Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 hat die Volatilität an den weltweiten Aktien- und Rohstoffmärkten stark zugenommen. Aber auch die für geringere Tagesschwankungen bekannten Devisenmärkte weisen deutlich erhöhte Volatilitäten auf. Mit der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 erreichten die Verwerfungen der internationalen Finanzmärkte bislang ihren Höhepunkt.
Für plötzlich auftretende Wechselkursschwankungen kann es mehrere Gründe geben. So kann eine unerwartete Leitzinsänderung oder auch nur eine Aussage des Präsidenten der europäischen oder amerikanischen Notenbank deutliche Kursbewegungen an den Devisenmärkten hervorrufen. Ebenso haben Leistungs- und Zahlungsbilanzen einen Einfluss.
Oft wird jedoch bei spontan auftretenden, starken Wechselkursveränderungen das Eingehen oder Auflösen von Carry Trades als Begründung genannt. Bei einem Carry Trade versuchen die Marktteilnehmer Zinsdifferenzen zwischen verschiedenen Ländern zu nutzen, indem sie Kredite in einer niedrig verzinsten Währung aufnehmen und das Kapital in höher verzinsten Währungen anlegen. Die dadurch bedingten Kapitalströme werden dann als Ursache für Kursschwankungen angeführt. Wie groß der Einfluss der Carry Trades auf die Wechselkurse tatsächlich ist, ist bis dato nicht bekannt.
Eine mit den Carry Trades verwandte Methode ist die Gewährung von Fremdwährungskrediten. Diese, in Deutschland nicht sehr verbreitete Finanzierungsform, erfreute sich in den vergangen Jahren vor allem in Österreich und den osteuropäischen Ländern zunehmender Beliebtheit. Dabei werden Immobilien mit einem in Fremdwährung lautenden Kredit finanziert. Als Finanzierungswährung dienen hierbei Währungen, welche einen niedrigen Nominalzins aufweisen, wodurch die Zinslast beträchtlich reduziert werden kann. Jedoch nimmt der Schuldner durch Aufnahme eines Fremdwährungskredites zusätzliche Risiken in Kauf.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 EINFÜHRUNG IN DEN DEVISENMARKT
2.1 Besonderheiten des Devisenhandels
2.2 Zinsparitätentheorie
3 DAS KONZEPT DER CARRY TRADES UND FREMDWÄHRUNGSKREDITE
3.1 Das Forward Premium Puzzle
3.2 Funktionsweise der Carry Trades
3.3 Konzeption eines Fremdwährungskredites
4 EMPIRISCHE BEOBACHTUNGEN
4.1 Kursentwicklung einzelner Carry Trade Währungen
4.2 Carry Trade Volumen
4.3 Die Currency Harvest-Strategie der Deutschen Bank
4.4 Volumen der Fremdwährungskredite am Beispiel Österreichs
5 PARTIZIPATIONSMÖGLICHKEITEN FÜR PRIVATANLEGER
5.1 Anlagemöglichkeiten in Carry Trades
5.2 Möglichkeit der Fremdwährungskreditaufnahme in Deutschland
6 SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Funktionsweise von Carry Trades und Fremdwährungskrediten, untersucht deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte und bewertet Partizipationsmöglichkeiten für Privatanleger. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Zinsdifferenzen zur Renditeoptimierung genutzt werden können und welche spezifischen Risiken, insbesondere durch Wechselkurs- und Zinsänderungen, mit diesen Strategien verbunden sind.
- Theoretische Grundlagen des Devisenmarktes und der Zinsparitätentheorie
- Mechanismen von Carry Trades und ihre Abgrenzung zum "Forward Premium Puzzle"
- Konzeptionelle Unterschiede und Risikofaktoren von Fremdwährungskrediten
- Empirische Analyse von Marktvolumina und Strategien (z. B. Currency Harvest der Deutschen Bank)
- Anlage- und Finanzierungsoptionen für Privatanleger im deutschen und österreichischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.2 Funktionsweise der Carry Trades
Aus dieser Überlegung heraus entstand der so genannte Carry Trade. Dabei wird nicht nur vorhandenes Geld angelegt, sondern zusätzlich Kapital in niedrig verzinsten Währungen aufgenommen und in höher verzinsten Währungen in Aktiva investiert, ohne das Wechselkursrisiko abzusichern. Die Anlage ist dann ertragreich, wenn der Zinsvorsprung nicht durch eine Abwertung der höher verzinslichen Währung aufgezehrt wird. Somit sind Carry Trades eine Möglichkeit, Abweichungen von der ungedeckten Zinsparitätentheorie auszunutzen.
Zur Durchführung von Carry Trades existieren diverse Möglichkeiten. Die wohl bekannteste Variante ist der Currency Carry Trade, bei dem am Devisenmarkt Long-Positionen in Hochzinswährungen (Zielwährung) und Short-Positionen in Niedrigzinswährungen (Finanzierungswährung) eingegangen werden. Eine vollständige Strategie wird in Kapitel 4.3 erläutert.
