Öffentlich-rechtliches Radio für junge Hörer. Qualitätsperspektiven auf Musik als Medieninhalt und Musikjournalismus


Magisterarbeit, 2008

191 Seiten, Note: 3


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Inhalt

1 Worum geht es?

2 Musik im Radio als Forschungsgegenstand
2.1 Zum Stand der Radioforschung
2.2 Zum Stand der Forschung im Bereich Musik im Radio

3 Die Zielgruppe der „jungen Hörer“ und die Bedeutung von Qualität im „alten Medium“ Radio
3.1 Radio- und Mediennutzung junger Hörer
3.2 Musikrezeption junger Hörer
3.3 Radio im Kampf mit neuen Medienangeboten um Aufmerksamkeit
3.4 Radio in der Zukunft

4 Überblick über öffentlich-rechtliche Jugendradios im deutschsprachigen Raum
4.1 Programmprofil on3radio (BR)
4.2 Programmprofil You FM (HR)
4.3 Programmprofil Sputnik (MDR)
4.4 Programmprofil N-Joy (NDR)
4.5 Programmprofil Bremen Vier (Radio Bremen)
4.6 Programmprofil Fritz (RBB)
4.7 Programmprofil Das Ding (SWR)
4.8 Programmprofil Unser Ding (SR)
4.9 Programmprofil 1LIVE (WDR)
4.10 Programmprofil FM4 (ORF)
4.11 Programmprofil VIRUS (DRS)

5 Aus dem Grundversorgungsauftrag und Klassischen Rundfunkauftrag abgeleitete Funktionen und Qualitäten für den Medieninhalt Musik im öffentlich-rechtlichen Radio 55
5.1 Vorbildfunktion: Journalistische Standards, Höchstmaß an Professionalität, Seriosität und Innovation
5.1.1 Musikjournalismus im Radio
5.1.2 Möglichkeit der Messung von Qualitätskriterien beim Medieninhalt Musik und Musikjournalismus auf Grundlage des Methodenmix von Ruß-Mohl und Held
5.2 Komplementärfunktion: Bereitstellen von Angeboten und Qualitäten, die marktfinanzierte Programme nicht leisten können
5.2.1 Normativ-rechtliche Qualitätskriterien
5.2.2 Vielfalt als besonderes Qualitätskriterium
5.2.3 Musikauswahl und Originalität
5.2.4 Beispiel für Definition von Qualität: BBC in Großbritannien
5.2.5 Beispiel für Qualität im Radio: Der Ausnahmesender Radio Eins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg
5.3 Zusammenfassung der Qualitätskriterien des Medieninhalts Musik und Musikjournalismus im Radio

6 Qualität aus der Perspektive der Hörer 87
6.1 Vorüberlegungen und bisherige Ergebnisse zur Qualitätsforschung aus Sicht der Hörer
6.2 Befragung junger Hörer in Dresden zum Thema Musik im Radio

7 Qualität aus der Perspektive der Programmverantwortlichen 106
7.1 Interview mit dem Musikchef und stellvertretenden Programmchef vom MDR Sputnik: Herr B
7.2 Schriftliche Befragung der Jugendradios in Deutschland, in Österreich und der Schweiz

8 Resümee

9 Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Altersstruktur und Hörerzahlen von öffentlich-rechtlichen Jugendradios in Deutschland

Tabelle 2: Entwicklung der Tagesreichweiten von Radioprogrammen in der jungen Zielgruppe 2001-2008

Tabelle 3: Bindung an das Radio

Tabelle 4: Motive der Radio- und Musiknutzung

Tabelle 5: Unterscheidung Jugendradio vs. Pop- und Servicewelle

Tabelle 6: Zusammenfassende Darstellung der Qualitätskriterien des Medieninhalts Musik und Musikjournalismus

Tabelle 7: Medium für Radioempfang

Tabelle 8: Top Ten der Lieblingsradiosender von jungen Hörern in Dresden

Tabelle 9: Bewertung der Radiosender für die Musikauswahl

Tabelle 10: In den jeweiligen Altersklassen haben die beliebtesten 3 Radiosender gewählt

Tabelle 11: Das Besondere am Lieblingssender: Beispiel Radio Fritz

Tabelle 12: Wünsche der jungen Hörer im Bereich Musik

Tabelle 13: Verhältnis zwischen der Präferenz für unterschiedliche Musikrichtungen und dem Wunsch nach neuer, unbekannter Musik

Tabelle 14: Wünsche im Bereich Musikinformationen und -journalismus

Tabelle 15: Musikflussunterbrechung

Tabelle 16: Entdeckungsort für neue Musik

Tabelle 17: Anzahl und Durchschnittsalter der Musikredakteure

Tabelle 18: Musiktitel-Test (Call-out) und Anzahl der Titel in der Playlist

Tabelle 19: Stellenwert verschiedener Quellen bei der Gestaltung des Musikprogramms

1 Worum geht es?

Das Tolle am Radio ist, dass es im besten Fall wie eine Wundertüte funktio niert. Man bekommt etwas, was man nicht gesucht, womit man nicht ge rechnet hat. Das erweitert den Horizont. (Loichinger, 2008).

Musik umfängt uns und fließt durch unseren Alltag wie in keiner Epoche zuvor. Siewird in den unterschiedlichsten Formaten und Kontexten rezipiert: ob via Tonträ-ger, Radio, Fernsehen, Internet, ob im Supermarkt, in Wartesälen, in Restaurants,beim Friseur, beim Gottesdienst, in Konzerten, in der Oper, auf der Arbeit, im Fit-nessstudio, beim Essen oder beim leidenschaftlichen Musikhören zu Hause. Siekann dabei auf verschiedene Weise wahrgenommen werden: auf dem Wege derÜbertragung aus dem Lautsprecher, als musikalische Live-Darbietung oder als Er-gebnis des eigenen Musizierens. Musik hat viele Funktionen: Sie stiftet kulturelleund soziale Gemeinsamkeiten, sie bestimmt das Selbstverständnis gesellschaftli-cher Gruppen und Milieus. Der weitaus größte Teil der Musikrezeption ist dabeimedienvermittelt. Die Medien besitzen somit eine überragende ökonomische Be-deutung für Musik und verfügen damit über einen enormen Einfluss auf die Pro-duktionsbedingungen (vgl. Reus, 2008, S. 85). So herrscht bis heute bei der Single-Produktion das Radiodiktat der Drei-Minuten-Titel. Der Kommunikations- undMusiktheoretiker Christoph Jacke stellte in diesem Zusammenhang fest, dass esheute keine Trennung mehr zwischen der Medienrealität und einer alltäglichen Re-alität gäbe, sondern diese stets bereits von den Medien geprägt sei und diesesselbstverständlich auch auf die Bereiche der Popkultur und -musik zuträfe (vgl. Ja-cke, 2008, S. 143).

Musik ist eine der in den verschiedenen Massenmedien am häufigsten vorkom-menden Medieninhalte und wird trotz ihrer Omnipräsenz aus kommunikations-wissenschaftlicher Sicht nur selten untersucht. Dies gilt für den Hörfunk, für dasFernsehen, für die Printmedien, aber ebenfalls für das Internet. So entfallen rund 70 % der Sendezeit bei massenattraktiven Radioprogrammen auf die Musik (vgl.Bucher Barth, 2003, S. 239). Aus Sicht des Publikums ist Musik das wichtigsteProgrammelement und damit das wichtigste Kriterium für das Format eines Radio-senders, welches wiederum ein Hauptkriterium für Hörer ist, ein bestimmtes Pro-gramm einzuschalten oder eben auch nicht. Man würde erwarten, dass die Senderbemüht sind, dem Hörer ein unverwechselbares Musikprogramm zusammenstellen,um so unterschiedliche Musikpräferenzen zu bedienen. Doch die Unterschiede in den Musikprogrammprofilen sind oft nur marginal. Die Orientierung amMainstream ist sowohl bei den privaten als auch den öffentlich-rechtlichen Pro-grammen vorherrschend. Dabei hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk einenGrundversorgungsauftrag und einen Programmauftrag zu erfüllen, der Informati-on, Bildung, Kultur und Unterhaltung vorschreibt. Doch dieser Auftrag wird nir-gends präzise formuliert, meist mit der Begründung, dass nicht in die Rundfunk-freiheit (Grundgesetz Art. 5, Abs. 1) eingegriffen werden soll. Und wenn es Formu-lierungen, etwa in der Rechtssprechung durch das Bundesverfassungsgericht gibt,beinhalten diese keine direkten Formulierungen zur Qualität des MedieninhaltsMusik. Dennoch oder gerade deswegen soll im Laufe dieser Arbeit der Versuch un-ternommen werden, einige Qualitätskriterien aus dem Grundversorgungs- undRundfunkauftrag auf den Medieninhalt Musik abzuleiten. Eine wichtige Rolle wirddabei das Kriterium der Vielfalt spielen, die aus dem Radio jene „Wundertüte“macht, wie sie im Eingangszitat anschaulich beschrieben ist. Musik dient sicher inerster Linie „nur“ der Unterhaltung, sie prägt damit aber einen Teil unserer Alltags-kultur. Wenn Radiosender immer wieder nur die gleichen Hits spielen, bleibt dieVielfalt auf der Strecke und die Offenheit für Neues und Andersartiges wird zu-nehmend versperrt. Eine zugespitze, aber treffende Beschreibung über die Radio-landschaft äußerte der Generalmusikdirektor der Sächsischen Staatsoper undStaatskapelle Dresden Fabio Luisi: „Die Jagd nach Quote in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten trägt dazu leider viel bei. Anstatt den Bildungsauf-trag umzusetzen, wird nach Masse geschielt, Qualität und Niveau werden dadurchimmer mehr zu Fremdwörtern.“ (Luisi, 2008, S. 5). Der Komponist, Dirigent undPianist Leonard Bernstein benutzt den Begriff der „musikalischen Öffentlichkeit“und verwies auf den „… Wert der musikalischen Verständigung, der Sprache unsereSeele …“ (Bernstein, 1968, S. 14). Kritik am Verfall dieser musikalischen Öffent-lichkeit kommt vereinzelt auch aus der Politik. So beklagte der MedienministerEberhard Sinner aus Bayern das sinkende Musik-Niveau im öffentlich-rechtlichenRadio (vgl. Fuchs, 2008). Dabei verfügt das öffentlich-rechtliche Radio über dieMöglichkeiten, dank einer relativen Unabhängigkeit von Werbeeinnahmen, für einekulturelle Vielfalt zu sorgen, genauso wie für gut ausgestattete Musikredaktionenund für Moderatoren, die lebendig und nah an den Menschen eine kulturelle Viel-falt und damit auch eine musikalische Vielfalt vermitteln. Dabei müssen und sollendie Radioprogramme nicht zwangsläufig zu Nischensendern für Minderheiten ver-kümmern. Um die Gebührengelder zu rechtfertigen bedarf es eben durchaus eines relativ breiten Publikums. Doch Einschaltquoten dürfen nicht mit Qualität ver-wechselt werden. Arbeiten Sender nach der Maxime, ein massenkompatibles Mu-sikprogramm zu gestalten, wird automatisch der Komplexitätsgrad der Musik imRadio eher niedrig gehalten. Die Sender nehmen folglich mit ihrer Entscheidung,Musikprogramme auf kleinstem gemeinsamem Komplexitätsniveau zu entwerfen,eher in Kauf, Hörer zu langweilen als sie zu überfordern (vgl. Schramm, 2008, S.144). Den Spagat zwischen den Anforderungen des Rundfunkstaatsvertrages unddem Markterfolg zu vollbringen ist keine leichte Aufgabe. Doch die Legitimations-basis für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollte Qualität und nicht Quote sein.Besonders die Radioangebote, die eine junge Hörerschaft erreichen wollen, stehenaber nicht nur in Konkurrenz zu privat-kommerziellen Angeboten, sondernzugleich im zunehmenden Wettbewerb mit neuen Medienangeboten, vor allem imInternet. Für die Zukunftssicherheit der meisten Radioprogramme wird deshalbvon großer Bedeutung sein, welche Qualitäten sie im Bereich der Musikauswahlund des Musikjournalismus anbieten. Wenn im Folgenden vom Medieninhalt Mu-sik die Rede ist, sind dabei stets die Musik selbst und die dazugehörigen Wortbei-träge, also Musikinformationen und journalistische Beiträge zur Musik gemeint.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Qualitätskriterien in Bezug auf den Me-dieninhalt Musik für das öffentlich-rechtliche Radio genauer zu definieren. Danachwerden die Perspektiven der jungen Hörer (Rezipienten) und Programmanbieter(Kommunikatoren) zu diesen Qualitätseigenschaften verglichen. Weitere Fragensind: Wollen die Hörer Qualität? Und wissen die Macher überhaupt von ihrem Auf-trag?

Am Beginn der Arbeit steht zunächst aber eine Beschreibung des Untersuchungsge-genstands „Musik im Radio“ und der Zielgruppe der „jungen Hörer“. Es folgt eineBegründung der Wichtigkeit von Qualität, die aus der Konkurrenzsituation neuerMedienangebote, gerade für die junge Zielgruppe, erwächst. Dazu werden aktuelleTrends berücksichtigt, die auf dem Radio Day1 2008 in Köln diskutiert wurden. An-schließend werden alle elf öffentlich-rechtlichen Radioangebote für junge Hörer imdeutschsprachigen Raum in je einem Programmprofil kurz vorgestellt. Um einenmöglichst aktuellen Stand dieser Programmprofile zu erzielen, war eine rege E- Mail- und Telefonkommunikation mit den Jugendradios notwendig. In einemnächsten Schritt werden die verschiedenen Qualitätskriterien aus dem Grundver-sorgungsauftrag und dem Klassischen Programmauftrag abgeleitet. Diese ergebensich vor allem aus der Vorbild- und Komplementärfunktion, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk erfüllen sollte. Um diesen Funktionen gerecht zu werden sinddann die noch zu definierenden Qualitätskriterien erforderlich. Abgeleitet werdensie vor allem aus normativ-rechtlichen Vorschriften und Regelungen, der For-schungsliteratur (insbesondere aus dem Bereich der Qualitätsforschung im Journa-lismus) und einem kurzen Blick auf die BBC nach Großbritannien. Die dabei ge-wonnenen Kriterien werden dann zusammengefasst und mit Hilfe des Modells zurMessung von Qualität im Journalismus von Ruß-Mohl Held übersichtlich geord-net und dargestellt. In dem darauffolgenden empirischen Teil werden die Sichtwei-sen der jungen Hörer zu den verschiedenen Qualitätskriterien in einer schriftlichenBefragung ermittelt. Schließlich wird dann die Perspektive der Programmmacherund ihr Verständnis von Qualität analysiert: Dazu werden die Ergebnisse eines per-sönlichen Interviews mit dem Musikchef und stellvertretendem Programmchef vonMDR Sputnik präsentiert und ebenso die Ergebnisse einer schriftlichen Befragungder übrigen Jugendradios.

Dass das Thema „Qualität im Radio“ Aufmerksamkeit verdient, zeigt ein aktuellesDossier in dem Online-Angebot in „Die Zeit“ mit dem Titel: „Genug gedudelt! Diedeutsche Rundfunklandschaft verkümmert. Welche Sender kann man überhauptnoch hören? Und wo im Äther gibt es neue Ideen? Unsere Schwerpunktseite zumThema Radio gibt einen Überblick.“ (ZEIT Online, 2008). Die vorliegende Arbeit istein Beitrag zur Qualitätsforschung im Bereich Musik und Medien. Auf die Notwen-digkeit der Forschung im Bereich Musik verwies schon 1990 der Kommunikations-wissenschaftler Heinz-Werner Stuiber:

Wenn man beabsichtigt, Forschungüber Programmbestandteile zu unter-nehmen, die dem Publikum wichtig sind, mußman sich zukünftig im Beson-deren um die Bereiche Moderation und Musik kümmern. In beiden Feldernw ä ren durchaus schon kleinere Fallstudien eine wertvolle Hilfe für wissen- schaftlich untermauerte Programmgestaltung zugunsten der H ö rerschaft.(Stuiber, 1990, S. 282).

2 Musik im Radio als Forschungsgegenstand

2.1 Zum Stand der Radioforschung

Dem Hörfunk wird in der akademischen Forschung im Vergleich zu anderen Me-dien wenig Bedeutung zugemessen. Zwar liegen relativ viele empirische Befunde zuden informierenden Programmteilen vor, die Eigenschaften anderer Programm-elemente wurden bislang nur wenig untersucht. Im Folgenden sollen kurz beispiel-hafte Studien vorgestellt werden, die zeigen, was bisherige Schwerpunktthemen inder Radioforschung waren2

Einen Qualitätsvergleich von Radioprogrammen mit vier überregionalen Qualitäts-zeitungen führte Kepplinger (1985) durch. Er analysierte Hörfunknachrichten da-nach, ob sie im Hinblick auf die Auswahl und Tendenz den journalistischen Stan-dards entsprechen, und verglich diese mit vier überregionalen Qualitätszeitungen.In der späteren Forschung ging es dann vorwiegend um die Auswirkungen bei derEinführung des Privatrundfunks in Konvergenzstudien, in denen die gegenseitigeoder einseitige programmqualitative und -quantitative Annäherungsbewegung deröffentlich-rechtlichen und privaten Programme aneinander untersucht wurde. Sountersuchten z. B. Merten, Ganzen Götz (1995) ob dies zu einer erhöhten Infor-mationsvielfalt geführt hatte. Ein Ergebnis dieser Untersuchung war, dass das Ju-gendprogramm des NDR massiv jegliche Mindeststandards unterlief, die selbst anprivate Programme gestellt wurden. Theoretisch fundiert wurden Qualitätsdimen-sionen nach Schatz Schulz (1992), nach denen (niedersächsische) Hörfunkvoll-programme drei Aspekte erfüllen sollten: Beitrag zur publizistischen Vielfalt, The-matisierung der Region in der aktuellen Berichterstattung und Berücksichtigungaller gesellschaftlichen Kräfte. Andere Studien wiederum untersuchten vor allemdie Programmstrukturen, also die Anteile der verschiedenen Programmelementewie Informationen, Bildung, Kultur und Unterhaltung, wobei der MedieninhaltMusik zumeist der Unterhaltung zugordnet wurde.

Ein weiterer Forschungsbereich untersucht die Perspektive der Radionutzung: Hierliegen zum Umfang und zur Struktur einige Daten vor, bei der insbesondere die ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation oder die Media-Analyse (ma) der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (ag.ma) zahlreiche Informationen liefern. Ein tiefergehender Einblick in die Radionutzungsforschung soll an dieser Stelle nicht ausführlich dargestellt werden, die Ergebnisse spielen aber im Folgenden, wenn es um die Mediennutzung Jugendlicher geht, immer wieder eine Rolle.

2.2 Zum Stand der Forschung im Bereich Musik im Radio

Während relativ viele empirische Befunde zu den informierenden Programmteilenvorliegen, ist Musik als Medieninhalt gleichfalls in der Musik- und Medienwissen-schaft eher ein Randthema geblieben. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dassMusik aus Sicht der Kommunikationswissenschaft oft nur als mediale Unterhal-tung angesehen wurde, denn gerade in der deutschen Forschungstradition kon-zentrierte man sich sehr stark an der Informationsfunktion der Medien. Diese galtals vorrangig und als gesellschaftlich wertvoll. Aus der Sicht der Musikwissenschaftgilt Musik, die in den Medien dominiert, ebenfalls als „minderwertig“, handelt essich dabei meist um Pop- oder Unterhaltungsmusik und nicht um klassische bzw.ernste Musik. Zudem gilt die Art und Weise der Musikdarbietung in den Medien oftals unangemessen: Die Verwendung als akustischer Hintergrund, das Diktat derdrei Minuten und das oft schmale Repertoire sind die wichtigsten Kritikpunkte (vgl.Weinacht Scherer, 2008, S. 8f.).

Im Folgenden sollen überblicksmäßig noch einige Studien aus der bisherigen For-schung erwähnt werden, die Musik im Radio oder anderen Medien zum For-schungsgegenstand hatten. Einige Überlegungen zur möglichen Unterscheidungvon Musikstilen findet sich z. B. bei Gushurst (2000, S. 158ff.) oder bei Vowe Wolling (2004, S. 353). In der letztgenannten Studie wurden per Inhaltsanalyseneben vielen anderen Elementen im Radio auch einige Daten über Musikinformati-onen im Radio erfasst (z. B.: Vorkommen von biographische Angaben zu Musikern,Nennung von Tourneedaten, Informationen zu aktuellen CDs, Klatsch und Tratschund die Gestaltung der Interviews mit den Künstlern (ebd., S. 187f.). Die Musik-programmanalyse von Gushurst untersuchte Veränderungen des Programms vonSWF3 und anderen öffentlich-rechtlichen Servicewellen in der zeitlichen Verände-rung von 1975 bis 1995 anhand von Sendeablaufplänen. Er konnte belegen, dassdie fast konkurrenzlose Situation der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten 1975 noch eine Programmzusammenstellung nach primär musikalischen Gesichts-punkten ermöglichte. Das Prinzip Vielfalt durch eine möglichst breite Abdeckungvon verschiedenen Musikstilen innerhalb der Unterhaltungsmusik war hier vor-herrschend. Die Veränderungen folgten mit der Einführung des privaten Rund-funks und einer damit verbundenen stärkeren Ausrichtung am Format „Hitradio“.Im Vergleich zu 1975 hat sich 1980 bei SWF3 der Anteil kommerziell erfolgreicherMusik der Hitparade verdreifacht. Die Vielfalt der gespielten Musik verringerte sichaufgrund des hohen Anteils jeweils aktueller, ähnlich klingender Musik und dergleichzeitig eingeschränkten Auswahl älterer Titel (vgl. Gushurst, 2000, S. 236).Auch der gestalterische Spielraum der Musikredakteure engte sich mit diesem ein-heitlichen Programmschema ein. So wurde das kunstästhetische und musikhistori-sche Bewusstsein der Musikredakteure immer weiter durch das Urteil der Hörerersetzt. Somit konnte Gushurst die Entwicklung der Programme hin zu funktiona-len Tagesbegleitern beobachten, die sich hauptsächlich an der Entspannungs- undAblenkungsfunktion von Musik orientierten, mit denen sich eine höhere Quoteerzielen ließ (vgl. ebd., S. 237).

Eine ausführliche Inhaltsanalyse zu verschiedenen Hörfunkprogrammen in Bayernliegt von Stuiber (1990) vor. Er analysierte nicht nur Wortbeiträge, sondern außer-dem die Musikgenreauswahl, Musikstile, Musikfarbe und Musiktypen über mehrereTage hinweg. Doch diese Studie liegt schon lange zurück und so konstatieren Wol-ling Füting 2007 über den Medieninhalt Musik: „In der deutschen Kommunikati-onswissenschaft liegen somit keinerlei aktuelle und verlässliche Informationenüber große Teile des Inhalts eines der meistgenutzten Medien vor.“ (Wolling Fü-ting, 2007, S. 63).

Ganz wenige Studien gibt es außerdem zum Thema Musikjournalismus, doch indiesem Thema steckt viel Potential: So könnte die Kommunikatorforschung vonder Betrachtung der spezifischen Berufsgruppe des Musikjournalisten, der bishernur selten Gegenstand von Untersuchungen war, profitieren. Musikjournalistensind traditionell mit stärkeren externen Einflüssen auf die Nachrichtenselektionkonfrontiert als andere Fachjournalisten: „Die Gatekeeper-Funktion der Musik-journalisten gilt als ähnlich korrumpierbar wie jene der Automobil-, Reise- oderMedizinjournalisten.“ (Weinacht Scherer, 2008, S. 9). Die Musikindustrie be-treibt zudem eine extrem ausgeprägte PR-Strategie, die auch für das Forschungsfeldder Beeinflussung des System PR und Journalismus (Determination und Intereffi- kation) interessante Chancen bieten können. Daneben könnten im Bereich des Me-dien-Marketing und somit für die Medienökonomie und das Medienmanagementweitere Studien vielversprechend sein. Grundsätzlich bewegt sich Musik und Mu-sikwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Kunst und Kommerz bzw. zwischen kul-tureller Aufgabe und wirtschaftlichem Problem. In der medienwirtschaftlichen Dis-kussion werden Medien als Kulturgüter oft nur am Rande behandelt.

Auch für die politische Kommunikation gibt es noch genügend Forschungsbedarfhinsichtlich der Wirkung von Musik: So kann die These aufgeworfen werden, dassunter dem Einfluss werbepsychologischer Erkenntnisse die Musik auch in moder-nen Wahlkämpfen eine zunehmende Rolle spielt (z. B. der Titel „Angie“ von denRolling Stones im Bundestagswahlkampf 2005). Oder welchen Einfluss die gewählteHintergrundmusik in der politischen Medienberichterstattung hat. Daneben wirdMusik durch Interessengruppen instrumentalisiert, um mit Hilfe der an Superstarsinteressierten Medien, die politische Agenda des Massenpublikums zu beeinflussen(z. B. „Live Aid“ Benefizkonzerte für die Probleme der Dritten Welt oder „Rock ge-gen Rechts“ usw.).

Im Hinblick auf die Mediatisierung von Musik fordert Christoph Jacke eine wissen-schaftliche Betrachtung von Popmusik hinsichtlich ihrer kulturellen und musikali-schen Bedeutung. So könne die Popmusik „… in ihrer Stilvielfalt und vor allem ihrerMassenwirksamkeit […] gesamtgesellschaftlich als Seismograph für alltägliche An-eignungen und Kämpfe um Bedeutungen zwischen Kunst- und Kommerz unter be-sonderen Zeit- und Innovationsdruck aufgefasst werden.“ (Jacke, 2008, S. 147).

Diese kurze und unvollständige Auflistung sollte zeigen, wie vielfältig der Medieninhalt Musik aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht untersucht werden könnte. Diese hier vorliegende Arbeit soll ein kleiner weiterer Baustein in der kommunikationswissenschaftlichen Qualitäts- und Musikforschung sein.

3 Die Zielgruppe der „jungen Hörer“ und die Bedeu- tung von Qualität im „alten Medium“ Radio

Die Begriffe „Jugendradio“ oder „Jugendwelle“ suggerieren, dass es möglich ist,spezielle Programme für „die Jugendlichen“ zu gestalten. Genau genommen han-delt es sich lediglich um eine sehr kleine Personengruppe im Alter von 15-18 Jah-ren. Wirtschaftlich würde es außerdem keinen Sinn machen, für diese Zielgruppeein 24-Stunden Radioprogramm zu konzipieren. In der Realität haben sich deshalbso genannte „Junge Radios“ wie 1LIVE (WDR) oder Fritz (RBB) oder entsprechendeAngebote der privaten Sender etabliert, die ein „junges Image“ haben, aber einesehr viel breitere Zielgruppe bedienen - meist zwischen 10 und 40 Jahren. Die fol-gende Tabelle zeigt die Altersstruktur der öffentlich-rechtlichen Jugendradios inDeutschland (vgl. Tabelle 1). Dabei ist auffallend, dass die stärksten Hörerzahlen inder Gruppe der 20- bis 29-Jährigen generiert werden können. Die Jugendsenderselbst geben als Zielgruppe aber zumeist die Altersspanne der 14- bis 29-Jährigenan, die in der Tabelle in etwa der Summe der 10- bis 29-Jährigen entspricht undWerte um die 50 - 75 % erreicht. Die älteste Hörerschaft bei den Jugendradios hatBremen Vier mit nur 33 % bei den 10- bis 29-Jährigen. Dagegen kann MDR Sputnikdie jüngste Zusammensetzung mit 76 % in dieser Altersgruppe aufweisen. ZumVergleich der Altersstruktur der hauseigenen Pop- und Servicewellen wurden dieWerte von MDR Jump und Radio Eins (RBB) ergänzt. Es wird ersichtlich, dass auchdiese zu einem beträchtlichen Teil junge Hörer erreichen.

Tabelle 1: Altersstruktur und Hörerzahlen von öffentlich-rechtlichenJugendradios in Deutschland

zus ä tzlich 2 Pop- und Serviceprogramme zum Vergleich (MDR Jump undRBB Fritz), absolute Zahlen in Tausend, Tagesreichweite3, Mo.-Fr. 5 bis 24 Uhr)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung anhand der Zahlen der ma 2008 Radio II. Basis: GesamtDeutschland, Stichprobe: Deutsche + EU-Ausländer ab 10 Jahren.

Das zeigt, dass der gemeinsame Nenner der Hörerschaft weniger das tatsächlicheAlter ist, sondern viel eher das subjektiv wahrgenommene individuelle Lebensge-fühl. Das lässt sich bspw. bei Konzert- oder Festivalbesuchen feststellen, denn auchhier trifft, einmal abgesehen von wirklichen Teeniebands, ein altersmäßig breit ge-fächertes Publikum zusammen. Die viel stärkere Präsenz von Popmusik in unseremAlltagsleben hat zudem dazu geführt, dass der Toleranzspielraum für Musik größer geworden ist: Die heutige Elterngeneration ist selbst mit Rock- und Popmusik auf-gewachsen. So werden junge Popradios von Eltern und ihren Kindern gemeinsamgehört. Darin liegt zudem die Gefahr, dass sich die jungen Hörer zu einem be-stimmten Zeitpunkt vom Radio abwenden, da sie es als zu erwachsen, zu alt, zu an-gepasst empfinden (vgl. Rausch, 2005, S. 217). Will man gezielt junge Hörer errei-chen, ist eine gezielte Ansprache notwendig, schon die Frage ob geduzt oder gesieztwird, kann dabei eine Rolle spielen. Es ist daher eine große Herausforderung für dieRedaktionen der jungen Radios das richtige Gespür für mögliche Interessen beimMedieninhalt Musik aber auch in den andern Bereichen der Information, Beratungund Unterhaltung zu finden.

Wie schon erwähnt ist die Einteilung der Zielgruppe allein nach demografischenFaktoren wie Alter oder Geschlecht, Bildungsstand, Berufsfähigkeit und Wohnortnicht ausreichend. Sinnvoller erscheint die Anwendung der 1997/98 entwickeltenUntergliederung in der Medien-Nutzer-Typologie (MNT) in lebensweltliche Milieusmit jeweils ähnlichen Musik- und Wortpräferenzen. Sie liefert ein differenziertesund zugleich anschauliches Bild von Zielgruppen in unterschiedlichen Medien. Dieeinzelnen Typen der MNT unterscheiden sich trennscharf im Hinblick auf ihre Pro-gramm- und Genrepräferenzen, ihre Zuwendungsinteressen und Nutzungsintensi-täten. So ergeben sich unterschiedliche Erwartungshaltungen an das Radio, wie z. B.Anregung, Entspannung, Information. Die MNT wurde aber bereits 2006 aufgrundder fortschreitenden raschen technischen Entwicklung, vor allem des Internets, mitHilfe einer Justierungsstudie angepasst. In der Medien-Nutzer-Typologie 2.0 (MNT 2.0) werden nun zehn statt bisher neun Typen unterschieden. Insbesondere in derjungen Generation, die Neuerungen prinzipiell aufgeschlossener gegenübersteht,ist eine breite Aneignung dieser neuen technischen und inhaltlichen Optionen derMediennutzung erkennbar. Die beiden jüngsten Nutzer-Typen-Gruppen mit Antei-len von jeweils ca. 80 % an 14- bis 29-Jährigen sind (vgl. Oehmichen, 2007, S. 228):

- „Junge Wilde“ (hedonistisch, materialistisch, konsumorientiert, Selbstbe- züglichkeit und -unsicherheit, adoleszentes Verhalten) und
- die Gruppe der „Zielstrebigen Trendsetter“ (Pragmatische Idealisten undselbstbewusste Macher, breite Interessen, Erfolgsorientierung, Vollaus-schöpfung der Möglichkeiten neuer Medien)

Für diese Gruppen gilt es demnach entsprechende Programmformate zu entwi-ckeln. Wenn auch die Definition der Zielgruppe allein über das Alter nicht ausrei-chend ist, soll für diese Untersuchung die Gruppe der „jungen Hörer“ auf die 14- bis 29-Jährigen beschränkt bleiben. Das entspricht der Angabe der meisten Jugendra-dios, die genau diese Altersspanne als ihre Zielgruppe definieren, auch wenn dastatsächliche Durchschnittsalter dieser Radioprogramme häufig darüber liegt. DieBegriffe „Jugendradio“ oder besser „Radio für junge Hörer“ werden hier synonymverwendet.

In diesem Kapitel soll nun die Medien- und Musiknutzung der jungen Zielgruppeetwas genauer betrachtet werden. Dazu werden die wichtigsten Informationen ausder wissenschaftlichen Literatur kurz zusammengefasst. Aber es soll auch deutlichwerden, dass gerade die jungen Hörer sehr aktiv die neuen technischen Möglichkei-ten und die damit verbundenen neuen Medienangebote nutzen, die mit dem klassi-schen Medium Radio konkurrieren. Deshalb sind Anpassungen der öffentlich-rechtlichen Jugendradios an den technischen Fortschritt, aber genauso qualitativeInhalte notwendig, um mit einem unverwechselbaren Medienangebot auch in Zu-kunft noch Gehör zu finden, oder besser innovativer Vorreiter und Trendsetter beider jungen Zielgruppe zu sein.

3.1 Radio- und Mediennutzung junger Hörer

Die ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation zeigt, dass die Radionutzungim gesamten Tagesverlauf von 1980 bis 2005 deutlich angestiegen ist. Dafür mit-verantwortlich ist der seit 1984 hinzugekommene private Hörfunk. Waren es 1987noch 44 Radiosender, deren Nutzungsdaten in der Media Analyse (ma) erfasst wur-den, so sind es inzwischen 344 Sender (ma 2008 Radio II). Während in diesem Zeit-raum die Tagesreichweite4 relativ konstant geblieben ist und aktuell in der Gesamt-bevölkerung 75,6%5 beträgt, ist die Verweildauer, also die Hördauer der Hörer, imgleichen Zeitraum von 146 Minuten auf 186 Minuten gestiegen (vgl. ARD-WerbungSales Services GmbH, 2008). Die Zahlen belegen, dass Radio in den letzten 20Jahren ein boomendes Massenmedium war. Die Tagesreichweiten der öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Programme sind zwischen 2001 und 2008insgesamt sehr stabil geblieben. Nur bei den jungen Hörern gibt es einen Trend nach unten, wobei aber die Jungen Wellen ihr Niveau halten konnten (vgl. Tabelle 2).

Tabelle 2: Entwicklung der Tagesreichweiten von Radioprogrammen in der jungenZielgruppe 2001-2008

Zielgruppe 14-24 Jahre Mo.-Fr., Angaben in %

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Neuwöhner, 2008, S. 250.

Das Zeitbudget der Bevölkerung für Medienkonsum ist sehr stark gestiegen. Warenes 1980 fünf Stunden und 46 Minuten, die für die Medien Radio, Fernsehen, Tages-zeitung, Bücher, Zeitschriften und Tonträger aufgewendet wurden, verteilen sich2005 genau zehn Stunden auf inzwischen allerdings acht Medien (vgl. Studie Mas-senkommunikation VII: Reitze Ridder, 2006). Betrachtet man jedoch das Zeit-budget für Mediennutzung im jüngeren Zeitraum 2001 bis 2006 auf Basis der Da-ten der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (ag.ma), so scheinen für die Massen-medien die Wachstumsgrenzen erreicht. Die Tagesreichweite für Radio ist leichtrückläufig, ebenso die Nutzungsdauer, hingegen steigt die PC- und Tonträgernut-zung. Zurückzuführen ist dies vor allem auf eine veränderte Mediennutzung der14- bis 29-Jährigen. In dieser Altersgruppe ist die steigende Zahl der Konkurrenz-angebote eine entscheidende Einflussgröße. Da Jugendliche sich offen gegenüberneuen Technologien und Angeboten zeigen, entscheiden sie mit über die Zukunftdes Radios.

Als wichtiger Indikator für die Bindung der Nutzer an ein Medium gilt die soge-nannte „Vermissensfrage“ („… Wie sehr würden Sie das Medium XY vermissen?“).Die hypothetische Bindungsfrage zählt mit zu den Standardfragen der ARD/ZDFLangzeitstudie Massenkommunikation und gibt daher auch über Veränderungen inder Nutzerbindung an Medien über längere Zeiträume Auskunft. Ein Vergleich derbeiden letzten Erhebungswellen von 2000 und 2005 ergibt auf dem ersten Blickkeine Hinweise darauf, dass Radio in Konkurrenz mit anderen Medien an Bedeu- tung verliert. In der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren ist die Bindung an das Radionahezu konstant geblieben. Deutliche Unterschiede fallen erst zwischen den Alters-gruppen auf: Bei den unter 20-Jährigen sank die Hörerbindung von 54 % (2000) auf 39 % (2005), und auch bei den 20- bis 29-Jährigen ging der Anteil derer, die Radiovermissen würden, um sieben Prozentpunkte von 58 auf 51 % zurück (vgl. Tabelle 3).

