Die vorliegende Ausarbeitung zum Thema Globalisierung der Finanzmärkte nach dem Zerfall des Bretton-Woods Systems in den 1970er Jahren reiht sich in den Seminarkontext der Veranstaltung Dimensionen der Globalisierung ein. Diese Arbeit soll sich mit dem Zustandekommen des Währungssystems von Bretton-Woods beschäftigen, aufzeigen wie es zu der Auflösung dieses Systems kam und anschließend, in Anlehnung an „Casino Capitalism“ von Susan Strange, einen Ausblick auf die Beschaffenheit und die Globalisierungstendenzen der Finanzmärkte ab den 1970er Jahren geben.
Um die Idee hinter dem Bretton-Woods Abkommens nachvollziehen zu können, werde ich zu Beginn meiner Ausführungen den historischen Verlauf des Zustandekom-mens dieses Regimes darlegen und wesentliche inhaltliche Aspekte des Währungssystems reproduzieren. Daneben möchte ich begründen, warum dem Bretton-Woods Abkommen der Plan von Harry Dexter White zur Basis gelegt worden ist und nicht der Vorschlag von John Maynard Keynes genommen wurde. Nach der Rekapitulation der historischen Ereignisabfolge werde ich Gründe für den Zusammenbruch des Systems darlegen und schließlich beschreiben, warum man in diesem Zusammenhang von dem Übergang vom „gefesselten zum entfesselten Markt“ spricht.
In meiner Schlussbetrachtung werde ich die Ergebnisse schließlich dahingehend auswerten, inwiefern die Auflösung des Bretton-Woods Systems zur Destabilisierung nationaler Ökonomien und zur Krisenanfälligkeit internationaler Finanzmärkte geführt hat. Besonderes Augenmerk werde ich in diesem Zusammenhang auf die Folgen und Auswirkungen der globalen Finanzkrise 2008/2009 legen. Zum Schluss werde ich dann die Frage aufgreifen, weshalb dem gegenwärtigen Regulierungsdefizit der globalen Finanzmärkte mit Steuerungsmechanismen (Global Governance) entgegengewirkt werden muss und wie diese konkret aussehen könnten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Wie kam es zu den Konferenzen von Bretton-Woods?
Was waren die Unterschiede zwischen den Plänen von White und Keynes?
Was sind die wesentlichen Inhalte des Bretton-Woods Abkommens?
Der Übergang vom „gefesselten“ zum „entfesselten Markt“
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der globalen Finanzmärkte ausgehend vom Bretton-Woods-System bis hin zum modernen, liberalisierten Finanzmarkt, um die Notwendigkeit für neue Regulierungsmechanismen im Kontext der jüngsten Finanzkrisen zu begründen.
- Historische Entstehung und Zielsetzung des Bretton-Woods-Abkommens
- Vergleichende Analyse der Währungspläne von Keynes und White
- Ursachen für den Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems in den 1970er Jahren
- Übergang vom staatlich regulierten („gefesselten“) zum liberalisierten („entfesselten“) Markt
- Herausforderungen durch Instabilität und Krisenanfälligkeit im aktuellen globalen Finanzsystem
Auszug aus dem Buch
Der Übergang vom „gefesselten“ zum „entfesselten Markt“
Nach etwas über zwei Jahrzehnten, in denen das Bretton-Woods System gut funktioniert und entscheidend dazu beigetragen hatte, dass der weltweite Welthandel floriert, die wirtschaftliche Produktion zunimmt und der langersehnte Wohlstand einkehrt, brach es schließlich zusammen, als Ende der 1960er Jahre der Dollar nicht mehr ausreichend durch die Goldbestände der US-Amerikanischen Notenbank (FED) gedeckt war (vgl. Kurm-Engels, 2008). Das Problem der Konvertibilität des Dollars in Gold, wurde neben dem weltweiten wirtschaftlichen Wachstum und dem damit verbundenen erhöhten globalen Geld- und Kapitalfluss, auch durch die inflationäre Geldpolitik der USA während des Vietnamkriegs verstärkt. So untermauern Ökonomen heute retrospektiv, dass die Nichteinbeziehung inländischer Inflationsraten in die Wechselkurse (also eine nominale statt reale Wechselkursordnung), real falsche und schließlich unglaubwürdige Umtauschverhältnisse geschaffen habe, was den Untergang des Bretton-Woods-Systems zusätzlich stimuliert haben soll (vgl. Hankel, 1998).