Gewöhnlich wird durch Aufnahme eines Darlehens in einer Finanzierungswährung und Anlage des Geldes in der Zielwährung die Position fremdfinanziert um einen Leverage zu erzielen. Doch darf nicht vergessen werden, dass die Risiken durch die Fremdfinanzierung enorm ansteigen.
Eine in diesem Zusammenhang weithin beachtete Kennziffer ist das Verhältnis Carry zu Risiko. Dabei wird die Zinsdifferenz, also der potenzielle Ertrag, durch die implizite Volatilität des Währungspaares, welche das Risiko künftiger Wechselkursschwankungen abschätzt, dividiert. Damit erfolgt eine Einschätzung, ob das Eingehen eines Carry Trades lohnenswert erscheint. Je höher der Wert, desto größer ist der Ertrag im Vergleich zum eingegangenen Risiko.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung, Relevanz von Carry Trades und Fremdwährungskrediten sowie ein Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2 EINFÜHRUNG IN DEN DEVISENMARKT: Erläuterung der Grundlagen des Devisenhandels, der Notierungsarten sowie der theoretischen Zinsparitätentheorie als Basis für Finanzmarkttransaktionen.
3 DAS KONZEPT DER CARRY TRADES UND FREMDWÄHRUNGSKREDITE: Analyse des Forward Premium Puzzles, der Funktionsweise von Carry Trades sowie der spezifischen Ausgestaltung von Fremdwährungskrediten.
4 EMPIRISCHE BEOBACHTUNGEN: Empirische Untersuchung der Kursentwicklungen, Handelsvolumina sowie die detaillierte Vorstellung der Currency Harvest-Strategie der Deutschen Bank und die Situation der Fremdwährungskredite in Österreich.
5 PARTIZIPATIONSMÖGLICHKEITEN FÜR PRIVATANLEGER: Übersicht zu Anlageinstrumenten für Privatanleger sowie die Marktsituation für Fremdwährungskredite in Deutschland.
6 SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließendes Fazit zur Rolle von Carry Trades und Fremdwährungskrediten sowie ein Ausblick auf die zukünftige Bedeutung dieser Strategien.
Schlüsselwörter
Carry Trades, Fremdwährungskredite, Devisenmarkt, Zinsparitätentheorie, Forward Premium Puzzle, Currency Harvest-Strategie, Währungsrisiko, Zinsdifferenz, Leverage, Tilgungsträger, Wechselkurs, Finanzkrise, Anlageformen, Währungsportfolios, Hedgefonds.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Finanzstrategien, die Zinsdifferenzen zwischen Währungen ausnutzen, namentlich Carry Trades für Anleger und Fremdwährungskredite für Kreditnehmer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretische Herleitung der Zinsparität, empirische Beobachtungen an Devisenmärkten und die praktische Umsetzbarkeit dieser Strategien für Privatanleger.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Carry-Trade-Konzepte funktionieren, welche Risiken (z.B. Wechselkursveränderungen) bestehen und welche Partizipationsmöglichkeiten existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf Basis bestehender Literatur, empirischer Marktdaten (z.B. der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) und Strategieanalysen argumentiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Erklärung von Carry Trades und Fremdwährungskrediten, eine empirische Auswertung von Marktdaten sowie die Diskussion von Anlagemöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Carry Trades, Zinsparitätentheorie, Fremdwährungskredite, Währungsrisiko und Currency Harvest.
Warum ist das "Forward Premium Puzzle" für diese Arbeit wichtig?
Es dient als theoretischer Ausgangspunkt, um zu erklären, warum Carry Trades überhaupt möglich sind, da die beobachteten Marktdaten den Modellen der ungedeckten Zinsparität oft widersprechen.
Welche Rolle spielt die Sharpe Ratio bei der Analyse der Harvest-Strategien?
Die Sharpe Ratio wird genutzt, um die Rendite ins Verhältnis zum Risiko zu setzen und zu bewerten, ob eine Ausweitung des Währungskorbes das Risiko angemessen entlohnt.
Warum sind Fremdwährungskredite in Österreich so viel verbreiteter als in Deutschland?
Die Arbeit führt dies auf eine historisch gewachsene Beliebtheit, die spezifische Datenlage sowie die wirtschaftliche Verflechtung (insbesondere mit dem Schweizer Franken) zurück, während der deutsche Anleger eher risikoavers agiert.
Was ist das Hauptrisiko eines Fremdwährungskredites laut der Arbeit?
Neben dem Zinsänderungsrisiko bei variabler Verzinsung ist das Wechselkursrisiko zentral, da eine Aufwertung der Finanzierungswährung die Schuldenlast für den Kreditnehmer massiv erhöhen kann.
- Quote paper
- Matthias Bretz (Author), 2009, Carry Trades und Fremdwährungskredite, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140623