Tabelle 3: Bindung an das Radio

Radio würden sehr stark/stark vermissen … , Angaben in %, Basis:deutschsprachige Bev ö lkerung ab 14 Jahren in Privathaushalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Neuwöhner, 2008, S. 248 (auf Basis der Zahlen ARD/ZDF Langzeitstudie Massenkommuni-kation).

Der Medienumgang Jugendlicher in der Teilzielgruppe zwischen 12 bis 19 Jahren,wurde zuletzt in der JIM-Studie 2007 durch eine Befragung von 1.204 Jugendli-chen umfangreich ermittelt (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Süd-west, 2007). Hierbei wurden die Jugendlichen u. a. zur Ausstattung an elektroni-schen Medien befragt, die sie mehr oder weniger selbstbestimmt nutzen können.Mit 94 % verfügen fast alle Jugendlichen über mindestens ein Mobiltelefon und 45 % verfügen über einen Internetanschluss im eigenen Zimmer. Der hohe Stellen-wert der Musik für Jugendliche zeigt sich im Besitz von Musikmedien: MP3-Playerbesitzen (85 %), CD-Player (83 %) und Radio (78 %). In der Mediennutzung wirdimmer noch der Fernseher am häufigsten genutzt, 92 % sitzen mindestens mehr-mals pro Woche davor. Bereits an zweiter Stelle kommt der Computer, den 84 %regelmäßig nutzen. Den dritten Platz teilen sich MP3-Player und das Handy, diejeweils von 82 % mehrmals pro Woche genutzt werden. Radio hören ist für immer-hin 74 % noch eine regelmäßige Beschäftigung. Nach den Themeninteressen be-fragt, interessieren sich Jugendliche hauptsächlich für „Liebe und Freundschaft“(88 %) und an zweiter Stelle dicht gefolgt für das Thema „Musik“ (86 %). Interessan-te Zahlen liefert die Studie auch zur Nutzung von MP3-Playern, so steigert sich vonJahr zu Jahr die Anzahl der gespeicherten Musiktitel. Der nach Eigenangaben derJugendlichen geschätzte Durchschnittswert lag 2007 bei 1.262 Titeln, wobei dieVerteilung sehr stark gestreut ist, vor allem zwischen Mädchen und Jungen. Aber auch die Bildung spielt eine bedeutende Rolle: Hauptschüler haben im Schnitt 407Titel gespeichert, Realschüler schon 884 Dateien und Gymnasiasten durchschnitt-lich 2.037 Titel. Obwohl die klassische Radionutzung in den letzten Jahren bei Ju-gendlichen in der Tendenz zurückging, kann das Medium seine Position im gesam-ten Medienrepertoire gut behaupten und durch die Nutzung vielfältiger Emp-fangswege stärken (Stichwort Medienkonvergenz). Insgesamt zählen 74 % der 12-bis 19-Jährigen zu den regelmäßigen Nutzern, die mindestens mehrmals pro Wo-che Radio hören. Ein Drittel der Befragten gab sogar eine intensivere Nutzung desRadios im Vergleich zum Vorjahr an. Als Gründe geben die meisten das Interesse anInhalten wie Musik, Informationen usw. an. Das Radio erreicht seine jugendlichenNutzer mittlerweile über verschiedene Plattformen. Innerhalb von 14 Tagen wirdRadio zwar vor allem über ein stationäres Radiogerät (82 %) oder über das Autora-dio (74 %) gehört, 19 % finden aber auch über den MP3-Player Zugang zum Radio-programm. Das Radiohören im Internet etabliert sich auch immer stärker: So besu-chen immerhin 31 % der Onlinenutzer die Homepage eines Radioprogramms zu-mindest selten.

Das Handy wird zunehmend multifunktional für unterwegs genutzt. In der JIM-Studie wurde ermittelt, dass mehr als die Hälfte der Jugendlichen mit dem Handyauch Musik abspielen. Ein Drittel der Jugendlichen hat zudem mit dem Handyschon einmal Radio gehört, allerdings nutzen nur 7 % diese Angebote oft. Ein leichtverändertes Bild ergibt sich, wenn man nur diejenigen betrachtet, die aufgrund dertechnischen Ausstattung des Handys überhaupt in der Lage sind, die jeweiligen re-zeptiven Tätigkeiten auszuüben. Auffällig ist, dass dann fast alle dieser BefragtenMusik oder Radio hören. Allerdings hört die Hälfte der Jugendlichen oft Musik,während nur ein Sechstel oft Radio hört (vgl. Schorb, Keilhauer, Würfel Kießling,2008, S. 19). Die konvergente Mediennutzung besteht in der Zuwendung zu glei-chen Inhalten über verschiedene Medien. Je nach ihren Bedürfnissen greifen sie aufbestimmte Medien zu. Für einen Musikfan z. B. bietet der Computer einen schnel-len Zugriff auf sämtliche Musikdateien und garantiert stetige Abwechslung. Gleich-zeitig schätzt dieser den MP3-Player, mit dem er auch unterwegs seine Lieblings-musik hören kann. Radio hört er hauptsächlich, um seine Musik dort wiederzufin-den und Neuigkeiten zu entdecken. Daraus kann man eine Qualitätseigenschaftableiten, die Radio besitzen sollte: Das Spielen neuer, unbekannter Titel neben deretablierten Musik. Das große Interesse der Jugendlichen an Musik zeigt sich auch in der hier stärksten konvergenten Mediennutzung, denn 52 % der Befragten in der JIM-Studie hören ihre Lieblingsmusik mit mindestens vier Medien (ebd., S. 35). Typisch ist die große Bedeutung von Internet und PC als Wiedergabemedien, die damit in Konkurrenz zu den traditionellen Medien treten.

Für den tendenziellen Rückgang in der Nutzung und Hörerbindung der jungen Hö-rer an das Radio können folgende Erklärungen in Betracht gezogen werden: Zumeinen bieten die neuen Medienangebote gegenüber dem Radio einen Mehrwert, derihnen in den typischen Nutzungssituationen des Radios, aus Sicht der jungen Men-schen, einen höheren Nutzwert verschafft. Andererseits könnten die Angebote desRadios für junge Hörer an Attraktivität verloren haben, so dass diese über andereMedien besser bedient werden. Das Radio musste in seiner Geschichte schon früherauf Akzeptanzverluste bei den Jüngeren reagieren. So war das Musikangebot dersogenannten Pop- und Service Wellen der öffentlich-rechtlichen Sender bis Anfangder 80er Jahre für viele junge Radiohörer nicht mehr attraktiv. Die privat-kommerziellen Sender konnten dann ab Mitte der 1980er Jahre vor allem wiederdie jüngeren Hörer für das Radio gewinnen. Private Fernsehsender wie der Musik-sender MTV drehten diesen Trend Mitte der 1990er wieder um. Einen Ausweg ausder Krise boten nun spezielle Radioangebote für junge Hörer, die sehr viel mehraktuelle Musik spielten und bei denen der Musikanteil wesentlich höher lag. Mit N-Joy vom NDR startete am 4. April 1994 das erste speziell auf die junge Zielgruppeausgerichtete Jugendradio in Westdeutschland. Mit DT64 gab es in Ostdeutschlandschon viel früher (regelmäßig ab 1. September 1981) ein Radioangebot, das sich vorallem an jüngere Hörer richtete. Heute steht das Radio vor der Herausforderung,vor allem die Akzeptanz bei den jungen Zielgruppen zurückzugewinnen. Dazu giltes vor allem, die Musikkompetenz als Kernkompetenz des Radios in den Vorder-grund der Bemühungen zu stellen und beim technischen Fortschritt mitzuhalten.

3.2 Musikrezeption junger Hörer

Musik ist vermutlich im Leben aller Menschen von großer Bedeutung, doch im Ju-gendalter scheint sie ganz besondere Funktionen zu haben. Sie scheint vor allemauch von biologischer Relevanz zu sein, „… indem sie ästhetische Prägungen vor-nimmt bzw. dauerhafte Vorlieben zulässt.“ (Hoffmann, 2008, S. 155). Musik, Mu-sikprodukte und Musikequipments werden von Jugendlichen ab einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Entwicklung stark nachgefragt. Musik dient Jugendlichen nicht nur der Unterhaltung und Gefühlsregulation, sondern sie ermöglicht auch soziale und kulturelle Positionierungen.

Eine Reihe von Publikationen diskutieren kontrovers den Einfluss des Hörfunks aufdie Ausbildung von Musikpräferenzen und auf musikkulturelles Verhalten (z. B.Blaukopf, 1977; Rothenbuhler McCourt, 1992; Buchofer, Friedrichs Lüdke,1974). Jedoch konstatiert Müller (1990), dass negative Folgen des massenmedialenMusikkonsums für die musikalische Sozialisation aus kulturpessimistischer Per-spektive zwar vielfach behauptet, aber kaum empirisch überprüft worden sind. An-ders sieht das Gushurst (2000), der das Radioformat entscheidend für Musikpräfe-renzen und musikalische Vorlieben mit verantwortlich macht. Er macht aber daraufaufmerksam, dass es eine Vielzahl von Einflussvariablen auf die Musikpräferenzengibt, worunter vor allem soziokulturelle Faktoren zu zählen sind. Bei vielen Men-schen wird die musikalische Sozialisation allein von den elektronischen Medien ge-prägt, so dass dem Rundfunk hier eine große Bedeutung zukommt:

Wenn man medial vermittelte Musik als musikalische Wirklichkeit versteht, ist Rundfunkmusik tats ä chlich die von wenigen Menschen produzierte musi- kalische Wirklichkeit für einen großen Teil der Bev ö lkerung. (Gushurst, 2000, S. 117).

Und diese Wirklichkeit besteht zunehmend aus Mainstream, dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Musikgestaltung. Wenn sich tatsächlich in den jungen Jahren erworbene musikalische Vorlieben nur noch geringfügig ändern, könnte dies langfristig zu einer Verarmung der musikalischen Interessenpalette der Radiohörerschaft führen. Der typische Popmusikhörer ist vom Radio geprägt und hört alles was in den Hitparaden läuft und selten etwas darüber hinaus. Es geht nicht zuletzt darum, dass die Hörer offen für Neues bleiben, wie ein Beispiel einer CDBesprechung in einer Tageszeitung zeigen soll:

Die neuen Stücke wirken minimalistischer, aber komplexer. Die Soundwelle rollt weniger geschmeidigüber die K ö pfe, dafür mehr scheppernd wie bei 'Ma- chine Gun'. Ob das den Fans gef ä llt, darüber hat sich Gitarrist Geoff Barrow seine Gedanke gemacht: 'Wenn sie Musik gegenüber offen geblieben sind,werden sie es wahrscheinlich genießen. Wenn sie von der dunklen Seite des kommerziellen Radios verführt wurden, werden sie es wahrscheinlich merk-würdig finden6. (Leue, 2008, S. 10).

Soweit im Voraus ein paar Gedanken zur Wirkung, doch nun erst einmal einenSchritt zurück zu den Motiven der Hinwendung zum Medieninhalt Musik. Dazukönnen zunächst die Motive gerechnet werden, die generell für die Zuwendung zuMedien herangezogen werden und die zumeist in Uses-and-Gratification-Studienmit Fokus auf die Fernsehrezeption nachgewiesen wurden: 1. Informationsbedürf-nis (Orientierung an der Umwelt, Ratsuche, Neugier, Lernen, Sicherheit durch Wis-sen), 2. Bedürfnis nach persönlicher Identität (Bestärkung persönlicher Werte), 3.Suche nach Verhaltensmodellen, Identifikation mit anderen, Selbstfindung, Be-dürfnis nach Integration und sozialer Interaktion (Zugehörigkeitsgefühl, Ge-sprächsstoff, Geselligkeits-, Partnerersatz, Rollenmodell, Kontaktsuche) und 4. dasUnterhaltungsbedürfnis (Wirklichkeitsflucht, Ablenkung, Entspannung, kulturelleund ästhetische Erbauung, Zeitfüller, emotionale Entlastung, sexuelle Stimulation)(vgl. Schramm, 2005, S. 66). Eine überwiegend induktive Zusammenstellung vonzentralen Motiven der Musik- und Radiorezeption wurde basierend auf Annahmenund Studien aus der Medien- und Musikpsychologie und Kommunikationswissen-schaft von Schramm 2004 vorgenommen (vgl. Tabelle 4):

Tabelle 4: Motive der Radio- und Musiknutzung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schramm, 2004, S. 451.

Die Motive für die Zuwendung zu Musik sind bisher nur unzureichend empirischerforscht, dürften aber in erster Linie dem Unterhaltungsbedürfnis und Bedürfnisnach persönlicher Identität zugerechnet werden. Analysen zur Funktion des Mu-sikhörens allgemein und bei Jugendlichen im Besonderen gliedern die Hauptfunk-tion „Stimmungsmanagement“ in fünf Funktionsbereiche: „Musik als Stimmungs-ausgleich“, „Musik als Aktivierung zur Stimmungsverstärkung“, „Musik als Mög-lichkeit des Ausbruchs und der Provokation“, „Musik als Ersatz“ und Musik als „so-ziale Funktion“ (vgl. Oehmichen, 1998, 1998). Die soziale Funktion ermöglicht z. B.Beziehungen in einer Altersgruppe. Über Musik und deren Interpreten kann manins Gespräch kommen, gemeinsam favorisierte Musik kann man tauschen, gemein-sam bewerten und hören. Eine besondere Rolle nehmen Musikkenner in der Grup-pe ein. Sie sind immer über Neuerscheinungen informiert und favorisieren oftmalsMusik jenseits des Mainstreams. Welche Funktion davon Jugendliche speziell imKontext Radio nutzen, ist bisher kaum bekannt. Eine Übertragung vorliegenderForschungsergebnisse zur Aneignung der Musik durch Jugendliche ist jedenfallsnicht ohne weiteres möglich, da die spezifischen Charakteristika des jeweiligen Me-diums, seine typischen Programmformen und der situative Kontext seiner NutzungEinfluss nehmen dürften. So bspw. bei der Verbindung von Wort und Musik im Ra-dio, die nicht unabhängig voneinander betrachtet werden sollten.

Versteht man im Sinne der handlungsorientierten Sozialisationstheorien die Auseinandersetzung mit medialen Angeboten als soziales Handeln, so schließt dieser Akt des Handelns erstens den Auswahlprozess für oder gegen ein Medium, zweitens die eigentlichen Mediennutzung und drittens die postmediale Verarbeitung mit ein. So ist die Auswahl eines Radioprogramms kein Zufall, sondern Jugendliche entscheiden sich bewusst und nutzenorientiert z. B. für Energy (NRJ) und gegen Deutschlandradio. Sie haben Erwartungen an das Radioprogramm und versuchen dort etwas zu finden, was sie für sich gebrauchen können. Wenn der erwartete Nutzen oder die Gratifikation ausbleibt, suchen sie sich ein anderes Programm oder auch ein anderes Medium (vgl. Hoffmann, 2008, S. 160f.).

In der JIM-Jugendstudie 2006 wurden die jungen Hörer auch nach ihrer subjekti-ven Wichtigkeit für bestimmte Programmelemente befragt. Am wichtigsten istdemnach den Jugendlichen die Musik (94%), gefolgt von den Nachrichten und ak-tuellen Informationen (66%) und mit 59 % auf Rang drei humorvolle Beiträge,Sketche und Comedy. Etwa die Hälfte interessiert sich stark für Regionales, seien es Veranstaltungen (50 %) oder sonstige Berichte (46 %) (vgl. Feierabend Kutteroff,2007, S. 83). In der qualitativen Nachbefragung begründen die Jugendlichen dieWichtigkeit der verschiedenen Medien, die zur Musiknutzung zur Verfügung ste-hen. Beim Radio schätzen sie vor allem das Überraschungsmoment der gespieltenTitel und die musikalische Bandbreite, außerdem das hier die neueste Musik ge-spielt wird (vgl. ebd., S. 87). Das bestätigt den hohen Stellenwert von Musik bei denmeisten Jugendlichen im Alltag. Die meisten von den Jugendlichen genutzten Me-dien bestehen zu einem großen Teil aus Musik oder nehmen auf musikkulturellePhänomene Bezug, was nicht nur die Bedeutsamkeit von Musik für Jugendlichezeigt, sondern auch den großen Einfluss von Musik auf die Mediennutzung insge-samt. Nicht zuletzt deshalb macht ein großer Teil der rundfunkinternen Medien-forschung die Ermittlung der Musikpräferenzen aus, um so eine Steigerung derProgrammakzeptanz zu erreichen. In einer Studie von Münch, Bommersheim Müller-Bachmann (2005) zum Thema „Hörfunk als Instanz der Jugendsozialistati-on in alten und neuen Bundesländern“ wurde der Zusammenhang zwischen Musik-präferenz und Entwicklungsbedarf untersucht. Dieser konnte aber kaum nachge-wiesen werden und es stellt sich die Frage, ob Musik für die heutige Jugend tatsäch-lich in so vielen Bereichen funktional ist, wie sie vielleicht einmal war. Vielleicht hatdie Bedeutsamkeit von Songtexten oder ferner die durch den Lebensstil von Musi-kern und Musikgruppen vermittelte Werthaltigkeit im Vergleich in etwa zur Ära derRolling Stones oder Beatles abgenommen. Musik ist zwar heute allgegenwärtig undunverzichtbar, aber ist, vielleicht auch gerade deshalb, zugleich unwichtiger undbeliebiger geworden. So antworten viele Jugendliche auf die Frage, was für Musiksie gerne hören: „So, was eben im Radio läuft“ (Münch, Bommersheim Müller-Bachmann, 2005, S. 176). In Zeiten schneller musikalischer Wechsel kann Musikzwar weiterhin bei einzelnen Musikgenres als ein markantes Zeichen der sozialenPositionierung dienen, doch wird insgesamt der Umgang mit Musik zunehmendindividueller (vgl. ebd., 2005, S. 172). Leichter können die meisten Jugendlichenaber darüber Auskunft geben, warum sie eigentlich Musik hören und was Musik mitihnen „macht“ oder in ihnen auslöst. Dieser Bereich der Affektensteuerung dientdazu mit Hilfe von Musik Gefühle zu steuern. Musik wird dazu benutzt von einerschlechteren in eine bessere Stimmung zu kommen oder einfach zu entspannen(Mood Management). Die besondere Eignung des Mood Management liegt in den emotionalen Qualitäten bzw. im emotionalen Ausdruck begründet. Nicht ohne Grund werben Radiosender mit dem Slogan „Wer fühlen will, muss hören“7 oder umgekehrt „Wer hören will muss fühlen“. So spricht man bei Musik oft von der Sprache der Gefühle. Obwohl bei Musik eine Vielzahl an Bedeutungs- und Informationsebenen zusammenwirken, scheint der emotionale Ausdruck der Musik im engeren Sinne (z. B. ohne Text), der aus einer spezifischen Anordnung und Spielweise der Töne hervorgeht, von primärer Relevanz für die Gesamtwirkung eines Musikwerks zu sein (vgl. Schramm, 2005, S. 50).

Das Radio ist dabei sicher nicht das wichtigste Musikangebot für die Regulierungs-funktion von Stimmungen. Wichtiger sind Angebote bei denen die Hörer selbstbe-stimmt zur jeweiligen Gemütslage spontan die passende Musik auswählen können.So leidet das Radio vor allem unter dem Konkurrenzdruck von MP3. In einer Um-frage geben 31 % der Befragten an, weniger oder viel weniger Radio zu hören, seit-dem sie MP3 herunterladen oder nutzen, während nur zehn % meinen, seitdem dasRadio mehr oder viel mehr zu nutzen (vgl. Schramm Hägler, 2007, S. 133). Dabeim Radiohören die Musik im Gegensatz zur CD und MP3 darüber hinaus von denNutzern nicht individuell selbst selektiert werden kann, dürfte das Radio auf denbetreffenden Kriterien noch stärker ins Hintertreffen geraten sein als die CD:„Kurzum: es lassen sich eigentlich keine Kriterien mehr finden, auf denen das Radiogegenüber MP3 noch nennenswert ‚punkten‘ dürfte. Es verwundert vor diesemHintergrund nicht, dass insbesondere die Jugendwellen in den letzten Jahren diegrößten Reichweitenverluste zu verzeichnen hatten.“ (Schramm Hägler, 2007, S.135).

Die dazu erforderliche Musik muss zuvor noch erworben werden und ist nicht, vonden illegalen Tauschbörsen einmal abgesehen, wie Radiomusik frei verfügbar. ImJahr 2007 wurden in Deutschland 216,2 Millionen Datenträger verkauft (incl. CD-Singles, CD-Alben, MC, Vinyl-LP, DVD-Audio/SACD, Musikvideos, Download-Single und Download-Bundles). Davon waren es allein 154,1 Millionen CD-Alben.

Würde man noch Klingeltöne und sogenannten Ring-Back Tunes8 dazurechnen,kommt man sogar auf 230,4 Millionen verkaufte Musikdatenträger im Jahr 2007(vgl. Bundesverband Musikindustrie e.V., 2008, S. 19). Der Anteil der 10- bis 29-Jährigen Tonträgerkäufer beträgt laut Statistik des Bundesverbands Musikindust-rie 30,6 % bei einem Bevölkerungsanteil von 25,1 %. Sie sind damit auch eine wich-tige Käufergruppe.

Musik hören ist für Jugendliche kein ausschließliches Ereignis. Wichtigste Funkti-on des Radios ist die Begleitfunktion, denn rund 90 % der Jugendlichen gehen beimRadiohören einer Tätigkeit nach und schalten das Radio ein, um dabei Musik zuhören. Informationen sind vor allem dann wichtig, wenn sie Neues über Musik-trends und Hintergründe zur Musikszene erfahren (vgl. Müller, 2007, S. 7). Wiesich die Omnipräsenz der Musik im Alltag auswirkt, ob im Kaufhaus, beim Friseur,Zahnarzt oder in der Telefonwarteschleife, hat Behne in einer Metaanalyse von 153empirischen Studien zur Wirkung von Hintergrundmusik und in einer Längs-schnittstudie untersucht. Zunächst unterscheidet er die Wirkung von Musik in zweigrundsätzlich verschiedene Arten von Hörsituationen: Einmal überwiegend kon-zentrierte Hinwendung zur Musik (im Konzert, eine CD zu Hause) und zum ande-ren die geteilte Aufmerksamkeit, bei der die Musik lediglich im Hintergrund erlebtwird. Im ersten Fall kann man von Wirkungen der Musik ausgehen, im zweiten vonWirkungen der Hintergrundmusik. Ein und dieselbe Musik kann, je nach Einstel-lung des Hörers, sowohl Musik wie auch Hintergrundmusik sein. Die Ergebnissezeigen, dass die Wahrnehmung der Musik und die Fähigkeit zum intensiven Zuhö-ren sich deutlich geändert haben. Behne kommt zum Ergebnis, „dass Hintergrund-musik gegenwärtig in den meisten Fällen vermutlich keinerlei Wirkungen […] aufdie Menschen ausübt, sie mithin - zumindest gegen ihren Willen - wohl auch kaummanipulierbar sind.“ (Behne, 2001, S. 147). Auch wenn dieser Umstand einerseitspositiv zu bewerten ist, so kommt Behne auch zu dem Ergebnis, dass sich diese Ge-wöhnungsprozesse negativ auf die Intensität der Zuwendung zur Musik in anderenSituationen ausgewirkt haben. Musik wird damit fast ausschließlich nur noch alsHintergrund wahrgenommen, die Offenheit für eine intensive Zuwendung, für einMusik-Erlebnis (im Konzert, vor der Stereoanlage) findet kaum noch statt. Den-noch hat Musik einen hohen Stellenwert bei Jugendlichen, sie ist aber meistens nur noch ein Accessoire neben anderen (z. B. Kleidung bestimmter Marken), also eine„Klangtapete“. Es stellt sich die Frage, ob der umweltbedingten zunehmend stärke-ren Abschirmung von akustischen und musikalischen Ereignissen, eine entgegengerichtete Entwicklung stattfinden kann, die eine zunehmende Sensibilisierung fürMusik ermöglicht? Und welche Rolle kann dabei das öffentlich-rechtliche (Jugend-)Radio spielen? Hierin liegt eine wichtige Begründung für die Notwendigkeit einerDefinition von Qualität beim Medieninhalt Musik. Eine weitere Begründung liefertder folgende Abschnitt, denn neue Medienangebote konkurrieren gerade bei derjungen Zielgruppe mit den etablierten klassischen Medien. Eine Chance haben sienur, wenn sie nicht beliebig werden und als „Klangtapete“ fungieren, sondern statt-dessen auf ihre Kernkompetenzen setzen.

3.3 Radio im Kampf mit neuen Medienangeboten um Aufmerk-samkeit

Der Verlust an Hörerbindung und Tagesreichweite geht mit einer veränderten Me-diennutzung in den jungen Altersgruppen einher, die weiter oben schon ausführli-cher beschrieben wurde. Bedingt durch die technische Entwicklung und die Digitali-sierung gibt es für die Mediennutzer inzwischen eine Vielzahl von Alternativen zumRadio, vor allem wenn es um die Musik geht. Das Internet und MP3-Player machenes möglich, ein komplettes Musikarchiv vorrätig zu halten9. In der Musikindustriehat dies bereits zu einem deutlichen Einbruch der alten Geschäftsmodelle, wie z. B.dem sinkenden Absatz von CDs, geführt.

Oftmals bieten die neuen Plattformen im sogenannten Internet 2.0 per se zwarkeine eigenen Inhalte an, die nicht auch über andere Medien angeboten werden,aber sie ermöglichen vielmehr den kommunikativen Austausch mit Anderen unddie jederzeitige Verfügbarkeit. Das trifft zum Beispiel auf die Portale von „last.fm“,„youtube“ oder „myspace“ zu. Das entscheidende Kriterium für die Nutzung desRadios, gerade für Jugendliche, ist die Musikauswahl der Sender. Dann ist es auchegal über welchen technischen Übertragungsweg das Radio an die jungen Hörer ge- langt. Insofern bieten die neuen Übertragungswege (vor allem das Internet) auchChancen für die „alten“ Medien. Neben der Musikauswahl sind die anderen Be-standteile von Radioprogrammen, wie Moderation, Information und Beratung,zwar nicht unbedeutend, jedoch nicht gleichermaßen entscheidend. Wenn die öf-fentlich-rechtlichen Radiosender in Zukunft noch eine Bedeutung haben wollen, istes deshalb notwendig sich mit Qualität auseinanderzusetzen. Die „Durchforma-tiertheit“ von Radioprogrammen, die wenig Abwechslung und Neuigkeit bieten, istwohl kaum dazu geeignet auch in Zukunft noch von zahlreichen jungen aufge-schlossenen Konsumenten genutzt zu werden. Immer mehr Funktionen des Radioskönnten dann durch die neuen Medien ersetzt werden. Wie sieht die Zukunft desRadios aus? Der Zukunftsforscher Prof. Dr. Marc Drüner stellte solche Konzepte,die zur Konkurrenz für das Radio werden könnten auf dem Radio Day10 2008 inKöln vor. Er stellte aber auch die Chancen dar, wenn sich die Radioprogramme ansolchen technischen Entwicklungen beteiligen. Er empfahl allen anwesenden Ra-dioschaffenden einen Blick in die USA. Dort gibt es bereits ein sogenanntes Mobile-Devices-System mit dem Namen „Dash“11. Es ist in der Hauptsache ein Navigati-onssystem. Doch über aktiv betriebene Content-Deals werden über das gleiche Ge-rät weitere Leistungen angeboten: z. B. lokale Informationen wie Veranstaltungs-hinweise, Restaurantinfos, Wetterdaten oder der Zugriff auf die Musik-Internet-Community „last.FM“.

Auch das Mobiltelefon wird immer mehr zum multimedialen Alleskönner: Nebendem heute schon selbstverständlichen Radioteil wird bald auch der Fernsehemp-fang selbstverständlich sein. Mit fallenden Preisen oder Flatrates für mobiles Inter-net wird surfen im Internet mit dem Mobiltelefon immer beliebter werden (vgl.Ohler, 2008). Damit stehen auch die Musikanwendungen des Internets für unter-wegs zur Verfügung. Beispielsweise könnte damit, auf die in einem Server hinter-legte eigene Musikdatenbank, nahezu überall auf der Welt drahtlos zugegriffenwerden. Oder die großen Musiklabels bieten für eine monatliche Gebühr ihre ge-samte Musiksammlung zum hören an, die auf den persönlichen Geschmack des Kunden abgestimmt ist. Dann hat es das „alte“ Medium Radio, selbst wenn es denn digital übertragen wird, schwer mit den neuen Angeboten mitzuhalten.

Generell sind drei Entwicklungstendenzen vorstellbar, wenn ein neues Mediumeingeführt wird: 1. Extinktion (Bei der Ablösung oder Verdrängung wird ein Medi-um bspw. durch eine technische Innovation weitgehend ersetzt.) 2. Konvergenz undKoexistenz (Bei Annäherungs- und Ergänzungsprozessen wird ein Medium nichtdurch ein anderes verdrängt, sondern nur ergänzt; zwei Technologien existierendann nebeneinander.) und 3. Evolution (Etwas spezifisches Neues entsteht, wennein neues Medium entwickelt wird, das wirklich neuartige Nutzungsmöglichkeitenbietet; andere Technologien werden nicht verdrängt, aber möglicherweise durchausbeeinflusst.). Das Radio wurde bisher nicht durch andere neue Medien abgelöst,wohl aber beeinflusst. So ist die die Textzeile „Video Killed the Radio Star“12 bislangnicht eingetreten, als die ersten Musikvideos bei MTV über die Bildschirme flacker-ten. Vielmehr erweitern sich die Möglichkeiten der Verbreitung von Radiopro-grammen durch Medienkonvergenz. Sie beschreibt das Zusammenwachsen ehemalsgetrennter Medienbereiche und findet auf der technischen und inhaltlichen Ebenestatt. Technische Konvergenz bezieht sich auf das Zusammenlaufen von Übertra-gungswegen auf Basis der Digitalisierung medialer Daten, bspw. die Möglichkeitüber das Internet oder das Handy fernzusehen oder Radio zu hören. InhaltlicheKonvergenz bezieht sich auf die Möglichkeit, einen Inhalt über verschiedene Me-dien und mediale Tätigkeiten zu verfolgen (vgl. Schorb, Keilhauer, Würfel Kieß-ling, 2008, S. 4).

Sehr viele Medien haben einen hohen Musikanteil. Ob Fernsehen, Radio, Kino oderauch Zeitschrift, Musik ist immer dabei. Wie die Musik wahrgenommen und mit ihrumgegangen wird, hängt häufig u. a. davon ab, welcher Gebrauch der Musik inten-diert ist, wo die Musik rezipiert wird und welche strukturellen Gegebenheiten dasjeweilige Medium hat. Für das Internet gilt, dass nur wer sich für Musik interes-siert, das Internet als ein Medium mit hohem Musikanteil wahrnehmen wird. An-dernfalls werden die musikbezogenen Seiten einfach nicht besucht und die Mög-lichkeiten der Audioübertragung nicht genutzt. Für die Musikinteressierten war dasInternet von Anfang an ein wichtiges Medium nicht nur um Musik oder Musikda- teien auszutauschen und zu hören, sondern populär ist auch der kommunikativeAustausch über Musikstile und Interpreten, das Sammeln von Informationen oderauch nur das Treffen mit Gleichgesinnten im Cyberspace. Dieses wird sehr gut andem Internetportal „last.FM“ deutlich. Hier bekommt jeder User auf Basis seinerHörgewohnheiten quasi eine eigene Radiostation, die seine Titel und so ähnlichklingende Titel abspielt. Zudem besteht die Möglichkeit einer Gruppe beizutretenund dann sozusagen eine Musikmischung der Gruppe zu hören. Jeder kann somitmit seinen Hörgewohnheiten das Radioprogramm beeinflussen. Man kann musika-lische „Nachbarn“ aus der ganzen Welt finden, andere Nutzer zu Freunden machenoder in Foren über Musik oder jedes andere denkbare Thema reden. Verknüpft wer-den hier Elemente „klassischer“ Radios mit individualisierbaren Nutzungsoptionenund kommunikativen Elementen sozialer Netzwerke.

Neben einer unzähligen Anzahl von Seiten zur populären Musik, finden sich auch alle anderen Musikrichtungen im Internet. In zahlreichen Newsgroups werden musikbezogene Themen diskutiert oder wird nur der brandaktuelle Tratsch ausgetauscht. Musik ist ein Vorreiter der Globalisierung. Seit den 50er Jahren kennen und lieben vor allem die westliche orientierten (Jugend-)-Kulturen dieselben großen Musikströmungen. Ikonen der Popkultur und bestimmte Musikstile durchbrechen müheloser als anderes kulturelle Grenzen. Sie werden damit zum idealen Bezugspunkt für eine globale Kommunikation im Internet.

Ein weiteres Beispiel dafür ist „The Hype Machine“13, dabei handelt es sich um eineArt Suchmaschine, bei der das Suchwort schon feststeht: Musik. Sie scannt unauf-hörlich Tausende von spezialisierten Blogs, erfasst dort Links zum Thema Musikund zeigt diese auf ihrer Titelseite an. Die so gefundenen Titel können sofort ange-hört werden. Zusätzlich gibt es zu lesen, was irgendein Blogger, der das betreffendeLied gerade veröffentlicht hat, dazu geschrieben hat. Wichtige Elemente der „HypeMachine“ sind somit Stöbern, Klicken und Überraschung. Damit kommt dieses An-gebot der im Eingangszitat erwähnten „Wundertüte Radio“ schon nahe.

Gleichwohl es eine Vielzahl von Alternativen gibt, bleibt das klassische Radiogerätunabhängig vom Alter mit Abstand das meistgenutzte Empfangsgerät. Aber dieNutzung des Radios über sogenannte Hybridendgeräte, das sind Empfänger, diesowohl Individual- als auch Empfang von Massenkommunikation ermöglichen, wie zum Beispiel das Handy mit Radioempfangsteil, nimmt zu (vgl. Neuwöhner, 2008, S. 252-253). Da Tonträger (MP3) und Internet (PC-Nutzung) in den letzten Jahrenstark an Bedeutung gewonnen haben, müssen Hörfunkprogramme auf den mobilenPlattformen und Empfangsgeräten präsent sein, um die jungen Zielgruppen zu er-reichen. Die meisten öffentlich-rechtlichen Radioprogramme haben bereits daraufreagiert und bieten heute zusätzlich zum traditionellen Broadcasting auch Podcastsund andere Online-Angebote an. Junge Onliner sind dabei vor allem an Zusatzan-geboten im Bereich Musik sehr interessiert, dazu gehören die Titelsuche zur Musik,Hintergrundinformationen, Musikvideos und Download von Musikstücken oderBeiträgen (vgl. Neuwöhner, 2008, S. 254).

Wenn fast alle Radiosender über das Internet empfangbar sind, besteht für dieNutzer natürlich auch die Möglichkeit aus einer großen Menge von Radioangebotenzu wählen. Damit entsteht ein Stück weit globaler Wettbewerb zwischen den Ra-dioangeboten. Doch die meisten Nutzer beschränken sich noch auf das UKW-Radiound hören vor allem Sender, die regional verwurzelt sind. Im Trend sind derzeitaber WLAN-Radios14, die die Möglichkeit haben auf zehntausende Sender im Inter-net zuzugreifen. Ein neues Angebot mit dem Namen „Anywhere.FM“ ermöglichteinen Upload der gesamten eigenen Musiksammlung, die dann weltweit auf jedemComputer mit Internetanschluss abgespielt werden kann. Anywhere.FM kombi-niert seinen Player auch mit Community-Features: Man kann sich auf die Suchenach musikalisch Gleichgesinnten machen, neue Musik kennenlernen und mit derZeit ein Netzwerk bilden.15 Apple und Amazon (und Sony BMG) werden noch indiesem Jahr neue Geschäftsmodelle für ihre Online-Musikportale vorlegen. Miteiner Art Flatrate können Nutzer dann unbegrenzt auf das gesamte Musikarchivzugreifen (vgl. Ohler, Arndt, 2008).

