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Dynamiken und Verschiebungen von Identität(en)

Eine ethnografische Analyse anhand der Zuschreibung "Gyopo"

Titel: Dynamiken und Verschiebungen von Identität(en)

Hausarbeit , 9 Seiten

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Eine der meist gestellten Fragen in meinem Leben. Kein Wunder, als ein asiatisch aussehende Person in Deutschland zu sein. Mit jüngeren Jahren antwortete ich auf die Frage mit der Antwort: "Ich komme aus Korea". Die Situation erfolgt weiter, indem die Frage stellende Person fasziniert über eigene Reiseerfahrungen, Essen oder Filme von Korea teilt oder indem auch Fragen über die "koreanische Kultur" gestellt werden. Damit stelle ich mich in eine Position einer Ausländerin, die aus einem anderem Land kommt und diese Kultur repräsentiert. Im Nachhinein ließ sich jedoch bei einem tieferen Blick die Frage stellen: "Komme ich denn wirklich aus Korea?"

Solche Fragen und Antworten führen letztendlich zurück auf die Frage: "Wer bin ich und wie beschreibe ich mich vor anderen Menschen?" In einem Wort gefasst werde ich der Frage von Identität(en) konfrontiert. Ich, als in Deutschland geborenes Kind unter Eltern koreanischer Herkunft, wurde bisher drei größeren Kategorien von Identität zugeordnet: Erstens, die kleine Koreanerin unter den Deutschen, zweitens, die Deutsche unter den Koreanern oder drittens werde ich auch als "Gyopo" beschrieben. Gyopo ist eine Bezeichnung für eine diasporisch koreanische Person, mit der ich mich am meistens identifiziere, wenn es um die Frage der Identität geht. Doch was ist Identität? Wie kommt sie zustande?

In diesem Zuge möchte ich in der Hausarbeit versuchen, den Prozess von Konstruktion einer Identität als emisches Konzept der Akteure zu analysieren und zu dekonstruieren. Die zentrale Fragestellung lautet wie folgt: Wie werden Identitäten durch Fremdzuschreibungen konstruiert, durch Selbstzuschreibungen rekonstruiert? Ziel der Arbeit ist es, insbesondere die dynamischen Prozess der Verschiebungen von Identitätskategorien aufzudecken. Es geht also weniger um die Frage der linguistische Definition, was letztendlich Identität ist, sondern, wie Identität in der Reziprozität zwischen Individuum und Gesellschaft (re)konstruiert wird. Dafür werde ich im ersten Teil kurz das theoretische Konzept von Identität nach Stuart Hall anreißen, das die Basis meiner Arbeit bildete. Der zweite Teil widmet sich der Analyse meiner Beobachtungen und Interviews. Akteur*innen, die zielgerichtet in der Arbeit im Fokus stehen, sind Zugehörige der nachfolgenden Generationen koreanischer Einwanderer*innen in Deutschland, die ständig mit der Frage von Zugehörigkeit als "multikulturell" aufgewachsenes Kind - auch "Gyopo" genannt, konfrontiert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Methodik

3. Identität nach Stuart Hall

4. Zum Feld des <Kyopo>

4.1 Etymologie

4.2 Selbstzuschreibung: „Wir Gyopos“

4.3 Fremdzuschreibung: „Ihr Gyopos“

5. Verschiebungen

6. Reflexion

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht den Prozess der Identitätskonstruktion bei in Deutschland aufgewachsenen Kindern koreanischer Eltern, wobei der Fokus auf dem Begriff „Gyopo“ liegt. Ziel ist es, in einem reziproken Prozess zwischen Individuum und Gesellschaft zu dekonstruieren, wie Selbst- und Fremdzuschreibungen dynamische Identitätsverschiebungen erzeugen.

  • Autoethnografische Analyse der eigenen Identitätserfahrung
  • Theoretische Fundierung durch das Identitätskonzept von Stuart Hall
  • Etymologische und soziologische Dekonstruktion des Begriffs „Gyopo“
  • Analyse von Identitätspositionierungen durch Experteninterviews
  • Untersuchung der Differenzierungsprozesse in koreanischen Communities

Auszug aus dem Buch

4.2 Selbstzuschreibung: „Wir-Gyopos“

Wie in der Einführung erwähnt, beschreibe ich mich und identifiziere mich selbst als Kyopo, wenn ich mich selbst vor Koreanern vorstelle. Da dieser ein koreanischer Begriff ist, war dieser im deutschen Sprachgebrauch nicht im Gebrauch. Mit dieser Zuschreibung habe ich mich im leichteren Sinne als eine Person identifiziert, die nicht eine 100%-ige Koreanerin, oder Deutsche bin. sondern beiden Ländern, also Deutschland und Korea zugehörig ist und zwischen diesen beiden Kulturen aufgewachsen ist. Es geht weiter weg von der etymologischen Definition und knüpft eher an dem Verständnis des Übersetzers nach Hall an.

