Goethes Faust - Darstellung der Farbenlehre in der Szene "Anmutige Gegend"


Seminararbeit, 2008
14 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

A. EINFÜHRUNG

B. GOETHES FARBENLEHRE IN DER SZENE „ANMUTIGE GEGEND“
I. Die Szene „Anmutige Gegend“
1. Einordnung in das Gesamtwerk
2. Inhalt
3. Eine kurze Szenenanalyse
a) Gliederung, Figuren und Ort der Handlung
b) Metrik
c) Die Szene als Bindeglied
II. Goethes Farbenlehre contra Newtons Farbenlehre
1. Newtons Farbenlehre
2. Goethes Farbenlehre
a) Die Naturlehre
b) Das Experiment
c) Die Bestandteile des Lichts
d) Theologie, Farbe und Licht
III. Die Darstellung von Goethes Farbenlehre in der Szene
1. „Auch Farb an Farb klärt sich los vom Grunde [...]“ (Vers 4692)
2. Der Regenbogen
3. „Am farbigen Abglanz haben wir das Leben“ (Vers 4726)

C. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

A. Einführung

Als Schriftsteller, jedoch nicht als Wissenschaftler ist Goethe bekannt. In der Szene „Anmuti-ge Gegend“ greift er Elemente aus seiner Farbenlehre auf. In dieser Arbeit soll untersucht werden, an welchen Stellen Goethes Farbenlehre in der Szene „Anmutige Gegend“ zu erken-nen ist und wie diese Stellen zu interpretieren sind. Dafür möchte ich zu Beginn die genannte Szene untersuchen, wobei eine Einordnung in das Gesamtwerk, sowie eine kurze Inhaltsanga-be und eine kurze Analyse der Szene nicht fehlen dürfen. Anschließend wird auf die Farben-lehre Goethes, aber auch Newtons eingegangen werden, denn nur so kann die Szene richtig verstanden werden. Es soll aufgezeigt werden, an welchen Stellen Elemente der Farbenlehre in der „Anmutige[n] Gegend“ und wie diese interpretiert werden können. Auf Grund der vor-gegebenen, begrenzten Seitenzahl der Arbeit kann keine Vollständigkeit, besonders in der ganzheitlichen Analyse der Szene, sowie in der Naturauffassung und Theorie der Farbenlehre von Goethe, erwartet werden. Es gibt sicher noch viel mehr anzuführen, auf was ich aber in der Kürze nicht eingehen kann.

B. Goethes Farbenlehre in der Szene „Anmutige Gegend“

I. Die Szene „Anmutige Gegend“

1. Einordnung in das Gesamtwerk

Die Szene „Anmutige Gegend“ stellt die erste Szene des „Faust II“ von Johann Wolfgang Goethe dar, welche um 1828 entstanden ist. Diese Szene „Anmutige Gegend“ ist mit der dar-auffolgenden Szene „Kaiserliche Pfalz“ als Vorbereitungsakt der Helenahandlung anzusehen.1 Interessant ist dabei das zeitliche Gefälle, was in der Entstehung der unterschiedlichen Szenen zu erkennen ist. Goethe fertigte bereits 1797 bis 1800 seine Entwürfe zum „Faust II“ an, die Skizzen zur ersten Szene entstanden aber erst 1825, also 25 Jahre später.

Die Szene „Anmutige Gegend“ steht als Brückenszene zwischen „Faust I“ und „Faust II“, der Leser stellt an diese Szene den Anspruch, dass in ihr an Vorangegangenes angeknüpft und Neues eingeführt wird.

2. Inhalt

Faust liegt „auf blumigen Rasen gebettet, ermüdet, unruhig, schlaf suchend“2, um ihn herum schweben der Luftgeist Ariel und seine Geisterschar. Sie bereiten Faust den Schlaf des Ver-gessens und verschwinden bei dem geräuschvollen Aufgehen der Sonne , durch das Faust er-wacht. Er ist nach seinem Erwachen voll neuer Energie und möchte sofort wieder zum Höch-sten Streben, als er Richtung Sonne blickt. Doch die grellen Strahlen der aufgehenden Sonne blenden ihn und so muss er seinen Blick wieder auf die Erde richten, wo er einen Wasserfall sieht, über dem sich ein Regenbogen wölbt. In diesem sieht er den Spiegel des „ [...] men-schliche [n] Bestreben [s] (Vers 4725) und er erkennt an dessen „ [...] farbigen Abglanz [...] das Leben“ (Vers 4727).