Hier kurz Zusammengefasst die größten Konkurrenzangebote zum klassischen Ra-dio:

- Vielfalt von Radiostationen im Internet (Radioportale bündeln weltweiteRadioangebote z. B.: www.live365.com, www.radio.de)
- Internet-Communities (z. B. www.lastfm.de, http://hypem.com)
- Radioähnliche Abspielstationen im Internet, die Musik nach eigenen Vorlie-ben zusammenstellen (z. B. www.meemix.com, www.roccatune.com)x Audiovisuelle Angebote im Internet
(z. B.: www.youtube.com, www.clipfish.de, www.myspace.com)
- Technische Geräte, die nur die eigene Musiksammlung abspielen (MP3-Player, PC, Mobiltelefon mit eingebauten MP3-Player usw.)
- Software, die aus den Radioprogrammen nur die Musik herausschneidet undals MP3-Titel verfügbar macht (z. B. ClipInc)
- Fernsehen auf dem PC und Mobiltelefon (http://zattoo.com/de)

Viele Bereiche der populären Musik sind besonders der Aktualität verpflichtet. Wel-che Musik ist neu, welche Titel stehen gerade an der Spitze der Beliebtheit, odernoch spannender, welche werden demnächst an die Spitze gelangen? Diese Fragensind vor allem für Jugendliche von großem Interesse. Da bietet sich das Internet alsschnelles Medium an, aber auch das Radio galt und gilt immer als besonders schnel-les Medium. Der besondere Vorteil des Radios ist dann nicht die unübersichtlicheUnendlichkeit von Informationen wie im Internet, sondern liebevoll und sorgfältigausgewählte journalistische Beiträge, eben auch im Bereich der Musik. Ähnlich äu-ßert sich auch der Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr, dem größten Zeit-schriftenverlag Europas, der die Frage nach der Zukunft der klassischen Medien imZeitalter des Web 3.0 aufwirft. In seiner Antwort schätzt er die Chancen für denklassischen Journalismus sehr gut ein:

Denn Medien m ö gen sich schnell ver ä ndern, die Menschen werden es nur langsam tun. Ich binüberzeugt, dass sie weiterhin ihre Informationen und Inspiration dort suchen werden, wo sie Kompetenz und Zuverl ä ssigkeit ver muten. Medienmarken sind Leuchttürme: Sie schaffen Orientierung und Glaubwürdigkeit in der virtuellen Reizüberflutung, in der Angebotsvielfalt des World Wide Web. (Kundrun, 2007, S. 90).

Darin sind die Potentiale der öffentlich-rechtlichen Radiosender zu sehen: Sie kön-nen sich eigene Musikredaktionen leisten, die aus der unübersichtlich großen Men-ge an zur Verfügung stehender Musik auswählen, musikjournalistisch aufbereitenund interessant präsentieren können. Inwieweit die Radiomacher selbst dieseChance sehen wird sich später in der Auswertung der Befragung zeigen.

3.4 Radio in der Zukunft

Auf dem Radio Day 2008 in Köln haben sich die Macher von Jugendradios Gedan-ken über die Zukunft des Radios gemacht. So lautete der Titel eines Vortrages: „Wieklingt die Zukunft des Radios? Entwicklungen, Trends und Chancen aus Sicht derProgrammmacher.“ Hier stellten gleich drei Programmchefs von den Jugendsen-dern You FM (Jan Weyrauch), Fritz (Stefan Warbeck) und Sputnik (Eric Markuse)ihre Thesen für die Zukunft des Jugendradios dar. Diese lauteten: Die „Zukunft desRadios ist das Radio“, „die Zukunft des Radios ist Multimedia“ und „die Zukunft desRadios ist die Marke“. Eric Markuse von MDR Sputnik sah die neuen medialenÜbertragungswege (Internet, DAB usw.) eher als Chance für das Radio. So könntedas auditive Medium Radio durch visuelle Komponenten ergänzt werden, indemZusatzinhalte wie Plattencover, Bilder oder Filme auf mobilen Endgeräten darstell-bar werden. Er schrieb dem Handy dabei wiederum eine besondere Rolle zu. InLeipzig testet MDR Sputnik in einem Pilotprojekt die Übertragung von Filmen überdas Digitale Broadcasting. Dort kann jetzt schon ein 30-minütiger Loop „Making ofSputnik“ angesehen werden. Videojournalisten würden dann zur normalen „Aus-stattung“ eines Radiosenders gehören. Eine weitere Besonderheit, der drei o. g. Ju-gendradios ist eine gemeinsame Community Plattform, die nur im jeweiligen äuße-ren Gewand der Sender erscheint, aber eine gemeinsame Datenbasis teilt (mySput-nik.de, meinFritz.de und myYou-FM.de). Über diese Community können die HörerEinfluss auf das Programm nehmen, denn eine Plattform auf der Plattform ist dersogenannte „soundcheck“. Hier können unbekannte Musiker und Bands ihre Titeluploaden und die Nutzer der Community haben dann die Möglichkeit, die Musikanzuhören und darüber abzustimmen. Die Musikredaktion benutzt diese Abstim-mungen dann wiederum, um neue Titel in die Playlist des Programms aufzuneh-men. MDR Sputnik ist geprägt von der Besonderheit, dass es nur eine 42-prozentige UKW-Abdeckung im MDR-Sendegebiet hat. Das heißt das Internet er-höht hier die Reichweite und ist eine echte Chance für den Sender. So hat der Sen-der im Mai 2008 760.000 Zugriffe registriert bei einer durchschnittlichen Hördauervon 72 Minuten.

Stefan Warbeck von Fritz sprach auf dem Radio Day zu der zweiten These “Die Zu-kunft des Radios ist das Radio“. Er stellte vor allem die Jugendsender als Content-Lieferanten für neue Musik dar. Die Prognose, der iPod könnte zum Killer des Ra-dios werden, hatte sich nicht bewahrheitet. Der Grund: „Der MP3-Player füllt sich nicht allein.“ Eine interne Studie bei Fritz hatte gezeigt, dass die meisten jungen Leute das Radio hören, um neue und unbekannte Musik zu hören und Musikinformationen zu erhalten. So resümiert Warbeck:

Es geht um neue Musik in seiner ganzen Bandbreite im Long Tail, es gehtnicht allein immer nur um die neuesten Hits. Wir betreiben alle einigen Auf-wand um neue Musik abseits der klassischen Vertriebswege aufzutreiben.Denn das ist ja gerade der große Sport in der jungen Zielgruppe. Dort unbe- kannte Acts aus dem Netz zu fischen. Guter Musikjournalismus ist heute wichtiger denn je und das auch eine ganz wichtige Botschaft bei uns in der Kommunikation. (Markuse, E., Warbeck, S., Weyrauch, J., 2008)16

Diese Inhalte verdeutlicht passend dazu die Markenbotschaft, die es bei Fritz 2007 nach einem Relaunch gibt: „Unsere Musik ist so neu, dass manche Bands noch nicht mal einen Namen haben.“

Die Veränderungen in der Medienlandschaft und die Erwartungshaltung Jüngereran das Radio haben die Formate und die inhaltliche Ausgestaltung der Sender ver-ändert. Das Internet hat sich als interaktive Ergänzungsplattform zum flüchtigenRadiohören etabliert und wird in unterschiedlicher Weise als vertiefendes Informa-tionsmedium genutzt, gerade auch im Bereich Musik. Infolgedessen sollte das Hör-und Lebensgefühl eines Jugendradios auch auf deren Internetseite aufgegriffenwerden. Dazu gehören bspw. Elemente wie Musiktitelrecherche, Playlists, Podcasts,Neuerscheinungen von CDs, Hörerforen bis hin zur Bewertungsmöglichkeit vonMusiktiteln. Auch unterwegs kann man sich jetzt schon bei einigen Radiostationenden aktuellen Songtitel auf dem Mobiltelefon anzeigen lassen, dazu wurde eigenseine Software entwickelt, die möglichst wenig Datenvolumen in Anspruch nimmt.17

Der Programmchef des Jugendsenders MDR Sputnik findet das alte Medium Radioin der Kombination mit dem Internet sogar „sexy“ (Schwierz, 2008). Gerade für dieJugendlichen wird das Radio wieder relevant sein, ja er spricht sogar von einer „Re-naissance des Radios“ (ebd.). Vor allem die Online Community „my.Sputnik.de“weckt Hoffnungen der Programmmacher. Das Jugendradio hat über die Internet-seite Möglichkeiten mit dem Hörer zu kommunizieren und somit wieder eine höhe-re Bindungswirkung zu erreichen. Die bisherige Regelung, dass ARD und ZDF nur 0,75 % des ARD-Gesamtaufwands für ihre Online-Angebote aufwenden dürfen, ist deshalb aus der Sicht der Jugendradios ein Hemmschuh18. Mit der Aufhebung dieser Regelung wird jedoch mit in Kraft treten des Zehnten Rundfunkänderungsstaatsvertrages am 01. September 2008 gerechnet.19. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, appelliert im Sinne der kulturellen Vielfalt (Umsetzung der UNESCO-Konvention), den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu stärken und ihn fit zu machen für das digitale Zeitalter:

Die Zeiten, in denen man mit dem Transistorradio an den Baggersee gefah- ren ist, sind vorbei. Der ö ffentlich-rechtliche Rundfunk muss die M ö glichkeit haben, sich dem ver ä nderten Mediennutzungsverhalten anzupassen und sei- ne Inhalte der Generation iPod zur Verfügung zu stellen. (H ö ppner, 2008).

Auf dem Radio Day haben zumindest die drei dort vertretenen Programmchefs derJugendsender klar zum Ausdruck gebracht, dass sie sich auf die Eigenschaften desfrüheren Einschaltradios zurückbesinnen, und nicht zur bloßen Abspielstation vonMusik verkommen wollen. Inwieweit sie diesem Anspruch im Alltag jedoch gerechtwerden bleibt an dieser Stelle zunächst offen. Hier ein zusammenfassendes Fazitdes Programmchefs vom Jugendradio Fritz über die Zukunft des Radios:

Klassische Formate mit dem Ziel 6, 4 Automatik passend zum Tagesablauf -zur Arbeit, bei der Arbeit, von der Arbeit, Glotze - sind zwar immer noch er- folgreich. Aber es ist die große Frage, ob diese Formate im Konzert der neuen Medien und neuer Nutzungsformen, ausreichend neue Impulse liefern. Das alte Radio, das ganze alte Radio, schert sich wenig um Durchh ö rbarkeit, Au- dience Flow oder Ausschaltmomente. Es sendete eine irre Vielfalt,üble Brü- che und setzte auf Einschaltmomente. Wir glauben in dieser Radioherkunft liegt auch ein Stückchen Radiozukunft. Deshalb haben wir angefangen unser Sendeschema wieder aufzubohren, wieder mehr Wert auf die Entwicklungneuer Formate zu legen und gehen auch wieder Risiken ein, was die Durch-h ö rbarkeit angeht. Wir setzen auf Unterscheidbarkeit, Radioformate auchabseits des Themas Musik und auf Relevanz im Vergleich zu iPod oder aufLast.fm. “ (Markuse, E., Warbeck, S., Weyrauch, J., 2008).

4 Überblick über öffentlich-rechtliche Jugendradiosim deutschsprachigen Raum

Anfang der 1990er Jahre vollzog sich ein Strukturwandel des öffentlich-rechtlichenRundfunks in Deutschland. Die ARD-Anstalten begannen, ihre Hörfunkprogrammenach dem Vorbild der privaten Anbieter in Formatradios und Spartenradios zu ver-wandeln. Damit verbunden war die Abkehr vom Vollprogrammkonzept, das in ei-nem Programm sämtliche Bestandteile des Programmauftrages beinhaltet und sichdazu möglichst an alle Generationen wendet. Das letzte authentische Vollpro-gramm im deutschen Hörfunk war Radio Brandenburg, die Landeswelle des ORB20.Sein Angebot umfasste Popmusik und klassische Musik, aktuelle Berichterstattung,Politmagazine, Kulturbeiträge, Kindersendungen, Ratgeberstunden und die Über-tragung von Gottesdiensten und wurde 1997 eingestellt (vgl. Böckelmann, 2006, S.111). Heute gibt es nahezu ausschließlich Formatradios, die mit einer spezifischenMusikausrichtung, Moderation, Programmfarbe und Programmstruktur auf dieBedürfnisse einer klar definierten Zielgruppe abgestimmt sind. Das Formatradiohat seine Wurzeln in den USA, wo seit Beginn des Radios in den 1920er Jahren zwi-schen den Sendern eine starke Konkurrenz bestand. Auf die Entstehung und dieGeschichte des Formatradios soll hier aber nicht weiter eingegangen werden.21

Die Formatierung soll für einen hohen Wiedererkennungseffekt sorgen und dasProgramm über die gesamte Sendezeit hinweg unverwechselbar klingen lassen. Da-zu dient vor allem die Klangfarbe der Musik, worüber sich viele Radioprogrammedefinieren. Aber auch die Verpackung ist bedeutend. Dazu zählen kurze Jingles(kurze einprägsame Melodien) und Trailer. Der Begriff „Format“ steht dabei zu-nächst als objektive Bezeichnung für ein Produkt, das nach festgelegten Regelnproduziert wird. Das Maß der Dinge ist dabei stets der Hörer, oder besser das Bild,das sich die Radiomacher von ihm machen. Um den Hörerwillen zu ermitteln, wer-den vor allem die Instrumente der Marktforschung bemüht. Da es den Hörerschlechthin aber nicht gibt, definiert sich das Format eines Senders an der jeweilsausgesuchten Zielgruppe. Womit wir wieder beim Jugendradio angelangt wären,das sich an den oben beschriebenen Bedürfnissen der jungen Zielgruppe ausrichtet.

Diese definiert sich aber nicht nur über das Lebensalter, sondern, wie weiter obenbeschrieben, eher über lebensweltliche Milieus, die in der Medien-Nutzer-Typologie(MNT) ihren Niederschlag finden. Deshalb überlappen sich häufig die Hörer derklassischen Jugendradios mit den Hörern von Pop- und Servicewellen wie SWR3,BR3, NDR2, HR3 oder MDR Jump. Diese orientieren sich an einem Publikum, des-sen Alter im Kern zwischen 14 und 39 Jahren liegt. Hier bilden aktuelle Popfarbenden musikalischen Schwerpunkt, solange sie im Mainstream bleiben, also einenbreiten Musikgeschmack treffen. Die Jugendprogramme zielen auf eine tendenzielljüngere Zielgruppe (14-29 Jahren), und sie zeichnen sich vor allem durch exponier-tere Musikstile aus wie z. B. Hip-Hop, House, Alternative oder Crossover-Rock, ne-ben aktuellen Pophits (vgl. Tabelle 5).

Tabelle 5: Unterscheidung Jugendradio vs. Pop- und Servicewelle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Lange, 2005, S. 213f. und eigene Ergänzungen.

Es gibt neben den Jugendprogrammen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auchin den Kulturwellen Bemühungen mehr Musikformate für Jüngere zu produzieren.Diese konstatieren ein sinkendes Interesse an klassischer Musik, und sehen dieGründe dafür vor allem in einem zurückgefahrenen schulischen Musikunterrichtund einer immer weniger im Elternhaus stattfindenden Sozialisation mit klassi- scher Musik. So gibt es bspw. bei Bayern 4 Klassik die wöchentliche Sendung„U21“22, die klassische Musik mit Jugendthemen mixt. Im Kulturradio SWR2 gab es2005 eine Sendereihe „SMS Short Music Stories oder: Musik für Einsteiger“23 inKooperation mit dem Institut LernRadio der Musikhochschule Karlsruhe und demSWR-Jugendangebot Das Ding. Hier wurden kurze 10-minütige Beiträge gesendet,die in dem weiten Spektrum zwischen E- und U-Musik angesiedelt waren. Es gingauch um Hintergrundinformationen aus der Musikgeschichte, Grundlagen der Mu-sik, Musikbegriffe oder Komponisten, Studiotechnik, Musikgeschäft und gesell-schaftliche Phänomene. Der Jugendsender Das Ding sendete auch eine Auswahl derBeiträge, so entstand eine Art Cross-Promotion. Für die Zukunft sind weitere sol-che Projekte sehr wünschenswert.

Im Folgenden werden alle öffentlich-rechtlichen Sender, die sich selbst als Jugend-radio, Junge Welle oder Radio für junge Hörer definieren, durch kurze Programm-profile vorgestellt. Nahezu alle geben als Zielgruppe die 14- bis 29-Jährigen an, ma-che benennen noch eine Kernzielgruppe, die meistens über 19 Jahren liegt. Die hiervorliegenden Informationen wurden insbesondere durch einen umfangreichen E-Mail- und Telefonaustausch mit den jeweiligen Programmen zusammengetragenund mit Informationen aus frei zugänglichen Quellen im Internet ergänzt (z. B.Presseportale der Rundfunkanstalten, Internetseiten der Jugendradios selbst). Diein dieser Übersicht dargestellten Angaben spiegeln den Stand vom Juli/August2008 wider.24

4.1 Programmprofil on3radio (BR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.2 Programmprofil You FM (HR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Programmprofil Sputnik (MDR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.4 Programmprofil N-Joy (NDR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.5 Programmprofil Bremen Vier (Radio Bremen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.6 Programmprofil Fritz (RBB)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.7 Programmprofil Das Ding (SWR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.8 Programmprofil Unser Ding (SR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.9 Programmprofil 1LIVE (WDR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.10 Programmprofil FM4 (ORF)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.11 Programmprofil VIRUS (DRS)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5 Aus dem Grundversorgungsauftrag und Klassi-schen Rundfunkauftrag abgeleitete Funktionenund Qualitäten für den Medieninhalt Musik im öf-fentlich-rechtlichen Radio

In diesem Abschnitt werden die Qualitätskriterien des Medieninhalts Musik unddes Musikjournalismus aus theoretischer Perspektive hergeleitet und betrachtet.Dabei wird es eine Beschränkung auf die Kriterien der Musikauswahl und die Quali-täten von Musikinformationen und musikjournalistischen Leistungen geben. Aus-geschlossen werden Merkmale, die Art und Weise der Präsentation und Moderationvon Musikbeiträgen aus sprachlicher und kontextueller Hinsicht betreffen. Die Un-tersuchung orientiert sich darum eher an den Leistungen der Musikredaktion beider Auswahl der Inhalte wie Musik und Musikwortbeiträge, also das, was off air voreiner Sendung geschieht. Auf diese Gestaltungsprozesse über bestimmte Inhalte imProgramm hat natürlich das Selbstbild eines Senders und wie dieser Qualität defi-niert großen Einfluss.

Als Grundlage für die herzuleitenden Qualitätskriterien dienen die im Folgendenbeschriebenen Funktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von Lucht, ausdem sich im Wesentlichen die Vorbild- und Komplementärfunktion auf den Me-dieninhalt Musik übertragen lassen. Als Quellen für die Herleitung dieser Funktio-nen dienen ihm der „Grundversorgungsauftrag“ (4. und 8. Rundfunkurteil desBVerfG) und der „klassische Rundfunkauftrag“ (7. und 8. Rundfunkurteil). Die ers-ten beiden Funktionen beziehen sich nahezu ausschließlich auf politische Funktio-nen und sollen hier nicht weiter vertieft werden (vgl. Lucht, 2006, S. 174f.):

- Integrationsfunktion: Sicherung des Zusammenhaltes der Gesellschaftdurch Sicherstellung einer gemeinsamen Informationsbasis
- Forumsfunktion: Sicherung politischer Ausgewogenheit und Meinungs-vielfalt und Schaffung einer Plattform für offenen Meinungsaustausch

Die anderen beiden Funktionen sind etwas allgemeiner und können auch auf den Medieninhalt Musik bezogen werden:

- Vorbildfunktion: Setzen von journalistischen Standards und Sicherung einesHöchstmaßes an Professionalität und Seriosität verbunden mit innovativerProgrammgestaltung
- Komplementärfunktion: Bereitstellung von Angeboten, die markt-finanzierte Programme nicht notwendigerweise leisten - insbesondere kul-turelle und wissenschaftliche Beiträge

Im Nachstehenden sollen die beiden letztgenannten Funktionen mit Inhalten zur Qualität von Musik und Musikjournalismus angereichert werden. Zu diesem Zweck werden unterschiedliche Quellen herangezogen: z. B. Fachliteratur und Studien über Qualität im Journalismus bzw. Musikjournalismus, rechtlich-normative Regelungen, Qualitätsdefinitionen bei der BBC und Beispiele für von Experten ausgezeichnete Radiosender auf dem Gebiet der Musik.

5.1 Vorbildfunktion: Journalistische Standards, Höchstmaßan Professionalität, Seriosität und Innovation

5.1.1 Musikjournalismus im Radio

Über den hohen Stellenwert von Musik im Alltag wurde schon ausgiebig gespro-chen. Immerhin interessieren sich nach der Studie „Informationsverhalten derDeutschen“ im Jahre 2006 84 % der 14- bis 29-Jährigen für Musikthemen (vgl. Blö-dorn, Gerhards Klingner, 2006, S. 636). Auch konnte mit der JIM-Studie aufge-zeigt werden, dass vor allem die Jugendlichen verschiedene Medien nutzen, umMusik zu hören, aber auch um sich über neue Musik zu informieren. Die Gruppeder Musikinteressierten (ca. drei Viertel der befragen Jugendlichen) der JIM-Studiegibt auch Aufschlüsse darüber, wo sie sich über Musik informieren. Dabei geben sieim Durchschnitt 3,1 Informationsquellen an. Das Internet steht als Informations-quelle über Musik an erster Stelle (79 %), knapp vor Freunden und Bekannten mit 78 %. Weitere für Musikinformationen relevante Medien sind das Fernsehen(49 %), Zeitschriften (46 %) und schließlich Radio mit 44 % (vgl. Medienpädagogi-scher Forschungsverbund Südwest, 2007). Die Podiumsdiskussion: „Massenmedi-um 2.0 - alte Medien waren gestern? - Jugendliche auf dem Weg in die schöne neueErlebniswelt Internet“25 zeigte, dass die Jugendlichen verstärkt die Angebote imInternet nutzen. Die klassischen Medien sind deshalb darauf angewiesen auch ihreInhalte über andere Medienkanäle zur Verfügung stellen, um nicht von der Ent-wicklung abgehängt zu werden. Doch nur selten wird die Frage aufgeworfen, wasdenn eigentlich solche Inhalte im Bereich Musik sein sollen und vor allem welche besonderen Qualitäten der öffentlich-rechtliche Rundfunk dabei erbringen kannund sollte. Zudem liegen nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Musikkom-munikatoren, über musikalische Themen und die sie verbreitenden Medien vor.Wenig wissen wir über den Einfluss des Musikjournalismus auf Leser und Hörer derMassenmedien. Diesen Missstand in der Forschung zeigen sehr deutlich eine Titel-analyse bibliografisch erfasster Literatur und eine Inhaltsanalyse von je drei Fach-zeitschriften aus der Kommunikations- und Musikwissenschaft. Darin wurde un-tersucht, wie oft und intensiv das Thema Musikjournalismus bisher thematisiertwurde. Der Untersuchungsgegenstand wurde zunächst wie folgt definiert:

Als Musikjournalismus gilt dabei jede beschreibende, analysierende oder be- wertende Berichterstattungüber musikalisches Geschehen und seine Zu- sammenh ä nge in Massenmedien. Musikvideos oder die bloße Programmges- taltung in H ö rfunk und Fernsehen fallen nicht unter diese Definition. (Reus, 2008, S. 86).

Hier kurz zusammengefasst die Ergebnisse der Titelanalyse. Es wurden 270 Mono-grafien und Aufsätze gefunden, die sich dem Titel nach speziell mit dem Musik-journalismus befassen. Sieben von zehn Monografien und Aufsätzen wenden sichder „klassischen“ Form zu und interessieren sich ausschließlich für die Auseinan-dersetzung mit dem künstlerischen Einzelereignis (Werk- und Kompositionskritik,Aufführungskritik, Tonträgerrezension). Wie sich Journalisten allgemein mit musi-kalischen Zusammenhängen, Entwicklungen und Akteuren beschäftigen untersuchtnicht einmal jede dritte Darstellung zum Musikjournalismus (28 %). Und nur eineHand voll (3 %) befasst sich mit Musikpräsentation und -moderation in den elekt-ronischen Medien. Zudem befasst sich ein hoher Anteil der Titel mit Musikjourna-lismus vor 1945 (42 %). Zwei von drei Büchern und Aufsätzen thematisieren, wiesich Musikjournalisten mit E-Musik26 beschäftigen; nur jeder siebte Beitrag dage-gen untersucht die Auseinandersetzung mit U-Musik27. Zudem beschäftigen sichzwei von drei Büchern/Aufsätzen nur mit musikjournalistischen Beiträgen in Zei-tungen und Zeitschriften. Nur magere 5 % haben Musikmoderation zum Gegens-tand, die dem Musikjournalismus in Hörfunk und Fernsehen nachgeht, über Mu-sikjournalismus im Internet lagen zum Zeitpunkt der Recherche noch gar keine Bei-träge vor. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich der durchschnittliche Buch- bzw. Aufsatztitel zum Thema Musikjournalismus mit der Rezension/der Kritik sogenannter E-Musik in Printmedien und zum großen Teil in historischer Perspektivebeschäftigt. Weite Bereiche des modernen Musikjournalismus, vor allem im Radio,Fernsehen und Internet werden damit übergangen (vgl. Reus, 2008, 86ff.).

In den kommunikationswissenschaftlichen Zeitschriften: „Publizistik“, „Medien-und Kommunikationswissenschaft“ und „Media Perspektiven“ ist während eineshalben Jahrhunderts nur ein einziger Beitrag erschienen, in dem es vorrangig umMusikjournalismus geht. In den Fachzeitschriften der Musikwissenschaft „Archivfür Musikwissenschaft“, „Die Musikforschung“ und „(Neue) Zeitschrift für Musik“wurden insgesamt immerhin 25 Beiträge gefunden. Das heißt, die Kommunikati-onswissenschaft, die sich eigentlich um journalistisches Handeln kümmern sollte,„… überlässt bis heute der Musikologie das Terrain.“ (ebd., S. 93). Reus resümiertwie folgt:

Die Musikwissenschaft setzt sich in ihren Fachzeitschriften immerhin gele- gentlich mit dem Thema „ Musikjournalismus “ auseinander, wenn auch h ä u- fig in essayistischer Form. Die Kommunikationswissenschaft dagegen spart das Thema in ihren Fachzeitschriften weitgehend aus, obwohl Massenmediendurch Thematisierung, Einordnung und Bewertung zur gesellschaftlichen Be-deutung von Musik beitragen und Musikjournalismus somit ein genuiner For-schungsgegenstand auch dieser Disziplin sein müsste. (Reus, 2008, S. 95).

In Ansätzen soll in dieser Arbeit die Befragung von elf Musikredaktionen von öf-fentlich-rechtlichen Jugendradios dazu beitragen, diese Forschungslücke etwas zukompensieren. Außerdem wird in der Befragung von jungen Hörern herauszufin-den sein, welche Bestandteile des Musikjournalismus sie sich eigentlich wünschen.Wollen sie bspw. Musik-Kritik, die ein neues Album vorstellt und außerdem subjek-tiv bewertet? Diese populäre Form der Musikkritik findet meistens nur noch in denFeuilletons der Presse statt. Dabei ist dafür das Radio doch eigentlich prädestiniert,denn es hat den Vorteil, die besprochene Musik auch hörbar machen zu könnenund somit die subjektive Rezension des Musikjournalisten zu überprüfen (dennMusik ist Geschmacksache) (vgl. Overbeck, 2005, S. 37). Eine weiter Kernkompe-tenz des Radios im Bereich Musik wären Radiokonzerte: Etwa ist das „1LIVE-Radiokonzert“ mit seiner puristischen Form (eine Band spielt vor einem kleinenHörerpublikum in einem Sendestudio eine Stunde live) eine überaus erfolgreicheund beliebte Sendung. Radio zeigt hier seine Stärke, wo es mit Selbstvertrauen auf die Bereitschaft der Hörer setzt, zuzuhören, etwas mitzuerleben; dabei zu sein, wenn gerade etwas passiert.

Die Wirkung von Musik lässt sich auch steigern, wenn sie authentisch präsentiertwird: So könnte ein Musikredakteur auch selbst hinter das Mikrofon treten undeinen neuen Titel vorstellen. Da mag auch absolut ausschaltbarer Hardcore-Trashdarunter sein. Doch handelt es sich stets um komplett neue Musik, die auf Grundvon zusätzlichen Erklärungen das Lebens- oder Geschmacksmodell eines Redak-teurs vermittelt. Hier werden Emotionen erzeugt und die Ansage wirkt viel authen-tischer als die Ansage: „Das war XYZ, jetzt kommt die neue CD von …“. Das wich-tigste ist, dass die Mitarbeiter, egal ob Schriftsteller, Musiker, DJs oder Kritiker,ihre Leidenschaft für Musik einbringen können. Aber auch eine umfassende journa-listische Ausbildung und vertieftes Fachwissen in mindestens einem Spezialgebietder Musik wäre eine wichtige Anforderung an den Musikjournalisten der Zukunft(vgl. Overbeck, 2005, S. 325).

Ein Beispiel dafür, wie ein Musikjournalist eine Sendung prägen kann, ist JohnPeel, der bei der BBC ab 1997 mit seinen 4.400 sogenannten „Peel Sessions“ be-rühmt wurde. Er war allzeit auf der Suche nach neuen Klängen, was ihm gefiel,spielte er in seinen Radiosendungen. Bands, die er besonders mochte, lud er zu ei-ner Aufnahmesession ins BBC-Studio ein. (vgl. Kühnemund, 2008). Doch die Rolledes Musikjournalismus wird auch entscheidend davon abhängen, inwieweit die Mu-sikjournalisten, Moderatoren und Redakteure überhaupt Spielraume bekommen,ihre eigenen Präferenzen und Einschätzungen als Fachleute einzubringen oder obletztlich die musikalische Ausrichtung nur aus den Ergebnissen des Musik-Researchresultiert. Mit einem sehr hohen musikjournalistischen Qualitätsanspruch sendetseit dem 11. Januar 2008 das Internetradio „Byte.fm“28 alles, was in der modernenPop-Musik wichtig ist - gestaltet und moderiert von Journalisten, von Musiken-thusiasten, die selbst zum Teil vom öffentlich-rechtlichen Radio kommen und ihreZeit und ihr Musikwissen in ein neues Internetradio investieren. Dafür bekommensie kein Geld, nur die Möglichkeit Musiksendungen zu machen, die beim öffentlich- rechtlichen Radio in dieser Form nicht möglich sind. Hier gibt es den ganzen Tagüber hochwertige abwechslungsreiche Musik und nicht nur in den späten Abend-stunden. Keine „Hit-Hits“, keine Computerrotation, dafür neue und alte Platten,Interviews und Hintergrundinformationen über Szenen, Bands, Entwicklungen undZusammenhänge. Byte.fm berichtet von Musik und ihren Machern, von kleinenClubs und großen Sälen, in Deutschland und überall. Es gibt moderierte Sendun-gen, Mitschnitte von Live-Konzerten und exklusive Mixe von lokalen und interna-tionalen DJs. Alles dreht sich hier um Musik, hier gibt es nur Wortbeiträge zur Mu-sik und sonst keine Nachrichten, Verkehr und sonstige Wortbeiträge. Es sind mitt-lerweile rund 60 Moderatoren, Redakteure und Mitarbeiter, die mit Geist und Seelebei dem Projekt dabei sind (vgl. Loichinger, 2008). Der langjährige Musikjournalistund Moderator Klaus Walter, der beim Hessischen Rundfunk eine der fundiertestenMusiksendungen „Der Ball ist rund moderiert, produziert ohne Vergütung die Sen-dung „Was ist Musik“ bei Byte.fm. Er stellt sich die interessante Frage: „Warum gibtes unter dem Dach der ARD nicht einen Platz für so ein Internetradio, wenn schonso viele ARD-Leute dabei sind?“ (zit. nach Loichinger, 2008). Der Anspruch vonByte.fm: ein musikjournalistisch hochwertiges Radio abseits des Mainstreams zusein, klingt doch wirklich nach öffentlich-rechtlichen Tugenden.

5.1.2 Möglichkeit der Messung von Qualitätskriterien beim Medien-inhalt Musik und Musikjournalismus auf Grundlage des Me-thodenmix von Ruß-Mohl und Held

Studien und Literatur zur Bestimmung publizistischer und journalistischer Quali-tätskriterien gibt es in der kommunikationswissenschaftlichen Forschung zahl-reich. Meist ging es in der Qualitätsforschung darum, ob Medien ihre (verfassungs-rechtlich bestimmen) Aufgaben erfüllen und neutral und ausgewogen berichten. Ineiner langen Abhandlung über Qualität im Hörfunk kommt Spang zu dem Ergebnis,dass die Kriterien auch für die Definition spezifischer Hörfunk-Qualitätsstandardsgenutzt werden können (vgl. Spang, 2006, S. 245). Dabei wird Journalismus häufigauf drei Ebenen untersucht: Mikroebene (Journalistisches Handeln), Mesoebene(Organisationen und ihre Beziehungen) und der Makroebene (Journalismus undGesellschaft) (vgl. Weßler, 2002, S. 26). Außerhalb des Teilsystems Journalismuskönnen noch weitere Einflussvariablen auf die Qualität dazu gezählt werden: Me-diensystem, Rezipientenwünsche und die Ebene der gesellschaftlichen Rahmenbe- dingungen (vgl. erweitertes Zwiebelmodell von Fabris, 2004, S. 395). Die publizisti-schen Qualitätskriterien werden von Ruß-Mohl und Held mit Hilfe des magischenVielecks veranschaulicht. Dieses enthält sieben Kriterien für den klassischen Jour-nalismus: Aktualität, Relevanz, Originalität, Interaktivität, Transparenz, Objektivi-tät und Komplexitätsreduktion/Verständlichkeit (vgl. Ruß-Mohl Held, 2005, S.55). Die Autoren schlagen zur Qualitätssicherung eine Mischung von Qualitätsbe-urteilungen und -maßstäben vor, die von Rezipienten und von Experten erarbeitetwerden sollen. Dabei sollten die Medien aber auch immer durch unerwartete Leis-tungen das Publikum bzw. die Hörerschaft begeistern können (vgl. ebd., S. 53).Ruß-Mohl und Held stellen einen Katalog an Möglichkeiten auf, wie man die Quali-tätskriterien messen kann. Dabei werden vier Verfahrensweisen zur Qualitätsmes-sung unterschieden: 1. Direkte Messung von Qualitätskriterien, 2. Publikumsgunst,3. Experten-Urteile und 4. Indirekte Indikatoren (vgl. ebd., S. 56f.). Diese könnenauch bei der Messung von Qualitätskriterien beim Medieninhalt Musik und journa-listischen Wortbeiträgen rund um das Thema Musik angewendet werden. Direktmessbar wären bspw. per Inhaltsanalyse die Aktualität von Musik (Neuigkeitswert),die Vielfalt von Musikstilen, das Vorkommen von Musikkritik, die Anzahl von Mu-sikinformationen usw. Die zweite Verfahrensweise zur Bestimmung von Qualitätkann über Messgrößen der Publikumsgunst erfolgen, das könnten z. B. Reichweitenund Einschaltquoten sein. Jedoch ist das Qualitätsurteil der Hörer aus mindestenszweierlei Hinsicht problematisch: Erstens führt Qualität nicht automatisch zu hö-heren Einschaltquoten und zweitens kann das Publikum nur das bewerten, was esschon kennt. Beim dritten Verfahren wird Qualität von Experten definiert. Hierkönnen bspw. Mitglieder eines Gremiums oder Jury befragt werden. Auf Musik imRadio bezogen, wäre bspw. die Befragung der Jury-Mitglieder zu den Bewertungs-kriterien der ECHO-Preisverleihung sinnvoll. Drei Radiosender haben diesen Preisbisher für ihre Leistungen in der Kategorie „Medienpartner des Jahres“ erhalten:Radio Eins vom RBB (2003), 1LIVE vom WDR (2005) und Fritz vom RBB (2008).Sie wurden für Leistungen ausgezeichnet „… durch die die Musik nachhaltig geför-dert wurde, - die neue und innovative Präsentationen für Musik geschaffen haben…“29. Als vierte Verfahrensweise zur Messung von Qualitätsmerkmalen sind indi- rekte Indikatoren hilfreich. Hierbei wird zugrunde gelegt, dass sich Qualität mithoher Wahrscheinlichkeit dann einstellt, wenn bestimmte Voraussetzungen erfülltsind. Gemessen wird demnach der qualitative Input, die Rahmenbedingungen, undnicht der Output. Von Interesse wären etwa die Rahmenbedingungen der Musikre-daktion wie z. B. die Anzahl der Musikredakteure, die Größe des Budgets, Ausbil-dungsstand und Berufserfahrung, der Umfang des Musikarchivs und die Möglich-keiten Musikforschung zu betreiben. Musikredaktionen sind ähnlich wie Nachrich-tenredaktionen auf eine Fülle von Informationsquellen angewiesen. Nach welchenKriterien sie Musik auswählen und wie Entscheidungsprozesse innerhalb des Teamsauflaufen, um bspw. einen bestimmten Titel in die Playlist aufzunehmen oder nichtkönnen zu unterschiedlicher Qualität führen. Gegen alle diese Messmethoden ma-chen Ruß-Mohl und Held auch Einwände geltend, die hier aber nicht weiter disku-tiert werden sollen (siehe dazu Ruß-Mohl Held, 2005, S. 58-60). Ganz allgemeinstellen sie fest, dass Aussagen über Qualität dann umso besser sind, je mehr ver-schiedene Methoden zur Anwendung kommen (Methodenmix). Darüber hinauskommen sie zu dem Fazit, dass es vielleicht gar nicht immer nötig ist, Qualität wis-senschaftlich exakt zu bestimmen, um mehr Qualität zu erreichen: „Wichtiger istwohl ein kontinuierlicher öffentlicher und fachöffentlicher Diskurs über den Jour-nalismus und damit publizistischer Qualität, damit die Journalisten qualitätsbe-wusster arbeiten und die Publika als Kunden Qualität einfordern.“ (ebd., S. 60).