Was verstehst du unter einem Gyopo? In einem Gesprächskreis setzte ich mich mit zwei Freundinnen Yeji und Hana aus der christlichen Gyopo Community zusammen, die sich selbst auch als Gyopo identifizieren und wir unterhielten uns zusammen über den Begriff.

„Als Gyopo geht es nicht um die Entscheidung, Koreanisch oder Deutsch zu sein, sondern man muss sich dabei ein Dreieck vorstellen. Du bist nicht zwischen zwei Kulturen und versuchst, die goldene Mitte zu finden, sondern schaust, wieviel Fit du als Individuum von jeder Kultur hast. Ich bin wenn ich mit den Deutschen bin eine Gyopo. Auch wenn ich eine Abweichung anmerke, macht mich das nicht zu einem Koreaner macht. Ich zeige, dass ich 70 Prozent Fit habe und nicht abweiche. Das ist ein Gyopo erstmal.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Autorin reflektiert ihre eigene, von inneren Konflikten geprägte Identität zwischen Deutschland und Korea und führt die Forschungsfrage zur Konstruktion von Identität durch Zu- und Fremdschreibung ein.

2. Methodik: Die Arbeit basiert auf einer autoethnografischen Analyse in Kombination mit Experteninterviews in verschiedenen Berliner koreanischen Communities.

3. Identität nach Stuart Hall: Unter Bezugnahme auf Stuart Halls Diaspora-Konzepte wird Identität nicht als festes Wesen, sondern als dynamische, durch historische und soziale Prozesse neu produzierte Positionierung definiert.

4. Zum Feld des <Kyopo>: In diesem Kapitel wird sowohl die offizielle etymologische Herkunft des Begriffs „Gyopo“ untersucht, als auch die subjektive Bedeutung durch Selbst- und Fremdzuschreibungen in der Praxis beleuchtet.

5. Verschiebungen: Es wird verdeutlicht, dass Identität kontextabhängig ist und sich in einem ständigen Wechselspiel zwischen der Selbstwahrnehmung als „Gyopo“ und der Wahrnehmung durch andere Community-Mitglieder (re-)produziert.

6. Reflexion: Die Autorin reflektiert die autoethnografische Vorgehensweise und weist darauf hin, dass die komplexe Thematik durch weitere theoretische Ansätze, wie die „translokationale Positionalität“, ergänzt werden könnte.

Schlüsselwörter

Gyopo, Identität, Diaspora, Autoethnografie, Korea, Deutschland, Migration, Konstruktion, Fremdzuschreibung, Selbstzuschreibung, Identitätsverschiebung, Akkulturation, Zugehörigkeit, Stuart Hall, Identitätsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Identitätsfindung von in Deutschland aufgewachsenen Personen koreanischer Herkunft, die sich häufig an der Schnittstelle zwischen zwei kulturellen Identitäten befinden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind Migrationsgesellschaft, diasporische Identitätskonstruktion, die soziologische Dynamik von Community-Zuschreibungen und der Einfluss des Begriffs „Gyopo“ auf diese Prozesse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: „Wie werden Identitäten durch Fremdzuschreibungen konstruiert und durch Selbstzuschreibungen rekonstruiert?“, um die dynamischen Verschiebungsprozesse von Identitätskategorien aufzudecken.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Autorin nutzt einen autoethnografischen Forschungsansatz, ergänzt durch leitfadengestützte Interviews innerhalb verschiedener koreanischer Communities in Berlin.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung durch Stuart Hall, eine Untersuchung der Etymologie von „Gyopo“ sowie eine Analyse von Identitätsaushandlungen durch konkrete Selbst- und Fremdzuschreibungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Gyopo, Diaspora, Identität, Autoethnografie und kulturelle Hybride.

Wie unterscheidet sich die Selbstwahrnehmung vom Begriff „Gyopo“ von der Bezeichnung „Dong-Po“?

Während „Gyopo“ eine diasporische Fremd- oder Selbstbezeichnung für im Ausland lebende Koreaner ist, weist „Dong-Po“ eine stärkere offizielle, ethno-nationale Konnotation auf, die heute in staatlichen Kontexten bevorzugt wird.

Warum ist die Autoethnografie als Methode für dieses Thema besonders geeignet?

Die Autoethnografie erlaubt es, die „Dynamik und Spannung“ der Identitätsfindung mit ethnografischer Sensibilität aus einer Innenperspektive zu betrachten, die rein theoretische Analysen ergänzt.

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Details

Titel
Dynamiken und Verschiebungen von Identität(en)
Untertitel
Eine ethnografische Analyse anhand der Zuschreibung "Gyopo"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institute of Philosophy)
Autor
Anonym (Autor:in)
Seiten
9
Katalognummer
V1406229
ISBN (PDF)
9783346959386
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Identity
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), Dynamiken und Verschiebungen von Identität(en), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1406229
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Leseprobe aus  9  Seiten
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