In dieser Arbeit steht die eingehende Untersuchung und Analyse des faszinierenden Motivs des Vampirs in der europäischen Romantik im Vordergrund. Konkret werden die beiden ausgewählten Werke, nämlich Johann Wolfgang von Goethes Ballade "Die Braut von Korinth" und John William Polidoris gothic novel "The Vampyre," genauer unter die Lupe genommen.
Das übergeordnete Ziel dieser Arbeit besteht in der Erfassung und Darlegung mehrerer Schlüsselaspekte. Die Entwicklung eines mehrdimensionalen Motivbegriffs bildet den Ausgangspunkt. Dieser dient dazu, eine umfassende Definition des Vampirmotivs zu schaffen, die als Grundlage für die gesamte Analyse dient und die vielfältigen Interpretationen dieses Motivs abdeckt.
Des Weiteren erfolgt die Untersuchung, wie die beiden Autoren Goethe und Polidori das Vampirmotiv in ihren Werken verwenden. Dabei liegt der Fokus auf der Identifizierung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Darstellung des Vampirs sowie deren Funktion und Bedeutung innerhalb der jeweiligen Werke.
Die Arbeit beleuchtet zudem die historische Entwicklung des Vampirmotivs von seinen antiken Ursprüngen bis zur europäischen Romantik. Hierbei wird insbesondere auf die Veränderungen und Innovationen eingegangen, die das Motiv im Laufe der Zeit erfahren hat.
Ein zentrales Anliegen dieser Arbeit ist die metaphernhafte Darstellung gesellschaftlicher und ideologischer Themen im Kontext des Vampirmotivs. Es wird untersucht, wie dieses Motiv als Metapher für gesellschaftliche Strukturen, Unterdrückung und Bemächtigung in den untersuchten Werken eingesetzt wird.
Schließlich werden die Interpretationen von Goethe und Polidori hinsichtlich des Vampirmotivs miteinander verglichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Verwendung des Motivs sowie deren Einbettung in die Romantik zu identifizieren.
Die Ergebnisse dieser Analyse sollen ein umfassendes Verständnis für die Vielfalt und die sich wandelnde Natur des Vampirmotivs in der europäischen Romantik vermitteln. Dabei wird das Motiv des Vampirs nicht nur als literarisches Element betrachtet, sondern auch als Spiegel gesellschaftlicher und ideologischer Entwicklungen dieser Zeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Motiv und Motivgeschichte
2.1. Motiv – Definition und Abgrenzung
2.2. Motivgeschichte – Fortführung kollektiver Denkmuster
2.3. Motive als Indikator für historische Mentalitäten
2.4. Mehrdimensionaler Motivbegriff
3. Das Vampirmotiv
3.1. Grundlegende Definition
3.2. Zentrale Elemente
3.2.1. Zwischenfazit
3.3. Entstehung und Entwicklung
3.3.1. Ursprünge und verwandte Motive
3.3.2. Wissenschaftliche Entdeckung und literarische Wiederentdeckung in der europäischen Aufklärung und Romantik
4. Die Verwendung des Vampirmotivs bei Goethe und Polidori
4.1. Goethes „Die Braut von Korinth“
4.1.1. Inhalt und Aufbau
4.1.2. Der Vampir in „Die Braut von Korinth“
4.1.2.1. Motivtradition und intertextuelle Bezüge
4.1.2.2. Konzeption und Funktion des Vampirmotivs in „Die Braut von Korinth“
4.1.2.3. Zwischenfazit
4.2. Polidoris „The Vampyre“
4.2.1. Inhalt und Erzählweise
4.2.2. Der Vampir in „The Vampyre“
4.2.2.1. Motivtradition und intertextuelle Bezüge
4.2.2.2. Konzeption und Funktion des Vampirmotivs in „The Vampyre“
4.2.2.3. Zwischenfazit
4.3. Vergleich
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv des Vampirs in der europäischen Literatur und analysiert dessen diachrone Entwicklung sowie die unterschiedliche Ausgestaltung und Funktion bei Johann Wolfgang von Goethe und John William Polidori.
- Evolution des Vampirmotivs in der Literaturgeschichte
- Vergleichende Analyse von "Die Braut von Korinth" und "The Vampyre"
- Die Rolle der Aufklärung und Romantik in der Rezeption des Vampirismus
- Die Funktion des Vampirs als Grenzgänger zwischen Leben und Tod
- Psychologische Deutungsmuster des Vampirmotivs
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Zwischenfazit
Mit dem Vampirismus werden Themen wie Krankheit, Tod, Sexualität und Religiosität in einem Motiv vereint. Existenzielle Fragen, Widersprüche im menschlichen Dasein, religiöse und gesellschaftliche Werte sowie deren Hinterfragen werden durch das Vampirmotiv artikulierbar und kommunizierbar.