Die Struktur des hier vorgestellten Kataloges von Ruß-Mohl und Held zur Messung von Qualität im Journalismus soll im Kapitel 5.3 als Grundlage für einen Überblick aller Qualitätskriterien für den Medieninhalt Musik und Musikjournalismus dienen. Dazu werden die aus diesem Kapitel schon erwähnten Kriterien noch um weitere Punkte aus dem nun folgenden Kapitel ergänzt.

5.2 Komplementärfunktion: Bereitstellen von Angeboten undQualitäten, die marktfinanzierte Programme nicht leistenkönnen

Man schaltet das Radio ein und wird selten überrascht. Denn was einem da tagaus,tagein entgegenschallt, ist programmierte gute Laune, im inhaltlichen und musika-lischen Sinne. In einem Dossier in „Die Zeit“ aus dem Jahr 2005 stellt Ulrich Stockkritisch fest: „Zwei Jahrzehnte nach der Zulassung des Privatfunks stellt sich diedeutsche Radiolandschaft als ein ödes, an Höhepunkten armes Flachland dar.“(Stock, 2005, 1). Das ist sicher ein sehr hartes und pauschales Urteil, denn das hie-ße ja, dass es auch unter den öffentlich-rechtlichen Radioprogrammen keine beson-deren Qualitäten gibt. Sicherlich kann er damit nicht die Kultur- und Informations-programme gemeint haben, sondern vielmehr die Pop- und Servicewellen, die einebreite Hörerschaft ansprechen wollen. Sicherlich gibt es sehr wenige Ausnahmen imdeutschen Hörfunkmarkt, die mit Hilfe der Differenzierungsstrategie auf die Quali-tätsführerschaft setzten. Die Abgrenzung könnte durch „… eine originelle Modera-tion, ausgezeichnete journalistische Qualität oder ein unverwechselbares Musik-programm …“ (Wolling Füting 2007, S. 64) erreicht werden. Für das Radio hießedas, Radioereignisse zu kreieren, das viel zitierte „Kino im Kopf“ entstehen zu las-sen und damit letztlich das Radio als Medium wieder selbstbewusster, seinen eige-nen Stärken und Möglichkeiten vertrauend, zu positionieren. Qualität heißt Inhalteanzubieten, die mehr sind, als hundertfach wiederholte „Senderclaims“. Radiohörerverlangen wieder mehr Inhalte, denn Musikschleifen bekommen sie auch im Inter-net und das auch noch ohne Werbung und mitunter nervige Moderatoren.

Radioqualität hat sehr viele Perspektiven. In einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wurde eine Wunschliste an die öffentlich-rechtlichen Programme aufgestellt. Sie fordern darin unter anderen alle Programme einzustellen, die nach Formatradio klingen. Stattdessen sollte insbesondere die Kernkompetenz Information in den Vordergrund gerückt werden:

Morgens die Politsendung im Deutschlandfunk, mittags ein Konzert auf Bay- ern 5, und abends liest jemand vom Deutschlandradio aus neuen Büchernvor. Radioh ö ren macht uns oft klug, manchmal glücklich - und für die Single- und Workaholicgesellschaft ist Radio das absolut zeitgem äß e Medium, weil einer, w ä hrend er sich informiert, auch noch Nasenhaare schneiden, Liege- stütze machen und, ohne Ton, QVC sehen kann. “ (Bouhs Schader, 2008,33).

In der Bundesrepublik Deutschland wird der Rundfunk vom Gesetzgeber als Kul-turgut betrachtet. Aus diesem Verständnis heraus werden ihm publizistische Auf-gaben zugeschrieben, die jedoch weit über einen engen Kulturbegriff hinausgehen.Andererseits handelt es sich bei Rundfunkangeboten um Wirtschaftsgüter. Dieseunterschiedlichen dem Rundfunk zugeschriebenen Aufgaben haben unterschiedli-che Blickwinkel in der Forschung zur Folge: Aus der Sichtweise des Rundfunks alsKulturgut stehen dann eher deren ästhetische und publizistische Qualität im Vor-dergrund der Analysen. Aus dem Blickwinkel des Wirtschaftsguts interessieren eherdie Gründe für höhere Einschaltquoten und damit in erster Linie die Hörerakzep-tanz. Für die privaten Sender sind hohe Einschaltquoten aufgrund der Werbefinan-zierung überlebenswichtig. Aber auch für öffentlich-rechtliche Sender sind die Ein-schaltquoten aus Gründen der Legitimation wichtig, dies wird zumindest von denSenderchefs immer wieder propagiert. Dieser Quotendruck führt in vielen ARD-Anstalten dazu, den Privaten in der musikalischen und redaktionellen Eindimensi-onalität zu folgen: „Sie haben heute identische Musik-Research Institute, identischeBerater, identische Verkaufsrezepte und sie haben Programmleute, die bei den Pri-vaten in die Lehre gegangen sind …“ (Stümpert, 2005, S. 192). Somit verlieren siemit gleichen oder ähnlichen Inhalten eigentlich mehr an Legitimation, denn einbesserer Verkehrsservice sollte wohl nicht die einzige Antwort auf einen Qualitäts-vorsprung sein.

5.2.1 Normativ-rechtliche Qualitätskriterien

„Qualität“ ist im gängigen Sprachgebrauch normativ konnotiert und wird begriff-lich im Sinne von „Güte“ verwendet. Die Bewertungsdimensionen stützen sich aufgenerelle Normen, die zumeist aus gesellschaftlichen Vorgaben für Medien abgelei-tet sind (z. B. Bereitstellung von Informationen zur Meinungsbildung) und sindzum Teil rechtlich fixiert. Allgemeine Rechtsgrundlage des Rundfunks in Deutsch-land bildet der Artikel 5 Absatz 1 Satz 2 des Grundgesetztes (GG), der die Rund-funkfreiheit als Grundrecht verfassungsmäßig verankert. Der Artikel 30 GG weistdabei den Bundesländern die Regelungskompetenz über den Rundfunk zu (Kultur-hoheit der Länder). Seit der Liberalisierung des Rundfunks Mitte der 1980er Jahrebildet das duale System, als Nebeneinander von öffentlich-rechtlichen und privaten Veranstaltern, die Basis der deutschen Rundfunkordnung. Der Rundfunkstaatsvertrag30 vom 31. August 1991, in der zuletzt am 1. September 2008 in Kraft getretenen zehnten Änderung, stellt den allgemeinen Rechtsrahmen dar und wird in das jeweilige Landesrecht umgesetzt.

Für die öffentlichen-rechtlichen Sender gelten die verschiedenen, in den jeweiligenLandesmediengesetzen formulierten Programmaufträge. Mit dem Begriff der„Grundversorgung“ hat das Bundesverfassungsgericht 1986 die wesentlichen Vor-aussetzungen für den Rundfunk in Deutschland in einem Begriff zusammengefasst.Die Grundversorgung umfasst drei wesentliche Elemente: Empfangbarkeit, Klassi-scher Rundfunkauftrag und Sicherung der Meinungsvielfalt. Der klassische Rund-funk- bzw. Programmauftrag verpflichtet die Anbieter, die Bevölkerung mit eineminhaltlich umfassenden Angebot an Information, Bildung, Unterhaltung und Kulturzu versorgen. Die deutsche Rundfunkordnung ist maßgeblich durch die Rechtspre-chung des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) zur Rundfunkfreiheit nach Artikel 5 Abs. 1 S. 2 GG geprägt. Ihre gesetzliche Ausgestaltung fällt in die Gesetzgebungs-kompetenz der Länder. Rundfunk - öffentlich-rechtlicher wie privater - hat nachder Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes nicht nur eine essenzielleFunktion für die demokratische Ordnung, sondern auch eine kulturelle Verantwor-tung. Dabei sind beide Funktionen nicht strikt voneinander zu trennen. Denn einefreiheitliche und demokratische Gesellschaft beruht auf gemeinsamen kulturellenWerten, die es zu vermitteln gilt.

Daraus lassen sich Qualitätskriterien ableiten, die für Pluralismus bzw. Vielfalt ste-hen und das neben dem politischen auch für den kulturellen Bereich, indem Musik-vielfalt wiederum ein Unterpunkt wäre. Allerdings ist nicht genauer geregelt, inwelchem Umfang und mit welchen Inhalten diesen Vorgaben zu folgen ist. DieKonkretisierung bestimmter Anforderungen kollidiert mit der Rundfunkfreiheitdurch das Grundgesetz und somit gibt es keine kodifizierten Kontrollauflagen zurÜberwachung der Programmqualität von öffentlich-rechtlichen Rundfunkpro-grammen. So existieren nur wenige handfest formulierte Vollprogrammkriterien indiversen Landesmedien- und Rundfunkgesetzen. Ruß-Mohl spricht in diesem Zu-sammenhang von großen Freiräumen, die der Artikel 5 GG den Medien gewährt, die fast schon einen „rechtsfreien Raum“ darstellen, bei dem es schwieriger ist Qua-litätsansprüche einzuklagen und Produkthaftung durchzusetzen, als etwa bei ande-ren Konsumgütern oder Dienstleistungen (vgl. Ruß-Mohl, 2001, S. 200). Diese Si-tuation hat sich seit dem 7. Rundfunkänderungsstaatsvertrag (September 2003)etwas gebessert. Jetzt ist in §11 Abs. 4 festgelegt, dass die in der ARD zusammen-geschlossenen Landesrundfunkanstalten, das ZDF und Deutschlandradio alle zweiJahre einen Bericht über die Erfüllung ihres Auftrages, über die Qualität und Quan-tität ihrer Angebote und Programme sowie über die geplanten Schwerpunkte derjeweils anstehenden programmlichen Leistungen veröffentlichen müssen. Damitgibt es konkretere Formulierungen über die Zielvorgaben und wie programmlicheAufgaben erfüllt werden können. So wurde im Oktober 2004 das erste Mal der „Be-richt der ARD über die Erfüllung ihres Auftrags, über die Qualität und Quantitätihrer Angebote und Programme sowie über die geplanten Schwerpunkte“ vorgelegt.Darin enthalten sind aber nur Aussagen über Fernsehprogramme (vgl. Programm-direktion Erstes Deutsches Fernsehen, 2006). Es werden jedoch in den Zielvorga-ben und Berichten der einzelnen Landesrundfunkanstalten auch Angaben zum Ra-dio gemacht. Doch diese enthalten meist auch nur sehr allgemeine Formulierungen,wie das Beispiel für die Zielvorgaben im Bereich Unterhaltung/Musik für das Ju-gendradio Fritz vom RBB zeigt:

Fritz bietet seinen H ö rerinnen und H ö rern von 14 bis 29 Jahren eine wohl-dosierte Mischung aus bekannten und breit akzeptierten Hits sowie interes- santen Neuerscheinungen. Die St ä rke des Programms liegt in der Kompetenz für Musik abseits des Mainstreams. Dies entspricht in hohem Maße dem Image des Programms bei den jungen H ö rern. Besondere musikalischeSchwerpunkte liegen im Bereich der deutschsprachigen Popmusik sowie bei der F ö rderung von regionalen Nachwuchsbands und -künstlern. (Aus denZielvorgaben des RBB zur Erfüllung seiner programmlichen Aufgaben2007/2008, S. 35).

Der Konkurrenzdruck im Hörfunk hat zu einer fortschreitenden Verspartung seinerProgramme geführt, so dass der Funktionsauftrag in seiner Grundversorgungs-funktion für das öffentlich-rechtliche Radio häufig nur noch im Sinne des Außen-pluralismus definiert werden kann. Der Staatsvertrag unterscheidet zwischen Voll-programmen, Spartenprogrammen und Fensterprogrammen (§2, Abs. 2). Vollpro-gramme sind Programme mit vielfältigen Inhalten, in denen Informationen, Bil-dung, Beratung und Unterhaltung einen wesentlichen Teil des Gesamtprogrammsbilden. Für die Gewichtung einzelner Programmbestandteile muss sicher die Grundsatzentscheidung getroffen werden, ob das Programmangebot sich als einmassenattraktives Radioprogramm versteht oder sich von vornherein als Minder-heiten- bzw. Zielgruppenprogramm positioniert (z. B. Klassik- oder Kulturradio).Eine interessante Formulierung zur Programmqualität findet sich diesbezüglichbeim Schweizer öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der „Konzession für die SRGSSR idée suisse“. Hier heißt es im Art. 3 Absatz 2: „Die SRG strebt eine hohe Akzep-tanz bei den verschiedenen Zielpublika an. Sie bemisst die Akzeptanz nicht in ersterLinie in Marktanteilen“ (Der Schweizerische Bundesrat, 2007, S. 2). Mit anderenWorten geht es darum, dass ein qualifiziertes - je nachdem auch kleines - Teilpub-likum mit hoher Qualität beliefert wird und dass die Sendungen bei diesem hoheAkzeptanz genießen. Diese Formulierung würde eine Abkehr von der Definitionvon Qualität ist gleich Quote bedeuten. Doch noch richten sich viele öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland in erster Linie nach der Quote aus und damit amGeschmack der Masse. Damit unterscheiden sie sich in ihrer Musikauswahl nurunwesentlich von privaten Radioprogrammen. Erst in den Abendstunden beginntfür das Radio der so genannte Fernsehschatten: Die Einschaltquote fällt drastischab, jetzt bleiben vor allem die Hörer am Radio, die noch unterwegs sind (Autoradio)oder solche Hörer, die ein ganz spezielles Interesse an den entsprechenden Angebo-ten haben. Die meisten öffentlich-rechtlichen Jugendprogramme nutzen diese Zeitfür sogenannte Musik-Specials, in denen keine Chart-Massenware angeboten wird.

5.2.2 Vielfalt als besonderes Qualitätskriterium

Prinzipiell kann man Vielfalt nach der dem Inhalt oder der Struktur unterscheiden:Inhaltliche Vielfalt ermittelt qualitative Merkmale einzelner Strukturen wie Vielfaltder Meinungen innerhalb des Bereiches Informationen oder Vielfalt der Musikstileim Bereich der Musikunterhaltung. Strukturelle Vielfalt bedeutet die Anteile derGrobstruktur eines Programms wie Information, Bildung, Beratung und Unterhal-tung zu untersuchen und ist für die weitere Definition von Qualitätseigenschaftendes Medieninhalts Musik und Musikjournalismus nicht weiter von Bedeutung.31

Dafür wird aber noch etwas genauer auf den Begriff der Kulturellen Vielfalt eingegangen werden.

Vielfalt aus inhaltlicher Perspektive

Zu Beginn des Abschnitts über die Vielfalt zunächst zwei Zitate, die beschreiben, was Einfalt statt Vielfalt bewirkt. Hier zuerst ein Zitat von Stümpert:

Noch immer werden die Radios aufgedreht wie Wasserh ä hne und die Musik fließt zu allen Zeiten wunschgem äß heraus. Die meisten Menschen halten das jetzt für selbstverst ä ndlich und haben aufgeh ö rt das Radio bewusst wahrzunehmen. (Stümpert, 2005, S. 88).

Hier wird beschrieben, dass die meisten Menschen das Radio für etwas Selbstver-ständliches halten, aus dem immer der gleiche erwartbare Inhalt kommt. Sicherlichist es auch wichtig, wenn man von einem informierenden Radio immer zu einer be-stimmten Zeit die gleichen Sendungen wie etwa Nachrichten erwarten kann. Aberes sollte dennoch Elemente geben, die das Radio durch das Unerwartbare aufwertenund interessanter machen. Und das kann doch in erster Linie der MedieninhaltMusik leisten. Doch wie in diesem Zitat beschrieben, haben wir uns zu sehr an dasErwartbare gewöhnt. Noch etwas drastischer formuliert es Stock in der Zeitschrift„Die Zeit“:

Die industrielle Optimierung des Ohrfutters erinnert an die Massentierhal- tung. Die Schweine in den Boxen nehmen grunzend hin, und solange im Stallniemand das Licht anmacht, f ä llt auch keines tot um. (Stock, 2005, 2f.).

Vielfalt ist für pluralistische demokratische Gesellschaften ein existenzieller Wert.In der Kommunikationswissenschaft steht vor allem die Meinungsvielfalt aus de-mokratietheoretischen Gesichtspunkten häufig in den Mittelpunkt. Vielfalt kannauch aus der Perspektive der Produktvielfalt betrachtet werden, bezogen auf dieMusikvielfalt im Radio könnte das vor allem ein Angebot an Sendern mit verschie-denen Musikstilen bedeuten. Aus der künstlerischen Sicht beschreibt der bekannteKomponist und Musiker Leonard Bernstein die unendliche Vielfalt von Musik, diesich aus der mathematisch mögliche Kombination von 12 Grundtönen mit ver-schiedenen Harmonien und Akkorden ergibt: Die genaue Zahl ist 127 gefolgt von103 Nullen. In diesem Zusammenhang erwähnt Bernstein schon 1967 das Wort „Googol“, was ja die Kurzform für eine Ziffer gefolgt von 100 Nullen ausdrückensoll. Also melodisch und harmonisch gesprochen gibt es 127 „Googols“ von mögli-chen Kombinationen. Und diese „Infinite Variety of Music“ beschreibt Bernstein so:

Es ist, als wollten wir die Sterne der Milchstraße z ä hlen. Wir haben noch nicht das sehr wesentliche Element der rhythmischen Vielfalt in Betracht gezogen, was uns eine ganz neue „ Milchstraße “ von M ö glichkeiten er ö ffnet, und gar nicht zu reden von der ganzen Reihe der Tempi oder Geschwindigkeiten; und wenn wir noch die unz ä hligen instrumentalen und vokalen F ä rbungen und Ä hnliches in Betracht ziehen, fügt sich dem musikalischen Weltall Gala xisüber Galaxis hinzu. (Bernstein, 1968, S. 31).

Nach diesem Ausflug in die unendlichen Galaxien der Musikvielfalt nun wieder zu-rück zum Radio. Der Frage, ob sich massenattraktive Radioprogramme hinsichtlichihrer Musikprogrammgestaltung voneinander unterscheiden und auf ein eigenesProfil oder Mainstream setzen, wurde mit Hilfe einer umfangreichen Inhaltsanalyse(sieben Wochentage zu je 14 Stunden) von sieben AC- bzw. CHR-Programmen32 ausdrei Märkten miteinander nachgegangen (vgl. Wolling Füting, 2007, S. 62-77).Verglichen wurden unterschiedliche Musikstile, aber auch Eigenschaften von Musik(Musikfarben). Dazu gehören insbesondere deren Stimmung, Rhythmus, Tempo,Klangvolumen und die Intensität der Songs. Mit ihren Ergebnissen konnten dieAutoren zeigen, dass es zwar Unterschiede zwischen den Programmen hinsichtlichder Aktualität der gespielten Musik sowie in der Musikfarbe gibt, dass die Profileinsgesamt aber sehr homogen sind. Eine Orientierung der Sender am Mainstreamwar unverkennbar (ebd., S. 74f.). Wenn man den Hörfunk aus kultureller Perspek-tive betrachtet, dann wird man die festgestellte geringe Vielfalt wohl bedauernmüssen. Alle Programme richten sich nach der lukrativen Mitte des Mainstreams,um möglichst viele Hörer in der relevanten Zielgruppe zu erreichen. Für Nischen-programme scheint kein Platz zu sein, da die momentan sehr regional ausgerichte-ten Hörermärkte wohl zu klein sind, um ökonomisch überlegen zu können. EinAusweg könnte evtl. darin bestehen, die Rahmenbedingungen zu verändern undbundesweite Programme zu lizensieren, die sich auf bestimmte Segmente der Mu-sik spezialisieren können, um so genügend Hörer erreichen zu können. Mit dem digitalen Radio wären die technischen Möglichkeiten vorhanden, doch hat es sich bisher nicht etablieren können.

Kulturelle Vielfalt

Zwischen Kultur und Medien gibt es ein vielschichtiges und ungeklärtes Verhältnisim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Mit der Verkündung der 4. Rundfunkentschei-dung33 1986 (Niedersachsen) sind „Kulturauftrag“, „kulturelle Funktion“ und „kul-turelle Verantwortung“ als Aufgabe vorgegeben, wobei unklar bleibt, ob die MedienKultur beeinflussen oder nur ein Spiegel der Kulturentwicklung sein sollen. DerRundfunk kann aber immer nur eine Auswahl der Kultur- und damit auch Musik-vielfalt abbilden und interpretieren. Diese verantwortungsvolle Aufgabe für einekulturelle Öffentlichkeit, nicht nur im Bereich der klassischen Musik wahrzuneh-men, sondern auch bei populärer Musik, könnte den öffentlich-rechtlichen Rund-funk wieder klarer profilieren. In der dualen Rundfunkordnung obliegt es in ersterLinie dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den klassischen Auftrag des Rundfunkszu erfüllen, da der private Rundfunk aufgrund seiner Marktorientierung keinegleichgewichtige Programm- und Meinungsvielfalt gewährleisten kann. Das Bun-desverfassungsgericht stellte fest, dass insbesondere anspruchsvolle kulturelle Sen-dungen bei den privaten Anbietern aufgrund des hohen Kostenaufwandes in derRegel zurücktreten werden. Dem Programmauftrag des öffentlich-rechtlichenRundfunks liege ein erweiterter Kulturbegriff zugrunde, der das Ziel hat, in einemumfassenden Sinne ein Bild vom politischen, sozialen und geistigen Leben inDeutschland in allen seinen Facetten zu vermitteln. Im Wortlaut des Bundesverfas-sungsgerichts heißt es:

In dieser Ordnung ist die unerl ä ssliche Grundversorgung Sache der ö ffent-lich-rechtlichen Anstalten, zu der sie imstande sind, weil ihre terrestrischen Programme nahezu die gesamte Bev ö lkerung erreichen und weil sie nicht in gleicher Weise wie private Veranstalter auf hohe Einschaltquoten angewie- sen, mithin zu einem inhaltlich umfassenden Programmangebot in der Lagesind. Die damit gestellte Aufgabe umfaßt die essentiellen Funktionen des Rundfunks für die demokratische Ordnung [ … ] ebenso wie für das kulturelle Leben in der Bundesrepublik.34

Der Begriff „Kulturauftrag“ wird in den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes oder in Gesetzestexten nicht ausdrücklich definiert. Der Rundfunkstaatsvertrag enthält jedoch in § 11 Abs. 2 S. 4 eine besondere Verpflichtung gegenüber der Kultur. So soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk „Beiträge insbesondere zur Kultur“35 anbieten. Dies ist die deutlichste Regelung des Gesetzgebers zum Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Inhalte des Rundfunks sollen die gesamte Bandbreite des gesellschaftlichen Lebens und die kulturelle Vielfalt widerspiegeln, sich an alle richten und für alle erreichbar sein.

Die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ legte zuletzt im Jahr 2007 ihren Abschlussbericht vor. Darin werden konkretere Aufgaben für den öffentlichrechtlichen Kulturauftrag auf der Basis der Inhalte des Rundfunkstaatsvertrages, den Bundesverfassungsgerichturteilen und den Selbstverpflichtungen der Sender formuliert. Besonders treffend auf die Qualität von Jugendradios bezogen ist der fünfte Punkt (vgl. Deutscher Bundestag, 2007, S. 153):

- Betrachtung der Kulturberichterstattung als eine Kernaufgabe
- Förderung der klassischen und die zeitgenössischen Kultur gleichermaßenx
-Ausstrahlung von kulturellen Sendungen für unterschiedliche Zielgruppenx
-Pflege der deutschen und europäischen Kultur, Information über Weltkultu- ren und deren Entwicklung und Förderung des interkulturellen Austauschesx
-Geben von Impulsen für die Qualitätsentwicklung in unterschiedlichen Gen-res, darunter auch solche der Pop- und Jugendkultur sowie für neue Formender Mediennutzung unter den Bedingungen der „digitalen Welt“
- Fungieren als Kulturträger mit eigenen Klangköpern und als Veranstalterund Veranstaltungsförderer
- Leisten eins wichtigen Beitrags zur kulturellen Bildung

Die Kommission beschreibt auch kritisch Probleme und Fehler, die beim öffentlichrechtlichen Rundfunk gemacht werden. So werden zwar Anstrengungen der Kulturradios gelobt, die sich vermehrt auch um junge Hörerschaften erfolgreich bemühten, doch ein Problem sehen sie in der fortschreitenden Formatierung:

Die sich ausbreitende „ Formatierung “ von Sendungen, das heißt das Setzen strengerer Zeitlimits und Vorgaben für die Kombination von Wort- und Mu sikbeitr ä gen, ist tendenziell eine Gefahr für Themen und Kulturtraditionen, die in erheblichem Maße auf Geist, Komplexit ä t und Substanz setzen und daher medial nicht so leicht zug ä nglich gemacht werden k ö nnen. (Deutscher Bundestag, 2007, S. 154).

Die Kommission hält den Vorschlag, die Verteilung der Gebührengelder auf die ein-zelnen Rundfunkanstalten und die jeweiligen Programme auch an die Erfüllung vonQualitätskriterien zu knüpfen, für diskussionswürdig. Weiterhin empfiehlt sie denLändern, den Kulturauftrag in den Rundfunkstaatsverträgen zu präzisieren und dieErfüllung durch eine unabhängige externe Institution evaluieren zu lassen (vgl.ebd., S. 156).

Ein Teilbereich der Qualitätsdiskussion, insbesondere wenn es um die Erhaltungder kulturellen Vielfalt geht, ist die Debatte über Musikquoten. In Deutschlandwurde seit 1996 immer wieder eine Diskussion darüber geführt. Gemeinsames Zielder Befürworter ist eine stärkere Förderung einheimischer Musikproduktionen undjunger, unbekannter Künstler. In Deutschland wurde aber bisher keine Quotenrege-lung eingeführt, obwohl der Vorschlag einer Neuheiten bzw. Deutschquote zahlrei-che Befürworter in Politik und Musikwirtschaft fand. Das Hauptargument der Quo-tengegner in Deutschland ist, dass eine Musikquote gegen das Grundgesetz (Art. 5Abs. 1 Satz 2 - Pressefreiheit bzw. Staatsferne des Rundfunks) verstoßen würde.

Kulturelle Vielfalt wird auch in den GATS36 und UNESCO-Konventionen als einnormatives Ziel festgehalten. Die Kultur im Allgemeinen und der audiovisuelle Sek-tor als Träger der Kultur im Speziellen, fallen grundsätzlich in den Zugangsbereichvon GATS. Dabei gibt es zwei entgegengesetzte Konzepte: Dem grundlegendenKonflikt zwischen Ökonomie (vollständige Liberalisierung des Mediensektors) vs.Kulturpolitik (Wert eines Kulturgutes ist höher als sein Marktwert) (vgl. Goldham-mer et al., 2005, S. 24). Öffentlich-rechtliche Sender haben in Deutschland ganzklar einen Kulturauftrag, der kulturelle Vielfalt beinhaltet. Ob und inwieweit dasauf für Medieninhalt Musik auch gilt ist nirgends schriftlich fixiert. Doch als Teilbe-reich der Musik von Kultur, gilt der Kulturauftrag hier gleichermaßen. Im Artikel 11 der Allgemeinen Erklärung zur kulturellen Vielfalt der UNESCO heißt es:

Die Marktkr ä fte allein k ö nnen die Erhaltung und F ö rderung der kulturellen Vielfalt, die den Schlüssel zu einer nachhaltigen menschlichen Entwicklung darstellt, nicht gew ä hrleisten. Daher muss der Vorrang der ö ffentlichen Poli- tik, in Partnerschaft mit dem privaten Sektor und der Zivilgesellschaft, be-kr ä ftigt werden.37

Dennoch zeigt sich, dass stärkerer Wettbewerb und eine Minderung der Regulie-rungsdichte im Hörfunkmarkt ein breiteres Angebot entstehen lassen und Vielfaltfördern können. Das zeigt sich bspw. am Radiomarkt in Berlin-Brandenburg. Hierhaben sich neben massentauglichen öffentlich-rechtlichen und privaten Program-men diverse Spartensender etabliert, die den Musik- und Informationsinteressenspezieller Zielgruppen entsprechen (z. B. JAM FM für Black Music). Das auch inBerlin angesiedelte öffentlich-rechtliche „Radiomultikulti“ (vom Rundfunk Berlin-Brandenburg), mit dem Slogan und Anspruch „world wide music“ zu senden, wirdleider aus Kostengründen zum Jahresende 2008 abgeschaltet38. Hier verschwindetwieder ein wichtiger Beitrag zur Vielfalt, den nur der öffentlich-rechtliche Rund-funk imstande ist zu finanzieren, doch liegen die Prioritäten wohl doch stärker beiden massenattraktiven Programmen.

5.2.3 Musikauswahl und Originalität

Um das Ziel, ein qualitativ hochwertiges, innovatives und vielseitiges Musikpro-gramm zu erreichen, ist vor allem die Arbeit der Musikredaktion von entscheiden-der Bedeutung. Hinzu kommen je nach Sender und Philosophie noch die Ergebnisseder Musiktests, die meist an externe Beraterfirmen übertragen werden. Da die Mu-sikauswahl für die Qualität so wichtig ist, sollen hier kurz die Methoden ein wenigbeleuchtet werden, wie die Musik ins Radio kommt. Diese Mechanismen sollen da-bei kritisch hinterfragt werden, vor allem weil sich öffentlich-rechtliche Sender oftder gleichen Methoden und Kriterien bedienen wie die Privatsender.

Auch wenn es beim Radiohörer anders wirkt, nicht der Moderator wählt die Musikin seiner Sendung aus, sondern die Musikredaktion. Eine wichtige Aufgabe dabeiist, dass Erstellen einer wöchentlich neuen Playlist, für die sie in der Regel 5 bis 15neue Titel auswählt. Darüber hinaus organisiert die Musikredaktion Interviews mit Studiogästen, bereitet Musik-Specials vor und stellt Musikwortbeiträge zusammen.Doch der Musikredaktion sind meist enge Grenzen gesetzt: Dem subjektiven undqualitativen Auswahlprozess steht die standardisierte Musikforschung in Form vonMusiktests (meist in Form von Telefonbefragungen - Call-out) gegenüber. Die Mu-sikforschung begann in Deutschland mit dem Beginn des dualen Rundfunksystemsin Deutschland bzw. mit Beginn des kommerziellen Wettstreits um Radiohörer undMarktanteile. Dabei wurden Radioformate und die Methoden der Musikforschungaus den USA adaptiert. So ist bspw. Coleman Research, der Marktführer der kom-merziellen Radioforschung in den USA, auch in Deutschland und in Europa präsent(vgl. Schramm, Peterson, Rütter Vorderer, 2002, S. 228). An die Stelle des unre-flektierten Gefühls der Musikredakteure sind somit mehr und mehr die Ergebnisseder Musikforschung als Planungsgrundlage für die Musikauswahl getreten. GängigeVerfahren sind dabei Telefonbefragungen (sogenannte Call-outs) und Auditorium-Tests. Neben diesen beiden Hauptmethoden kommen bei einzelnen Sendern hinund wieder auch alternative Musiktests zum Einsatz: Meist sind das qualitative Me-thoden (wie z. B. Gruppendiskussionen mit Fokusgruppen), der Call-in (Hörer kön-nen per Anruf beim Sender kurze Titelausschnitte abhören und bewerten) und dieschriftliche Befragung (Hörern werden Fragebögen zugesandt, auf denen die zu be-wertenden Titel mit Interpreten gelistet sind. Der Hörer muss hier den Titel auchohne unmittelbaren Höreindruck zuordnen und bewerten können). Auch auf denInternetseiten gibt es immer häufiger die Möglichkeit für die Hörer Musiktitel an-zuhören und zu bewerten.

Repräsentative Aussagen über die Musikforschung bei Radiosendern lassen sichkaum formulieren, da die Sender ihre Informationen nur selten und äußerst ungernpreisgeben. Das ist gerade bei öffentlich-rechtlichen Programmen verwunderlich,bei denen man eigentlich mehr Transparenz erwarten dürfte. Zumal sie damit si-cher kein „Erfolgsgeheimnis“ der Konkurrenz preisgeben würden, da der Standardi-sierungsgrad der Musiktests allen bekannt sein dürfte. In der Studie von .Schramm, Peterson, Rütter Vorderer (2002) wurde dennoch der Versuch unter-nommen, den Stand und Stellenwert der Musikforschung bei deutschen Radiosen-dern zu untersuchen. In einer schriftlichen Befragung von allen deutschen Radio-sendern (254 Sender; Zeitraum 01.12.2000 bis 07.03.2001) kamen sie auf eineRücklaufquote von 47 %, bei den öffentlich-rechtlichen sogar nur auf 40 %. Zudemwurden viele Aussagen, etwa nach dem Umfang der Playlist verweigert (vgl. ebd., S. 232). Der Umfang der Playlist, die Rotation und der Anteil der neuen Titel habennatürlich auch Auswirkungen auf die Hörgewohnheiten und nicht zuletzt auf dasKaufverhalten der Musikkonsumenten. Nach Umfragen der IFPI (International Fe-deration of the Phonographic Industry) ist der Anteil der Musikkäufer, die durchdas Radio auf die gekaufte Musik aufmerksam werden, in den letzten Jahren starkzurückgegangen. Die Devise: „Wir machen keine Hits, wir spielen sie“ ist vorherr-schend (vgl. Goldhammer et al., 2005, S. 169). Die Musikredaktion muss sich trotzdieser Auffassung inhaltlich mit jedem Song auseinandersetzen, denn nicht jederHit passt auch automatisch in die Klangfarbe des jeweiligen Senders. Die Aufgabeder Musikredaktion ist es, zunächst einmal aus den neuen Platten und CDs die pas-senden Songs herauszufiltern. Die Zutaten für die Musikmischung bzw. die „Ge-heimformel“ erfährt man nur selten von der der Musikredaktion. Die Klassifizie-rung der Titel kann nach Entstehungszeit (Neue Titel, Aktuelle Hits, Burn-Hits,Recurrent-Hits, Hits der 90er usw.) oder nach Interpret, Stil, Sound und anderenMusikparametern vorgenommen werden. Die musikjournalistische „Quadratur desKreises“ besteht darin, ein wie auch immer formatiertes Programm dennoch über-raschend und lebendig zu gestalten. Doch nur selten wird dabei mutig vorgegangen.Dabei gäbe es wirkungsvolle und einfache Mittel für mehr Überraschung und Le-bendigkeit: Spielen von anderen Titeln als immer nur der Single von einem Album,mehr Mut neue Titel in die Playlist aufzunehmen usw. Denn die meisten Musikti-tel, die nicht beim ersten Hören überzeugen, können wenn sie ein paar Mal im Pro-gramm gelaufen sind in ihrer Akzeptanz wachsen (sogenannte „Grower“). Abergrundsätzlich gilt für die Auswahl in den meisten Sendern, dass die Titel „radio-tauglich“ sein müssen: Titellänge maximal drei Minuten und keine lange leisen Stel-len usw. Ausnahmen gibt es meist nur in den späten Abendstunden in den Musik-Specials, hier kann ein Titel auch mal etwas länger und ausgefallener sein.

