In dieser Hauptseminararbeit wird die Darstellung der Figur des König Artus in zwei Artusromanen, dem Lancelet und dem Erec, miteinander verglichen.
Die klassischen deutschen Artusromane wurden im Hochmittelalter, also um 1200, verfasst
und sind im Allgemeinen durch feste Motive, eine bestimmte Struktur und einen festgelegten
Personenkreis charakterisiert. Sie verhandeln ein literarisch geschaffenes Werte- und
Orientierungssystem, das außerhalb der kirchlichen Heilslehre funktionieren kann. Die von
den Autoren gestaltete Handlung soll einerseits unterhalten, hat aber andererseits die Absicht,
beim Publikum einen Reflexionsprozess über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft
auszulösen.
In den Romanen versammelt König Artus, der ideale höfischer Herrscher alle vortrefflichen
Ritter zusammen mit ihren Damen um seine Tafelrunde. Dieses integrierende und
Gemeinschaft stiftende Werte- und Verhaltensideal wird durch zwei zentrale Bereiche des
ritterlichen Lebens bestimmt: Die "Minne" und die "Aventiure".
Die ritterlichen Helden haben in ihrer Geschichte, die sich zumeist außerhalb der Tafelrunde
vollzieht, die Aufgabe, für sich selbst einen richtigen Begriff von "Aventiure" und "Minne" zu
finden. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Bereichen, also die Frage nach Ausgleich
zwischen der Entfaltung der Individualität und den gesellschaftlichen Verpflichtungen und
der Bezug zum Ideal des Artushofes sind dabei wesentliche Bestandteile.
Im Mittelpunkt des Artushofes steht natürlich König Artus. Zwei Beispiele aus dem Bereich
der klassischen Artusromane werden mit Bezug auf diesen Herrscher im Folgenden kurz
vorgestellt und anhand bestimmter Leitfragen verglichen. Diese Romane sind der ‚Erec’ von
Hartmann von Aue und der ‚Lanzelet’ von Ulrich von Zatzikhoven3. Wichtig für die Analyse
der beiden Romane ist die Darstellung von Artus im Rahmen der Tradition und Konvention
und die Frage, ob er einem bestimmten Typus angehört oder davon abweicht. Außerdem soll
die Funktion von Artus als Figur in der Interaktion mit den Figuren und die Bedeutung der
Artusszenen für die Struktur der Romane genauer untersucht werden. Zum Schluss steht die
Fragestellung, ob sich das Artusbild im Vergleich von ‚Erec’ zu ‚Lanzelet’ geändert hat. Dazu
soll im Vorfeld der Analyse eine ungefähre historische Einordnung der Romane stattfinden.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Einordnung
2.1. ‚Erec’
2.2. ‚Lanzelet’
3. Artus als traditioneller Herrscher?
3.1. ‚Erec’
3.2. ‚Lanzelet’
4. Funktion von Artus in der Interaktion mit den Figuren
4.1. ‚Erec’
4.2. ‚Lanzelet’
5. Bedeutung der Artusszenen für die Struktur des Romans
5.1. ‚Erec’
5.2. ‚Lanzelet’
6. Zusammenfassung
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion von König Artus in den klassischen deutschen Artusromanen ‚Erec’ von Hartmann von Aue und ‚Lanzelet’ von Ulrich von Zatzikhoven, um zu analysieren, wie sich das Bild des Herrschers zwischen den beiden Werken gewandelt hat und welche Auswirkungen dies auf die Struktur und Interaktion der Figuren hat.
- Historische Einordnung und Datierung von ‚Erec’ und ‚Lanzelet’.
- Analyse von Artus als traditionelles Herrscherideal.
- Untersuchung der Interaktion zwischen Artus und seinen Rittern.
- Bedeutung der Artusszenen für die jeweilige Romanstruktur.
- Vergleich der Wandlung des Artusbildes von einer passiven Idealinstanz hin zu einem aktiveren, aber auch angreifbareren Herrscher.
Auszug aus dem Buch
3.1. ‚Erec’
In diesem Artusroman wird König Artus grundsätzlich als traditioneller, idealer, vorbildhafter und gerechter König und Herrscher im Sinne Chrétiens dargestellt. Das zeigt sich bereits im Prolog, der bei Hartmann zwar nicht erhalten ist, für den man sich inhaltlich jedoch an Chrétien orientieren kann. Hartmann hat in seinem Werk die Vorlage an die deutschen Verhältnisse mit dem Ziel der größeren Vorbildlichkeit der Figuren und des Artushofes im Allgemeinen angepasst.