3. Eine kurze Szenenanalyse

a) Gliederung, Figuren und Ort der Handlung

Die Szene lässt sich in zwei Teile gliedern. In dem ersten Teil (Vers 4612 - 4678) berichten die Geister, also der Luftgeist Ariel und seine Geisterschar von Fausts Heilschlaf. In dem zweiten Teil warnt Ariel seine Geisterschar vor dem herannahenden Aufgang der Sonne (Vers 4666 – 4678). Daran schließt sich der zweite Teil (Vers 4679 – 4727), in dem der wiederer-wachte Faust seinen Erkenntnismonolog hält. Faust sieht in die Sonne, muss sich aber von dieser auf Grund der Helligkeit abwenden, daraufhin wendet er seinen Blick auf die Erde. Faust durchläuft einen Prozess der Veränderung, er erkennt, dass die einzelnen Fragmente des unbegreiflichen Lebens das Göttliche offenbaren, das der Mensch im direkten Anblick nicht begreifen kann.

Die bereits genannten Figuren sind die einzigen Handelnden in dieser Szene, die, wie der Titel bereits aussagt, sich in einer bezaubernden Gegend befinden. Dieser Ort wird von Faust noch näher als Alpenpanorama beschrieben, als Faust spricht: „Hinaufgeschaut! – Der Berge Gip-felriesen verkünden schon die feierlichste Stunde; [...]. “ (Vers 4695f) und später hinzufügt: „Jetzt zu der Alpe grüngesenkten Wiesen [...]“ (Vers 4699).

b) Metrik

Die rhythmischen Gestaltungen der Verse wechseln sich in der Szene in regelmäßiger Folge ab. Nach einer lyrischen Gesangsstrophe3 (Vers 4613 – 4620), die aus einem vier taktigen Trochäus besteht und im Kreuzreim geschrieben ist, verfällt Ariel in einen dramatischen

Sprechvers4 (Vers 4621 – 4633). Dieser Vers besteht, anders als die erste Gesangsstrophe, aus einem Jambus und freien Rhythmen, außerdem besteht keine Bindung der Strophen und die letzte Verszeile wurde verkürzt. Anschließend folgt wieder eine lyrische Strophe (Vers 4634 – 4665), vom Geisterchor gesungen. Diese Verse besitzen dieselbe Metrik, wie die erste lyrische Gesangsstrophe. Ariel spricht daraufhin eine Strophe (Vers 4666 – 4678), die eine Vermi-schung des Sprech– und des Liedverses darstellt. Sie enthält den vier taktigen Trochäus und somit den gleichmäßigen Rhythmus der bereits zweimal vorhandenen lyrischen Gesangsstro-phe, andererseits ist keine strophische Bindung vorhanden, wie in den dramatischen Sprech-versen. Ariels Strophe folgt Fausts Terzinen-Monolog (Vers 4679 – 4727), einem dramati-schen Sprechvers der den fünf-taktigen Jambus enthält. Hier wird eine Verbindung zwischen dem Faustmonolog und den Sprechversen Ariels hergestellt, metrische Elemente des Faust-Monologs sind bereits in Ariels Strophen zu finden. Anfangs singt Ariel noch in einer lyri-schen Gesangsstrophe, was ein Gefühl des Schwebens beim Zuhörer hervorruft. Die Geister stehen über dem Menschlichen. Als Ariel jedoch den Elfen sagt, was sie für Faust tun sollen, sich also inhaltlich Faust zuwendet, sinkt er in den irdischen Sprechton ab, den auch Faust, der Mensch, nutzt. Die Geister besingen danach den „Läuterung – und Erneuerungsvor-gang“5, der mit Faust geschehen soll, wieder in ihrem lyrischen Gesang, womit deutlich wird, dass sie in ihrer Welt bleiben. Vor Fausts Monolog spricht Ariel abermals in Sprechversen und nutzt dabei die metrische Form, die auch Faust in seinem Monolog verwendet. Somit lei-tet Ariel fließend zu dem Sprechen des Menschen über. Der Monolog Fausts beendet die Sze-ne „Anmutige Gegend“.