In einem Aufsatz von Altrogge Schabedoth (2001) wird die gängige Musikfor-schung der Sender kritisiert. Diese Verfahren würden zunehmend zur Konvergenzdes Angebotes führen (mit dem jeweils größten gemeinsamen Nenner). Die Profes-sionalisierung der Musikforschung im Bereich des Formatradios wurde in Deutsch-land befördert durch US-amerikanische Beraterfirmen, die entsprechende Markt-forschungsinstrumente hier bekannt machten und in der Folge flächendeckend ein-führten. Musik wandelt sich in dieser Sichtweise von einem wichtigen Programm-aspekt unter Anderen zum zentralen Positionierungsinstrument der „Musikfarbe“, die es im Hinblick auf die Zielgruppe nicht nur zu optimieren gilt, sondern auch vonden im gleichen Markt operierenden Konkurrenten unterscheidbar zu machen. Inder Praxis der Hörfunkstationen erfolgt die musiktitelbezogene Ermittlung derWünsche und Vorlieben der Zielgruppe durch regelmäßige telefonische Befragung(Call-outs). Hier werden Zielpersonen markante Ausschnitte von Titeln mit einerLänge von meist zehn Sekunden und mit dem höchsten Wiedererkennungswert,meist Teile des Refrains, vorgespielt. Bei der anschließenden Bewertung dieser so-genannten „Hooks“ werden meist drei Aspekte abgefragt: Bekanntheit („Haben Siediesen Titel schon einmal gehört?“), Gefallen („Wie gefällt Ihnen dieser Titel?“) undSättigung („Würden Sie diesen Musiktitel gerne häufiger hören?“). Wenn ein Titelnach anfänglicher Akzeptanz deutlich negativ bewertet wird, die Hörer quasi über-sättigt von ihm sind, wird dieser Titel treffender Weise als „Burnout-Titel“ bezeich-net. Aber auch Titel, die die Hörerschaft polarisieren, werden herausgefiltert, denndie Hälfte, die den Titel überhaupt nicht mag, könnte ihn als Ausschalt- oder Um-schaltimpuls nutzen. So werden Titel gesucht, die konsensfähig sind aber seltenEuphorie verstreuen. Die Ergebnisse des Call-outs werden dann für die Bestückungund Rotationshäufigkeit von Titeln in der Playlist genutzt. Es spricht eine Reihevon Argumenten gegen diese Form von Titeltests: So sind sie absolut ungeeignet,musikalische Trends frühzeitig zu erkennen, die ja gerade für eine junge Zielgrupperelevant wären, denn die Logik der Abfrage funktioniert nur bei Bekanntheit derTitel. Werden Titel als nicht bekannt eingestuft, wird eine Bewertungsabfrage erstgar nicht gestartet bzw. ließe sich das Potential eines Titels, der am Telefon nur einpaar Sekunden vorgespielt wird, gar nicht vom Hörer erkennen. So resümiertAltrogge und Schabedoth:

Was also durch das Forschungsdesign - st ä ndige ad hoc-Kontrolle des Mark-tes durch hohe Frequenz programmbegleitender Datengenerierung - Aktuali- t ä t und Prognosef ä higkeit suggeriert, reproduziert in Wirklichkeit bestenfalls den Status Quo, schlimmstenfalls Schnee von gestern, - viel zu wenig gerade für die interessanten jugendlichen, konsumfreudigen und musikstilistisch versierten Zielgruppen. (Altrogge Schabedoth, 2001, S. 357).

Die beiden Autoren sehen aber noch weitere methodische Schwächen des Call-outs,auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden soll. Die Verfasser konnten selbstErfahrungen bei verschiedenen Hörfunksendern sammeln und stellen das Verfah-ren der Call-outs in die Reihe jener Verfahren, „… die durch ihre wiederholte An-wendung die ‚Wirklichkeit‘ erst schaffen, die sie abzubilden vorgeben.“ (ebd., S. 358). Anhand einer Fallstudie für den Berliner Hörfunkmarkt zeigen sie, wie einean der Titelakzeptanzmessung orientierte Musikforschung, die grundlegenden Zu-gangsmodalitäten und Erwartungen der Hörer vernachlässigt. Für diese Studiewurden 1.500 Berliner befragt (Daten aus 1999). Die Ergebnisse zeigten, dass dieBerliner, trotz seiner zahlreichen Programme, insgesamt nicht sehr zufrieden mitdem Gesamtangebot sind. Die Unzufriedenheit ist in der Altersgruppe der 20- bis29-Jährigen mit knapp 36 % am größten (plus 27 % teilweise unzufrieden). In die-sem Alter bilden sich u. a. musikstilistische Orientierungen heraus und man ist ge-nerell offener für Neues und geht kritischer mit medialen Angeboten um. Die ju-gendlichen Hörer zwischen 14 und 19 Jahren haben hingegen den geringsten Anteilder Unzufriedenen, ein Indiz dafür, dass deren Bedürfnisse (meist aktuelle Musikaus den Charts) recht gut bedient werden. Die Autoren ziehen das Fazit, dass fürdie unzufriedenen Hörer auf dem Berliner Markt, für die stets gleiche Musik ausunterschiedlichen Sendern zu erschallen scheint, der „Musikappetit“ ungestilltbleibt. Es fehlt also trotz Vielfalt der Sender an einer Vielfalt der Programmangebo-ten, speziell in der Musik (vgl. ebd., S. 360).

Auch die Plattenlabels haben ihre Probleme mit den Medien, sie wollen gern neueMusik verkaufen, doch Radiosender spielen sie nicht oder nur in Ausnahmen, dieLeute bekommen sie nicht zu hören. Der Chef des Berliner Independent-Labels „Ci-ty Slang“39 Christoph Ellinghaus kritisiert deshalb: „Aber unser Musik wird nir-gends gespielt, nicht im Radio und im Fernsehen sowieso nicht. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben zwar einen Kulturauftrag, aber dem kommen sie nichtnach.“ (Ellinghaus zit. nach Lau, 2002, S. 38). Der ehemalige Universal-Chef undGründer von Motor Entertainment zu dem auch Motor.FM40 gehört äußerte sichso:

Ü ber das Radio kannst du heute kaum Neues kommunizieren, weil das Pri vatradio einem bestimmten Gesch ä ftsmodell folgt: Es will m ö glichst viele Leute vereinen, dabei landest du aber zwangsl ä ufig bei Hintergrundmusik. Der Fehler der Musikindustrie war, dass sie deshalb Hintergrundmusik pro duzierte, weil sie gelernt hatte, dass sie den Kommunikator Radio braucht. (Renner zit. nach Lau, 2002, S. 38).

Achim Bergmann, einer der Gründer des Independent Labels Trikont41, fasst die Probleme, die die Musikindustrie mit dem Radio hat so zusammen:

Menschen wissen nicht, was es für Musik gibt. Und zwar nicht, weil sie nichtinteressiert, sondern weil sie keine M ö glichkeit haben, sie zu h ö ren. Seit Ein- führung des Privatradios hat sich die Zahl der gespielten Titel halbiert: MehrSender spielen immer weniger Lieder. (Bergmann zit. nach Lau, 2002, S. 38).

Die öffentlichen-rechtlichen Programme haben es in der Hand, verfolgen sie wie diePrivaten nur das Konzept Hitradio oder schaffen sie wieder mehr Raum für unge-wöhnliche Produkte, die somit wieder eine Möglichkeit haben, Öffentlichkeit zufinden. Daraus ließe sich schlussfolgern, dass ein Radioprogramm hinsichtlich derzu erfüllenden Aufgaben aus dem Kulturauftrag bestrebt sein sollte, die Musikaus-wahl nicht den Umfrageinstituten mit ihren Call-outs zu überlassen, sondern vielmehr Wert auf die eigene Recherche und Auswahl zu legen. Inwieweit die hier auf-gezählten öffentlich-rechtlichen Jugendradios Musik-Research in Form von Tele-fonbefragungen für ihre Musikauswahl nutzen, wurde in der schriftlichen Befra-gung der Sender abgefragt. Dabei verfahren sie sehr unterschiedlich, einige lehnenTiteltests strikt ab und setzen auf die Qualitäten der eigenen Musikredaktion, an-dere wiederrum sehen im Musik-Research ein wichtiges Instrumentarium (siehegenauere Ergebnisse dazu im Kapitel 7.2).

5.2.4 Beispiel für Definition von Qualität: BBC in Großbritannien

Eine interessante Sichtweise auf Qualität ist zum Beispiel bei der BBC festzustellen.Qualität wird dabei nicht durch eine „… Qualitätskontrolle erreicht - also nicht expost überprüft -, sondern - ex ante - durch Richtlinien, ethische Empfehlungen fürjournalistische Programme und Programmgestaltung sowie durch einen Ethos derOrganisation …“ (Thomaß, 2006, S. 65). Das heißt im Klartext, dass die Überprü-fung der Zuschauer- bzw. Hörerquoten nach Ausstrahlung eines bestimmten Pro-gramms nicht wo wichtig sind, wie die vorherigen Überlegungen zu bestimmtenQualitätsansprüchen. Es geht folglich darum, nicht Zuschauerquoten um jedenPreis erreichen zu wollen, sondern interessante Angebote zu kreieren, die ein be-stimmtes, aber kein maximales Publikum erreichen sollen. Die Freiheit von kom-merziellem Druck wird als die wichtigste Quelle für Qualität betrachtet.

Eine Definition von Qualitäten, die der öffentliche Rundfunk aufgrund seiner besonderen Privilegien zu leisten hat, versuchte 1986 der erste Generaldirektor der BBC Lord Reith in der Broadcasting Research Unit zu definieren (vgl. Broadcasting Research Unit, 1986)42:

- Universalität, die Angebote für alle Interessen und Neigungen bereithält
- Die Berücksichtigung von Minderheiten im Programm
- Die besondere Beziehung zur nationalen Identität und zum Gemeinwesen
- Unabhängigkeit von Interessen politischer und ökonomischer Akteurex
- Förderung des Wettbewerbs um qualitätsvolle Programme, nicht um Zu-schauerzahlen

In der britischen „The Royal Charter“43 werden die wichtigsten Ziele (The PublicPurposes) für die BBC in sechs Punkten zusammengefasst. In Punkt 4c wird das Ziel„stimulating creativity and cultural excellence“ genannt. Die Einhaltung der Zielewird jährlich durch eine öffentliche Befragung überprüft (den sogenannten „Re-mits“). Als Reaktion auf diese Ergebnisse veröffentlicht wiederum das Managementder BBC einen Plan, wie und was sie in Zukunft verbessern will (sogenannte „Pur-pose plans). So enthält z. B. der Plan für das Ziel „Stimulating creativity and culturalexcellence“ auch einige konkrete Stichpunkte zur Musik, die zur Verbesserung desZieles in Zukunft geplant sind:

Music output will cover a diverse range of genres, including forms indigenous to the UK, such as folk and brass, and new music, both contemporary andclassical. The BBC will aim to give context to this output - both in program-mes and in online resources - to help audiences appreciate what they hear.(BBC, 2008a, S. 3).

Oder hier das Bekenntnis zur Übertragung von Live-Musik:

Live music is valued by audiences, and across its portfolio the BBC will broad- cast a wide range of live music events, including festivals, concerts and studiosessions. Radio 1 and Radio 2 will hold their own live music events and Radio 3 will provide a platform for the BBC Performing Groups. (ebd.).

Das Besondere an der BBC ist, dass sie über 10 landesweit ausgestrahlte Program-me verfügt, unter denen sich Musikkanäle für verschieden Musikstile befinden. So Aus dem Grundversorgungsauftrag und Klassischen Rundfunkauftrag abgeleitete Funktionen und Qualitäten für den Medieninhalt Musik im öffentlich-rechtlichen Radio 80 gibt es bspw. mit 1Xtra ein Programm für Black Music für die junge Zielgruppe von15-24-Jährigen. Für jeden einzelnen Fernseh- und Radiosender gibt es konkreteEntwicklungsziele, die unter dem Punkt „Stimulating creativity and cultural excel-lence“ auch sehr präzise Angaben zur Musik beinhalten. Diese Ziele, die sich immerauf ein Jahr beziehen, sollen hier am Beispiel für das Programm „BBC Radio 1“ ge-zeigt werden (BBC, 2008b).

- 60 hours of specialist music per week (Specialist music is music that appeals to specific groups of listeners, focusing on a specific genre of music or on cutting-edge music from a range of genres.)
- 40% of music in daytime from UK acts (Daytime is defined as 06.00-19.00 Monday-Friday and 08.00-14.00 Saturday-Sunday.)
- 45% of music in daytime that is new (either unreleased or less than one month since release - physical release, not download release) x c.25 UK live events and festivals broadcast
- 250 new sessions (excluding repeats)
- Contribute to BBC Radio's commitment to commission at least 10% of eli- gible hours of output from independent producers

Solche Definitionen können einige konkrete Ansätze für die Formulierung vonQualitätskriterien beitragen. Dennoch bleibt es immer ein schwieriges Unterfan-gen, denn für die Qualität von einzelnen Programmen gilt, dass sie von Medium zuMedium unterschiedlich definiert wird. Die Qualität gibt es nicht, sondern „… Me-dienqualität definiert sich in Abhängigkeit von einzelnen Medientypen, Medien-produkten, Genres und Zielpublika.“ (Thomaß, 2006, S. 57). Um weitere Anregun-gen und Einsichten zu gewinnen, wären zusätzliche Untersuchungen und Verglei-che zu anderen Public Service Broadcasting Systemen sicher lohnenswert.

5.2.5 Beispiel für Qualität im Radio: Der Ausnahmesender RadioEins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg

Doch der Blick muss gar nicht so weit schweifen um Vorbilder für Qualität im Radio zu finden. Radio Eins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg ist so ein Radio, das aus der Reihe tanzt, was sich wenig um Verkaufszahlen und Charts schert, das sich frech und frei zwischen allen Stilen und Epochen populärer Musik positioniert. Und dafür bekam 2003 Radio Eins, als erster Hörfunksender überhaupt, den ECHO, den höchsten Preis, den die Deutsche Phonoakademie zu vergeben hat.

Weder Jugendradio noch Popmainstream, mit dem Slogan „Nur für Erwachsene“will sich Radio Eins ausdrücklich von einem Jugendradio abgrenzen. Doch steht dieAbgrenzung weniger für das Alter, als viel mehr für diejenigen, die sich für ein reifesProgramm entscheiden wollen, das für Qualität steht. Altersmäßig möchte mandamit durchaus die breite Zielgruppe der 20- bis 50-Jährigen erreichen. Radio Einsbietet Vielfalt in der Musik und ein breites Informationsangebot mit zahlreichenInterviewgästen aus Politik und Wissenschaft zum aktuellen Zeitgeschehen. RadioEins konnte somit gerade auf dem hart umkämpften Berliner Radiomarkt eine ei-gene Qualität entwickeln, die öffentlich-rechtliches Radio im besten Sinne reprä-sentiert. Hier wird erfolgreich großer Wert auf Musikjournalismus gelegt: „Die Idee,Musik nicht nur zu senden, sondern sie wie früher auch einzuordnen, findet großenZuspruch.“ (Stock, 2005, 6). Beispielsweise analysiert jeden Freitag der Musikexper-te Prof. Dr. Hartmut Fladt (Universität der Künste pointiert) sehr unterhaltsamcharakteristische Aspekte eines Musikstücks44

Musikalisch gibt es hier oft Musik auf die Ohren, die noch nicht einmal auf demMarkt erschienen ist. In der Playlist rotieren nicht 300, sondern 6.000 Titel (vgl.,ebd.). Auch stilistisch zeigt sich der Sender offen: Singer-Songwriter finden hiergenauso Platz wie Hip-Hop-Nummern. Nach den Magazinsendungen im Tagespro-gramm (zwischen 5 und 21 Uhr) kommen abends die Musik-Specials. Hier gibt es z. B. die „Elektrobeats“, das vielleicht wichtigste Radio-Forum für elektronische Mu-sik in ganz Deutschland (vgl. Meyer 2004). Oder die Sendung „Happy Sad“45, in derdie Moderatorin Christine Heise sehr poetische und stimmungsvolle Musik aus-wählt und präsentiert. Der ehemalige Chefredakteur Helmut Lehnert betont denganzheitlichen Anspruch des Programms, der darin besteht, Musik als journalisti-sches Produkt zu verstehen:

Wir geben Informationen zu dem, was wir senden. Das ist notwendig, weilwir allein 50 Prozent Neuerscheinungen spielen. Wenn du 50 Jahre Rock-undPopmusik reflektierst, dann must du inhaltlich Fundiertes dazu sagen. Unse- Aus dem Grundversorgungsauftrag und Klassischen Rundfunkauftrag abgeleitete Funktionen und re Musikredakteure suchen nicht 130 Titel heraus, die sie kennen, sondern sie müssen den Stoff von 25.000 CDs aus unserem Archiv im Kopf haben. Es reicht nicht, ein paar Waschzettel studiert zu haben, man muss die Geschichte der Popmusik kennen. (Bohl, 2004, S. 33).

Radio Eins begann am 27. August 1997, es musste eine schwierige Zeit überstehen,denn Qualität führte nicht von heute auf morgen auch zu Quote. Es brauchte dreiJahre und heute ist es das öffentlich-rechtliche Radio (vgl. Stock, 2005, S. 6). Viel-leicht auch ein Ansporn für andere öffentlich-rechtliche Programme etwas Neuesauszuprobieren und damit innovativ zu sein und sich letztlich auch von Privaten zuunterscheiden. Auch der Musikchef von Radio Eins, Peter Radszuhn, fordert dazuauf, die Hörer nicht zu unterschätzten. Es geht darum die Bedürfnisse der Hörerwieder aufzunehmen oder wieder zu wecken. Call-outs oder ähnliche Methoden derMusikforschung gibt es bei Radio Eins nicht. Der menschliche Faktor spielt bei Ra-dio Eins eine zu große Rolle und somit gibt es auch ein festes Musikformat. EineMusiksendung auf Radio Eins heißt „Anything goes“46. Ein schöner Titel für eineMusiksendung, die ihrem Anspruch auch gerecht wird und Musik in einer großenBandbreite präsentiert. Doch schon lange geht das bei vielen anderen Radiopro-grammen nicht mehr: Da stehen das Format und die Klangfarbentreue im Vorder-grund, die nicht mehr allzu viel Neues und Überraschendes zulassen.

5.3 Zusammenfassung der Qualitätskriterien des Medienin-halts Musik und Musikjournalismus im Radio

Nachdem das Modell zur Messung von Qualitätskriterien im Journalismus vonRuß-Mohl Held (2005) schon im Kapitel 5.1.2 vorgestellt wurde, soll es hier mitden Inhalten und Kriterien, die aus der Vorbild- und Komplementärfunktion abge-leitet wurden, angereichert und übersichtlich dargestellt werden. Dieser Kriterien-katalog dient später der Befragung von Hörern und Programmverantwortlichen,um damit die Einstellungen zu den Qualitätskriterien aus unterschiedlichen Blick-winkeln zu beleuchten. Damit kann gezeigt werden, ob die Hörer und Macher dengleichen Qualitätsanspruch zum Maßstab haben. Da die meisten Radiosender um-fassende Musik- bzw. Nutzerforschung betreiben, ist ein übereinstimmendes Ver- Aus dem Grundversorgungsauftrag und Klassischen Rundfunkauftrag abgeleitete Funktionen und ständnis von Qualität zu erwarten. Doch geht es in den meisten Analysen der Ra-diosender um kurzfristige Radioforschung im Sinne von Musiktitel-Tests. Das wäreein zu verkürzter Begriff von Qualität, geht es doch gerade im öffentlich-rechtlichen Radio um einen Zusatznutzen für die Hörer und nicht darum immernur das zu spielen, was dem kleinsten gemeinsamen Nenner entspricht (Vorbild-und Komplementärfunktion). Ziel der hier anschließenden Befragung ist es zu er-fahren, was die Hörer unter Qualität verstehen und was sie vom Radio hinsichtlichder Musikauswahl und der musikjournalistischen Leistungen erwarten. Bei der Be-fragung werden deshalb vor allem die direkt messbaren Kriterien abgefragt, die inder Tabelle unter dem ersten Punkt aufgelistet sind, dazu gehören vor allem dieWünsche der Hörer nach Vielfalt, musikjournalistischen und -informierenden Ele-menten. Die rein quantitative Ausrichtung am Hörergeschmack ist jedoch nichtunproblematisch: Qualität führt nicht zwangsläufig zu höheren Einschaltquotenund, eine Hörerbefragung ist nicht unbedingt aufschlussreich, da sie meist nur dar-über eine Auskunft geben kann, was die meisten kennen. Über Innovationen unddas was theoretische möglich wäre, kann eine solche Befragung nicht viel Aussagen.Andererseits ist ein Programm immer davon abhängig, dem Qualitätsverständnisder Hörer zumindest in Teilen zu entsprechen. Deshalb soll später, bei der Befra-gung von jungen Hörern zu ihrem Idealradio, nicht abgefragt werden, welche Musik(Stile, Titel, Interpreten) im Radio laufen soll, sondern eher, welchen Zusatznutzensich die Hörer vom Radio im Musikbereich wünschen. Nimmt man die Qualitätsde-finition der Schweizer „Konzession für die SRG SSR idée suisse“ als Grundlage,dann soll es darum gehen nicht den breiten Massengeschmack zu bedienen undQuote zu machen, sondern darum, ein interessiertes Teilpublikum mit hoher Quali-tät zu beliefern. Das hieße, durch die Befragung von Jugendlichen Teilinteressenherauszufiltern und diese zu bedienen. Das ist im Gegensatz zum kommerziellenRundfunk das, was öffentlich-rechtlicher Rundfunk leisten kann und sollte.

Tabelle 6: Zusammenfassende Darstellung der Qualitätskriterien desMedieninhalts Musik und Musikjournalismus

Struktur der Darstellung in Anlehnung an den Methodenmix zur Messungvon Qualit ä t im Journalismus von Stephan Ruß-Mohl und Barbara Held

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung; Grundstruktur nach Held Ruß-Mohl, 2005, S. 49-64.

6 Qualität aus der Perspektive der Hörer

6.1 Vorüberlegungen und bisherige Ergebnisse zur Qualitäts-forschung aus Sicht der Hörer

Aus der Sicht der meisten Radiosender ist Qualität das, was die Radionutzer hörenwollen. Dabei ist die Grundlage für die Entwicklung eines Formatradiokonzepteseine angemessene Situationsanalyse (z. B. Marktstruktur, Wettbewerb, Ressourcenusw.). Das Wichtigste sind aber Nutzeranalysen, damit die Rezipientenwünschebefriedigt werden können. Die Forschungsaktivitäten der Radiosender drehen sichdabei primär um die Musikauswahl. Dazu stehen einige Methoden des Musik-Researchs zur Verfügung, von denen vor allem telefonische „Call-outs“ und „Audi-torientests“ eingesetzt werden (siehe oben). Die Programme sind dabei bestrebt,sich von der Konkurrenz zu unterscheiden (Differenzierungsstrategie). Doch dasProblem ist, dass alle Programme auf die gleiche Kernhörerschaft ausgerichtet sindund sich alle an den gleichen Ergebnissen der angewandten Musik-Marktforschungorientieren. Deshalb führt eine konsequente Ausrichtung an den Hörerwünschenzu mehr Gleichheit statt Vielfalt. Obgleich die öffentlich-rechtlichen Programmegar nicht oder nur im geringen Maße von Werbeeinnahmen abhängen, achten auchsie auf die Akzeptanz und damit Quote ihrer Programme, um damit ihre Existenzzu rechtfertigen und die Gebührenfinanzierung zu legitimieren. Auf dieser Einsichtbasieren vor allem Qualitätskonzepte aus den Wirtschaftswissenschaften, wie dasTotal Quality Management (TQM), das die Orientierung am Kunden in den Mittel-punkt der Qualitätsdebatte stellt47

In einer umfangreichen Studie „Radioqualität. Was die Hörer wollen und was dieSender bieten“, gingen Vowe Wolling der Frage nach, inwieweit die Qualitätser-wartungen der Rezipienten Einfluss darauf haben, bestimmte Medienangebote mitgewissen Qualitätsmerkmalen auszuwählen. Es wurde somit versucht, die Radio-nutzung aus den Qualitätsurteilen der Hörer zu erklären. Dazu wurden 1.500 Hörer(im Alter ab 14 Jahren) zu ihrer Vorstellung, wie ein Radio sein sollte („Idealradio“),befragt und zur Wahrnehmung der Programmangebote, wie es aus Sicht der Hörer ist („Realradio“). Das Besondere an dieser Studie war, dass die Messung von Quali-tätserwartungen, welche die Hörer an das Radio stellen, mit Inhaltsanalysedatenverknüpft wurde (was die Sender bieten). In der explorativen Vorstudie wurdenExperteninterviews und Gruppendiskussionen mit Rezipienten durchgeführt. DerSchwerpunkt lag dabei nicht auf der Bewertung der einzelnen Programme oder derRadiolandschaft insgesamt, sondern darauf, die generellen Anforderungen an einProgramm bzw. Programmelemente zu untersuchen. Ein zentrales Ergebnis dieserStudie war, dass sich die Beurteilung von Radioprogrammen nicht über Werte re-konstruieren lässt, die mit einfachen Intensitätsskalen gemessen werden können.Besser konnten die Anforderungen an ein Programm mit Hilfe von sogenanntenPolaritäten erklärt werden. Die Autoren meinten damit die Spannung zwischeneinander entgegengesetzten Werten (z. B. zwischen Regionalität vs. Globalität,Überraschung vs. Erwartung, Nähe vs. Distanz, Emotionalität vs. Intellektualitätund Zuhörbarkeit vs. Nebenbeihörbarkeit). Es ging also darum, einen bestimmtenPunkt zwischen den beiden Spannungspolen zu finden. Diese Spannung machtdann die spezifische Qualität von Radio aus. Diese Vorstudie brachte auch genauereEinblicke in die Sichtweise der jüngeren Hörer. Über die Polarität Spannung vs.Überraschung äußerten sich die jungen Hörer dahingehend, dass ihr Sender überra-schend und weniger vorhersehbar, spontan und nicht so sehr geordnet sein sollte.Diese Präferenz galt dabei besonders für das Programmelement Musik. Am häufigs-ten wurde an den Sendern die zahlreiche Wiederholung von Musiktiteln kritisiert.Jedoch wurde auch klar, dass sich die Hörer mehr Abwechslung vor allem in der vonihnen präferierten Stilrichtung wünschten. Ein zu großer Stilbruch bzw. zu viel Ab-wechslung wurden dann doch nicht gewünscht. In der Studie wurden insgesamt 14Programmelemente unterschieden, zu denen die Rezipienten befragt wurden, wiehäufig sie diese Angebote in ihrem Idealradio hören möchten. An erster Stelle wol-len ca. 90 % der Befragten häufig Musik. Bemerkenswert war, dass ebenso Nach-richten und Beiträge über Politik von einem hohen Anteil der Befragten als häufigzu berücksichtigende Programmelemente gewünscht wurden. Ein weiteres Ergebnisdieser Befragung war, dass viele Hörer Anforderungen an ihr Idealprogramm for-mulierten, die nur schwer miteinander zu vereinbaren sind. So erwarteten die Hö-rer bspw., dass ein Programm einerseits verlässlich bestimmte Musikrichtungenspielt, anderseits beklagten sie jedoch, dass immer die gleiche Musik wiederholtwird und wünschten sich mehr Überraschung im Programm. Insgesamt wurden diese auf den ersten Blick widersprüchlichen Anforderungsprofile entdeckt, die in der Studie dann als Spannungsbögen bezeichnet wurden.

Das Problem für die Musikauswahl ist, dass ihre Angemessenheit von ungewöhn-lich vielen Faktoren abhängt, wie Musikpräferenzen der Hörerschaft, Stimmungs-lagen, der Hörsituation und dem Aufmerksamkeitsgrad. Die Lösung dieses Pro-blems für die Programmmacher liegt in der Regel in Risikominimierungen, d. h. eswird versucht, den kleinsten gemeinsamen Nenner für die Zielgruppe zu finden, derÜberraschungen oder Kontroverses weitgehend ausschließt. Diese Sichtweise aufQualität macht es schwierig, den Kulturauftrag öffentlich-rechtlicher Sender einzu-lösen (vgl. Bucher Barth, 2003, S. 240). Dass Musik auch speziell für diese Be-gleitfunktion produziert wird, liegt auf der Hand. Ein Beispiel dafür ist die folgendeBeschreibung aus dem Feuilleton-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszei-tung zur neuen CD „Hard Candy“ von Madonna:

[ … ] Okay-Musik, die nichts riskiert, nichtüberrascht, aber auch nichts falsch macht. Jeder zweite Song ein Radiohit mit hohem Trallalafaktor, geeignet für HM-Filialen, Fitnessstudios und thail ä ndische Stripbars. Und für zu Hause zum Bügeln auch noch, fürüberall also. Ist das schlimm? (Herczeg, 2008, S.31).

Dass die Radiosender das für Qualität halten, was die Hörer wollen, liegt zunächstauf der Hand. Denn dem Wunsch der Masse der Hörer zu entsprechen bedeutetnichts anderes als Markterfolg, der sich in den Daten der Media Analyse nieder-schlägt und die Einnahmen für die Werbung erhöht. Deshalb ist es naheliegend,Musiktitel vor dem Einsatz im Programm auf Massentauglichkeit zu testen. Für dasPrivatradio, das auf Markterfolg angewiesen ist, klingt das nachvollziehbar, vonöffentlich-rechtlichen Programmen darf man etwas mehr Mut erwarten. Innovati-ves öffentlich-rechtliches Radio sollte deshalb nicht nach folgendem Motto verfah-ren: „… möglichst nicht reden, spiele keine unbekannte Musik, dein Hörer wird so-fort abschalten.“ (Rausch, 2005, S. 219). Viele Privatradios verfahren danach. Siehaben im Durchschnitt einen Pool mit 200 bis 300 Musiktiteln, die allesamt einenhohen Wiedererkennungswert und Beliebtheitsgrad bei den Hörern haben. In derFolge werden neue Titel nur dann gespielt, wenn bspw. der Interpret Coldplay oderMadonna heißt und der Titel über die Stimme des Sängers erkannt wird oder wennder Titel bereits in einem anderen Zusammenhang (z. B. aus der Werbung) bekanntgeworden ist. Derartige Programme haben durchaus Erfolg, allerdings nicht bei jungen Hörern, die sich tatsächlich für Musik interessieren und das Radio nicht ausschließlich als Nebenbei-Medium nutzen.

Ein Radio, das innovativ sein möchte, sollte deshalb öfter auf Musik-Research ver-zichten und seine Hörer öfter überraschen. Das solche Programme Erfolg bei denHörern haben können, zeigt wie bereits weiter oben erwähnt, das Beispiel RadioEins. Wenn die Hörer auch im musikalischen Bereich ihren Sender als innovativund informativ empfinden, wird dies nicht unbedingt die Hörerzahlen in die Höhetreiben, wohl aber die Hörerbindung verfestigen, da das Programmangebot nicht soleicht als austauschbar empfunden werden wird. Mehr noch, diese Sender habenviel bessere Möglichkeiten, die Hörer aus dem unbewussten Hören des Immerglei-chen öfter zum genauen Hinhören zu bewegen. In den vergangenen Jahren hat sichgezeigt, dass reine Hitabspielmaschinen gegenüber Programmen, die mehr musika-lische und informative Programminhalte anbieten, an Marktanteilen verloren ha-ben. Das „harte Formatieren“, also die völlige Verdammung von Worthinhalten zu-gunsten hundertfach gehörter Musiktitel, ist sicher kein Zukunftsmodell. Die bei-den Pole liegen quasi zwischen dem Modell „Tapetenradio“ (immer wieder die glei-chen Hits im Hintergrund) und dem Modell „Innovationsradio“ (immer wiederÜberraschungen in der Musikauswahl). Beide Modelle haben ihre Berechtigung,doch von gebührenfinanziertem Radio sollte man eher das zweite Modell erwartendürfen.

Die Wünsche der Hörer zu ermitteln kann z. B. mit Hilfe standardisierter Befragun-gen oder qualitativer Verfahren wie Gruppendiskussionen erfolgen. Allein quantita-tive Musiktitel-Tests sagen nicht viel über die Hörerwünsche aus. Oft zeigt sich dieUnzufriedenheit über Radiosender erst in einem persönlichen Interview oder einerDiskussionsrunde. Eine recht aufwändige Methode, die sich an Bürgerbeteiligungs-verfahren anlehnt, ist die „Programmwerkstatt Jugendwelle“. Der Hessische Rund-funk benutzte dieses Verfahren vor dem Start seiner neuen Jugendwelle HR-XXL(am 5. Januar 1998), damit die Jugendlichen Einfluss auf die Gestaltung nehmenkonnten. Es fanden vier dreitägige Arbeitsphasen statt mit jeweils rund 25 jungenLeuten zwischen 16 und 20 Jahren. Auch hier war ein Ergebnis, dass die jungenHörer das Radio in erster Linie als Musikmedium erfahren und verstehen. Dabeisolle Musik im Radio immer einen Gebrauchswert haben, indem sie persönlicheLebenserfahrungen ausdrückt, zur Selbstfindung bzw. zur Herausbildung eines ei-genen Lebensstils beiträgt. Die Werkstattergebnisse können als Qualitätsmerkmale aus Hörersicht angesehen werden, wobei einige Ergebnisse überraschend sind. Sowar der Begriff Charts bei den Teilnehmern fast uneingeschränkt negativ besetztund wurde mit Mainstream und Kommerzmusik gleichgesetzt. Kritik der Jugendli-chen wurde an der zu chartlastigen Auswahl und dem Fehlen oder der zu geringenPräsenz ganzer Musikrichtungen laut. Häufige Wiederholungen wurden als nervendempfunden, und es wurden mehr neue, unbekannte Titel und Musikfarben ge-wünscht. Für die frühen Abendstunden wurden genrespezifische Musiksendungengefordert, die das ganze Spektrum jugendlicher Musik und Musikinformationenabdecken sollen. Die Moderatoren sollen möglichst selbst aus der Szene kommenund dem Alter der Jugendlichen nahestehen. Insgesamt wurde deutlich, dass diemusikalischen Bedürfnisse der jungen Zielgruppe nicht befriedigt werden konnten.Ekkehardt Oehmichen faste das so zusammen:

Eine Jugendwelle, die den Anspruch erhebt, sich auf jugendliche Erfahrungs- welten zu beziehen, mußdie festgestellte Diskrepanz zwischen der Vielge-staltigkeit und Differenziertheit musikalischer Interessen und der von denJugendlichen dem Radio zugeschriebenen Einf ö rmigkeit und Langweiligkeit des Musikangebots aufgreifen und zuüberwinden suchen. Die Durchl ä ssig- keit der Grenzen zwischen den aktuellen Jugendmusikszenen l äß t es vermut-lich ohne weiteres zu, ein genreübergreifendes, abwechslungs- bzw.überra- schungsreiches und damit an Spannungen erzeugendes Musikangebot auch im Tagesprogramm anzubieten, ohne Gefahr zu laufen, nur wechselnde Min- derheiten zu bedienen. Wird ein solches eigenst ä ndiges Musikformat auchnoch in zielgruppenad ä quater Weise musikjournalistisch unterfüttert, k ö nnte ein wirklicher Gebrauchswert dieses Radios für Jugendlichen mit entspre- chender Aufmerksamkeits- und Bindungseffekten entstehen. (vgl. Oehmi- chen, 1998, S. 61-69).

Seitdem fanden vermutlich weitere solche Programmwerkstätten statt, doch nur selten wurden diese Ergebnisse bisher publiziert. Dies ist bedauerlich, weil man daran messen könnte, inwieweit die Hörerwünsche berücksichtigt werden, die mehr aussagen als ausschließliche Musiktitel-Testdaten.

