Die Ursachen für die sich in Westeuropa entwickelte Tendenz zur Ellenbogengesellschaft scheinen ihre Bedingung in der wirtschaftlichen Situation zu haben. Politische Systeme und der Einfluss von Medien bestärken die egoistischen Tendenzen innerhalb der westeuropäischen wirtschaftlich orientierten Gesellschaften. Der wirtschaftliche Rückgang, die einhergehende steigende Arbeitslosigkeit und der wachsende wirtschaftliche Konkurrenzkampf fordern vom arbeitenden Menschen eine erhöhte Leistungsbereitschaft. Billiglohnländer übernehmen Aufgaben westeuropäischer Arbeitnehmer für geringere Entlohnung, Unternehmen und Arbeitsplätze werden ins billigere Ausland verlagert. Zusätzlich werden qualifizierte Arbeitnehmer (z.B. Softwarespezialisten) aus Dritte Welt und Schwellenländer benötigt um Arbeitsplätze zu besetzten, deren Herausforderung westeuropäische Arbeitnehmer mangels Qualifikation nicht gerecht werden können. Hinzu kommt die elektronische Vernetzung via Internet, die es möglicht macht, vom Menschen erbrachte Dienstleistungen zu ersetzen und Arbeitsplätze abzubauen. Durch die Medien wird dem Menschen eine Meinung suggeriert, ein Weltbild wird geprägt, in dem Konsum, Erfolg, Macht und makellose Schönheit zu menschlichen Werten und Zielen erhoben werden. Von diesem Weltbild abzuweichen bedeutet ins Abseits der Gesellschaft zu geraten.
Der durch diese Faktoren bedingte Konkurrenzkampf wirkt sich nachhaltig auf die westeuropäische Gesellschaft aus. Nicht das Durchsetzen gemeinsamer Ziele steht im Vordergrund der Gesellschaft, vielmehr zielt der Konkurrenzkampf auf das Übertrumpfen und Ausschalten des Schwächeren, also dem rücksichtslosen und egoistischen Verhalten seinen Mitmenschen gegenüber.
Inhaltsverzeichnis
1. Egoismus als Grundprinzip des Neoliberalismus?
1.1.Definition Egoismus
1.2. Definition Neoliberalismus
1.3. Zusammenführung der Begriffe Egoismus und Neoliberalismus
1.3.1 Der Kommunismus
1.3.2. Der Kommunitarismus
1.3.3. Der Liberalismus
1.3.4 Kommunismus – Kommunitarismus - Liberalismus
2. Gesellschaftlicher Wandel
2.2 Der Mensch als Teil einer hochkultivierten Gesellschaft
2.3 Der Mensch als Teil einer modernen Gesellschaft
3. Funktionssysteme einer modernen liberalen Gesellschaft
3.1 Funktionssystem Wirtschaft - Kapitalismus
3.2 Funktionssystem Politik – Demokratie
3.3 Funktionssystem Religion – Christentum und Menschenbild
3.3.1 Wandel des Menschenbildes
4. Ellenbogengesellschaft – Egoistische Ausprägung einer Gesellschaft
4.1.Westeuropa – Ursachen einer Ellenbogengesellschaft
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Neoliberalismus und der Zunahme egoistischer Tendenzen in der Gesellschaft. Ziel ist es, den gesellschaftlichen Wandel sowie die Funktionssysteme der modernen liberalen Gesellschaft zu analysieren, um zu verstehen, wie diese Entwicklungen die Entstehung einer sogenannten Ellenbogengesellschaft begünstigen.
- Definition und theoretische Einordnung von Egoismus und Neoliberalismus
- Historische Analyse des gesellschaftlichen Wandels
- Untersuchung der Funktionssysteme Wirtschaft, Politik und Religion
- Ursachenanalyse der Ellenbogengesellschaft in Westeuropa
Auszug aus dem Buch
1.1.Definition Egoismus
Der Egoismus (Ichbezogenheit, Ichhaftigkeit, Selbstsucht, Ichsucht) „bezeichnet die Einstellungen und Verhaltensweisen, bei denen das eigene Ich gegenüber den Interessen anderer Menschen bevorzugt wird.“1 Man unterscheidet den natürlichen, gesunden und den krankhaften, übertriebenen Egoismus.
„Der natürliche und gesunde Egoismus dient dem Durchsetzen der eigenen Interessen im Sinne der Selbsterhaltung, Selbstbewahrung und Selbstbehauptung.“2 Dahingegen dient „der krankhafte oder übertriebene Egoismus (…) dem Durchsetzen der eigenen Interessen auch da, wo andere Menschen dadurch unverhältnismäßig geschädigt oder beeinträchtigt werden“3.
