der Literatur des frühen 20. Jahrhunderts widerspiegelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Modernismus als Epoche, die Bedeutung der Biographie von Virginia Woolf sowie die spezifischen narrativen Techniken zur Darstellung des Bewusstseins.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, anhand einer Textanalyse von To the lighthouse zu belegen, wie Virginia Woolf gattungsspezifische Merkmale des Modernismus meisterhaft in einem Roman realisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die biographische Aspekte mit narratologischen Gattungsmerkmalen und zeitgeschichtlichem Kontext verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition des Modernismus, dem zeitgeschichtlichen Kontext (insb. Freud), der Inhaltsangabe des Romans und einer detaillierten Untersuchung gattungskonventioneller Merkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Modernismus, Virginia Woolf, Bewusstseinsdarstellung und Erzähltechnik charakterisieren.
Wie prägt Sigmund Freud die literarische Arbeit von Virginia Woolf in diesem Roman?
Freuds Psychoanalyse lieferte die Basis für Woolfs Fokus auf die Innenwelt, das Unterbewusstsein und die subjektiven Gefühlswelten der Figuren anstelle äußerer Handlungsbeschreibungen.
Welche Bedeutung hat das Konzept von "mind time" in dem Roman?
Das Konzept beschreibt die subjektiv erlebte Zeit, die im Kontrast zur objektiv messbaren "clock time" steht und essenziell für die Darstellung der "moments of being" ist.
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- Anja Kopf (Author), 2007, Virginia Woolf und ihr modernistischer Roman 'To The Lighthouse', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140348