Vielleicht handelt es sich bei dem Radiomarkt auch um einen Zitronenmarkt (mar-ket for lemons), auf dem die Käufer (Hörer) keine oder sehr viel weniger Informati-onen über Qualität zur Verfügung haben als die Verkäufer (Radiomacher). Letztlichführt dieses Prinzip, das hier nicht genauer erläutert werden soll, dazu, dass sichmangelhafte Qualität durchsetzt und Qualitätsvolles vom Markt verdrängt (vgl.Ruß-Mohl, 2001, S. 200). Zugleich ist davon auszugehen, dass die Hintergrundnut-zung des Mediums Radio als Klangkulisse die Hörer erst gar nicht die Inhalts- odergar Sinnfrage stellen lässt. Primär interessiert das Programm in seiner Funktion, einen musikalischen Teppich zu liefern, alles andere wird im Zweifel „überhört“ (vgl. Altrogge Schabedoth, 2001, S. 367).

6.2 Befragung junger Hörer in Dresden zum Thema Musik im Radio

An dieser Stelle soll die Perspektive der jungen Hörer auf Eigenschaften des Me-dieninhalts Musik und des Musikjournalismus genauer ermittelt werden. Das ent-spricht dem Qualitätsbegriff aus Hörersicht, wonach Qualität das ist, was die Hörerfür Qualität halten (vgl. Tabelle 6, Abschnitt II). Als Kriterien dienen die aus demKapitel 5 beschriebenen Qualitätsmerkmale, die aus rechtlich-normativen Funktio-nen (Vorbild- und Komplementärfunktion), der Literatur und anderen Quellen ab-geleitet wurden. Dabei kann die Befragung größtenteils nur zu den direkt messba-ren Qualitätsmerkmalen erfolgen (vgl. Tabelle 6, Abschnitt I), während in einer spä-teren Umfrage die Programmmacher auch zu den indirekten Indikatoren Auskunftgeben konnten (vgl. Tabelle 6, Abschnitt IV). Die hier durchgeführte Erhebung beiden jungen Hörern knüpft teilweise an die Studie von Vowe Wolling (2004) an, inder Hörer zu ihren Vorstellungen über ihr Idealradio befragt wurden. Der Schwer-punkt lag dabei jedoch nicht auf dem Medieninhalt Musik. Es wurden zwar die Vor-lieben über bestimmte Musikrichtungen abgefragt, jedoch nicht, welche Musikin-formationen bzw. welche Elemente von Musikjournalismus sich die Hörer wün-schen. Das soll mit der folgenden Befragung nun aber etwas genauer herausgearbei-tet werden.

Methode und praktisches Vorgehen

Als Erhebungsmethode wurde die schriftliche Befragung gewählt. Der Großteil desFragebogens bestand aus geschlossenen Fragen, damit die Befragten schneller undeinfacher antworten können und die Ergebnisse besser vergleichbar sind. Es wurdetrotzdem bei fast jeder Frage die Möglichkeit offen gelassen die Antwortkategorienggf. zu ergänzen. Davon wurde aber nur selten Gebrauch gemacht, wahrscheinlich,weil mit Hilfe eines Pretests erschöpfende Kategorien gefunden werden konnten.Einzelne Fragen wurden zudem als offene Fragen gestellt, die jedoch meist mit ei-nem Stichwort oder wenigen Worten beantwortet werden konnten. Da am Anfangeines Fragebogens die Motivation noch recht hoch ist, wurde hier die offene Fragenach dem Lieblingssender und dem Besonderen an diesem Sender erfragt. Die letz- te Frage („Fallen dir noch ein paar Vorschläge und Wünsche für dein Idealradioein?“) ist ebenso eine offene Fragestellung und lud diejenigen zu einer ausführli-chen Antwort ein, die am Thema interessiert waren und denen Radio hören etwasbedeutet. Dabei gab es einige lohnenswerte Antworten. Leider war die Zeit für dieBeantwortung der Fragen manchmal recht gering, so dass noch mehr informativeAntworten möglich gewesen wären, wenn die Befragten mehr Zeit für die Beant-wortung gehabt hätten. Das lag zum großen Teil am Ort der Befragung, die im Fo-yer und an der Cafébar der UCI KINOWELT in Dresden durchgeführt wurde. MitHilfe eines Gewinnspiels, bei dem es Kinofreikarten zu gewinnen gab, konnten vieleJugendliche zum Ausfüllen des Fragebogens gewonnen werden. Rückblickend wäreeine Online-Befragung in sozialen Netzwerken, in denen sich junge Menschen auf-halten (z. B. SchülerVZ oder StudiVZ), besser gewesen, da hier mehr Zeit zum kon-zentrierten Ausfüllen zur Verfügung gestanden hätte. Das konnte im Zuge dieserArbeit jedoch nicht realisiert werden. Somit wurde die Stichprobe der 14- bis 29-Jährigen aus allen Kinobesuchern im Zeitraum vom 02.07. bis 11.08.2008 von je-weils ca. 19 bis 20 Uhr gezogen. Die Grundgesamtheit umfasste Dresdner und Per-sonen aus dem Umland. Dass Besucher aus anderen Gegenden ein Kino am Stadt-rand von Dresden besuchen, ist dabei kaum anzunehmen und wenn, ist die Anzahlstatistisch zu vernachlässigen. Die Herkunft der Befragten war für die meisten Fra-gen nicht relevant. Beim Alter konnten mit der Stichprobe vor allem die 20- bis 25-Jährigen erreicht werden (50,5 %) und die 25- bis 29 Jährigen mit 33 %. Hingegenkonnte die jüngere Zielgruppe im Alter von 14 bis 19 Jahren mit einem Anteil von16,5 % nicht optimal ausgeschöpft werden. Ein möglicher Grund dafür könnte sein,dass die UCI KINOWELT im Elbe Park hauptsächlich für Autofahrer attraktiv istund Jüngere noch keinen eigenen Führerschein besitzen. Deshalb wurde im An-schluss der Versuch unternommen weitere Daten von Schülern (am Beginn einerStunde Musikunterricht), in zumindest einer Schule in Dresden zu erheben. Dasscheiterte zunächst an den Sommerferien und später an der Mitteilung, dass füreine solche Befragung die Genehmigung der Sächsischen Bildungsagentur notwen-dig sei, wofür die Zeit nicht mehr ausreichte. Indem aber gerade über die Zielgruppebis zum 18. Lebensjahr einige Befunde über die Vorlieben in der Literatur vorliegen(z. B. JIM-Jugendstudie, vgl. Kapitel 3), ist das für diese Untersuchung nicht ganzso kritisch, zumal der Untersuchungsgegenstand „Radio für junge Hörer“ die größteHörerschaft im Alter von 20-29 Jahren aufweist (vgl. Tabelle 1) und die Sender inihrer Zielgruppenbeschreibung meistens das Alter von 14-29 Jahren angeben. Ins- gesamt wurden für die Befragung 220 Fragebögen verteilt, von denen 211 Fragebögen ausgewertet werden konnten (9 Fragebögen waren zu unvollständig ausgefüllt und wurden aussortiert).

Ergebnisse der Befragung junger Hörer in Dresden

Allgemeine Radionutzungszahlen:

Hörhäufigkeit: Insgesamt gaben 208 von 211 Befragten an, wie häufig sie das Radio in der Woche nutzen: rund 48 % hören an jedem Tag oder an 5-6 Tagen der Woche Radio und gehören damit zu den regelmäßigen Nutzern. Gelegentlich (an 1-4 Tagen pro Woche) nutzen rund 40 % das Radio. Immerhin schalten rund 13 % weniger als einmal pro Woche das Radio ein.

Medium für Radionutzung: Die Frage nach dem Medium, über das die jungen HörerRadio empfangen, sollte die Frage klären, inwieweit das „alte“ Medium Radio schonüber die neuen Übertragungswege genutzt wird. Bei den Antworten wurden vierHäufigkeitskategorien vorgegeben („häufig“, „ab und zu“, „selten, „nie“). Die klassi-schen Übertragungswege werden noch am häufigsten genutzt: Die meisten gabenan, UKW-Radio häufig im Auto zu hören (41 %), UKW-Radio zu Hause 32 % undRadio über Kabelanschluss rund 11 %. Die UKW-Radiofunktion des Mobiltelefonsnutzen rund 7 % häufig. Die neuen Übertragungswege liegen davon noch weit ent-fernt: Etwa 15 % nutzen häufig Internetradio und 3 % hören ausgewählte Radiosen-dern als Podcast auf ihrem mp3-Player an. Der größte Nachteil für das Internetra-dio liegt dabei sicher noch in der eingeschränkten Mobilität und Verfügbarkeit, dienur eine gelegentliche Nutzung erlauben. Immerhin nützen Radio per Livestreamim Internet 59 % zumindest selten.

Tabelle 7: Medium für Radioempfang

Rangfolge nach „ nütze ich h ä ufig “ , Angaben in %

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lieblingssender:

Am Anfang des Fragebogens wurde offen nach dem Lieblingssender gefragt. Im-merhin gaben dabei fast 75 % einen Lieblingssender. Mit 26,1 % schnitt am bestender private Sender Energy Sachsen ab. Dabei erhielt Energy von den Jüngsten in derAltersgruppe von 14-19 Jahren die meisten Stimmen (38,5 %), bei den 20- bis 24-Jährigen noch 23,8 % und in der Gruppe der 25- bis 29-Jährigen nur noch 14,9 %.Mit ungefähr 10 % Abstand befindet sich mit MDR Jump ein öffentlich-rechtlicherSender, der sich selbst nicht als Jugendradio definiert, an zweiter Stelle der Lieb-lingssender (15,9 %). Auf Platz drei (9,6 %) befindet sich mit Radio Fritz das ersteöffentlich-rechtliche Jugendradio, das in Dresden nicht über UKW empfangen wer-den kann (nur im nordöstlichen Umland von Dresden Richtung Berlin ist ein UKW-Empfang teilweise möglich sowie über Kabelanschluss, Internet und Satellit). Be-trachtet man, welche Empfangsmöglichkeiten die Hörer von Fritz nutzen, sinddurchaus Tendenzen einer höheren Internet-, aber auch Kabelanschlussnutzung zuerkennen. Aber diese Zahlen sind aufgrund der geringen Fallmenge nicht aussage-kräftig genug. Weiterhin ist für große Teile Sachsens anzumerken, dass hier keineöffentlich-rechtlichen Jugendprogramme über den terrestrischen Weg empfangenwerden können. MDR Sputnik als Jugendwelle ist in weiten Teilen nur im Kabel-netz, im Internet oder per Satellit empfangbar. Es wäre denkbar, dass aus diesemAngebotsmangel an öffentlich-rechtlichen Jugendsendern (mit vielleicht besonde-ren öffentlich-rechtlichen Qualitäten) einige Nutzer gezielt Alternativen zum hiesi-gen Angebotsmarkt nutzen und somit vielleicht Radio Fritz von der benachbartenRundfunkanstalt in Berlin-Brandenburg hören. In unten gezeigter Liste gibt es nurein öffentlich-rechtliches Jugendradio in der Top Ten (Fritz). Viele junge Hörer ge-ben Programme an, die nicht speziell auf Jugendliche abzielen.

Tabelle 8 (links): Top Ten der Lieblingsradiosender von jungen Hörern in Dresden nach offener Fragestellung: „ Hast du einen Lieblingsradiosender? Wenn ja, welchen? …“

Tabelle 9 (rechts): Bewertung der Radiosender für die Musikauswahl Benotung von 1 (gef ä llt mir sehr gut) bis 6 (gef ä llt mirüberhaupt nicht) der meistgenannten Lieblingssender, Auswahl der H ö rer, die den Sender wenigstens "ab und zu" und "oft" h ö ren

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Hinweis: Die Note von Radio Sunshine Live ist nicht direkt mit den anderen vergleichbar, da dieser Sender nicht in standardmäßig in der zu bewertenden Sender vorgegeben war. Die Note entsteht hier aus der offenen Bewertungsmöglichkeit für „sonstige Sender“.

Tabelle 10: In den jeweiligen Altersklassen haben die beliebtesten 3 Radiosendergewählt ... Angaben in %

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Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man die Schulnotenvergabe für die Musik-auswahl der Sender vergleicht: Dabei wurde der Mittelwert der Noten nur von den- jenigen gebildet, die angegeben hatten, den Sender wenigstens „ab und zu“ oder„oft“ zu hören. (Der Grund: Die Antwortvorgabe „höre ich nie“ wurde oft auch vondenjenigen angekreuzt, die dann eine Note 6 vergeben hatten, obwohl sie den Sen-der nicht kannten und somit nicht bewerten konnten. In diesem Fall hätte das Feldeigentlich frei gelassen werden sollen). Im Ergebnis wird als bestes Radio SunshineLive mit einer 1,0 bewertet. Da der Sender nicht über UKW in Sachsen empfangbarist, wurde er deshalb nicht in die Standardliste der abzufragenden Sender aufge-nommen. Darum kam der Sender nur in der Kategorie „weitere Sender“ vor. Infol-gedessen ist dieser Wert nicht direkt mit den anderen Bewertungen vergleichbar.Auffällig ist aber, dass der vorher am häufigsten genannte Lieblingsender Energybei der Bewertung durch eine größere Hörerschaft schlechter abschneidet und nurauf eine Durchschnittsnote von 2,6 kommt. Ganz vorn in der Bewertung sind diebeiden Sender der benachbarten Rundfunkanstalt des Rundfunks Berlin-Brandenburg (Fritz und Radio Eins), die anscheinend bei den Sachsen, die dieseSender empfangen können, gut ankommen.

Sofern in der ersten Frage ein Lieblingssender genannt wurde, sollte in der zweitenoffenen Frage kurz erwähnt werden, was das Besondere an diesem Sender sei. Im-merhin machten hier 64 % aller Umfrageteilnehmer Angaben. Da nicht direkt nurnach besonderen Musikeigenschaften gefragt wurde, wurden auch Angaben zu an-deren Programmbestandteilen genannt. Aber immerhin 102 von 135 (ca. 75 %)Antworten betonen direkt oder indirekt, dass die Musik des Senders das Besonderesei. Das bestätigt, wie bedeutsam der Medieninhalt Musik in dieser Zielgruppe ist.Ganz von selbst wurden in den Antworten zwei wesentliche Qualitätskriterien ge-nannt, die weiter oben schon theoretisch hergeleitet wurden: Vielfalt und Aktuali-tät (direkt wurde Vielfalt in 17 Fällen angesprochen und genauso häufig Aktualitätder Musik). Auch wird einige Male erwähnt, dass der eigene Lieblingssender keinenMainstream spiele und sich somit von der Masse abhebe. In der nachfolgenden Ta-belle werden kurz die Antworten auf die Frage nach dem Besonderen des Lieblings-radios am Beispiel von Fritz aufgelistet, der als einziger öffentlich-rechtlicher Ju-gendsender in die Top Ten vorgerückt ist.

Tabelle 11: Das Besondere am Lieblingssender: Beispiel Radio Fritz

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Wünsche zum Idealradio im Bereich Musik, Musikjournalismus und -informationen:

In der neunten Frage konnten die jungen Hörer ihre Wünsche zu ihrem Idealradioangeben. Dabei wurden vor allem direkt messbare Qualitätskriterien aus dem Krite-rienkatalog abgefragt (vgl. Tabelle 6, Absatz I). Die Fragen beziehen sich dabei zumeinen Teil auf den Bereich Musik (vor allem der gewünschten Vielfalt) und zum an-deren Teil auf Programmelemente im Bereich Musikjournalismus und -information.

Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass die Qualitätsvorstellungen der jungen Hörerim Bereich Musik eindeutig zu dem Wunsch nach einer großen Vielfalt tendieren:Vor allem der Wunsch, nach neuen, unbekannten Musiktiteln, die sie vorher nochnie gehört haben, wird am häufigsten genannt (50,5 % kreuzten „häufig“ an). Zähltman noch diejenigen hinzu, die sich wenigsten „ab und zu“ neue und unbekannteTitel wünschen, kommt man auf über 90 % Zustimmung der Befragten für neue,unbekannte Musik. In der umgekehrten Frage nach dem Wunsch, häufig bekannteMusik aus den Charts zu spielen, antworteten 35 %, dies „häufig“ zu wünschen. Zu-sammen mit denjenigen, die sich Titel aus den Charts „ab und zu“ wünschen, erge-ben sich etwa 63 % Zustimmung. Nur 7,9 % lehnen Musik aus den Charts ganz ab.

Aber im direkten Vergleich zwischen dem Wunsch nach unbekannter Musik undHits aus den Charts, ist das Begehren nach unbekannter Musik eindeutig größer.Stellt man den Wunsch nach „unbekannter Musik“ und „Hits aus den Charts“ ineiner Kreuztabelle dar, wird sichtbar, dass sich die beiden Wünsche nicht gegensei-tig ausschließen müssen. Die überwiegenden Fallzahlen (rund 60 %) liegen in demBereich zwischen „wünsche Hits aus den Charts ab und zu und häufig“ und „wün-sche ab und zu und häufig neue, unbekannte Musik“. An zweiter Stelle werden beiden Musikitems „vielfältige Musikrichtungen“ gewünscht (34 %). Zusammen mitdenen, die das „ab und zu“ wünschen, ergeben sich etwa 66 % Zustimmung für un-terschiedliche Musikstile.

Tabelle 12: Wünsche der jungen Hörer im Bereich Musik sortiert nach „ wünsche ich h ä ufig “ , in %

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Diese Ergebnisse decken sich in etwa mit den Ergebnissen aus einer anderen Frage,bei der polarisierend nach der persönlichen Präferenz für ein bestimmtes Pro-gramm bezüglich der Vielfalt der Musikrichtungen gefragt wurde. Dabei musstensich die Befragten für ein Modell von Radio entscheiden: entweder für „Ein Radio-programm, bei dem man nie weiß, welche Musikrichtung als nächstes gespielt wird“oder „Ein Radioprogramm, das verlässlich eine Musikrichtung spielt und nicht maldieses und jenes“. Hierbei entschieden sich etwa 50 % für ein Programm mit unter-schiedlichen Musikrichtungen (Präferenz für Abwechslung) und 41 % für ein Pro-gramm, dass eine Musikrichtung spielt (Präferenz für Kontinuität). Der Rest konn-te sich nicht auf ein Radiomodell festlegen.

Es wäre interessant zu wissen, ob diejenigen, die nur eine Musikrichtung hörenmöchten, dann wenigstens eine Vielfalt in dieser Musikrichtung wünschen. Beidenjenigen, die sich häufig unterschiedliche Musikstile wünschen, ist dies ohnehinzu erwarten. Die Kreuztabelle zeigt, dass wie erwartet, die Gruppe, die unterschied-liche Musikrichtungen wünscht, am häufigsten neue und unbekannte Musiktitelhören möchte. Aber auch diejenigen, die ein Programm mit einer Musikrichtungpräferieren, wollen zum größten Teil nicht auf neue, unbekannte Titel verzichten(vgl. Tabelle 13). Damit ist die Tendenz erkennbar, dass die jungen Hörer nur seltenein Radioformat präferieren, das sich auf wenige bekannte Titel beschränkt (etwawie beim Top 40-Format).

Tabelle 13: Verhältnis zwischen der Präferenz für unterschiedliche Musikrichtungen und dem Wunsch nach neuer, unbekannter Musik in %

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Außerdem ist erwähnenswert, dass aus der Wunschliste im Musikbereich hervor-geht, dass „Neben der aktuellen Single eines Albums noch andere unbekannte Stü-cke von der gleichen CD“ zu rund 70 % „häufig“ oder „ab und zu gewünscht“ wird.Ein Wunsch, dem einige Sender bisher eher nicht nachgekommen sind. Sichtbarwird eine Diskrepanz zu den Vorstellungen der Programmmacher, die einen hohenWiedererkennungswert der Musik schätzen und selten bereit sind, Unbekanntesund Neues zu spielen, selbst dann nicht, wenn die Interpreten bekannt sind (vgl.Perspektive der Programmmacher in der Auswertung des Interviews mit dem Mu-sikchef von MDR Sputnik, Kapitel 7.2 und Interview im Anhang). Nun zu den Wün-schen, die dem Bereich des Musikjournalismus und -informationen betreffen: Beiden Musikinformationen wird vor allem die Nennung von Titel und Interpret „häu-fig“ gewünscht (64,4 %) und noch einmal zu über 30,2 % „ab und zu“. Mit fast 95 % der Zustimmung sollte damit die Nennung von Titel und Interpret zum Standard eines jungen Programmes gehören. Viel Zustimmung gilt der Nennung von Konzert- und Festivalterminen; das wünschen sich ein knappes Viertel der Befragten „häufig“ und zu etwa 38 % „ab und zu“.

Musikjournalistische Elemente, die mehr Wortanteil zur Folge hätten, werden hin-gegen in den meisten Fällen nicht so häufig gewünscht. Das einzige Element, dasvon einer Mehrheit wenigstens „ab und zu“ und „häufig“ gewünscht wird, ist dieVorstellung von neuen CD-Alben oder Singles mit über 61 %. Ein klassisches Ele-ment aus dem Musikjournalismus, nämlich die Musik-Kritik, die ein neues Albumvorstellt und außerdem subjektive bewertet, will immerhin noch fast die Hälfte derBefragten „ab und zu“ und „häufig“ hören. Alle weiteren abgefragten Elemente willdie Mehrheit der Befragten entweder „selten“ oder „nie“ hören. Verblüffend ist diebreite Ablehnung von „Klatsch und Tratsch Geschichten über Musiker/Sänger“. Esist das Item, das am schlechtesten abschneidet. Es ist aber auch das einzige Ele-ment, das als Qualitätskriterium im umgekehrten Sinne abgefragt wurde. Dennsein Fehlen ist hier als Qualität zu werten, die eher einem öffentlich-rechtlichenAnspruch gerecht wird. Dass die Wünsche für die meisten Items, die musikjourna-listische Elemente enthalten, meist nur „selten“ oder „ab und zu“ gewünscht wer-den, ist nicht überraschend. Denn sie würden einen höheren Wortanteil bedeutenund zu kürzeren Musikeinspielungen führen. Deshalb dürfen diese Elemente zwarvorkommen, aber sie sollen nicht so häufig den Musikfluss unterbrechen. Die Per-sonen, die musikjournalistische Elemente ganz ablehnen oder nie wünschen, betra-gen zumeist ein knappes Viertel.

Tabelle 14: Wünsche im Bereich Musikinformationen und -journalismus sortiert nach „ wünsche ich h ä ufig “ , in %

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Musikflussunterbrechung:

In einer Zwischenfrage wurde ermittelt, wie oft der Musikfluss durch Wortbeiträgeunterbrochen werden sollte. Der Medieninhalt Musik hat gerade für junge Hörereine große Bedeutung, das wurde im Theorieteil schon ausführlich beschrieben.Außerdem nutzen sie bevorzugt Musikmedien, die ausschließlich Musik spielenund deren Musikfluss nicht durch Wortbeiträge unterbrochen wird (MP3-Player,Musiksammlung am PC usw.). Vielleicht hören einige deshalb nicht gern Radio, weilhier die Musik zu oft von Wortbeiträgen unterbrochen wird. Viele wollen mögli-cherweise auch nicht jede halbe Stunde Nachrichten oder den Verkehrsfunk hören,denn dafür gibt es Inforadios. In der Tendenz wird sichtbar, dass der Wunsch rela-tiv groß ist, den Musikfluss weniger zu unterbrechen: 45 % möchten erst nach 4-5Musiktiteln eine Unterbrechung durch Wortbeiträge und 15 % sogar noch seltener.Damit würden sich zwangsläufig auch die Wortbeiträge reduzieren, und es kämezum Konflikt mit dem Programmauftrag, der auch andere Bestandteile fordert undMusik vorrangig als Unterhaltung sieht. Wegen der Wortbeiträge könnten sich Mu- sikbegeisterte vom Radio abwenden. Das bestätigt die Auswertung der offenen Fra-ge am Ende des Fragebogens, in der nach Vorschlägen und Wünschen für ein Ideal-radio gefragt wurde. Sehr viele wünschten sich hier weniger „Gelaber“, „wenigerWiederholungen“ und vor allem „keine Werbung“. Stellvertretend daraus hier eineAntwort: „Es gibt kein Idealradio. Radio sollte einfach nur vielseitige Musikrichtun-gen spielen. Und ab und zu (morgens, mittags abends) je einmal Nachrichten brin-gen.“ (Siehe Anhang). Vielleicht ist in Zukunft ein öffentlich rechtliches Jugendra-dio denkbar, das sich in Wort und Ton ausschließlich der Musik widmet (so ähnlich,wie das weiter oben beschriebene Internetradio Byte.FM) und daneben vielleichtein bundesweites Inforadio für junge Hörer, so dass zwischen den entsprechendenAngeboten ausgewählt werden kann. Aber das wäre ein medienpolitisches Thema.

Weiterhin wurde getestet, inwieweit Wünsche im Bereich Musikinformationen und -journalismus und nach bestimmten Qualitäten der Musik selbst korrelieren. Dazuwurden die Wünsche (vgl. Tabelle 12 und Tabelle 14) in zwei Bereiche aufgeteilt(Musikinfo-Score und Musik-Score). In beiden Scores lagen je über 180 gültige Aus-sagen vor, und im Ergebnis konnte mit Hilfe einer Korrelation ein mittelstarkerpositiver Zusammenhang festgestellt werden (Korrelation nach Pearson +0,58).Das heißt, diejenigen, die sich für besondere Qualitäten im Bereich Musik interes-sieren (z. B. Vielfalt, neue Musik usw.), wünschen überwiegend auch Musikinforma-tionen und musikjournalistische Leistungen. Das zeigt, dass wahrscheinlich einMusikprogramm mit musikjournalistischen Beiträgen bei jungen Hörern gut an-kommen würde.

Tabelle 15: Musikflussunterbrechung

„ Wie oft sollte der Musikfluss durch Wortbeitr ä ge unterbrochen werden … ? “

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Entdeckung neuer Musik:

Wo entdecken die jungen Rezipienten heute noch am ehesten neue Musik, die sieinteressiert? Die Antworten sollen zeigen, welchen Stellenwert das Radio als aktuel-les und informatives Musikmedium hat. In den Ausführungen weiter oben wurdeschon gesagt, dass Radio das geeignete Medium ist, um neue Musik vorzustellenund diese musikjournalistisch einzuordnen. Dieser Rolle wird das Radio zu einemgroßen Teil gerecht: Radio ist gleich nach den Freunden die wichtigste Quelle fürdie Entdeckung neuer Musik. Das Internet spielt für die meisten noch keine so gro-ße Rolle (vgl. Tabelle 16) Da aber in dieser Umfrage auch diejenigen berücksichtigtwurden, die sich vielleicht gar nicht für Musik interessieren, sind diese Aussagennur beschränkt aussagefähig. Aufschlussreicher wäre es festzustellen, wo sich Mu-sikbegeisterte informieren. Hierbei wäre zu erwarten, dass diese eher im Internetihre Lieblingsmusik finden und entdecken und ihnen das Radio nicht unbedingt vielNeues bieten kann.

Tabelle 16: Entdeckungsort für neue Musik

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„ Wo entdeckst du am ehesten neue Musik, die dich interessiert? “ , in %

Musik-Spezialsendungen:

Mit einer anderen Frage sollte festgestellt werden, inwieweit es noch Sendungengibt, die junge Hörer regelmäßig aufgrund der Musik hören (Einschaltradio). ImErgebnis wurden Nennungen von Sendungen erwartet, die besondere Qualitätenbesitzen und sich vom täglichen Radioeinerlei unterscheiden. Insgesamt gaben etwa 20 % an, mehr oder weniger regelmäßig eine bestimmte Sendung wegen der Musikoder der Hintergrundinformationen über Musik zu hören. Nach dieser Filterfragesollten sie den Namen der Sendung eintragen. Die Auswertung ergab, dass viele an dieser Stelle nur Radiosender oder allgemeine Angaben eingetragen hatten. Kon-kret wurden letztlich von nur 23 Personen Musiksendungen benannt. BesondereHäufungen von gleichen Musiksendungen gab es dabei nicht, lediglich die Sendung„Soundgarden“ von Fritz wurde immerhin viermal genannt. Die überwiegendeMehrheit hat aber keine Sendung, die sie regelmäßig einschaltet. Als Gründe dafürgeben 35 % an, noch kein passendes Angebot im Radio gefunden zu haben, 28 %haben kein Interesse an speziellen Musiksendungen und 5,9 % wissen gar nicht,dass es solche Musik-Specials gibt. Der Rest gibt sonstige Gründe an oder weiß kei-ne Antwort darauf. Bei denjenigen die Notizen zu den „sonstigen Gründen“ notier-ten, geben viele an, keine Zeit zu haben oder interessanterweise auch, dass sie unin-formiert darüber sind, zu welcher Zeit welche Inhalte im Radio kommen. Ein Be-fragter gab zu bedenken, dass es zu aufwändig ist, sich zu informieren, wann undauf welchen Sender eine entsprechende Sendung läuft und es keine gute „Radiopro-grammzeitschrift“ gibt, in der er sich ähnlich ausführlich und übersichtlich infor-mieren kann wie in einer TV-Zeitschrift. Das wäre ein interessanter Ansatz für einegemeinsame Programmseite im Internet, auf der alle öffentlich-rechtlichen Jugend-radios zumindest ihre Musik-Specials in den Abendstunden übersichtlich präsentie-ren könnten.

Zwischenfazit

Das Radio ist ein wichtiges Musikmedium für junge Hörer. Das zeigte sich an denAntworten zur Frage, wo sie neue Musik am ehesten entdecken, aber auch in denWünschen bzw. Qualitätsanforderungen die sie an ein Idealradio stellen: möglichstvielfältige Musik zu spielen und zudem über Musik zu informieren. Die Bewertun-gen der Sender für ihre Musikauswahl fallen für die meisten sächsischen Program-me nicht gut aus. Die Sender mögen polarisieren, doch anscheinend fühlen sich vie-le bei Radios, die nur ein Musikgenre bedienen, besser aufgehoben (Sunshine Live)und sogar bei den beiden Programmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ber-lin-Brandenburg, die in der Benotung besser abschneiden. Wie es scheint, fehlt inSachsen ein öffentlich-rechtliches Radioprogramm für junge Hörer. Mit Sputnikexistiert zwar schon ein öffentlich-rechtliches Jugendradio für den MitteldeutschenRundfunk, doch ist dieses in weiten Teilen Sachsens und Thüringens derzeit nichtüber den konventionellen UKW-Empfang hörbar. Am besten schneidet das Privat-radio Energy bei der jungen Zielgruppe ab. Wie es scheint, gibt es viel Potential fürein Radioangebot, das sich auf den Medieninhalt Musik konzentriert, dazu vielfälti- ge und neue Musik spielt und darüber hinaus wohl dosierte, informative und jour-nalistische Wortbeiträge präsentiert - eben ein öffentlich-rechtliches Angebot, dasdie verschiedenen Ansprüche an ein qualitativ hochwertiges Musikprogramm er-füllt.

7 Qualität aus der Perspektive der Programmver-antwortlichen

Dass es kaum Unterschiede in der Qualitätsausrichtung bei Musikinhalten zwi-schen öffentlich-rechtlichen und privaten Programmen gibt, wurde schon weiteroben dargelegt. Die Verantwortlichen kennen in der Regel nur eine Perspektive: diedes Hörfunkprogramm-Marktes, auf dem es, wie auf jedem anderen Konsumenten-Markt, darum geht, die Hörerzahlen zu maximieren. Doch die alleinige Orientie-rung der Radios am „Gebrauchswert“ (Oehmichen, 2007) für Konsumenten, alsoaus der betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Perspektive, mag in ers-ter Linie für Privatanbieter sinnvoll sein. Für öffentlich-rechtliche Programme soll-ten aber andere Qualitäten im Vordergrund stehen und erst an hinterer Stelle dieMarktergebnisse. Dass sich mittel- und langfristig besondere Qualitäten in Hörer-zahlen niederschlagen können, konnte weiter oben am Beispiel von Radio Eins be-legt werden.

Hier soll es nun darum gehen herauszufinden, welchen Stellenwert die oben herge-leiteten Qualitätskriterien für die Programmmacher bei öffentlich-rechtlichen Ju-gendradios haben. Steht an erster Stelle die Quotenmaximierung mit Hilfe des Mu-sik-Researchs, oder vertraut man eher den eigenen Qualitäten der Musikredaktion?Davon hängt nicht zuletzt ab, inwieweit der öffentlich-rechtliche Rundfunk beson-dere Angebote und Qualitäten bereitstellen kann, die der marktfinanzierte Rund-funk nicht leisten kann. Denn kulturkritisch betrachtet könnte die Ausrichtung amMassengeschmack, zu der die Musik-Forschung beiträgt, zu einer Verschüttung vonmusikalischem Wahrnehmungsvermögen von immer mehr Menschen führen. Jestärker dieses Musikangebot in den Alltag eingebunden ist, umso wirkungsvollerprägt es den Geschmack und schließt so viele musikalische Stilrichtungen aus. Gus-hurst spricht in diesem Zusammenhang von einer „funktionalen Erziehung derKonsumenten zur leichten Popmusik“, die „Möglichkeiten einer Demokratisierung der Musikkultur“ verhindert, da Musik nicht mehr als solche wahrgenommen bzw.andersartige, ungewohnte Musik abgelehnt wird (Gushurst, 2000, S. 118). Letztlichwerden die Programmmacher damit auch nicht den Wünschen der Hörer gerecht,die Vielfalt und neue Musik hören möchten, wie die Befragung von jungen Hörernergab.

Neben den Einstellungen zum Musik-Research sollen auch andere Faktoren erfragt werden, die vor allem die indirekt messbaren Indikatoren zur Qualitätsmessung betreffen (vgl. Tabelle 6, Abschnitt IV). Dazu gehören Rahmenbedingungen, interne Qualitätsregeln und Kompetenzen der Musikredakteure.

Es soll noch angemerkt werden, dass die Perspektive eines öffentlich-rechtlichen Jugendradios nicht automatisch auf Programme anderer Rundfunkanstalten übertragen werden kann. Hierbei sind durchaus verschiedene Einstellungen und Ansätze zu bestimmten Qualitätsvorstellungen erkennbar. Das soll in der schriftlichen Befragung der Jugendradios deutlicher werden.

7.1 Interview mit dem Musikchef und stellvertretenden Pro-grammchef vom MDR Sputnik:Herr B.

Die Sichtweise eines Machers eines Jugendradios soll hier anhand einesInterviews mit Herr B., dem Musikchef und stellvertretenden Programmchefvon MDR Sputnik, deutlich werden. In dieser Position ist er entscheidendmitverant-wortlich für die Gestaltung der Inhalte und besonders der Musikinhaltevon Sput-nik. Der Interviewte konnte dabei auf eine langjährige Erfahrung imprivaten und öffentlich-rechtlichen Radio zurückblicken und war somit ein sehrkompetenter Gesprächspartner. Das Interview diente zeitgleich als Pretesteines schriftlichen Fragebogens, der an weitere öffentlich-rechtlicheJugendradios zu einem späteren Zeitpunkt versendet wurde. Zudem gab es auf derBasis dieses Fragebogens ein weiteres Interview mit dem Musikredakteur Herr S.von MDR Jump. Da es sich dabei um ein Telefoninterview handelte, konnte leiderkein Skript erstellt wer-den. Die Antworten wurden jedoch in den Fragebogen inStichpunkten eingetragen und sollen hier, sofern sie von Belang sind, mit erwähntwerden. Dabei ist zu beach-ten, dass MDR Jump nicht direkt ein Jugendradioist, jedoch von vielen jungen Leuten gehört wird, wie die Befragung der Hörer inDresden gezeigt hat.

Methode und praktisches Vorgehen

Als Erhebungsinstrument diente ein persönliches „Face-to-face“-Interview. In die-sem qualitativen Interview, mit teilweise explorativem Charakter, wurden überwie-gend offene Fragen gestellt, die sich an einem Leitfaden orientierten. Die Formulie-rungen zielten direkt oder indirekt auf Qualitätsvorstellungen von Musik und Mu-sikjournalismus im Radio ab. Dabei lag der Schwerpunkt auf den indirekten Indika-toren (vgl. Tabelle 5, Abschnitt IV). Daneben wurden einige Standard-Informationen zum Radiosender erhoben, etwa die Definition der Kernzielgruppe,der Anteil von Musik im Programm, die Größe der Playlist, Hörerzahlen usw. DieseInformationen sind ins Programmprofil von MDR-Sputnik aufgenommen wurden(vgl. Kapitel 4).

Das Interview fand am 18.06.2008 in Halle im MDR-Sputnik Büro von Herrn Bärenz statt und wurde mit einem digitalen Voice-Recorder aufgezeichnet und später transkribiert (siehe Anhang). Die folgenden Zitate beziehen sich immer auf das Interview und werden deshalb nur mit der Seitenzahl angegeben.

