Die Figur des Friar Laurence in Romeo und Julia


Hausarbeit, 2007
20 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Religionshintergründe zur Zeit Shakespeares und deren Bedeutung für die Figur des Friar Laurence

3. Darstellung, Charakterisierung und Sprache der Figur des Friar Laurence in Romeo und Julia

4. Motive oder Charaktereigenschaften – was bestimmt das Handeln von Friar Laurence?
4.1. Freundschaft und Politisches Interesse als Grund für Friar Laurences Handeln
4.2. Eigennutz und Impulsivität: Charaktereigenschaften von Friar Laurence

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturliste

1. Einleitung

Romeo und Julia ist eine der bekanntesten Liebesgeschichten der Literaturgeschichte. In unzähligen Beiträgen, Artikeln und Rezensionen haben sich Literaturwissenschaftler mit genau diesem Werk bereits auseinandergesetzt indem sie zentrale Themen, Motive und Figuren untersucht haben. Bei der Figurenanalyse konzentrieren sich die meisten Arbeiten jedoch auf die beiden Protagonisten Romeo und Julia wobei andere, eher als nebensächlich erscheinende Charaktere, oft nur oberflächlich betrachtet werden. Einschlägige Sekundärliteratur oder verlässliche Quellen zu genau diesen Nebenfiguren zu finden ist daher eher problematisch. Genau das trifft auch auf die Figur des Friar Laurence zu, auf den ich in dieser Arbeit mein Augenmerk legen möchte. Auch wenn dieser Franziskanermönch zuerst nicht als besonders wichtig und zentral für das Stück erscheint, ist es dennoch unabdingbar sich einmal genauer mit ihm auseinanderzusetzen. Schließlich ist er es, der Freund und Helfer der Liebenden, welcher Romeo und Julia den zum Scheitern verurteilten Plan vorschlägt.

Im Zusammenhang mit dem Mönch Laurence ist eine Betrachtung der religiösen Hintergründe und Gegebenheiten zu Zeiten von William Shakespeare sinnvoll um diese dann hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Figur des Friar Laurence zu deuten. Anschließend möchte ich die Figur des Mönches selbst genauer unter die Lupe nehmen und untersuchen, wie Friar Laurence im Text dargestellt und charakterisiert wird. Von Interesse ist ebenso die Frage, welche Funktion dieser Figur im Stück Romeo und Julia zugeschrieben wird. Auch darauf will ich versuchen eine Antwort zu finden. Zusätzlich ist ebenso eine Analyse von der vom Mönch verwendeten Sprache Teil dieses Abschnittes, da sich hieraus auch wichtige Informationen ablesen lassen. Abschließend widme ich mich dem Aspekt der Motivation des Paters innerhalb der Liebesgeschichte. Welche Gründe gibt es, die ihn dazu veranlassen, auf die Art und Weise zu handeln, wie er es tut? Welche Motive und Beweggründe leiten Friar Laurence? Gibt es irgendwelche Hintergedanken oder ist rein das Wohl Romeos und Julias sein Antrieb? Oder spielen auch persönlichen Eigenschaften eine Rolle und wie beeinflussen diese sein Handeln?

Mit diesen Fragen und den zuvor genannten Aspekte möchte ich mich in der folgenden Arbeit nun auseinandersetzen und versuchen darauf Antworten zu geben. Deren Klärung verhilft zu einem tieferen und klarerem Verständnis des Primärtextes auf deren Grundlage der Leser möglicherweise anders an den Text herangeht. Vielleicht fragt sich der ein oder andere, wie ausschlaggebend Friar Laurences Handeln für die Tragödie der Liebenden war oder auch welchen Anteil dieses in der gesamten Geschichte einnimmt. Auf jeden Fall soll an dieser Stelle eine für eher unwichtig erscheinende Nebenfigur des Stückes Romeo und Julia gründlicher analysiert und interpretiert werden.

