Der Neoliberalismus und seine Folgen

Zunahme egoistischer Tendenzen


Hausarbeit, 2007

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Egoismus als Grundprinzip des Neoliberalismus?
1.1. Definition Egoismus
1.2. Definition Neoliberalismus
1.3. Zusammenführung der Begriffe Egoismus und Neoliberalismus
1.3.1 Der Kommunismus
1.3.2. Der Kommunitarismus
1.3.3. Der Liberalismus
1.3.4 Kommunismus – Kommunitarismus - Liberalismus

2. Gesellschaftlicher Wandel
2.2 Der Mensch als Teil einer hochkultivierten Gesellschaft
2.3 Der Mensch als Teil einer modernen Gesellschaft

3. Funktionssysteme einer modernen liberalen Gesellschaft
3.1 Funktionssystem Wirtschaft - Kapitalismus
3.2 Funktionssystem Politik – Demokratie
3.3 Funktionssystem Religion – Christentum und Menschenbild
3.3.1 Wandel des Menschenbildes

4. Ellenbogengesellschaft – Egoistische Ausprägung einer Gesellschaft
4.1.Westeuropa – Ursachen einer Ellenbogengesellschaft

Quellenverzeichnis

Anmerkungen

1. Egoismus als Grundprinzip des Neoliberalismus?

Der Neoliberalismus brachte eine Vielzahl von Veränderungen mit sich, deren Auswirkungen sich in allen Bereichen des menschlichen Alltags bemerkbar gemacht haben. Eine der Folgen, welche mit dem Neoliberalismus einhergingen, ist die Zunahme egoistischer Tendenzen. Um diesem Phänomen nachzugehen, bedarf es zunächst einer Definition der beiden Begriffe Egoismus und Neoliberalismus.

1.1. Definition Egoismus

Der Egoismus (Ichbezogenheit, Ichhaftigkeit, Selbstsucht, Ichsucht) „bezeichnet die Einstellungen und Verhaltensweisen, bei denen das eigene Ich gegenüber den Interessen anderer Menschen bevorzugt wird.“1 Man unterscheidet den natürlichen, gesunden und den krankhaften, übertriebenen Egoismus.

„Der natürliche und gesunde Egoismus dient dem Durchsetzen der eigenen Interessen im Sinne der Selbsterhaltung, Selbstbewahrung und Selbstbehauptung.“2 Dahingegen dient „der krankhafte oder übertriebene Egoismus (…) dem Durchsetzen der eigenen Interessen auch da, wo andere Menschen dadurch unverhältnismäßig geschädigt oder beeinträchtigt werden“3.

Das Ziel des natürlichen, gesunden egoistischen Handelns ist folglich die Selbsterhaltung, Selbstbewahrung und Selbstbehauptung. „Unter Selbsterhaltung versteht man ein biologisches Prinzip, das es Lebewesen aufgrund innerer

Veranlagungen (…) oder bewusster Entscheidung ermöglicht, sich als Individuum

und hierdurch letztlich als Population und Art am Leben zu halten.“4 Die

Bedürfnisbefriedigung wird „allenfalls beim Menschen bewusst vollzogen (…) also im Wissen und mit ausdrücklichen Ziel der Selbsterhaltung.“5 Es handelt sich vielmehr um „die mittelbare Folge von Verhaltensweisen die primär um ihrer selbst willen vollzogen werden.“6 Der Egoismus beruht biologisch auf dem Selbsterhaltungstrieb und ist in seiner Bewertung zumeist negativ geprägt. Philosophen und Nationalökonomen, wie Adam Smith und D.Ricardo, deuten diesen „aber auch als Antrieb allen wirtschaftlichen Handelns und Voraussetzung für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt.“7

1.2. Definition Neoliberalismus

Die Bezeichnung Neoliberalismus setzt sich aus dem Präfix neo, abgeleitet vom griechischen néos für „in erneuter Form, weiterentwickelt; wieder aufgelebt“8, und dem Begriff Liberalismus zusammen. Ursprünglich war dies die Bezeichnung einer Gruppierung Liberaler, die während der 30er und 40er Jahre des 20.Jahrhunderts die Ideen des klassischen Liberalismus wiederbelebten und die Soziale Marktwirtschaft ideologisch mitbegründeten. „Der Neoliberalismus strebt eine vorwiegend marktwirtschaftliche Orientierung mit den entsprechenden Gestaltungsmerkmalen wie privates Eigentum, freie Preisbildung, Vertragsfreiheit und Gewerbefreiheit an.“9 Die Hauptforderungen des Neoliberalismus sind die Monopol- und Kartellkontrolle, der soziale Ausgleich und die Chancengleichheit.