Im Prolog findet die berühmte Jagd nach dem weißen Hirsch statt, eine Tradition, die Artus von seinem Vater Uterpendragon übernommen hat. Jagen kann allgemein als höfische Beschäftigung männlicher Adeliger gesehen werden. Es diente beispielsweise als erzieherische Maßnahme zur Vorbereitung zum Rittertum. Ein Brauch wiederum besagt, dass der Sieger der Hirschjagd die schönste Frau am Hof küssen darf. Dadurch wird die gesellschaftliche Utopie besiegelt, dass der beste Ritter und die schönste Dame zusammengehören. Artus erweist sich in der Jagd als Sieger und damit als idealer Jäger und Kämpfer. Er könnte aufgrund dieser Tatsache als aktiver Ritter gesehen werden, was aber im Verlauf des Romans nicht weiter ausgestaltet wird. Artus greift im Handlungsverlauf nicht aktiv in Kampfgeschehen ein, sondern überlässt den Aventiurepart seinen Rittern und in diesem Zusammenhang vor allem Erec, der das Hauptgeschehen bestimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Welt der klassischen deutschen Artusromane ein, definiert zentrale Begriffe wie "Minne" und "Aventiure" und formuliert die Forschungsfrage zum Wandel des Artusbildes.
2. Historische Einordnung: Dieses Kapitel datiert die beiden Romane ‚Erec’ und ‚Lanzelet’ historisch und verortet sie im literarischen Kontext des Hochmittelalters.
3. Artus als traditioneller Herrscher?: Hier wird analysiert, inwiefern Artus als traditioneller König im Sinne der höfischen Literatur fungiert und welche Attribute ihm in den beiden Werken zugeschrieben werden.
4. Funktion von Artus in der Interaktion mit den Figuren: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Artus als Integrationsfigur und Idealbild mit seinen Rittern interagiert und welche kritischen Aspekte dabei hervortreten.
5. Bedeutung der Artusszenen für die Struktur des Romans: Die Analyse zeigt auf, wie der Artushof als strukturelles Zentrum und Rahmen für den Handlungsverlauf der jeweiligen Romane dient.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Ergebnisse und stellt den Wandel des Artusbildes vom passiven Ideal im ‚Erec’ zum aktiven, aber angreifbaren Herrscher im ‚Lanzelet’ gegenüber.
7. Literatur: Auflistung der für die Analyse herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Primärtexte.
Schlüsselwörter
Artusroman, Hartmann von Aue, Ulrich von Zatzikhoven, Erec, Lanzelet, Mittelalter, Herrscherbild, Tafelrunde, Aventiure, Minne, Literaturwissenschaft, Struktur, höfische Kultur, Herrschaftslegitimation, Rittertum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht den Wandel der Figur König Artus in den beiden mittelhochdeutschen Romanen ‚Erec’ und ‚Lanzelet’ und deren unterschiedliche Funktionen für die Erzählstruktur.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Herrschaftsdarstellung, höfische Ideale, die Interaktion des Königs mit seinen Rittern sowie die strukturelle Bedeutung des Artushofes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob und wie sich das Bild des Artus vom ‚Erec’ zum ‚Lanzelet’ gewandelt hat und welche Konsequenzen dies für die Darstellung der Herrschaft hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse der Primärtexte unter Berücksichtigung literarhistorischer Konventionen und Forschungsliteratur.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Analyse?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des traditionellen Herrscherbildes, die Funktion von Artus im Figureninteraktionsgeflecht und die strukturelle Bedeutung des Hofes.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit ist stark geprägt durch Begriffe wie höfische Epik, Ritterethos, Herrschaftsnachfolge, Idealität und Fiktionalität.
Warum wird im ‚Lanzelet’ die "Blankobitte" als Schwäche des Königs interpretiert?
Die mehrfache Gewährung von Blankobitten zeigt eine Naivität oder Lernunfähigkeit des Königs in schwierigen Situationen, da er nicht abschätzen kann, welche negativen Konsequenzen diese Versprechen für sein Reich haben.
Welche Rolle spielt der Artushof als "Integrationsinstanz"?
Der Hof fungiert als Ort, an dem ritterliche Ideale bestätigt und Einzelne, wie etwa Erec oder Lanzelet, in die höfische Gemeinschaft aufgenommen werden, um ihre Legitimation als Ritter zu festigen.
Inwiefern unterscheidet sich die Rolle von Artus im ‚Lanzelet’ von seiner Rolle im ‚Erec’?
Während Artus im ‚Erec’ als weitgehend passives Idealbild fungiert, tritt er im ‚Lanzelet’ als aktiver Kämpfer auf, ist dadurch jedoch anfälliger für Kritik und Krisen.
- Arbeit zitieren
- Susanne Brehme (Autor:in), 2005, Das Artusbild im ‚Erec’ Hartmanns von Aue und im ‚Lanzelet’ Ulrichs von Zatzikhoven, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140470