2. Religionshintergründe zur Zeit Shakespeares und deren Bedeutung für die Figur des Friar Laurence

Die Lebenszeit von William Shakespeare (1564-1616) war geprägt von einer drastischen religiösen Neuordnung. In diesem sogenannten elisabethanischen Zeitalter liegt die von Martin Luther in Deutschland angeregte und sich auf ganz Europa auswirkende Reformation der katholischen Kirche. In England erstreckte sich die Reformation von 1539 bis 1559.[1] Hier trug die christliche Erneuerungsbewegung in entscheidendem Maße zur Neugestaltung der Kirchen- und Weltordnung bei, indem sich die anglikanische Kirche von der römisch-katholischen Kirche abspaltete. Eng verbunden damit ist auch der Name von Heinrich VIII., dem damaligen König Englands, dessen persönliches Interesse die Verbreitung des protestantischen Glaubens mit sich brachte. Als ursprünglich strenger Katholik „suchte er beim Papst um eine […] Ungültigkeitserklärung seiner Ehe“[2] mit der er sich von seiner ersten Ehefrau hätte scheiden lassen können um für seine Geliebte frei zu sein. Eine derartige Ehescheidung war zur damaligen Zeit im katholischen Glauben undenkbar und wurde folglich nicht gestattet. „Darauf sagt sich Heinrich VIII. von Rom los und macht die englische Kirche zu einer Nationalkirche, der sogenannten anglikanischen Staatskirche […]“.[3] Infolge dieser „speziell englischen Form des Protestantismus“[4] hob er die Klöster auf und schon bald wurde die Bewegung immer lauter. Dies gipfelte schließlich darin, dass Elisabeth I., die selbst Protestantin war, den Katholizismus gesetzlich verbot.[5]

Inmitten dieser Umstände und Geschehnisse wuchs William Shakespeare als Sohn streng katholischer Eltern auf. Obwohl der national verbreitete Glaube nun eigentlich der protestantische war[6], gibt es Annahmen, dass auch er, geprägt vom Elternhaus und der elterlichen Erziehung, katholisch gewesen sein muss. In der Sekundärliteratur findet man allerdings zahlreiche widersprüchliche Aussagen und Meinungen über diese Frage der Religionszugehörigkeit von Shakespeare. Die katholische Enzyklopädie gibt Hinweise darauf, dass an seinem katholischen Glauben gezweifelt wird. Genauso wird die Tatsache, dass seine Töchter zweifellos protestantisch erzogen worden sind[7] als ein Anzeichen gedeutet, welches gegen Shakespeare als Katholik spricht.

Auf der anderen Seite aber gibt es auch Hinweise darauf, dass er selbst ein aktiver „Rekusant“ (ein Gegner der anglikanischen Kirche) gewesen sein soll[8]. Hildegard Hammerschmidt-Hummel weist auch nach, dass er sich „im katholischen Untergrund engagierte und für das Überleben der katholischen Kirche in England eine tragende Rolle gespielt hat.“[9] In Verbindung mit seinem Stück Romeo und Julia wird die Figur des katholischen Mönchs Laurence als weiteres Indiz für die religiöse Orientierung des Dichters angeführt[10]. Außer diesen hier aufgezählten Hinweisen gibt es noch eine Reihe weiterer Argumente, die dafür sprechen, dass William Shakespeare ein überzeugter Katholik gewesen sein soll. Die Klärung dieser Frage ist jedoch nicht Gegenstand meiner Arbeit und eine weitere Auseinandersetzung damit würde an dieser Stelle eindeutig ihren Rahmen sprengen.

Egal welches nun die Religion William Shakespeares war, ist es offensichtlich, dass die breite Bevölkerungsmasse zu der damaligen Zeit der protestantischen bzw. anglikanischen Kirche zugesprochen war. Sein Drama Romeo und Julia entstand 1597, also in der Zeit unmittelbar nach der Reformation in England. Unter diesen Umständen ist es dennoch fraglich, warum der Dichter in diesem gerade einen katholischen Mönch als Nebenfigur einsetzte und nicht einen geistlichen Vertreter des protestantischen Glaubens. Bartenschlager spricht hier von einem „historisch prekären Fall eines katholischen Mönches auf der elisabethanischen Bühne.“[11]

Betrachten wir diese Frage unter der Annahme, Shakespeare wäre Katholik gewesen, so könnte man argumentieren, dass die kindliche Prägung entscheidend für das Einsetzen dieser Figur war. Unter Umständen hat er gar nicht viel darüber nachgedacht, welche Auswirkungen das Auftreten eines katholischen Mönches auf das Theaterpublikum haben könnte. Genauso aber könnte seine Absicht gewesen sein, den teilweise vielleicht schon beinahe vergessenen katholischen Glauben wieder präsent zu machen und in die Gedanken der Menschen zu bringen. Ganz banal könnte man aber auch anführen, dass die Geschichte von Romeo und Julia im italienischen Verona spielt, in welchem das römisch-katholische Christentum vorherrschte und daher die Figur des Friar Laurence keinerlei Verwunderung veranlassen muss.

Gehen wir davon aus, dass Shakespeare kein Katholik sondern Protestant war, so könnte man argumentieren, dass er mit der Figur des Friar Laurence den katholischen Glauben indirekt kritisieren wollte. Denn, wie wir später noch einmal sehen werden, trägt das Handeln des Mönches in gewissem Maße zum schrecklichen Ende der Liebenden bei. Durch sein Unvermögen, so könnte man interpretieren, wird der Katholizismus negativ dargestellt und das Scheitern seines Plan könnte als Scheitern der katholischen Religion verstanden werden.