Als neoliberal bezeichnet man Positionen, die eine Privatisierung verschiedenster Wirtschaftsbereiche fordern. Hierzu gehört auch die Infrastruktur wie die Versorgung mit Wasser und Energie, die Telekommunikation, das Verkehrswesen, die Bildung, das Wohnungswesen, Kultur und Sport, sowie die medizinische Versorgung. „Der Rückzug des Staates und die Überantwortung von gesellschaftlichen Belangen an Kräfte des Marktes geht Kritikern zufolge mit dem Verlust demokratischer Einflussmöglichkeiten auf das Gemeinwesen einher.“10 Obwohl die Ideen des klassischen Liberalismus dem Neoliberalismus als Grundlage dienen, weichen beide Systeme in ihrer Ausprägung voneinander ab.

Der klassische Liberalismus ging zwar ebenso wie der Neoliberalismus eine enge Verbindung mit dem Kapital ein, sah dessen Rechtfertigung jedoch nicht so sehr in einer überlegenen wirtschaftlichen Effizienz dieses Systems, sondern vielmehr in seinem Vermögen, die Freiheit des Menschen zur größtmöglichen Entfaltung zu bringen und jedem Individuum Gerechtigkeit zukommen zu lassen. „Im politischen Sinne zielte er gegen den Absolutismus und die damit einhergehenden Adelsprivilegien, sowie die Einschränkung der persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit.“11 Der klassische Liberalismus war der „wirtschaftlicher Ausdruck der Aufklärung“12, der dem Staat in wirtschaftlichen Abgelegenheiten eine passive Rolle zugedacht hat. Dieser sollte möglichst nicht in die sozialen und ökonomischen Prozesse eingreifen, sondern nur für rechtliche Rahmenbedingungen sorgen. Der liberale Rechtsstaat habe „nur für die Einhaltung der allgemeinen bürgerlichen Gesetze zu sorgen“13.

1.3. Zusammenführung der Begriffe Egoismus und Neoliberalismus

Um die beiden vorangegangenen Begriffe Egoismus und Neoliberalismus zusammenzubringen bedarf es einer Gegenüberstellung von Kommunismus, Kommunitarismus und Liberalismus. Diese politischen Bewegungen sollen nachfolgend im Einzelnen betrachtet werden.

1.3.1 Der Kommunismus

Mitte des 19.Jhds entstand in Frankreich dieser Begriff als Bezeichnung für die Utopie einer klassenlosen Gesellschaft. Die Theorie vom Kommunismus als „Gesellschaftsordnung, in der es keine Klassenunterschiede gibt“14 basiert auf Karl Marx und der Grundlage, dass „alle Produktionsmittel und Erzeugnis in das gemeinsame Eigentum aller Staatsbürger übergehen und in der alle sozialen Gegensätze aufgehoben sind.“15 Nach Karl Marx Sicht

standen sich in der Vergangenheit „stets eine kleine herrschende und eine große

unterdrückte Klasse“16 gegenüber. Im Industrialisierungszeitalter erhält die Klasse der Arbeiter selbst die Befähigung eine Gesellschaft zu führen. Über den Sozialismus als Zwischenphase entstehe in der Folge eine „kommunistische Gesellschaft in der es keine Ausbeutung mehr gebe“17. Als politische Richtung bezeichnet er die „Bewegung, die sich gegen den Kapitalismus wendet und eine zentral gelenkte Wirtschafts- und Sozialordnung verficht.“18.