Ergebnisse

Allgemeine Aussagenüber Qualit ä t im ö ffentlich-rechtlichen Radio:

Bärenz betont immer wieder den Wettbewerbsdruck, unter dem auch der öffent-lich-rechtliche Rundfunk steht. Dennoch sieht er Möglichkeiten, diesen mit demöffentlich-rechtlichen Auftrag in Einklang zu bringen. Als Beispiel dafür nennt erdie Förderung von Nachwuchsmusikern mit Hilfe einer neuen gemeinsamen Inter-net-Plattform von Fritz, You-FM und Sputnik, bei der Hörer im Internet die Musik,die die Künstler selbst hochgeladen haben, hören und anschließend bewerten kön-nen. Einige Stücke davon landen dann in der dazugehörigen Sendung „Soundcheck“und manche schaffen es auch in die reguläre Playlist. Auf die Frage nach einem Un-terschied in der Musik und Musikklangfarbe zwischen einem öffentlich-rechtlichenund einem Privatradio konnte er keine Unterschiede definieren. Radio funktioniertüberall gleich, und die meisten Leute lehnen unbekannte Titel ab. Neue Titel kannauch der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur wohl dosiert an die Hörer bringen.Aber es gibt doch Unterschiede, denn letztlich, so Bärenz, hängt die Musikauswahlauch von den Qualitäten der anderen Beiträge im Programm ab und damit, welcheZielgruppen man anspricht. Interessant ist, dass Bärenz bestätigt, dass der öffent- lich-rechtliche Rundfunk lange Zeit den Privatrundfunk nachgemacht hat, um beiden Quoten mithalten zu können. Im Zuge einer Neudefinition, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk leisten soll, sieht er die Notwendigkeit, manche Inhalte zu än-dern (etwa keine Gewinnspiele mehr usw.). Dann, so vermutet Bärenz, wird dasRadio automatisch auch andere Hörerschichten ansprechen, die wiederum einenanderen Anspruch an Musik haben. Das Musikprogramm passt sich also „homogen“dem Wortprogramm an. Im Folgenden werden einige Aussagen zu Qualitätsmerk-malen in Stichpunkten übersichtlich dargestellt, dabei sind teilweise große Unter-schiede im Vergleich zu den Aussagen und Wünschen der Hörer feststellbar:

Vielfalt und Bekanntheitsgrad von Musik:

- Wiederholungen von immer gleichen Musiktiteln sind beabsichtigt. Der Grund: „Das Radio hat die Funktion, eine emotionale Heimat zu bieten.“ (S.5f.).
- Neue und unbekannte Titel werden nur sparsam dosiert in die Playlist auf- genommen, was das folgende Zitat beschreibt: „… so eine Musikfarbe imRadioprogramm ist wie so ein Badewasser. Sie warten ja auch nicht, bis eseiskalt wird und kippen dann einen Eimer kochendes Wasser hinterher.Sondern, immer, wenn es ein bisschen zu kühl wird, wird warmes nachgelas-sen. Und so funktioniert es hier auch. Es kommen halt ein paar Titel raus,ein paar neue rein, ein paar alte raus, ein paar neue rein. Und so durch dieMischung zusammen, entsteht dann sozusagen dieses behagliche Gefühl inder Badewanne.“ (S. 7).
- In die Playlist von Sputnik gelangen ca. 5 bis 10 neue Titel pro Woche.
- Es wird darauf geachtet keine große Vielfalt zwischen den Musikstilen ins Programm zu nehmen, denn die Hörer wollen ein vertrautes Radio, eine einheitliche Klangfarbe: „Ich schalte einen Radiosender ein, weil ich mich dort irgendwie gefühlsmäßig zu Hause fühle, weil meine Musik läuft. Das heißt, das muss ich natürlich auch einlösen. Ich kann nicht sagen, ich spiele heute Post-Punk und morgen Country.“ (S. 6).
- Aus dem gleichen Grund wird abgelehnt, auch einmal andere Titel von einer CD zu spielen. Wegen der gewohnten Umgebung (Heimat), die das Radioschaffen soll, werden nur bekannte Hits gespielt. (vgl. S. 6f.).x Die Hörer warten nicht zwingend auf neue Musik im Radio, denn Radio wirdnur nebenbei konsumiert (vgl. 1f.).
- Die Orientierung an den Charts spielt laut Bärenz keine Rolle, da die Ver- kaufszahlen insgesamt sehr niedrig sind (vgl. S. 8).

Interne Qualit ä tsregeln:

Intern definierte Qualitätskriterien für die Musikauswahl und -Präsentation gibt esbei Sputnik nicht. Es gelten auch keine internen Quotenregelungen (z. B. Anteildeutschsprachiger Musik), diese werden generell abgelehnt (vgl. S. 23). Hervorge- hoben wird der Anspruch wahrheitsgemäße Informationen auch im Bereich Musik zu erbringen (Prüfung von mehreren Quellen).

Rahmenbedingungen und Stellenwert der Musikforschung:

Hier einige Aussagen über den Stellenwert der Musikforschung zusammengefasst:

- MDR Sputnik betreibt aus Kostengründen keine Musikforschung, also keineTiteltest Abfrage durch Call-outs. Der Musikchef bedauert das ausdrücklich.
- MDR Jump, die Pop- und Servicewelle des MDR, scheint finanziell besserausgestattet zu sein. Hier kommt sowohl die Telefonbefragung (Call-out) alsauch der Auditorium-Test zum Einsatz. In der Rangliste für die Wichtigkeitvon Informationsquellen für die Musikprogrammgestaltung wurde den Er-gebnissen der Musikforschung die höchste Priorität zugesprochen, ebenfallsals sehr wichtig wurde die Plattenfirmen-Promotion und die Beobachtungder anderen Sender eingeschätzt (vgl. Dziallas, 18.07.2008).
- Verfügbarkeit von Musik: Alle Landesrundfunkanstalten können auf dasRundfunkarchiv der ARD zurückgreifen, in dem theoretisch Zugriff auf je-den Titel aus 50 Jahren Pop-Geschichte möglich ist und das wohl mehrereMillionen Titel umfasst (vgl. S. 22).

Kompetenzen der Musikredakteure:

- Zur Ausbildung der Musikredakteure: Sie sind ausnahmslos Quereinsteiger.„Die Ausbildung zum Musikredakteur gibt’s ja nicht. Also, ich mach jetzthier an der Uni Leipzig so regelmäßig Seminare, Fachseminare zum ThemaMusikmanagement, also, weil das eben halt ein Loch auch in der Ausbildungist bei Medien- und Kommunikationswissenschaften. Ich verstehe es nicht,warum.“ (S. 11).
- Für die Frage nach dem Rollenbild des Musikredakteurs wurden zwei polari-sierende Antworten vorgegeben: Erstens. „Im Mittelpunkt steht neue inno-vative Musik. Ich möchte die Hörer für neue, noch unbekannte Musik be-geistern.“ Und die zweite Möglichkeit: „Der Hörer steht im Mittelpunktmeiner Arbeit, ich möchte mich lieber am Musik-Geschmack der Hörer ori-entieren und das spielen, was ihnen gefällt.“ Der Musikchef von Sputnikentschied sich für beide Antworten zu gleichen Teilen. Die Begründung: DieLeute zahlen GEZ-Gebühren und deshalb dürften sie als Sender nicht an ih-nen vorbei senden, aber andererseits möchte er als Musikkenner natürlichauch den einen oder anderen Song den Hörern näher bringen. Das bei dieserKompromissfindung Musikliebhaber und Musikfans zu kurz kommen,glaubt er auch (vgl. S. 24).

Der Musikredakteur von MDR Jump legte sich bei der gleichen Frage auf diezweite Antwortmöglichkeit fest. Wichtig ist ihm demnach eine Ausrichtung andem Geschmack der Hörer. Deshalb hier auch die starke Befürwortung von Mu-siktitel-Research.

- Das Durchschnittsalter der Musikredakteure bei Sputnik liegt bei ca. 27Jahren, das heißt sie befinden sich alle noch im Bereich der Kernzielgruppe(20-29 Jahre). Damit sind die Macher auch kulturell näher an der Zielgrup-pe, dies könnte man als indirektes Kriterium betrachten, das hier als gege-ben angesehen werden kann.

Arbeit der Musikredaktion - Musikauswahl und Stellenwert des Musik-Researchs

Die Sender bekommen schon lange vor dem öffentlichen Veröffentlichungstermineine Muster-CD, die mit einem sogenannten Watermark versehen ist, damit immernachvollzogen werden kann, wenn diese unberechtigter Weise weitergegeben wird.Einmal wöchentlich trifft sich die Musikredaktion zu einer gemeinsamen Hörprobeund entscheidet über Neuzugänge und Abgänge von Playlist-Titeln. Der persönlicheGeschmack der Musikredakteure ist dabei weniger entscheidend als vielmehr, obder Titel ins Programm passt oder nicht. Hier wird festgelegt, in welcher Rotations-häufigkeit ein Titel laufen soll. Unterschiedliche Einschätzungen der einzelnen Mu-sikredakteure sind keine Seltenheit. Das Ergebnis sind Titelpools, aus denen dieSendepläne erstellt werden. Dabei ist eine Person von Montag bis Freitag beschäf-tigt, den Musikfahrplan so aufzustellen, dass der Moderator diesen Fahrplan nurnoch abfahren muss. Der Umfang dieses Titelpools bzw. Playlist umfasst bei Sput-nik ca. 1.000 Titel, was mehr ist als bei den meisten privaten Radioprogrammen.Dass die öffentlich-rechtlichen Radioprogramme etwas mehr Mut bei der Musik-auswahl zeigen sollten und auch einmal etwas riskieren können, was private Radiosnicht können, hält auch Bärenz für richtig.

Bei MDR Jump will man nicht so mutig sein: Hier haben Titel nur eine Chance indie Playlist aufgenommen zu werden, wenn diese vorher schon dem Publikum be-kannt sind. Jump betreibt regelmäßige Titeltests durch Telefonbefragung (Call-out). Hier werden den Befragten am Telefon Ausschnitte von Musiktiteln (10 Se-kunden) vorgespielt. Eine Beurteilung des Titels erfolgt nur, wenn der Titel den Hö-rern bekannt ist. Ist er das nicht, müssen die Befragten gar nicht weiter ihr Urteilüber das Musikstück abgeben. Immer dann, wenn den Hörern Titel bekannt vor-kommen, werden sie befragt, ob sie den Titel weniger oder häufiger hören möchten.Bei diesem Kreislauf ist klar, dass nur Titel, die im Radio schon laufen bekannt sindund somit auch besser bewertet werden und damit in der Playlist bleiben. Neueshat dabei kaum eine Chance. Verwunderlich ist dies besonders bei Titeln, die eineninhaltlichen Bezug zu bestimmten Jahreszeiten oder Monaten haben und trotzdemzu jeder Zeit gespielt werden. Das ist bspw. bei dem 2006 erschienenen Titel „Wake Me Up When September Ends“ von Green Day der Fall. Nach der Frage für denGrund, kam die Antwort des Musikredakteurs von Jump, dass es immer darumgeht: „… den größten gemeinsamen Nenner …“ zu finden (vgl. Dziallas, 18.07.2008).

Zwischenfazit

Die Befragung brachte einen guten Einblick in die Arbeit und den Alltag einer Mu-sikredaktion. Jedoch gab es wenig konkrete Formulierungen zu den Qualitäten desMedieninhalts Musik und was speziell der öffentlich-rechtliche Rundfunk leistetoder leisten soll. Deutlich dagegen wurden die Prioritäten bei der Musikprogramm-gestaltung der Playlist: Der Hörer gilt als Maßstab bei der Gestaltung des Musik-programms. Auf Musikforschung wird bei Sputnik nur aus finanziellen Gründenverzichtet, bei Jump hingegen nimmt sie einen wichtigen Stellenwert ein. Zu be-sonderen Aufgaben des Programmauftrags oder Kriterien wie Vielfalt oder musik-journalistischen Leistungen wurde nicht viel ausgesagt. Wahrscheinlich gibt es inden Sendern hierzu keine genaueren Definitionen oder Vorgaben, was Qualitätbeim Medieninhalt Musik ist (etwa im Gegensatz zur BBC). Viele Qualitätskriterien,die oben für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abgeleitet wurden, stellen sich beiden Machern nicht so dar oder oftmals halten sie das Gegenteil dessen für Qualität.Besonders deutlich ist die Aussage, dass öffentlich-rechtliches Radio genauso funk-tioniert wie Privatradio und deshalb auch keine oder kaum Unterschiede bei derMusikauswahl zu treffen sind. Qualität wird gleichgesetzt mit der Ausrichtung amGeschmack der Hörer und hat nach Möglichkeit durch den Einsatz von Titeltests zuerfolgen. Minimale Qualitätsunterschiede werden vor allem in etwas größeren Play-listen und der Förderung von Nachwuchsbands gesehen.

Hinsichtlich der Vorbildfunktion und Komplementärfunktion, also dem Bereitstellen von besonderen Angeboten und Qualitäten, die der marktfinanzierte Rundfunk nicht leisten kann, ist dieses Verständnis von Qualität kritisch zu sehen. Weiterhin entspricht es nicht wirklich den Wünschen der Hörer, denn diese wünschen sich Vielfalt durch neue, unbekannte Musik.

7.2 Schriftliche Befragung der Jugendradios in Deutschland,in Österreich und der Schweiz

Die Befragung von allen öffentlich-rechtlichen Jugendradios im deutschsprachigenRaum hatte zweierlei zum Ziel: Zum einen wurden allgemeine Angaben zum Pro-grammprofil erhoben, und zum anderen sollten Einstellungen zu einigen Qualitäts-kriterien ermittelt werden. Hinter den allgemeinen Angaben stecken oft indirekteQualitätseigenschaften, so kann zum Beispiel die Größe der Playlist oder die Anzahlneuer Titel pro Woche ein Indikator für die Vielfalt sein. Abgefragt wurden auch dieRahmenbedingungen, wie die Anzahl der Musikredakteure oder der Stellenwert derMusikforschung in den Musikredaktionen. Zudem wurden konkrete Fragen danachgestellt, wie der Sender für sich selbst Qualität bei der Musikauswahl und Präsenta-tion definiert und worin eine Abgrenzung zu den Privatradios erfolgt.

Methode und praktisches Vorgehen

Als Methode wurde die schriftliche Befragung gewählt. Der dazugehörige Fragebo-gen enthielt sowohl standardisierte Antwortvorgaben als auch offene Fragen. Dazudiente wieder der Kriterienkatalog (vgl. Tabelle 6) als Grundlage für die Abfragemehrere Qualitätskriterien. Die Schwierigkeit bestand von Anfang an in der zu er-wartenden schlechten Rücklaufquote. Es war kaum zu erwarten, dass sich die Mu-sikredakteure Zeit nehmen würden, alle Fragen zu beantworten. Um eine möglichsthohe Rücklaufquote zu erzielen, wurden einige Aspekte der „Total-Design-Methode“ berücksichtigt: ausführliches Anschreiben, einfache Fragen am Anfang,interessante Fragen, beilegen eines frankierten Rückumschlages usw. (vgl. Diek-mann, 2002, S. 442). Als motivierender Anreiz wurde außerdem ein Pausenriegel„Pick Up!“ beigelegt.

Die Stichprobe umfasste dabei alle elf öffentlich-rechtlichen Jugendradios (Vollerhebung) im deutschsprachigen Raum, darunter neun Programme aus Deutschland und jeweils ein Programm aus Österreich und der Schweiz. Der Erhebungszeitraum lag zwischen dem 23.06. und 04.08.2008.

Die schriftliche Befragung von MDR Sputnik war nicht mehr notwendig, da hierbereits im Vorfeld ein persönliches Interview stattgefunden hatte, das diesen Fra-gebogen zum Leitfaden hatte. Insgesamt wurden somit zehn Fragebögen versendet.Davon wurden nur zwei vollständig beantwortet und zurückgesandt. Nach etwa zwei Wochen wurde erneut eine Kurzversion an die übrigen Sender verschickt, aberauch diese blieben unbeantwortet oder wurden leer mit der Begründung zurückge-schickt, dass zu „sensible“ Daten abgefragt würden. Somit stehen insgesamt dieDaten von drei Jugendradios zur Verfügung: Sputnik, You FM und Fritz (in etwaein Viertel Ausschöpfungsquote). Um an weitere Informationen zu den restlichenSendern zu gelangen, wurden in einem weiteren Schritt alle Informationen, die freiverfügbar waren (Internetseiten, ARD-Jahrbuch usw.) in ein Programmprofil (sieheoben) eingearbeitet. Dieses wurde dann mit der Bitte um Überprüfung und Ergän-zung per E-Mail an die Sender versendet. Dabei konnten wenigstens noch allgemei-ne Angaben und darüber hinaus sogar einige weitere „sensible Daten“, etwa überden Umfang der Playlist und die Anzahl der neuen Titel in der Playlist pro Woche,gewonnen werden. Letztlich antworteten hier alle Sender, wenngleich zu manchenPunkten keine Angaben gemacht wurden.

Ergebnisse

Die folgenden Ergebnisse beziehen sich überwiegend auf die zwei Sender, die denFragebogen vollständig ausgefüllt zurück gesandt hatten. Dazu gehören: You FM(Hessischer Rundfunk) und Fritz (Rundfunk Berlin-Brandenburg). Die Auskünftevon Sputnik, die durch das vorausgegangene Interview gewonnen werden konnten,wurden im vorhergehenden Kapitel schon ausführlich ausgewertet. Sie werden aberhier an geeigneter Stelle zum Vergleich noch einmal erwähnt. Wenn durch einenteilweise sehr regen E-Mail Schriftwechsel mit einigen Programmen noch Einzel-aussagen zu bestimmten Punkten vorliegen, sind diese ebenfalls hier mit eingeflos-sen.

Allgemeine Aussagenüber Qualit ä t im ö ffentlich-rechtlichen Radio, Rollenbild und interne Qualit ä tsregeln:

Frage 23: Welche Aussage würde besser zu Ihnen als Musikredakteur passen? Antwortmöglichkeit 1: Im Mittelpunkt steht neue innovative Musik. Ich möchte die Hörer für neue, noch unbekannte Musik begeistern. Antwortmöglichkeit 2: Der Hörer steht im Mittelpunkt meiner Arbeit, ich möchte mich lieber am Musikgeschmack der Hörer orientieren und das spielen, was ihnen gefällt.

Zu dieser polarisierenden Frage gab es außerdem die Möglichkeit, eine eigene Rol-lenbeschreibung zu verfassen und keine der Antworten anzukreuzen. In der Grund- tendenz wird in dieser Frage zwischen den zwei gegensätzlichen Rollentypen desBerufsverständnisses gefragt, die Janowitz (1975) als Idealtypen im Nachrichten-journalismus formulierte: Er unterschied zwischen den Typen des „gatekeeper“ und„advocate“, die sich vor allem in ihrem Bild von Publikum unterscheiden. Auf dieRolle des Musikjournalisten bezogen wäre der „advocate“ derjenige, der bewusstMusiktitel und -informationen aussucht, die den Geschmack der Hörer treffen, dadiese größtenteils für sich selbst nicht erkennen, was ihnen gefällt. Hingegen wäreder „gatekeeper“ derjenige, der Inhalte nur nach professionellen Kriterien aussucht,in unserem Fall an den Qualitätskriterien für Musik und des Musikjournalismus.Das Publikum kann dann selbst entscheiden, was ihm gefällt und was nicht, ist abergrundsätzlich mündiger und aufgeschlossener gegenüber verschiedenen Inhalten.

Der Musikchef von Sputnik antwortete auf diese Frage im Interview tendenziell mitAntwortvorgabe 2. Er sieht das Radio eher als Dienstleistungsunternehmen, dasden Hörern, die Gebühren zahlen, auch das bieten muss, was sie wünschen. Ande-rerseits sah er dennoch die Möglichkeit, den Hörern ab und an auf etwas Neueshinzuweisen. Die beiden Musikredakteure von You FM und Fritz sehen in dieserFrage genau die Gradwanderung, die sie bei der täglichen Arbeit bewältigen müs-sen. Beide halten die Kombination beider Aussagen für den richtigen Weg. Die Mu-sikredakteurin von You FM legt dabei die Priorität ihrer Tätigkeit eher auf die zwei-te Antwortvorgabe, also der Ausrichtung an dem Musikgeschmack des Hörers.

Frage 24: Sollten für öffentlich-rechtliche Jugendradios besondere Qualitätsanforderungen auch hinsichtlich der Musikauswahl und Präsentation gelten (etwa im Vergleich zu privaten Radiosendern) und, wenn ja, welche?

Beide Musikredakteure sind der Meinung, dass besondere Qualitätsanforderungen gelten. Bei der Definition bleiben die Aussagen aber sehr allgemein. Zum einen gibt es nur den Hinweis auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag, und zum anderen werden vor allem folgende Stichpunkte aufgezählt:

-Zum Senderkonzept passende Musik
-Qualitativ hochwertige Musikx
-Breites Spektrum
-Beliebte und überraschende Songs mischen
-Unterstützung regionaler Künstler
-Erkennen und Abbilden neuer Musikrichtungen, Strömungen und Trends

Diese Punkte unterstützen die aus dem Grundversorgungsauftrag und KlassischenRundfunkauftrag abgeleiteten Aufgaben und Funktionen, die im Kapitel 5 disku-tiert wurden. Die Frage 25, ob auch im eigenen Sender bestimmte Qualitätskrite-rien für die Musikauswahl und Präsentation gelten, wurde jeweils bejaht. Leiderkonnten hier keine Informationen und schriftlichen Dokumente herausgegebenwerden. In beiden Redaktionen wird die Einhaltung der Qualitätskriterien durchinternes Monitoring kontrolliert.

Frage 26: Kennen Sie den Chart-Hit „Kuschel-Song“ von Schnuffel? Einige kritisie-ren diesen Titel als niveaulosen Blödelsong und wünschen, dass solche Titel nichtim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gespielt werden. Würden Sie dem zustimmen?

Diese Frage nimmt Bezug auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in demder Kulturbeauftragte und Medienminister Eberhard Sinner aus Bayern das sin-kende Musikniveau im öffentlich-rechtlichen Radio beklagt. Dieses bewege sich auf„Ballermann-Niveau“ mit eben diesen Liedern wie bspw. dem „Kuschel-Song“, derursprünglich als Klingelton konzipiert wurde. Er forderte die Radiosender auf,durch „… niveauvolle Lieder geschmacksbildend auf die Hörer einzuwirken…“(Fuchs, 2008). Zitiert wird zudem ein Moderator des öffentlich-rechtlichen RadiosBayern 3, der sagte, dass es zwar nicht jedem Redakteur gefalle, was er da spiele,jedoch müsse man sich dem Massengeschmack anpassen. Die Antworten in denbeiden Fragebögen fallen sehr differenziert aus. Die eine Redakteurin von You FMwürde nicht grundsätzlich ausschließen, den Titel im Programm zu spielen, ob-gleich er ihr persönlich nicht gefalle. Sie verwies darauf, dass man Geschmack nichtmit Qualität verwechseln solle: „Was macht den Kuschelsong zu einem schlechtenSong im Vergleich z. B. zu einem Song von Sarah Connor, Britney Spears, Safri Duo,Hoemer etc.?“.

Die andere Redakteurin von Fritz antwortete auf die Frage, ob der Titel besser nicht im öffentlich-rechtlichen Radio gespielt werden sollte, mit einem „unentschieden“. Für sie gilt die Einschränkung, dass der Titel nicht im normalen Musikprogramm gespielt werden sollte, sondern nur im Rahmen eines journalistischen Beitrages, „… wenn der Song als Phänomen journalistisch beleuchtet wird.“

Vielfalt, Aktualit ä t und Bekanntheitsgrad von Musik:

Frage 3: Welches Musikformat liegt ihrem Sender zugrunde?

Das Musikformat gibt üblicherweise die Klangfarbe des Senders vor und engt dieMusikauswahl von Vornherein ein. Interessant ist jedoch, dass alle drei Sender an-gaben, in kein gängiges Format zu passen. Dieses kann als Indiz gewertet werden,dass die Sender grundsätzlich für mehr Vielfalt stehen und offen sind für neueTrends.

Frage 14: Wie würden Sie die Klangfarbe Ihres Senders beschreiben? Worin unterscheiden Sie sich darin von anderen Radios in ihrem Sendegebiet?

Diese offene Frage bezieht sich indirekt auf das Musikformat, es sollten aber nachMöglichkeit Alleinstellungsmerkmale herausgefunden werden, wie sich der Sendervon privaten Rundfunksendern abgrenzt. Dazu gab es bei Fritz eine ausführlicheAntwort: „Jung, frisch, Mischung aus Offstream/Mainstream, neue und unbekann-te Musik und aktuell relevante/erfolgreiche Titel.“ Hier ist das klare Bekenntnis zuentnehmen, nicht nur auf Hits zu setzen sondern auf mehr Vielfalt. Das spiegeltsich auch im Subclaim von Fritz wieder: „Neue Musik spielen wir zuerst“ und imüberdurchschnittlich hohen Anteil an neuen Musiktiteln in der wöchentlichen Play-list (ca. 20 neue Titel pro Woche). Bei dem hessischen You FM beschränkt man sichauf die Aussage, einen „einzigartigen Mix“ und einen „größeren Anteil aktuel-ler/junger Rockmusik“ spielen zu wollen.

Rahmenbedingungen und Stellenwert der Musikforschung:

Frage 11: Wie viele Musikredakteure sind bei Ihnen angestellt?

Die Anzahl der Musikredakteure ist nur ein indirekter Indikator für Qualität. Eskann nur vermutet werden, dass sich höherer Qualität einstellt, je mehr Musikre-dakteure angestellt sind. Hinzu kommen in den Abendstunden die Musik-Spezialsendungen, auf die die Musikredaktion nicht immer direkten Einfluss hat, z. B. wenn externe DJs oder Moderatoren ihre eigene Musik auswählen und mit-bringen.

Tabelle 17: Anzahl und Durchschnittsalter der Musikredakteure

Anzahl der Musikredakteure bezieht sich auf fest- und frei Angestellte, Durchschnittsalter sind gesch ä tzte Angaben der Sender,Stand Juli/August 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Erhebung.

Frage 17: Wie alt sind in etwa die Musikredakteure?

Aus dem Alter der Musikredakteure lassen sich keine direkten Qualitätsrück-schlüsse ziehen. Vielmehr entscheidend sind hier der persönliche Musikgeschmackund die Auskennung in der Musikszene. Es kann angenommen werden, dass dieNähe zur Zielgruppe wichtig ist, um bspw. neue Trends rechtzeitig zu entdecken.Wie in Tabelle 17 sichtbar, ist das Durchschnittsalter der Musikredakteure meistam oberen Ende oder darüber im Vergleich zur Zielgruppe angesiedelt.

Frage 15: Betreiben Sie eigene oder externe Musikforschung?

Musikforschung ist recht teuer, die Umfragedaten zur Beliebtheit von Musikdatenverfallen zudem schnell, und so müssen die Intervalle relativ kurz sein. Die negati-ven Folgen, die mit diesem Musik-Research verbunden sind, wurden im Kapitel 5.2.3 diskutiert. Dabei wurde festgestellt, dass für die Erfüllung der Komplementär-funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, nämlich dem Bereitstellen von be-sonderen Angeboten, die der marktfinanzierte Rundfunk nicht leisten kann, es för-derlicher ist, auf regelmäßige Musikforschung zu verzichten. Hierbei sind großeDifferenzen zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern zu erkennen. So gibt dieMusikredakteurin von Radio Fritz im Fragebogen die folgende Antwort: „Musik istzu neu, Musikresearch funktioniert nur mit ‚warm gespielten‘ Titeln. Wir verlassen uns auf das Knowhow der Musikredaktion.“ Andere Sender setzen wiederum auf dieMusikforschung durch Musiktests. In Tabelle 18 wird aufgelistet, welche SenderTitel-Tests durchführen. Die Ursachen dafür, keine Musikforschung zu betreiben,können dabei inhaltlich begründet sein oder schlicht am finanziellen Aufwandscheitern.

Frage 20 und 21: Wie viele Musiktitel laufen in der Regel in der aktuellen Playlist? Und wie viele neue Musiktitel gelangen ungefähr pro Woche in die Playlist?

Diese Fragen zielen auf die Vielfalt und die Aktualität der Musik. Wenn man Viel-falt als ein besonderes Qualitätsmerkmal an den öffentlich-rechtlichen Rundfunkals Maßstab anlegt, dann wären Playlisten mit einer hohen Anzahl von Musiktitelnwünschenswert. Aber allein eine große Playlist sagt nicht viel über die inhaltlicheVielfalt z. B. der Musikstile aus. Die Frage nach neuen Musiktiteln, die pro Woche indie Playlist aufgenommen werden, ist ein Indikator für die Aktualität bzw. die Neu-heit von Musiktiteln. Gerade ein öffentlich-rechtliches Programm sollte hier Pio-nierarbeit leisten und mutiger neue Musiktitel ins Programm aufnehmen als priva-te Radios. Die Schwankungsbreite bei den hier untersuchten Programmen liegt beinull bis 25 neuen Titeln, die pro Woche ins Programm aufgenommen werden (vgl.Tabelle 18). Leider liegen nur von zwei Sendern Aussagen darüber vor, inwieweitder Anteil neuer Titeln in der Playlist wirklich neue Titel enthält, die erst in der je-weiligen Woche veröffentlicht werden. Radio Fritz gibt an, dass gewöhnlich 100 %Neuerscheinungen sind, die teilweise sogar vor dem Veröffentlichungstermin ge-sendet werden. Bei You FM liegt der Anteil der neu auf dem Markt erschienen Titelbei ca. einem Drittel (0-3 Titel Neuerscheinungen bei 0-8 neuen Titeln in der Play-list).

Zu dieser Frage liegt eine erwähnenswerte Antwort des schweizer JugendsendersVIRUS vor. Der Sender möchte die neuesten Tracks spielen und sich deshalb nichtauf die Titeltests verlassen: „Verlässliche Musikforschung (Testen von Titel-Vorlieben) ist bei einem Neuheiten-Programm nur eingeschränkt sinnvoll; wir be-treiben interne Musikforschung; vor größeren Aktionen und Programm-anpassungen punktuell auch externe Forschung.“ Stattdessen sucht die Musik-redaktion des Schweizer Senders lieber selbst aktiv nach neuer Musik, beteiligt sichan der Schweizer Musikplattform MX3 und bietet jungen Schweizer Bands Sende-zeit im Programm.

Tabelle 18: Musiktitel-Test (Call-out) und Anzahl der Titel in der Playlist

Stand Juli/August 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Erhebung.

*Von Montag bis Freitag werden täglich ca. zwei neue Titel vorgestellt und in die Playlist aufge-nommen.

Arbeit der Musikredaktion und Musikauswahl:

Frage 27: Welchen Stellenwert haben die unten aufgeführten Quellen für die Musikprogrammgestaltung Ihres Radiosenders? Ordnen Sie bitte nach Prioritäten mit Hilfe der Zahlen von eins (am wichtigsten) bis elf (am wenigsten wichtig).

Mit dieser Frage sollte herausgefunden werden, welche Quellen für die Entscheidung der Musikredaktion von Bedeutung sind und besonders, welchen Stellenwert die Hörerforschung (Call-out) im Vergleich zur eigenen Recherche einnimmt. Es gilt zu erklären, ob sich das Programm am Massengeschmack orientiert oder eigene Schwerpunkte setzt, die für innovative Inhalte wünschenswert sind. Die folgende Tabelle spiegelt nur die Ansicht der drei Musikredakteure wider und ist nicht auf die gesamte Musikredaktion zu übertragen.

Tabelle 19: Stellenwert verschiedener Quellen bei der Gestaltung desMusikprogramms

Priorit ä ten von 1 (am wichtigsten) bis 11 (am wenigsten wichtig)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Befragung

*Bewertung bei You FM erfolgte nur von 1-4 regulär, die Kategorien „Plattenfirmen-Promotion“ und„Musikfernsehen“ wurden mit je einer 9 versehen, spielen demnach eine untergeordnete Rolle.

Alle drei Redakteure nennen einstimmig die eigene Recherche und die Einschätzungder Musikredaktion als die wichtigsten Quellen für die Gestaltung des Musik-programms. Das ist nicht verwunderlich, da letztlich immer die Musikredaktion dieEntscheidung über den Einsatz eines Musiktitels trifft. Als weiterhin sehr wichtigwerden andere Radiosender genannt. Die Orientierung an anderen Radiosendernlässt vermuten, wie die Sorge ist, Titel zu früh oder zu spät zu spielen. Die großeBedeutung der Download-Charts erstaunt zunächst, ist aber wahrscheinlich derjungen Zielgruppe geschuldet, die häufig diesen Weg nutzt, um Musik zu kaufen.Somit ist man hier näher am Trend der Zielgruppe. Die Ergebnisse der Musikfor-schung spielen bei den Sendern, die sie betreiben, ebenfalls eine sehr große Rolle.Für Radios ohne Musik-Research ist diese Quelle irrelevant (z. B. Fritz, DRS VIRUS).Beim Schweizer DRS VIRUS stehen bei der Musikauswahl ebenfalls die Rechercheund Einschätzung der Musikredaktion an erster Stelle. Als bedeutsam schätzt derProgrammchef Christoph Aebersold außerdem „ausgesuchte Musik-Webportale“und „special interest Charts“ ein. Von eingeschränkter Bedeutung sind für ihn Plat-tenfirmen-Promotion, Hörer-Wünsche und Musikforschung. Zudem verweist er auf die freiwillige Vereinbarung zwischen Kulturschaffenden und den öffentlich-rechtlichen Programmen, die sogenannte „Musik-Charta“. Darin verpflichten sichdie Programme, einheimische Musik angemessen zur berücksichtigen. DRS VIRUSversucht diese geforderten Vorgaben noch zu übertreffen. Damit erfüllt VIRUS vieleQualitätsmerkmale, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk leisten sollte.

Beim österreichischen FM4 wird auf eine externe Musikforschung verzichtet. Hiertrifft sich die Musikredaktion einmal pro Woche, um gemeinsam die neuen Re-leases (Neuerscheinungen) durchzuhören und Entscheidungen darüber zu treffen,welche Titel ins Programm aufgenommen werden. Zudem sind die zusätzlich er-wähnten Quellen für die Musikprogrammgestaltung interessant: „Auch der Inputunserer Mitarbeiter im Ausland (NYC, London, Berlin) und die Charts bzw. Playlistsdiverser (FM4 relevanter) internationaler Radiostationen ist uns recht wichtig.Feedback unserer Hörer bekommen wir durch Features wie Chartsvoting oderTrackservice (meist abgefragtesten Songs unserer Hörer) bzw. E-Mails.“

Bei einer zukünftigen ggf. quantitativen Befragung von Musikredaktionen zur Bedeutung verschiedener Quellen für die Musikprogrammgestaltung sollten die hier qualitativ gewonnenen Informationen mit berücksichtigt werden.

Zwischenfazit

Es lässt sich feststellen, dass die Sender unterschiedliche Qualitätsmaßstäbe für dieMusikprogrammgestaltung anlegen. Es zeigen sich die unterschiedlichen Prioritä-ten der Sender bei der Auswahl der Musik hinsichtlich des Einsatzes von Musikfor-schung. Es ist davon auszugehen, dass sich diese unterschiedlichen Herangehens-weisen, ja fast schon Philosophien, in den direkt messbaren Qualitätskriterien nie-derschlagen (Aktualität, Vielfalt von Musik). Interessant wäre dies mit Hilfe einerInhaltsanalyse an anderer Stelle zu überprüfen. Während für die einen die Ergeb-nisse der Musikforschung alias Titeltest-Abfrage eine große Rolle spielen, verzich-ten andere bewusst auf dieses Instrumentarium, um quasi als Vorreiter wirklichneue, unbekannte Musik zu spielen. Wenn diese informativ und musikjournalis-tisch der Zielgruppe angemessen präsentiert wird, kommt dies sicher auch gut beider jungen Hörern an, wie die Aussagen in der Befragung bestätigen. Der Stellen-wert der Musikforschung für ein Programm ist ein indirekter Indikator für Quali-tät. Ob höhere Qualität eine größere Ausrichtung am Massengeschmack (Musikfor-schung) bedeutet oder das Besinnen auf die eigenen Kompetenzen der Musikredak- tion (welches die Hörerwünsche dennoch berücksichtigt), liegt im Auge des Betrachters. Aber nach den oben genannten Funktionen, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk leisten soll (Vorbildfunktion und Komplementärfunktion), wäre weniger Musikforschung wünschenswert. Nur dann bestünde mehr Raum für Neues, Vielfältiges, Innovatives und Alternatives, womit sie sich von den marktfinanzierten Angeboten unterscheiden könnten.