Das Ziel des natürlichen, gesunden egoistischen Handelns ist folglich die Selbsterhaltung, Selbstbewahrung und Selbstbehauptung. „Unter Selbsterhaltung versteht man ein biologisches Prinzip, das es Lebewesen aufgrund innerer Veranlagungen (…) oder bewusster Entscheidung ermöglicht, sich als Individuum und hierdurch letztlich als Population und Art am Leben zu halten.“4 Die Bedürfnisbefriedigung wird „allenfalls beim Menschen bewusst vollzogen (…) also im Wissen und mit ausdrücklichen Ziel der Selbsterhaltung.“5 Es handelt sich vielmehr um „die mittelbare Folge von Verhaltensweisen die primär um ihrer selbst willen vollzogen werden.“6 Der Egoismus beruht biologisch auf dem Selbsterhaltungstrieb und ist in seiner Bewertung zumeist negativ geprägt. Philosophen und Nationalökonomen, wie Adam Smith und D.Ricardo, deuten diesen „aber auch als Antrieb allen wirtschaftlichen Handelns und Voraussetzung für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt.“7
Zusammenfassung der Kapitel
1. Egoismus als Grundprinzip des Neoliberalismus?: Definiert die zentralen Begriffe Egoismus und Neoliberalismus und setzt diese in Relation zu anderen politischen Strömungen wie Kommunismus und Kommunitarismus.
2. Gesellschaftlicher Wandel: Beleuchtet den historischen Wandel des Menschen in verschiedenen Gesellschaftsformen, von archaischen Strukturen bis hin zur Moderne.
3. Funktionssysteme einer modernen liberalen Gesellschaft: Untersucht, wie Wirtschaft, Politik und Religion in einer liberalen Gesellschaft organisiert sind und wie sich das Menschenbild dabei gewandelt hat.
4. Ellenbogengesellschaft – Egoistische Ausprägung einer Gesellschaft: Analysiert die Entstehung und Ursachen einer Ellenbogengesellschaft in Westeuropa unter Berücksichtigung ökonomischer Faktoren.
Schlüsselwörter
Egoismus, Neoliberalismus, Ellenbogengesellschaft, Liberalismus, Kommunismus, Kommunitarismus, Gesellschaftlicher Wandel, Kapitalismus, Funktionssysteme, Menschenbild, Selbsterhaltung, Konkurrenzkampf, Soziale Marktwirtschaft, Moderne, Individualisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit der Neoliberalismus die Zunahme egoistischer Verhaltensweisen begünstigt und welche gesellschaftlichen Folgen dies hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Egoismus, den Einfluss des Neoliberalismus auf die Gesellschaft, die verschiedenen Funktionssysteme einer modernen Gesellschaft sowie die Entstehung der sogenannten Ellenbogengesellschaft.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie gesellschaftliche Bedingungen – speziell unter dem Einfluss neoliberaler Denkweisen – die Entstehung egoistischer Tendenzen fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die Begriffe definiert, historische Kontexte aufarbeitet und gesellschaftliche Strukturen anhand soziologischer Konzepte (unter anderem nach Luhmann) differenziert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, eine historische Betrachtung des gesellschaftlichen Wandels, eine Untersuchung von Funktionssystemen (Wirtschaft, Politik, Religion) und eine spezifische Analyse der Ellenbogengesellschaft in Westeuropa.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Egoismus, Neoliberalismus, Ellenbogengesellschaft, Liberalismus, Kapitalismus und der Wandel des Menschenbildes.
Wie unterscheidet sich der neoliberale Ansatz vom klassischen Liberalismus laut der Autorin?
Obwohl beide auf dem Liberalismus basieren, liegt der Fokus des klassischen Liberalismus auf der individuellen Freiheit und Entfaltung, während der Neoliberalismus marktwirtschaftliche Privatisierungsprozesse und den Rückzug des Staates stärker in den Vordergrund rückt.
Warum wird die Ellenbogengesellschaft als eine Ausprägung des Neoliberalismus betrachtet?
Die Arbeit argumentiert, dass der durch neoliberale Prinzipien verschärfte Konkurrenzkampf und die Betonung von materiellem Erfolg dazu führen, dass individuelle Vorteile über gemeinschaftliche Tugenden gestellt werden, was den Kern der Ellenbogengesellschaft ausmacht.
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- Mareke Bokelmann (Autor), 2007, Der Neoliberalismus und seine Folgen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140679