Diese beiden Interpretationsmöglichkeiten sind jedoch reine Spekulationen und erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

3. Darstellung, Charakterisierung und Sprache der Figur des Friar Laurence in Romeo und Julia

Nach diesen Vermutungen bezüglich Religions- und Glaubenseinflüssen möchte ich mich im nächsten Abschnitt genauer mit dem Primärtext auseinandersetzen. Es gilt zu untersuchen, wie die Figur des Friar Laurence im Stück selbst dargestellt und charakterisiert wird. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig einen Blick auf die von ihm verwendete Sprache zu werfen, da sich hieraus auch einige entscheidende Aspekte und Indizien ablesen lassen.

Seinen ersten Auftritt im gesamten Stück hat der Mönch in der dritten Szene im zweiten Akt. Betrachtet man zuerst einmal rein die formale Ebene, so fällt hier auf, dass dieser etwas längere Monolog von Friar Laurence durchwegs in sogenannten heroic couplets (ein Reimpaar aus fünffüßigen Jamben) geschrieben ist. Herbert Geisen merkt hierzu in der Reclam Ausgabe von Romeo und Julia an, dass diese sprachliche Redeweise des Mönches „eine neue Stilebene des Stücks dar[stellt]“[12]. Die Textpassage vermittelt daher sogleich ein besonderes Bild des Friars; nämlich das eines wortgewandten, rhetorisch geschulten und geistig gelehrten Gläubigen.

Außer diesen Informationen, die wir über die sprachlich-formale Ebene von ihm erhalten, erfahren wir über den Inhalt seines Monologs noch mehr von dem Franziskanermönch: er ist ein naturverbundener und naturliebender Kräutersammler, der sich schon früh morgens im Garten befindet und nicht, wie es auf die meisten anderen Klosterbrüder zutreffen würde, beim Gebet.[13] In seinem Selbstgespräch spricht er über die medizinisch-heilende aber auch gefährliche Wirkung von Pflanzen und der Natur, und davon, dass man damit kostbar und vorsichtig umgehen muss. Hiermit wird dem Publikum bereits vermittelt, dass sich der Mönch in diesem Bereich gut auszukennen scheint, was später von Romeo auch noch einmal bestätigt wird: „Both our remedies within thy help and holy physic lies“[14]. Interpretiert man diesen Redeabschnitt des Mönches aber einmal mit dem Hintergrundwissen der sich anbahnenden Liebestragödie von Romeo und Julia, so erkennt man, dass „in dramatisch ironischer Verkehrung […] seine Äußerungen über das Wirken der Natur auch auf den Tod der Liebenden zu[treffen]“[15]. Was im ersten Moment als eher beiläufiges Sinnieren des Paters über seine Pflanzen im Garten erscheint, erhält unter dem Aspekt des baldigen Unglücks eine weitere, tiefere Bedeutung. Die Ironie lässt sich insofern begründen, da es Friar Laurence selbst sein wird, der einen entscheidenden Teil zu diesem Unheil beiträgt.

[...]


[1] Daniell 2001: 1

[2] Schwanitz 2002: 130

[3] Schwanitz 2002: 130

[4] Evangeliumsnetz e.V. 2007: http://www.evangelium.de/1319.0.html, Stand: 02.09.07

[5] Vgl. Mabillard 2006: http://www.shakespeare-online.com/faq/lifefaq.html#religion, Stand: 02.09.2007

[6] Vgl. Daniell 2001: 2

[7] Vgl. Knight 2007: http://www.newadvent.org/cathen/13748c.htm, Stand: 02.09.2007

[8] Vgl. Ebd.

[9] Hammerschmidt-Hummel 2001: http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/70161/, Stand: 02.09.2007

[10] Vgl. Knight 2007: http://www.newadvent.org/cathen/13748c.htm, Stand: 02.09.2007

[11] Bartenschlager 1978: 94

[12] Geisen 2001: 222

[13] Vgl. Battenhouse 1969: 122

[14] Romeo und Julia II.3.47-48

[15] Geisen 2001: 222

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Figur des Friar Laurence in Romeo und Julia
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V140350
ISBN (eBook)
9783640474172
ISBN (Buch)
9783640473816
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Figur, Friar, Laurence, Romeo, Julia
Arbeit zitieren
Anja Kopf (Autor), 2007, Die Figur des Friar Laurence in Romeo und Julia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140350

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