Der Vampir „als Symbol für das Eindringen des Todes und des Jenseitigen auf heimtückischen und gewalttätigen Pfaden in eine Welt, die genau dies ausschließt“ ist ein Abgrenzungsphänomen, das Menschen und ihrer Welt das Perverse und das Abnormale, das Sündige und das unmöglich Geglaubte gegenüberstellt. Mit der gewissen Verletzlichkeit, der Imperfektion und der Unschuld in seiner Existenz bietet die Vampirfigur trotz ihrer Monstrosität Angebote zur Identifikation und mitfühlenden Teilhabe an ihrem Dasein. Dies ermöglicht die wechselnde Perspektivierung von Opfer und Täter, deren Sphären durchlässig werden und die komplexe Gestaltung ihrer gegenseitigen Beziehung zueinander, die zwischen Masochismus und Sadismus wechselt.
Die Ästhetik des Vampirmotivs liegt in der psychologischen Beschaffenheit der Menschen, die sich vom Andersartigen angezogen fühlen, verborgene Seiten ihres Selbst in ihm erkennen, verbotene Wünsche erfüllbar sehen, mit den Abgründen ihres eigenen Ichs konfrontiert werden – und wie die Vampiropfer in den Erzählungen in einem Zustand zwischen Lust und Schrecken verharren. Der Vampir, dessen Monstrosität im Gegensatz zu vielen anderen Schauermotiven eher in seinem Seelenzustand und nicht seiner äußerlichen Erscheinung liegt, besitzt hervorragende Qualitäten als Projektionsfläche für menschliche Abgründe; Konflikte und Horror laufen in seinem Inneren ab, ohne dabei auf ein Geschlecht oder eine Gestalt beschränkt zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Allgegenwärtigkeit und die philosophische Signifikanz des Vampirmotivs in Literatur und Medien heraus.
2. Motiv und Motivgeschichte: Formuliert einen mehrdimensionalen Motivbegriff und bettet diesen in den Kontext literarischer Tradition und kollektiver Denkmuster ein.
3. Das Vampirmotiv: Definiert den Vampirbegriff und identifiziert zentrale Attribute wie die Unschuld des Opfers und den Drang zur Überschreitung von Tabus.
4. Die Verwendung des Vampirmotivs bei Goethe und Polidori: Analysiert detailliert die Intertextualität, Konzeption und Funktion des Vampirs in Korinth sowie bei Polidori.
5. Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und resümiert die Entwicklungslinien des Vampirmotivs als Spiegelbild gesellschaftlicher und kultureller Mentalitätsgeschichte.
Schlüsselwörter
Vampir, Vampirismus, Literaturgeschichte, europäische Romantik, Goethe, Polidori, Motivgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Tod, Sexualität, Grenzüberschreitung, Untote, Vampire-Erotik, Intertextualität, Schauerliteratur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die literarische Gestalt des Vampirs und analysiert, wie zwei zentrale Werke der Epoche – Goethes „Die Braut von Korinth“ und Polidoris „The Vampyre“ – dieses Motiv nutzen, um gesellschaftliche Normen und Ängste zu reflektieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen Leben und Tod, die Verbindung von Erotik und Schrecken, die Rolle der Religion sowie die Frage nach historisch sowie kulturell geprägten Mentalitäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel liegt in einem diachronen Vergleich der Vampirgestaltung bei Goethe und Polidori, um zu zeigen, wie sich das Motiv durch eine sich wandelnde gesellschaftliche Weltsicht verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine vergleichende Inhaltsanalyse der Primärtexte durchgeführt, die auf fundierten theoretischen Grundlagen zur Motiv- und Mentalitätsgeschichte basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Motivbegriffsbestimmung und eine systematische Werkexegese, in der Inhalt, Aufbau, traditionelle Bezüge und funktionale Konzeptionen gegenübergestellt werden.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist insbesondere geprägt durch Begriffe wie Intertextualität, Diachronie, Transliminalität, das Spannungsfeld von Sadismus und Masochismus sowie die Funktion des Vampirs als Projektionsfläche gesellschaftlicher Ängste.
Wie unterscheidet sich Goethes Vampirfigur von der klassischen Tradition?
Goethe bricht mit der Tradition, indem er eine tragische Perspektive wählt, die das Innenleben der Vampirin beleuchtet und den Leser zur Identifikation einlädt, statt das Monster rein als Schreckgestalt darzustellen.
Welche Bedeutung kommt Polidoris Lord Ruthven zu?
Lord Ruthven etabliert sich als Prototyp des modernen Vampir-Aristokraten, der durch Stil, Charisma und die bewusste Ausnutzung seiner gesellschaftlichen Privilegien eine neue Form des "raubtierhaften" Vampirs darstellt.
- Citation du texte
- Bennet Winands (Auteur), 2022, Vampire in der europäischen Romantik. Eine diachrone Betrachtung der Motivgeschichte anhand Goethes "Die Braut von Korinth" und Polidoris "The Vampyre", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1406291