Mit der offiziellen Auflösung des Bretton-Woods Systems 1971 durch US-Präsident Nixon (vgl. Strange, 1997, S.7) begann der Übergang vom „government-led-system“ (gefesselter Markt) zum sogenannten „market-led-system“ (entfesselter Markt). Ein Zustand, indem der Markt die Wechselkurse für die Währungen festlegt und nicht die Regierungen oder andere internationale Organe wie es zu Zeiten des Bretton-Woods Systems der Fall gewesen ist (vgl. Strange, 1997, S. 8). Innerhalb des entfesselten Markts konnte durch die Freigabe der Devisenkurse ein globaler Devisenmarkt entstehen und sich entfalten. Banken waren gleichsam in der Lage von den freien Wechselkursen und den damit verbundenen Gewinnpotenzialen zu profitieren, indem sie internationale Fremdwährungskredite aufnahmen und an andere vergaben (vgl. Lowell; Farell, 1997, S. 47).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt den Kontext der Arbeit dar, erläutert die historische Transformation der Finanzmärkte und formuliert das Ziel, die Notwendigkeit von Global Governance zu diskutieren.
Wie kam es zu den Konferenzen von Bretton-Woods?: Dieses Kapitel beleuchtet die sicherheitspolitischen und ökonomischen Beweggründe der 44 Nationen bei der Gründung des Bretton-Woods-Systems nach dem Zweiten Weltkrieg.
Was waren die Unterschiede zwischen den Plänen von White und Keynes?: Hier werden die gegensätzlichen Konzepte von Keynes (bilateral, „Bancor“) und White (multilateral, US-Dollar-Dominanz) gegenübergestellt.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Bretton-Woods Abkommens?: Dieses Kapitel beschreibt die Etablierung des IWF und der Weltbank zur Überwachung stabiler Wechselkurse.
Der Übergang vom „gefesselten“ zum „entfesselten Markt“: Der Abschnitt analysiert den Zerfall des Systems ab den 1970er Jahren und die Folgen der Deregulierung für die globale Finanzarchitektur.
Schlussbetrachtung: Das Fazit bewertet die durch Deregulierung entstandene Instabilität und plädiert für die Einführung globaler Regulationsmechanismen.
Schlüsselwörter
Bretton-Woods, Finanzmarkt, Globalisierung, Währungssystem, Keynes, White, entfesselter Markt, Finanzkrise, Deregulierung, Global Governance, Wechselkurse, Kapitalverkehr, Instabilität, IWF, Weltbank.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Wandel der internationalen Finanzmarktordnung vom Bretton-Woods-System bis hin zur aktuellen Phase der globalisierten Finanzmärkte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Entstehung des Bretton-Woods-Systems, die theoretischen Unterschiede in den Entwürfen von Keynes und White sowie die Folgen der späteren Deregulierung für die globale Stabilität.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Auflösung des festen Währungssystems zu einer Destabilisierung führte und warum heute Regulierungsmechanismen im Sinne einer Global Governance notwendig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, gestützt auf Fachliteratur, um die ökonomischen Zusammenhänge des Finanzmarktwandels zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Hintergründe der Bretton-Woods-Konferenzen, einen Vergleich der Planungskonzepte der Nachkriegszeit sowie eine Analyse des Übergangs zum „entfesselten Markt“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bretton-Woods, Finanzmarktkrise, Deregulierung, Globalisierung, „gefesselter Markt“ und „entfesselter Markt“.
Warum wurde der Plan von Harry Dexter White dem von Keynes vorgezogen?
Whites Plan galt als realistischer und unterstützte die multilaterale Lösung mit dem US-Dollar als Leitwährung, während Keynes’ Konzept stärker bilateral geprägt war und als Interessenvertretung Großbritanniens wahrgenommen wurde.
Was versteht man unter dem Begriff „Casino Capitalism“ im Kontext der Arbeit?
Die Metapher nach Susan Strange beschreibt den Rauschzustand und die zunehmende Spekulation der Finanzmärkte nach dem Übergang zu „floating rates“ und den damit verbundenen Verlust an staatlicher Kontrolle.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der nationalen Zentralbanken in der Finanzkrise?
Die Arbeit konstatiert, dass trotz globaler Verflechtungen die nationalen Zentralbanken als „Gläubiger der letzten Instanz“ weiterhin die essenzielle Funktion der Liquiditätsbereitstellung in Krisenzeiten erfüllen.
- Quote paper
- Alper Baysan (Author), 2009, Globalisierung der Finanzmärkte nach dem Zerfall des Bretton-Woods Systems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140643