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Allgemeine Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland. Eine zeitgemäße „Pflicht“?

Title: Allgemeine Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland. Eine zeitgemäße „Pflicht“?

Bachelor Thesis , 2009 , 92 Pages , Grade: 1,15

Autor:in: Matthias Hellmich (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Seit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1956 steht für den männlichen Teil der jungen erwachsenen Bevölkerung der Gang zu einem der bundesdeutschen Kreiswehrersatzämter an. In den letzten 20 Jahren lag die Jahrgangsstärke der erfassten jungen Männer stets im Rahmen von 350.000 bis 450.000 Wehrpflichtigen, von denen im Verlauf der letzten zwei Jahr-zehnte eine fortschreitend sinkende Anzahl schließlich in die Kasernen einzog. Die Nachfrage bei der Bundeswehr, deren Truppenstärke sich von 1990 bis 2007 hal-bierte, sinkt, wie auch der Verteidigungsetat, stetig; so wurden auch die Tauglich-keitskriterien angehoben, was 2007 zu einem Anteil der als untauglich gemusterten Männer von knapp 54% führte.
Dieser Entwicklung trugen zum Teil auch die großen politischen Parteien in ihren Grundsatzprogrammen sowie gegenwärtig in ihren Bundestagswahlprogrammen für das Jahr 2009 Rechnung. Darin bekennen sich CDU und CSU ausdrücklich zur Wehrpflicht als Garant für Sicherheit und gesellschaftliche Einbindung in einen de-mokratischen Rahmen. Mit einer weiterentwickelten Wehrpflicht beabsichtigt hinge-gen die SPD einen Mittelweg einzuschlagen, der zwar eine Fortsetzung des Muste-rungsverfahrens der Flexibilität halber vorsieht, aber im Anschluss das Einziehen nur derjenigen plant, die sich bereits bei der Musterung freiwillig dafür entschieden haben. Die FDP dagegen strebt ein Aussetzen der Wehrpflicht aus Gründen der Ungerechtigkeit und mangelnder Einsatzbereitschaft an und fordert das Aufstellen einer verkleinerten sowie gut ausgerüsteten und flexiblen Freiwilligenarmee. Einen Schritt weiter geht die Partei Bündnis 90/Die Grünen, die eine Abschaffung der Wehrpflicht und den Übergang zu einer vom Parlament geführten Freiwilligenstreit-kraft fordert. Sie sieht in den gewandelten Aufgaben der Bundeswehr keine Rech-tfertigung mehr für die Verletzung der Grundrechte von Wehrpflichtigen. Die Ab-schaffung der Wehrpflicht wird von der Fraktion Die Linke ebenfalls befürwortet. Sie beabsichtigt allerdings in einem weiteren Schritt, die Bundeswehr zu einer reinen Verteidigungsarmee geringen Umfangs umzugestalten.
Die Bandbreite divergierender Ansichten allein bei den Parteien lässt die Schwierig-keit eines eindeutigen Lösungskonzepts für die Probleme der Bundeswehr – die de facto existieren – bezüglich ihrer Struktur und insbesondere der damit verknüpften Personalrekrutierung, bereits erahnen.(...)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Anstöße zum Ende der Massenarmee