c) Die Szene als Bindeglied

Die Funktion der Szene besteht darin, die Verbindung von „Faust I“ zum „Faust II“ herzustel-len. Diese Brückenfunktion der Szene wird jedoch nicht inhaltlich sichtbar. Durch den Schlaf hat Faust alles bisher Geschehene vergessen, damit er handlungsfähig bleibt. Aber trotz des Bruches auf der Handlungsebene bleiben die beiden Faustteile miteinander verbunden, da Bilder und Motive von Goethe so gewählt werden, dass sie an bereits vorangegangene Hand-lungsabschnitte anknüpfen und deren Motivik wieder aufnehmen. Karl Eibl bezeichnet dieses Phänomen als „erinnernde Dopplung“6. Deutlich wird diese Annahme unter anderem in der Regieanweisung vor dem Vers 4613, in der von Äolsharfen, die Ariel bei dessen Gesang be-gleiten, die Rede ist. Das Motiv der Äolsharfen ist bereits in der „Zueignung“ des „Faust I“ zu finden. Im Vers 28 wird gesagt: „Es schwebet nun in unbestimmten Tönen mein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich [...] Auch das herannahende Getöse der Sonne, in der Regieanweisung im Vers 4665, lässt sich bereits zu Beginn der Handlung im „Faust I“ wiederfinden. Der Engel Raphael spricht im „Prolog im Himmel“: „Die Sonne tönt nach alter Weise [...] (Vers 243).

II. Goethes Farbenlehre contra Newtons Farbenlehre

[...] [U] nd ich [Goethe] sprach wie durch einen Instinkt sogleich vor mich laut aus, daß die Newtonische Lehre falsch sei.“7 Wenn man die Farbenlehre Goethes und seine Ablehnung gegenüber Newtons Farbenlehre verstehen möchte, muss man sich zuvor kurz die Theorie Newtons anschauen. Nur so ist zu erkennen, was Goethes Anschauung von Newtons Theorie unterscheidet. Denn es stecken viele Überlegungen hinter Goethes Lehre der Farben, die bei Newton keine Rolle gespielt haben. Nur wenn man weiß, wie Goethe die Lehre der Farben versteht, kann man seine Texte daraufhin interpretieren. Dabei ist es auch sehr wichtig auf Goethes Naturverständnis einzugehen, durch das sein Verständnis von der Lehre der Farben stark beeinflusst worden ist. Dies versuche ich im Folgenden in knapper Form aufzuzeigen.

1. Newtons Farbenlehre

Der englische Physiker und Mathematiker Isaac Newton findet Mitte des 17. Jahrhunderts heraus, dass sich das weiße Licht aus verschiedenen Farben zusammensetzt und sich unter bestimmten Bedingungen, infolge prismatischer Brechung, in verschiedene Farbspektren zer-legen lässt.8 Als Grund dafür nennt er den Brechungswinkel der Spektralfarben. Auch heute noch gehen die Forscher davon aus, dass sich das weiße Licht aus nichtweißen Farben zu-sammensetzt.9 Newton ist außerdem der Annahme, dass in dem Sonnenlicht alle Farben enthalten sind und dass das Farbspektrum aus sieben Primärfarben besteht.10 Er ist der Mei-nung, dass diese Farben, in die das weiße Licht dekomponiert wurde, auch wieder zusammen-setzen lassen, woraus dann wieder ein weißes Licht entsteht. Diese Theorie wird von der heu-tigen Forschung nicht mehr bestätigt.

[...]


1 Eibl, Karl. S. 196f.; Kobligk, Helmut. S. 5f.

2 Goethe, Johann Wolfgang. Faust der Tragödie zweiter Teil. S. 3.

3 May, Kurt. S. 12.

4 May, Kurt. S. 12.

5 May, Kurt. S. 12.

6 Eibl, Karl. S. 171.

7 Schöne, Albrecht. S. 15.

8 Schöne, Albrecht. S. 12.; Harenberg Lexikon. S. 2130.

9 Schöne, Albrecht. S. 13.

10 Schöne, Albrecht. S. 13.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Goethes Faust - Darstellung der Farbenlehre in der Szene "Anmutige Gegend"
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V140697
ISBN (eBook)
9783640488391
ISBN (Buch)
9783640488551
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethes, Faust, Darstellung, Farbenlehre, Szene, Anmutige, Gegend
Arbeit zitieren
Sabine Holzfuß (Autor), 2008, Goethes Faust - Darstellung der Farbenlehre in der Szene "Anmutige Gegend", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140697

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