8 Resümee

Musik bildet einen wesentlichen Grund für junge Hörer, das Radio einzuschalten. Dessen ungeachtet fehlen bislang überprüfbare Qualitätskriterien für den Medieninhalt Musik. Vor allem die Frage, worin sich öffentlich-rechtliche JugendProgramme und private Sender unterscheiden sollten, kann von vielen Radiomachern nicht klar beantwortet werden, da sie sich nicht auf eine allgemeingültige Vorstellung von qualitätsvoller Musik berufen können. Die Qualität der eingespielten Musik orientiert sich nicht an konkreten Vorgaben, sondern ist von den persönlichen Vorlieben der Musikredakteure sowie von den Ansprüchen der Unternehmenskultur der jeweiligen Rundfunkanstalt abhängig.

Es wäre wünschenswert, einen Qualitätsindex für Musikinhalte im Programmauftrag für öffentlich-rechtliche Radiosender festzulegen. In dieser Arbeit wurde eine Reihe von direkten und indirekten Qualitätskriterien aufgestellt, die dafür in Betracht gezogen werden könnten.

Wie sich im Interview und den schriftlichen Befragungen der Radiomacher zeigte,orientiert sich auch das öffentlich-rechtliche Radio an der Quote. Deshalb genießtdie Musikforschung, vor allem der Titeltest, einen hohen Stellenwert bei der Mu-sikauswahl und führt im Ergebnis vorwiegend zu Mainstreammusik im Tagespro-gramm. Diese Anpassungsstrategie der öffentlich-rechtlichen an die privaten Pro-gramme widerspricht allerdings ihrer Legitimation, werden sie doch über Rund-funkgebühren finanziert, damit sie sich auf genuin öffentlich-rechtliche Pro-grammangebote konzentrieren können: An erster Stelle stehen komplementäreFormate und Inhalte, die für kommerzielle Anbieter finanziell unattraktiv sind.

Für den Medieninhalt Musik ist besonders die Vielfalt von herausragender Bedeutung. Wie die Befragung von jungen Hörern in Dresden zeigte, wünschen diese sich zu einem überwiegenden Teil eine Vielzahl neuer und unbekannter Titel sowie verschiedene Musikstile. Sie nutzen das Radio als Medium, um neue Musik zu entdecken, die sie noch nicht auf ihren MP3-Player geladen haben. Bieten die Sender zu wenig Input für diese junge Generation, besteht die Gefahr, dass sie zunehmend zu alternativen Medienangeboten abwandern.

Die Radiomacher hingegen sehen es als ihre Aufgabe an, eine gleichbleibendeKlangfarbe zu erzeugen, die wenig Überraschendes bietet. Sie fürchten, mit Neuemund Ungewohntem einen Umschalt- oder Ausschaltimpuls auszulösen. Die Befra-gung der Programmmacher legte die Vorsicht und den großen Aufwand offen, densie betreiben, um ca. 5-20 neue Musiktitel pro Woche in die Playlist aufzunehmen.Damit liegen die öffentlich-rechtlichen Jugendradios noch vor den privaten,wie Herr B., der Musikchef von MDR Sputnik, im Interview betonte. Unter-schiede wie diese scheinen jedoch insgesamt marginal. Bei einer fundiertenAnalyse der Musikprogrammgestaltung von öffentlich- und marktfinanziertenProgrammen wäre auf Qualitätsindikatoren zu achten, die hier beispielhaft fürdie öffentlich-rechtlichen Jugendradios erarbeitet wurden. So können bspw. dieWerte für Vielfalt und Aktualität deutlich schwanken, die sich in der Anzahl derGesamttitel der Play-list und der Neuzugänge pro Woche niederschlagen. Auchkonnten unterschiedliche Aussagen zum Stellenwert der Musikforschungeinzelner Radiomacher gewonnen werden, was wiederum zeigt, dass es nochkein einheitliches Qualitätsbewusstsein gibt.

Im Ergebnis lässt sich eine überraschende Diskrepanz zwischen den Wünschen derHörer und den Ansichten der Radiomacher feststellen. Eine Musikforschung, dienur einzelne Musiktitel bei den Rezipienten auf Gefallen/Nichgefallen hin abfragt,entspricht nicht den Interessen der jungen Hörer. Sie wünschen sich mehr Vielfalt,als es ihnen die meisten Radiosender zutrauen. In der Befragung der Hörer wurdenauch die Wünsche im Bereich Musikinformationen und -journalismus erhoben. Da-bei bekundeten sie überwiegend großes Interesse an Hintergrundinformationen.Nur in einzelnen Musikspezialsendungen48 am späten Abend können sie solche An- gebote finden. Hier zeigen viele Jugendradios wozu sie in der Lage sind: Es gibt handverlesene vielfältige Musik, verbunden mit gutem Musikjournalismus.

Positiv fällt auf, wie sich die meisten Jugendsender im Internet präsentieren: Play-listen, Podcasts und Online-Communities gehören zum Standard. Manche Seitenbieten noch mehr: Innovativ zeigt sich zum Beispiel das Musik-Portal „meinSput-nik.de“, das mit der Hörer-Community verknüpft ist. Hier haben unbekannte Bandsund Künstler die Möglichkeit, Musik abzulegen, über die andere Mitglieder derCommunity dann abstimmen können. Manche Titel daraus werden dann in der da-zugehörigen Radiosendung gespielt oder gelangen sogar in die reguläre Playlist.Neue Projekte, wie das beim bayerischen Jugendradio „on3radio“, befinden sich inder Planungsphase: Es entsteht eine trimediale Plattform im Internet, die alle Ju-gendangebote des Bayerische Rundfunks vereint (TV, Radio und Internet). DieARD-Rundfunkanstalten sollten erwägen, solch ein Angebot auf einer bundeswei-ten Internetplattform anzubieten, die alle ARD-Jugendprojekte und -Sendungenbündelt. Wenn zum Beispiel Bela B., der Schlagzeuger bei den Ärzten, eine Stundelang seine Lieblingsmusik bei „on3radio“ auflegt49, würde das vermutlich ein breitesPublikum interessieren, doch wer weiß schon davon und schaltet zur richtigen Zeitdas richtige Programm ein? Unwissenheit gegenüber den Programmgestaltungenzeigte sich generell in der Befragung der jungen Hörer: Die meisten konnten keinespezielle Sendung nennen, die sie regelmäßig wegen der Musik einschalten würden.Als Gründe gaben sie am häufigsten an, noch keine passenden Angebote gefundenzu haben oder dass sie nichts von solchen Angeboten wüssten. Um in den Abend-stunden, zu den qualitativ höherwertigen Sendungen, mehr Hörer zu erreichen,wäre deshalb eine übergeordnete Informationsplattform im Internet wünschens-wert. Diese könnte das gesamte Programmangebot aller öffentlich-rechtlichen Ju-gendradios in Deutschland in übersichtlicher Form (ähnlich einer Fernsehzeit-schrift) enthalten.

Die Befragung der jungen Hörer über die Wünsche ihres Idealradios zeigte außer-dem, dass sich die meisten eine breite Vielfalt an Musikstilen wünschen. Nicht we-nige vermissen daneben Angebote, die stringenter eine Musikrichtung spielen, inder sie sich dann aber wiederum eine große Vielfalt wünschen. In der bisherigen föderal geprägten Struktur des Rundfunks haben solche Musikspartenprogrammenur wenig Aussicht auf Realisierung. Es wäre dennoch überlegenswert, ähnlich wiebei der BBC50 in Großbritannien, landesweite Musikprogramme anzubieten, umdamit qualitativ hochwertige Programme für spezielle Musikrichtungen zu ermögli-chen, die sich einzelne Landesrundfunkanstalten nicht leisten könnten, da sie an zugeringen Hörerzahlen scheitern würden. Der Musikchef von MDR Sputnik äußertesich zu Veränderungen am derzeitigen System jedoch skeptisch: „Da müssten so-undso viele Leute ihre Pfründe aufgeben, müssten ihre Besitzstände aufgeben,müssten das alles aufgeben. Das sehe ich nicht. Ich find's schade. Weil, ich glaubeauch, man könnte tatsächlich viel mehr Vielfalt herstellen, wenn man sagt, okay,man hat einen bundesweiten Rockkanal, man hat einen bundesweiten Dies-, manhat einen bundesweiten Das-Kanal …“51

Speziell für die Dreiländeranstalt des Mitteldeutschen Rundfunks stellt sich diemedienpolitische Frage, warum sie mit Sputnik zwar ein aufwändiges Jugendpro-gramm produziert, dieses jedoch nicht in allen drei Bundesländern des MDR flä-chendeckend über UKW empfangen werden kann (überwiegend nur in Sachsen-Anhalt). Das Feld wird vor allem dem privaten Sender „Energy Sachsen“ überlassen,der mit seiner Mainstreammusik auf die jungen Hörer prägend einwirkt.

Diese Arbeit versteht sich als Anregung, die Forschungslücken zum Thema Musik inden Medien zu schließen. Naheliegend wäre die Ermittlung des Ist-Zustandes derQualität bei den jeweiligen Programmen durch Inhaltsanalysen mit Hilfe der hierdefinierten Kriterien. In der Befragung der Programmmacher konnten zudem eini-ge indirekte Indikatoren, bei denen sich Qualität mit hoher Wahrscheinlichkeit ein-stellt, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind, erhoben und verglichenwerden. Mit einer Inhaltsanalyse könnten zusätzlich die direkt messbaren Quali-tätskriterien genauer analysiert werden. Damit ließe sich zum Beispiel ermitteln,welche Radioprogramme Agenda-Setter im Musikbereich sind. Außerdem wären Untersuchungen der Internetangebote der Sender, die gerade für die jungen Nutzer wichtige Zugangsportale darstellen, wünschenswert.

Letztlich könnte sich mehr Qualität im Radio sogar wirtschaftlich lohnen. Nur4,9 % der Bevölkerung zählen bislang zu den sogenannten Intensivkäufern (kaufenmehr als 9 Musikprodukte im Jahr), und eine Mehrheit von 58,6 % gehört zu denNichtkäufern (Bundesverband Musikindustrie e.V., 2008, S. 39).52 Ein Grund dafürkönnte sein, dass viele Hörer Musik nur noch als „Klangtapete“ im Hintergrundwahrnehmen - vielleicht, weil sie nicht das Glück hatten, auf ein Radioprogrammmit Qualität zu stoßen. Sie konnten weder die Offenheit noch die Bereitschaft fürdie unendliche Vielfalt des Medieninhalts Musik entwickeln. Würden diese Potenti-ale geweckt, könnte sich das durchaus in höheren Verkaufszahlen niederschlagen.

Neben dem Medieninhalt Musik soll natürlich erwähnt werden, dass sich öffent-lich-rechtliche Radios durchaus auch durch andere Qualitäten der Inhalte des Pro-grammauftrages auszeichnen können (z. B. durch informative Wortbeiträge). Dasist wichtig, stand aber nicht im Mittelpunkt dieser Untersuchung. Wie gezeigt wer-den konnte, ist es dringend notwendig, sich mit den besonderen Qualitätsanforde-rungen des Medieninhalts Musik, wissenschaftlich zu beschäftigen und ein neuesBewusstsein der Macher dafür zu initiieren. Das ist bislang, etwa im Unterschiedzur Forschung im Bereich des Informationsauftrages, zu kurz gekommen. Es solltedas Anliegen innerhalb einer demokratischen Gesellschaft sein, den Bürgern dieMöglichkeit zu geben, sich vielfältig zu entwickeln - und sei es im Bereich des Mu-sikgeschmacks. Der Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender gilt auchhier. Dadurch werden nicht zuletzt kulturelle Fertigkeiten des Zuhörens geprägt,die Voraussetzung für die Informationsaufnahme und den Informationsfluss einerGesellschaft bilden. Das Bedienen eines Durchschnittsgeschmacks kann, ja darfnicht Ziel eines solidarisch finanzierten öffentlichen Jugendradios sein. Vielmehrist gerade an dieser Stelle jene Offenheit und Neugierde gegenüber Fremdem zutrainieren, die für ein friedvolles gesellschaftliches Miteinander grundlegend sind.Dass sich über Musik streiten lässt, steht außer Frage - diese Chance der kommu-nikativen Auseinandersetzung sollte genutzt werden.

Bei aller Euphorie gegenüber einer vielseitigen und streitbaren Musikauswahl ist das Dilemma, in dem sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk befindet, nicht zu übersehen. Er muss sich auf zweierlei Weise legitimieren: durch ein Radio, dass Minderheiten mit ausgesuchter Qualität bedient und gleichzeitig durch Hörerquoten, die eine öffentliche Finanzierung weiterhin rechtfertigen. Was auf den ersten Blick widersinnig erscheint, kann jedoch funktionieren: Es ist das Anliegen der vorliegenden Arbeit, aufzudecken, dass selbst jugendliche Hörer keinen Einheitsbrei wünschen. Jugend und Qualitätsradio schließen sich nicht aus.

9 Literaturverzeichnis

1LIVE (2007). Interview mit 1LIVE-Programmchef Jochen Rausch. Verfügbar unter:http://www.einslive.de/presse/2007/november/interview_jochen_rausch.jsp[17.08.2008].

Altrogge, M., Schabedoth, E. (2001). Formatierte Programme und unformatierteHörer: Zur Diskrepanz von Musik- und Hörerforschung. In P. Rössler, G. Vowe, V. Henle (Hrsg.), TLM-Schriftenreihe: Band 13. Das Ger ä usch der Provinz - Radio in der Region. Festschrift 10 Jahre TLM (S. 353-375). München: Kopaed VerlagsGmbH.

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Wichert, L. (1995). Bausteine für ein Instrument zur Programmbeobachtung: AlsBeispiel das journalistische und musikalische Profil von 7 Berliner privaten Ra-dioprogrammen (Band 1). Medienanstalt Berlin-Brandenburg: Schriftenreihe der MABB. Berlin: Vistas.

Wolling, J. (2006). Medienqualität aus Rezipientensicht: Test eines qualitätsbasier-ten Selektionsmodells im Rahmen eines Mehr-Methoden-Projektes. In S. Wei-schenberg, W. Loosen, M. Beuthner (Hrsg.), Deutsche Gesellschaft für Publizis-tik- und Kommunikationswissenschaft: Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft: Band 33. Medien-Qualit ä ten. Ö ffent- liche Kommunikation zwischen ö konomischem Kalkül und Sozialverantwortung (S.457-475). Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.

Wolling, J., Füting, A. (2007). Musik im Radio zwischen Mainstream und Profil.In H. Schramm (Hrsg.), Medien Kommunikationswissenschaft Sonderband: Band

1. Musik und Medien (1. Aufl., S. 62-77). Baden-Baden: Nomos Verlagsgesell-schaft.

Wyss, V. (2002). Redaktionelles Qualitätsmanagement: Ziele, Normen, Ressourcen(Band 15). Forschungsfeld Kommunikation. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.

ZEIT online (2008). Radio: Genug gedudelt! Die deutsche Rundfunklandschaft ver-kümmert. Welche Sender kann man überhaupt noch hören? Und wo im Äthergibt es neue Ideen? Unsere Schwerpunktseite zum Thema Radio gibt einen

Überblick. Verfügbar unter: ZEIT online: http://www.zeit.de/musik/Themenseiten/radio [25.07.2008].

Anhang

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Anhang A.1

Fragebogen an junge Hörer

„Deine Meinung zum Thema Musik im Radio“

Deine Meinung zum Thema Musik im Radio (11 Fragen)

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Anhang A.2

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Anhang A.3

Antworten der jungen Hörer auf die offene Frage nach demBesonderen am eigenen Lieblingssender

Frage 2:

„Und gibt es etwas, wo du sagen würdest, das ist das Besondere an deinemLieblingsradio?“

Und gibt es etwas, wo du sagen würdest, das ist das Besondere an deinem Lieblingssender? (offene Antworten auf Frage 2)

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Anhang A.4

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Anhang A.5

Ausgewählte Statistische Auswertungen (SPSS)

Stichprobe

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Geschlecht

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Schüler einer allgmeinbildenden Schule

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höchster allgmeinbildender Schulabschluss

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Derzeitiger Status.

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Berechnungen

Durchschnittliche Hörmenge in Tagen/Woche

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Korrelationen

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**. Die Korrelation ist auf dem Niveau von 0,01 (2-seitig) signifikant.

Neue unbekannte Musik, die du vorher noch nie gehört hast * Hits aus den Charts Kreuztabelle

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Präferenz eines Radioprogramms * Vielfältige Musikrichtungen Kreuztabelle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Präferenz eines Radioprogramms * Neue unbekannte Musik, die du vorher noch nie gehört hast Kreuztabelle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Präferenz eines Radioprogramms * Vielfältige Musikrichtungen Kreuztabelle

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Wünsche im Bereich Musikinformationen und -journalismus

Nennung von Titel und Interpret

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neue unbekannte Musik, die du vorher noch nie gehört hast

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Hits aus den Charts

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Auseinandersetzung mit dem Inhalt der Texte

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Biografische Angaben zum Künstler (Leben u. Werk)

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Vorstellung neuer CDs (Alben, Singles usw.)

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Musik-Kritik, die ein neues Album vorstellt und außerdem subjektiv bewertet

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Spezialsendungen zu bestimmten Musikrichtungen

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Vielfältige Musikrichtungen

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Konzert- und Festivaltermine

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Berichterstattung über Konzerte/Festivals

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Live-Mitschnitte von kompletten Konzerten

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Andere Versionen oder Remixe von bekannten Musiktiteln

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Klatsch und Tratsch, Geschichten über Musiker/Sänger

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Neben der aktuellen Single eines Albums auch noch andere unbekannte Stücke von der gleichen CD

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Interviews (mit Musikern/Produzenten)

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Musiker oder DJ's als Moderatoren

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Geschichten hinter den Songs (wie es dazu kam usw.)

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Name sonstiger Wunsch 1

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Anhang B

Fragebogen an die Radiosender

Fragebogen an die Musikredaktion von:

SPUTNIK (MDR)

Liebe Musikredaktion von Sputnik,

ich liebe gute Musik, und höre nicht zuletzt deshalb gern und oft das klassischeMassenmedium Radio. Deshalb habe ich für meine Magisterarbeit im FachKommunikationswissenschaft an der TU Dresden folgendes Thema gewählt:

»Ö ffentlich-rechtliches Radio junge H ö rer. Qualit ä tsperspektiven auf den Medieninhalt Musik und Musikjournalismus. «

Nun möchte ich gern auch etwas mehr über Ihren Sender erfahren. Ziel der Magisterarbeit ist es, zunächst alle öffentlich-rechtlichen Jugendradios in Deutschland, Schweiz undÖsterreich in einem Kurzprofil vorzustellen. Im späteren Verlauf meiner Arbeit möchte ich dann einige ausgewählte Radiosender und besondere Sendungen speziell zur Qualität der Musikauswahl und -Präsentation untersuchen.

Der Fragebogen besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil enthält allgemeine Fragen zu Daten und Fakten zum Sender. WICHTIG: Der zweite Teil enthält Fragen zur Musik im Radio und sollte nur von einem Mitglied der Musikredaktion beantwortet werden.

Wenn Sie möchten, sende ich Ihnen sehr gern auch ein Exemplar meiner fertigen

Magisterarbeit zu. Kreuzen Sie bitte dazu einfach »ja« auf der letzten Seite der Umfrage an entsprechender Stelle an.

Wenn Sie möchten, können Sie mich gern auch anrufen und den Fragebogen telefonisch beantworten. Über ein persönliches Gespräch würde ich mich ebenfalls sehr freuen! Ich werde auf jeden Fall ein offenes Ohr für Anregungen und Kritik haben.

Vielen Dank für Ihre wertvolle Zeit!

Mit freundlichen Grüßen aus Dresden

Marco Dziallas

1. Teil: Allgemeines zum Programm-Profil von SPUTNIK (MDR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Teil: Fragen an die Musikredaktion von SPUTNIK (MDR)

Folgende Fragen erfordern Antworten von den Spezialisten der Musikredaktion!

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Vielen Dank für Ihre Zeit und Mühe!

Anhang C

Interview mit Herr B., dem Musikchef und stellvertretenden Programmchef von MDR Sputnikam 18. Juni 2008

(Transkription)

Das Interview wurde von der Redaktion aus urheberrechtlichen Gründen entfernt

Anhang D

Auswahl der Musik-Specialsdeutschsprachiger Jugendradios(Stand August/September 2008)

1 Musik-Specials on3radio (BR)

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2 Musik-Specials You FM (HR)

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3 Musik-Specials Sputnik (MDR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4 Musik-Specials N-Joy (NDR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5 Musik-Specials Bremen Vier (Radio Bremen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6 Musik-Specials Fritz (RBB)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

7 Musik-Specials Das Ding (SWR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

8 Musik-Specials Unser Ding (SR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9 Musik-Specials 1LIVE (WDR)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

10 Musik-Specials FM4 (ORF)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fortsetzung Musik-Specials FM 4 (ORF)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

11 Musik-Specials VIRUS (DRS)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Werbung für Fritz (RBB), Berlin Hauptbahnhof, 06.02.2008 Foto: Marco Dziallas

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Werbekampagne von Radio FM4 (ORF): „Wer hören will muss fühlen“

Quelle: ORF FM4. Verfügbar unter: http://fm4.orf.at/station/213264/main [28.07.2008].

1 Der Radio Day ist eine jährliche Veranstaltung der Radiobranche. Am 12. Juni 2008 trafen sich rund 3.000 Fachbesucher in Köln und diskutieren unter dem Motto „Media meets Audio“ über dieGegenwart und die Zukunft des Radios. Weitere Informationen verfügbar auf der Internetseite:http://www.radioday.de [21.08.2008].

2 Für einen detaillierteren Überblick zur bisherigen Radioforschung Siehe z. B. Vowe Wolling, 2004, S. 41-66.

3 Tagesreichweite: Hierzu zählen alle Personen, die im Tagesablauf während mindestens eines vor-gegebenen Zeitabschnitts (15 Minuten) Radio gehört haben. Aus Gründen der Vergleichbarkeit(unterschiedliche Erhebungsmethoden) wurden die Jugendprogramme aus Österreich und Schweiz hier nicht abgebildet.

4 Tagesreichweite: Hierzu zählen alle Personen, die im Tagesablauf während mindestens eines vorgegebenen Zeitabschnitts (15 Minuten) Radio gehört haben.

5 Werte beziehen sich auf die ma 2008 Radio II; Basis: D+EU 10+, Mo-So, BRD Gesamt.

6 Aus der CD-Kritik des neuen Albums von Portishead „Third“, erschienen am 25.04.2008.

7 Beispiel aus der Werbung für Radio als emotionales Medium: Auszug aus der Werbekampagne derARD Werbung Sales Services GmbH (ASS) „Wer fühlen will, muss hören“ (2000): „Die Spots derletzten Welle mit den Motiven ‚Wecker‘, ‚Computer‘ und ‚Dusche‘ zogen die Aufmerksamkeit des Radiohörers mit intensiven Geräuschen auf sich. So ließ man bspw. 20 Sekunden lang einen We-cker piepsen - der Hörer dachte verwundert, was kommt jetzt. Dann schaltete das Radio ein, unddas ‚Kontrastprogramm‘ machte klar: Das Leben ist mit Radio schöner und gefühlvoller - ‚Werfühlen will, muss hören‘ …“. Verfügbar unter: http://www.ard-werbung.de/633.html [28.07.2008].

8 Ring-Back Tunes sind Musiktitel oder -Ausschnitte, die ein Anrufer anstelle eines Freizeichenshört.

9 Siehe zum Beispiel eine Apple Produktbeschreibung zum MP3-Player „iPod classic“: „Entscheidun-gen, Entscheidungen - geht es nicht ohne? Warum sollten Sie sich entscheiden müssen, welche In-halte Sie auf Ihren iPod laden? Dank einer Speicherkapazität von bis zu 160 GB können Sie mit dem iPod classic Ihre gesamte Sammlung - bis zu 40.000 Songs oder bis zu 200 Stunden Videos -überallhin mitnehmen.“ Verfügbar unter: http://www.apple.com/de/ipodclassic [02.07.2008].

10 Der Radio Day ist eine jährliche Veranstaltung der Radiobranche. Am 12. Juni 2008 trafen sich rund 3.000 Fachbesucher in Köln und diskutieren unter dem Motto „Media meets Audio“ über dieGegenwart und die Zukunft des Radios. Weitere Informationen verfügbar auf der Internetseite:http://www.radioday.de [21.08.2008].

11 Dash: The only internet connected automotive GPS. Weitere Informationen verfügbar unter:http://www.dash.net [23.07.2008].

12 „Video Killed the Radio Star“ ist ein 1979 erschienener Titel von den Buggles und war das erste Video, dass MTV am 01.08.1981 sendete. Der Titel feiert die goldenen Zeiten des Radios und erzählt die Geschichte eines Sängers, dessen Karriere durch das Fernsehen beendet wird.

13 „The Hype Machine“. Verfügbar unter: http://hypem.com [16.08.2008].

14 Auszug aus der Produktbeschreibung des Freecom MusicPal Internet Radio: „Das neue FreecomInternetradio MusicPal ermöglicht Musikgenuss und RSS/Blog-Infos mit einem einzigen Gerät.Stellen Sie das Freecom Internetradio mit MP3-Streamer einfach bei sich zu Hause auf, und emp- fangen Sie per Knopfdruck tausende Radiosender oder spielen Sie Songs aus Ihrer eigenen Musikbibliothek ab. Das Internetradio wird, wie das bekannte herkömmliche Radio auch, in den nächsten Jahren seinen Weg in Millionen von Haushalten finden. Freecom hat mit dem MusicPal erneut ein Produkt aus der Sicht des Benutzers entwickelt, bei dem Anwenderfreundlichkeit, Design und Qualität an oberster Stelle stehen. Free your mind!“ Verfügbar unter: http://www.freecom.de/ecProduct_detail.asp?OID=12856ID=3593catID=sCatID=ssCatID=[05.07.2008].

15 Anywhere.FM. Verfügbar unter: http://www.anywhere.fm [23.07.2008].

16 Dieses und das folgende Zitat der Programmmacher der drei Jugendradios wurden im Rahmen desRadio Day 2008 in Köln mit einem Voice-Recorder aufgezeichnet und anschließend transkribiert.

17 „Songtitel to go“ wird unter anderen auf der Homepage von Radio Eins beschrieben. Verfügbarunter: http://www.radioeins.de/musik/aktuelle_musiktitel/beitraege/songtitel_to_go.html[10.07.2008].

18 Achter Staatsvertrag zur Änderung rundfunkrechtlicher Staatsverträge vom 8.10. bis 15.10.2004 (Achter Rundfunkänderungsstaatsvertrag). Verfügbar unter: http://www.kef-online.de/inhalte/staatsvertraege/anlagen.html [11.07.2008].

19 http://www.tagesschau.de/inland/rundfunkstaatsvertrag10.html [11.07.2008].

20 Der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) fusionierte 2003 mit dem Sender Freies Berlin (SFB) zum Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB).

21 Zur Entstehung und Geschichte des Formatradios siehe: Goldhammer (1995) und Fong-Torres(2001).

22 Bayern 4 Klassik, „U21“. Verfügbar unter: http://www.br-online.de/bayern4klassik/u21-wir-auf-vier/index.xml [09.07.2008].

23 Eine Auswahl der Short Music Stories ist hörbar im Archiv von SWR2. Verfügbar unter:http://www.swr.de/swr2/sendungen/sms/index.html [09.07.2008].

24 Anmerkung zu den Zahlen der Tagesreichweiten in den Programmprofilen: Hierzu zählen alle Personen, die im Tagesablauf während mindestens eines vorgegebenen Zeitabschnitts (15 Minuten) Radio gehört haben, Mo.-Fr. 5 bis 24 Uhr, Basis: Gesamt-Deutschland, Grundgesamtheit: Deutsche + EU-Ausländer ab 10 Jahren. Im Vergleich mit vorangegangenen Jahrgängen der Media-Analyse ist zu beachten, dass auf Grund der unterschiedlichen Grundgesamtheiten bei Erhebung und Hochrechnung ausgewiesene Reichweitenveränderungen keine direkten Rückschlüsse auf Hörergewinne- oder Verluste zulassen.

25 Podiumsdiskussion am 21.01.2008 in der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) in Leipzig, Teilnehmer der Expertenrunde: Schmelter, Jan-Herik; Falkner, René; Wagner, Ulrike; Schorb, Bernd; Keilhauer, Jan.

26 E-Musik: Abkürzung für „ernste Musik“.

27 U-Musik: Abkürzung für „Unterhaltungsmusik“.

28 Byte.fm ist nur als Internetradio hörbar unter: http://www.byte.fm [26.08.2008]. Mehr Informa-tionen über Byte.fm und ein Interview mit dem Gründer Ruben Jonas Schnell gibt es online auf den Seiten zur Sendung „neues“ auf 3sat: http://www.3sat.de/mediathek/frameless.php?url=/neues/sendungen/magazin/125152/index.html [26.08.2008].

29 Eine schriftliche Nachfrage beim Bundesverband Musikindustrie e.V., der für die ECHO- Verleihung verantwortlich ist, brachte leider keine weiteren Kriterien zum Vorschein, auch konntedie Liste der Jurymitglieder (für eine mögliche Befragung) aus vertraulichen Gründen nicht he-rausgegeben werden. Die hier verwendete knappe Begründung ist folgender Internetseite ent-nommen: Bundesverband Musikindustrie e.V. (2008). Verfügbar unter:http://www.echopop.de/kategorie/kat1047.htm [15.07.2008].

30 Rundfunkstaatsvertrag. Verfügbar u. a. unter: http://www.lfk.de/gesetzeundrichtlinien/rundfunkstaatsvertrag/main.html [24.07.2009].

31 Es sei an dieser Stelle nur auf drei interessante Studien hingewiesen, die sich mit Programmstruk-turen befassen:1.) Donsbach, W. Dupré, D. (1994). Mehr Vielfalt oder „more of the same“ durchmehr Kanäle?: Möglichkeiten zum Unterhaltungsslalom im deutschen Fernsehen zwischen 1983 und 1991., 2.) Pricelius, C. (1997). Vier Wellen - ein Programm?: Das Jugendradio Fritz, AntenneBrandenburg, r.s.2 und Energy im exemplarischen Programmstrukturvergleich; Grundlagen undAnwendung der Begriffe, Vollprogramm, Konvergenz, systemübergreifender Programmvergleich.,3. Heyen, A. (2001). Programmstrukturen und Informationsangebote im Radio: Ergebnisse und Erfahrungen aus sechs Jahren Programmforschung der TLM.

32 AC=Adult Contemporary (Radioformat, das sich vor allem an die 20- bis 49-Jährigen richtet. Hauptsächlich wird Mainstream-Pop ohne Ecken und Kanten angeboten. Unterform ist das Hot AC, das sich an die etwas jüngeren richtet (20-39). CHR=Contemporary Hit Radio (Zielgruppe besteht vor allem aus 14-bis 29-Jährigen. Gesendetwerden vor allem wenige aktuelle Hits, die gerade bei der Zielgruppe am besten ankommen).

33 4. Rundfunkentscheidung (BVerfG, Urteil v. 04.11.1986, Az. 1 BvF 1/84). Verfügbar unter: http://www.telemedicus.info/urteile/Rundfunkrecht/Die-duale-Rundfunkordnung/83-BVerfG-Az-1-BvF-184-4.-Rundfunkentscheidung-Niedersachsen.html [28.08.2008].

34 4. Rundfunkurteil, BVerfGE, 73, 158. Verfügbar unter: http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv073118.html [03.09.2008].

35 Rundfunkstaatsvertrag. Verfügbar u. a. unter: http://www.lfk.de/gesetzeundrichtlinien/rundfunkstaatsvertrag/main.html [24.07.2009].

36 GATS (General Agreement on Trade in Services); Allgemeines Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen der Welthandelsorganisation (WTO).

37 Verfügbar unter: http://www.unesco.de/443.html?L=0 [13.07.2008].

38 Informationen rund um die Abschaltung und die Aktion „Radiomultikulti muss bleiben!“ Verfüg-bar unter: http://www.multikulti.eu [04.08.2008].

39 http://www.cityslang.com

40 http://www.motor.de/motorfm

41 http://www.trikont.de

42 Auszug mit den wichtigsten Punkten. Verfügbar unter: http://en.wikipedia.org/wiki/Public_service_broadcasting [29.07.2008].

43 The Royal Charter. Verfügbar unter: http://www.bbc.co.uk/bbctrust/assets/files/pdf/regulatory_framework/charter_agreement/royalchartersealed_sept06.pdf [31.07.2008].

44 Musikanalyse von Prof. Dr. Helmut Fladt auf Radio Eins. Verfügbar unter: http://www.radioeins.de/programm/sendungen/eins_am_abend/musikanalyse/archiv_musikanalyse.html [26.08.2008].

45 "Happy Sad sucht und porträtiert die musikalischen Individualisten. Quer durch Stile und Zeiten.Musiker, die mit ihren Songs Emotionen auslösen, die um ihre Wurzeln wissen und den eigenenWeg suchen. Happy Sad zeigt Menschen, nicht Image-Produkte. HappySad findet die Musik der großen Gefühle und der poetischen Momentaufnahmen, selbst in den entlegenen Ecken der Mu-sikwelt. Happy Sad - eine Bastion des echten Gefühls in einer kalten Welt.“ Verfügbar unter:http://www.radioeins.de/programm/sendungen/happysad/index.html [10.07.2008].

46 „Anything goes“ jeden Montag zwischen 23 und 01 Uhr auf Radio Eins. Weitere Informationenverfügbar unter: http://www.radioeins.de/programm/sendungen/anything_goes/index.html[09.07.2008].

47 TQM (Total Quality Management) bezeichnet eine auf Qualität gerichtete Führungsmethode, die alle Mitarbeiter einschließt und gleichermaßen au die Kundenzufriedenheit, langfristigen Geschäftserfolg und den Nutzen für die Organisationsmitglieder und die Gesellschaft insgesamt abzielt. (vgl. Weischenberg 2006, S. 16). Ausführlicher zum Thema Siehe Wyss (2002).

48 Eine Auflistung der wichtigsten Musikspezialsendungen von allen deutschsprachigen öffentlichrechtlichen Jugendradios befindet sich im Anhang.

49 Informationen zur Sendung auf on3radio vom Samstag, 16.08.2008 17 Uhr, verfügbar unter:http://www.br-online.de/on3radio/lieblingsplatten- on3radio/index.xml;jsessionid=E5MGLM3OFN5LACSBUKRCM4Q [17.08.2008].

50 Das Angebot der landesweiten Programme der BBC, verfügbar unter: http://www.bbc.co.uk/iplayer/radio [17.08.2008]. Inhaltsbeschreibungen der einzelnen BBC Programme stehen in der „Broadcasting - An Agreement Between Her Majesty’s Secretary of State for Culture, Media and Sport and the British Broadcasting Corporation“. Verfügbar unter: http://www.bbc.co.uk/bbctrust/assets/files/pdf/regulatory_framework/charter_agreement/bbcagreement_july06.pdf [31.07.2008].

51 Siehe Interviewtranskription vom 18.06.2008 im Anhang, S. 13.

52 Dazwischen befinden sich die Durchschnittskäufer mit 10,5 % (4-9 Musikprodukte pro Jahr) und die Gelegenheitskäufer mit 26 % (1-3 Musikprodukte pro Jahr).

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Details

Titel
Öffentlich-rechtliches Radio für junge Hörer. Qualitätsperspektiven auf Musik als Medieninhalt und Musikjournalismus
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Kommunikationswissenschaft)
Note
3
Autor
Jahr
2008
Seiten
191
Katalognummer
V140597
ISBN (Buch)
9783668687806
Dateigröße
21389 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musik, Radio, Qualität, Musikjournalisums, Jugendradio, Hörerforschung, MDR Sputnik, Radioeins, kulturelle Prägung, Vielfalt, Sachsen, Umfrage
Arbeit zitieren
Marco Dziallas (Autor), 2008, Öffentlich-rechtliches Radio für junge Hörer. Qualitätsperspektiven auf Musik als Medieninhalt und Musikjournalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140597

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