2.1. Gesellschaft

2.2. Technologie

2.3. Ökonomie

2.4. Sicherheitspolitik und Geostrategie

3. Historische Entwicklung von Bundeswehr und Wehrpflicht in Deutschland

3.1. Einrichtung der Bundeswehr 1956

3.2. Entwicklung bis 1990

3.3. Der Wandel der Bundeswehr bis heute

4. Die Wehrpflicht in Deutschland aus politischer Perspektive

4.1. Warum wurde die Wehrpflicht eingeführt?

4.2. Weshalb wurde an der Wehrpflicht bis heute festgehalten?

5. Ist die allgemeine Wehrpflicht noch zeitgemäß für die BRD im 21. Jahrhundert?

5.1. Untersuchung wesentlicher Einflussfaktoren auf die Bundeswehr

5.1.1. Gesellschaft

5.1.2. Technologie

5.1.3. Ökonomie

5.1.4. Sicherheitspolitik und Geostrategie

5.2. Militärsoziologische Betrachtung

5.2.1. Einfluss der Faktoren auf die Bundeswehr als Organisation

5.2.2. Die Bundeswehr in Wechselwirkung mit der Gesellschaft

5.3. Zwischenfazit

5.4. Wehrgerechtigkeit in Deutschland

5.4.1. Wehrgerechtigkeit in den Musterungsjahren 2000 bis 2008

5.4.2. Wehrgerechtigkeit für die Geburtsjahrgänge 1981 bis 1991

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht vor dem Hintergrund veränderter sicherheitspolitischer Rahmenbedingungen und sinkender Personalbedarfe, ob die allgemeine Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland noch zeitgemäß ist. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen militärischen Erfordernissen und gesellschaftlichen sowie ökonomischen Entwicklungen zu analysieren.

  • Analyse der theoretischen Ansätze zum Ende der Massenarmee.
  • Historische Untersuchung der Wehrpflicht in Deutschland.
  • Politikwissenschaftliche und soziologische Evaluation der Wehrgerechtigkeit.
  • Diskussion der Zukunftsfähigkeit der Wehrpflicht vs. Freiwilligenarmee.
  • Untersuchung ökonomischer und sicherheitspolitischer Einflussfaktoren auf die Struktur der Bundeswehr.

Auszug aus dem Buch

5.1.1. Gesellschaft

Ein Spannungsfeld zwischen Militär und Gesellschaft trete vornehmlich während Perioden dynamischen gesellschaftlichen Wandels auf, da innerhalb der Bundeswehr konservative Gesellschaftsbilder überwiegen. Für die militärische Personalgewinnung wie auch für das Ansehen der Bundeswehr, spielt der tendenzielle Wertewandel in der Gesellschaft von der materialistischen zur postmaterialistischen Orientierung eine gewichtige Rolle. Wertewandel sowie zunehmende Individualisierung und Pluralisierung der Lebensläufe gehen Hand in Hand. Sie führen zunehmend zu dem Verlust traditioneller Autoritäten, der sich darin äußert, dass Institutionen wie Kirchen, Parteien oder eben das Militär keinen Orientierungswert mehr an sich besitzen. (Kutz, 2006, S. 270 ff.) Die zunehmende Demilitarisierung der Gesellschaft lasse sich ferner auch an dem erhöhten Lebensstandard, dem steigenden Bildungsdurchschnitt, den differenzierten und spezialisierten Berufsfeldern sowie der umfangreichen Technologiesierung festmachen. Diese sozio-kulturellen und sozio-strukturellen Entwicklungen leisteten ihrerseits einen Beitrag zu der oben angeführten Werteverschiebung von der Gemeinschaftsorientierung hin zur Individualisierung und Pluralisierung der Lebensstile. (Bredow & Kümmel, 1999, S. 13 f.)

Unter diesen Entwicklungen habe ebenfalls die nationale Verbundenheit bzw. die Heimatverbundenheit gelitten. Wie schon angedeutet unterliege die Ablehnung allen militärisch Formalen und Disziplinären auch zunehmender Ablehnung vor allem durch Jugendliche und junge Erwachsene. In diesem Zusammenhang sind auch die Motivationsgründe zu sehen, die junge Männer dazu veranlassen Militärdienst zu leisten. Die Zahl derer, die als Anlass für den Eintritt in die Armee die Vermeidung von Arbeitslosigkeit angaben, stieg von 25% im Jahr 1963 auf 67% im Jahr 1986 an (Klein, 1987, S. 2 ff.); im Jahr 1992 gaben in einer Studie von Hans-Ferdinand Müller 64% der Befragten mit einer hohen bis sehr hohen Zustimmung an, der sichere Arbeitsplatz sei ein Eintrittsmotiv gewesen. (Müller, 1996, S. 153)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Ausgangslage der Wehrpflichtdebatte und legt die Zielsetzung sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit dar.