Der praktizierte Kommunismus bringt in den meisten kommunistisch regierten Staaten eine totalitäre und bürokratische Herrschaftsform hervor. „Der Staatsapparat wurde der kommunistischen Partei untergeordnet und von ihr überwacht, individuelle Freiheit aufgehoben und in der Wirtschafts-, Sozial- und Kulturpolitik durch einen radikalen Kollektivismus ersetzt; das Privateigentum an Produktionsmitteln wurde durch Vergesellschaftung und Bodenreform beseitigt oder zumindest eng begrenzt.“19

1.3.2. Der Kommunitarismus

Seinen Ursprung hat der Kommunitarismus in den USA der 80er Jahre des 20.Jhds. Aus der „Kritik am Liberalismus und an den Individualisierungstendenzen moderner Gesellschaften entstanden Ansätze der politischen Philosophie und der Soziologie, die die Notwendigkeit von Gemeinschafts- und Wertebindungen des Einzelnen hervorheben.“20 Der Kommunitarismus als politische Bewegung stellt besonders den „Gemeinsinn und soziale Tugenden in den Vordergrund“21 und strebt „eine auf das Gemeinwohl orientierte Erneuerung gesellschaftlicher Institutionen“22 an. Das Streben nach gemeinsamen Werten hat das Ziel eine Grundlage für gerechte politische Ordnung zu schaffen. „Es geht den Kommunitaristen um eine Stärkung gemeinschaftlicher Werte in einer freien und demokratischen Gesellschaft“23

1.3.3. Der Liberalismus

Der Begriff Liberalismus ist abgeleitet vom lateinischen Wort liberalis und trägt

Bedeutung die Freiheit betreffend.

Der Liberalismus ist ein Resultat aus der humanistischen Forderung nach freier Persönlichkeitsentfaltung des Individuums und der Aufklärung des 17./ 18.Jhds mit

dem Ruf nach einem mündigen Bürger. Der Liberalismus als „Denkrichtung und Lebensform“24 hatte seinen Ursprung in England zum Ende des 17.Jhds. Dieser „war eng verknüpft mit dem Individualismus der Renaissance und der Frühaufklärung“25. Der mittelalterliche Mensch war gebunden in die „streng hierarchisch gegliederten Institutionen und der Ständeordnung“26. Die Aufklärung hingegen begriff den Menschen als vernünftiges Wesen. Dem Einzelnen wurden unveräußerliche sowie unantastbare Rechte zugesprochen. Im 18.Jhd übernahm das aufstrebende Bürgertum Ideen des Liberalismus wie die Sicherung des Privateigentums; um diese in ihrem Sinne anzuwenden. Mit dem wachsenden Einfluss des Bürgertums ging ein Bedeutungszuwachs für den Liberalismus einher.

Als Staats- und Gesellschaftsauffassung vertritt der Liberalismus die freie, geistige und wirtschaftliche Entfaltung des einzelnen Menschen. Insbesondere tritt er für die Menschenrechte, die Volkssouveränität, das allgemeine gleiche Wahlrecht, für die Verfassung und die parlamentarische Regierungsform ein.

1.3.4 Kommunismus – Kommunitarismus - Liberalismus

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Rechte und Pflichten im Kommunismus alleine dem Staat obliegen, dieser konstruiert die Norm für Gerechtigkeit. Das Individuum spielt eine untergeordnete Rolle.

Im Kommunitarismus hingegen werden Rechte und Pflichten durch die Gemeinschaft selbst organisiert. Der Mensch ist Teil eines sozialen Gefüges, ist demnach immer in sozialen Umständen eingebettet. Die Aufgabe des Individuums ist es die Gemeinschaft zu stärken und eine Rolle im Entwicklungsprozess einzunehmen. Der Liberalismus ist extrem freiheitlich ausgerichtet und erfordert als Grundvoraussetzung die Chancengleichheit aller Bürger. Die Rechte und Pflichten kommen allein dem Individuum zu. Das Recht des Bürgers ist das egoistische, individuelle Handeln, im Sinne des Liberalismus ist das egoistische Streben für die ganze Gesellschaft am dienlichsten. Die Bürgerpflicht ist das eigenverantwortliche Handeln, bei Nichterfüllung besteht die Gefahr an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden.

[...]

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Details

Titel
Der Neoliberalismus und seine Folgen
Untertitel
Zunahme egoistischer Tendenzen
Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Emden  (Fachbereich Sozialwesen, Studiengang Soziale Arbeit)
Veranstaltung
Pädagogik und Psychologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V140679
ISBN (eBook)
9783640480524
ISBN (Buch)
9783640480388
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neoliberalismus, Ellenbogengesellschaft, Wirtschaft, Westeuropa, Politik, Gesellschaft, Egoismus, Konkurrenz, Liberalismus, Menschenbild, Funktionssysteme, Kapitalismus
Arbeit zitieren
Mareke Bokelmann (Autor:in), 2007, Der Neoliberalismus und seine Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140679

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