2. Theoretische Anstöße zum Ende der Massenarmee: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über wissenschaftliche Argumente, die den globalen Trend zur Abkehr von Massenarmeen hin zu Freiwilligenstreitkräften begründen.

3. Historische Entwicklung von Bundeswehr und Wehrpflicht in Deutschland: Hier wird der historische Kontext der Bundeswehr von der Gründung 1956 bis zur Gegenwart unter Berücksichtigung politischer Zäsuren aufgearbeitet.

4. Die Wehrpflicht in Deutschland aus politischer Perspektive: Dieses Kapitel beleuchtet die politischen Begründungen für die Einführung und die fortwährende Beibehaltung der Wehrpflicht im deutschen Diskurs.

5. Ist die allgemeine Wehrpflicht noch zeitgemäß für die BRD im 21. Jahrhundert?: Das Kernstück der Arbeit untersucht Einflussfaktoren wie Gesellschaft, Technologie, Ökonomie und Geostrategie auf die Bundeswehr sowie die Problematik der Wehrgerechtigkeit.

6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und resümiert die Perspektiven der aktuellen Rekrutierungsform.

Schlüsselwörter

Wehrpflicht, Bundeswehr, Massenarmee, Wehrgerechtigkeit, Militärsoziologie, Sicherheitspolitik, Freiwilligenarmee, Zivildienst, Personalgewinnung, Sozialisation, Strukturwandel, Auslandseinsätze, Krisenmanagement, Demilitarisierung, Wertewandel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob das System der allgemeinen Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland unter Berücksichtigung moderner sicherheitspolitischer Anforderungen noch zeitgemäß ist.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Die zentralen Felder umfassen die gesellschaftlichen, technologischen, ökonomischen sowie sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen, die den Wandel von Armeestrukturen beeinflussen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Wehrpflicht als Rekrutierungsform noch eine angemessene Antwort auf die Bedürfnisse der Bundeswehr im 21. Jahrhundert darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche und militärsoziologische Analyse internationaler Theorieansätze sowie eine empirische Auswertung vorliegender statistischer Daten.

Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert die Auswirkungen von Effizienzdenken, Technisierung und dem geänderten Aufgabenspektrum der Bundeswehr (z. B. Auslandseinsätze) auf die Wehrpflicht und die Wehrgerechtigkeit.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die wesentlichen Begriffe sind Wehrpflicht, Bundeswehr, Wehrgerechtigkeit, Militärsoziologie und die Transformation zu professionellen Streitkräften.

Wie bewertet der Autor den Einfluss der Gesellschaft auf die Bundeswehr?

Der Autor stellt eine zunehmende kulturelle Distanz fest, da moderne gesellschaftliche Werte (Individualisierung, Postmaterialismus) konträr zu traditionellen militärischen Hierarchien verlaufen.

Welche Rolle spielt der Zivildienst in dieser Debatte?

Der Zivildienst wird als eine Art "Ersatzdienst" betrachtet, dessen gesellschaftliche Bedeutung zwar hoch ist, jedoch kritisch in Bezug auf die Rechtfertigung der Wehrpflicht selbst diskutiert wird.

Warum wird die Wehrgerechtigkeit als problematisch erachtet?

Aufgrund sinkender Bedarfe und zahlreicher Ausnahmeregelungen wird argumentiert, dass die Wehrpflicht faktisch kaum noch einem allgemeinen, gerechten Prinzip folgt.

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Details

Title
Allgemeine Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland. Eine zeitgemäße „Pflicht“?
College
University of Osnabrück  (Sozialwissenschaften)
Grade
1,15
Author
Matthias Hellmich (Author)
Publication Year
2009
Pages
92
Catalog Number
V140586
ISBN (eBook)
9783640486021
ISBN (Book)
9783640486267
Language
German
Tags
Allgemeine Wehrpflicht Bundesrepublik Deutschland Eine
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Hellmich (Author), 2009, Allgemeine Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland. Eine zeitgemäße „Pflicht“?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140586
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