Als Schriftsteller, jedoch nicht als Wissenschaftler ist Goethe bekannt. In der Szene „Anmutige Gegend“ greift er Elemente aus seiner Farbenlehre auf. In dieser Arbeit soll untersucht werden, an welchen Stellen Goethes Farbenlehre in der Szene „Anmutige Gegend“ zu erkennen ist und wie diese Stellen zu interpretieren sind. Dafür möchte ich zu Beginn die genannte Szene untersuchen, wobei eine Einordnung in das Gesamtwerk, sowie eine kurze Inhaltsangabe und eine kurze Analyse der Szene nicht fehlen dürfen. Anschließend wird auf die Farbenlehre Goethes, aber auch Newtons eingegangen werden, denn nur so kann die Szene richtig verstanden werden. Es soll aufgezeigt werden, an welchen Stellen Elemente der Farbenlehre in der „Anmutige[n] Gegend“ und wie diese interpretiert werden können. Auf Grund der vorgegebenen, begrenzten Seitenzahl der Arbeit kann keine Vollständigkeit, besonders in der ganzheitlichen Analyse der Szene, sowie in der Naturauffassung und Theorie der Farbenlehre von Goethe, erwartet werden.
Inhaltsverzeichnis
A. EINFÜHRUNG
B. GOETHES FARBENLEHRE IN DER SZENE „ANMUTIGE GEGEND“
I. Die Szene „Anmutige Gegend“
1. Einordnung in das Gesamtwerk
2. Inhalt
3. Eine kurze Szenenanalyse
a) Gliederung, Figuren und Ort der Handlung
b) Metrik
c) Die Szene als Bindeglied
II. Goethes Farbenlehre contra Newtons Farbenlehre
1. Newtons Farbenlehre
2. Goethes Farbenlehre
a) Die Naturlehre
b) Das Experiment
c) Die Bestandteile des Lichts
d) Theologie, Farbe und Licht
III. Die Darstellung von Goethes Farbenlehre in der Szene
1. „Auch Farb an Farb klärt sich los vom Grunde […]“ (Vers 4692)
2. Der Regenbogen
3. „Am farbigen Abglanz haben wir das Leben“ (Vers 4726)
C. FAZIT
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Integration von Johann Wolfgang von Goethes Farbenlehre in die Eingangsszene des „Faust II“, „Anmutige Gegend“, um zu analysieren, wie Goethes naturwissenschaftliche Theorien und sein pantheistisches Weltbild seine dichterische Gestaltung beeinflussen.
- Einordnung der Szene „Anmutige Gegend“ in das Gesamtwerk Fausts.
- Gegenüberstellung von Goethes Farbenlehre und der physikalischen Theorie Isaac Newtons.
- Analyse der Bedeutung von Natur und Licht als Offenbarungen des Göttlichen.
- Interpretation zentraler Textstellen im Hinblick auf Goethes naturwissenschaftliche Erkenntnisse.
- Verständnis der Szene als Brücke und Neuanfang für Fausts Lebensweg.
Auszug aus dem Buch
2. Der Regenbogen
„Allein wie herrlich, diesem Sturm entsprießend, wölbt sich des bunten Bogens Wechseldauer, […]“ (Vers 4721f.) Der nun wache Faust sieht einen Wasserfall („Wassersturz“ Vers 4716), der, nach Helmut Kobligk, ein Symbol des Wechselhaften, der vergänglichen Wirklichkeit darstellt. Der Wasserfall, mit seinem beständigen Fließen, kann hier als Symbol für das menschliche Streben, was Faust die ganze Zeit verfolgt, angesehen werden, aber auch einfach nur als Medium, in dem sich der Regenbogen zeigt. Dieser „Bogen“ stellt kein fixes Objekt dar, denn er wechselt sein Aussehen beständig, was an dem Substantiv „Wechseldauer“ erkennbar wird. Der Bogen ist hier ein nicht fassbares Schleiergebilde, das durchscheinend ist, genauso wie Nebel oder Dunst. An seinem „farbigen Abglanz“, der nicht greifbar ist, kann das Leben der Natur gesehen werden. Die Natur funktioniert hier wie ein Schleier. Das Wahre, das Göttliche scheint durch sie hindurch, wird aber auch gleichzeitig von ihr verhüllt.
Für Goethe ist das Licht in der Welt vorhanden, aber für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar, erst in der Farbe, die durch die Lichtbrechung am Objekt entsteht, kann der Mensch das Licht sehen. In diesem Fall zeigt sich das Licht, indem es sich an den Wassertropfen des Wassersturzes bricht. Es zeigt sich in der Form des „bunten Bogens“. Das Adjektiv „bunt“ weist auf einen Zusammenhang mit der Farbenlehre hin. Es beschreibt das Aussehen des „Bogens“ und lässt die nähere Bestimmung dieses Objektes zu. Denn durch die Farbvielfalt, die das Wort „bunt“ in sich trägt, kann man auf das Phänomen des Regenbogens schließen, den Faust über dem Wasserfall entstehen sieht. Auf die sieben Farben, aus denen ein Regenbogen besteht, geht Goethe an dieser Stelle nicht ein. Jedoch ist an dem Partizip I „entsprießend“ erkennbar, dass Goethe das physikalische Wissen über die Entstehung des Regenbogens beobachtet hat. Jedoch schreibt Eibl, dass der Regenbogen für Goethe ein unbegreifliches Phänomen darstellt. Wie bereits in Punkt II aufgezeigt, teilt Goethe Newtons Theorie von der Aufspaltung des Lichts in unterschiedliche Farben nicht. Jedoch findet er bei seinen Überlegungen keine Erklärung für das Phänomen des Regenbogens.
Zusammenfassung der Kapitel
A. EINFÜHRUNG: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, Goethes Farbenlehre innerhalb der Szene „Anmutige Gegend“ aufzuzeigen und zu interpretieren.
B. GOETHES FARBENLEHRE IN DER SZENE „ANMUTIGE GEGEND“: Dieser Hauptteil analysiert die Szene strukturell, stellt die Theorien von Goethe und Newton gegenüber und untersucht spezifische Verse, in denen sich Goethes Farbentheorie manifestiert.
C. FAZIT: Die Zusammenfassung betont die untrennbare Verbindung von Goethes wissenschaftlichem Denken und seinem dichterischen Schaffen sowie die Bedeutung des Naturverständnisses für die Interpretation des „Faust“.
Schlüsselwörter
Goethe, Farbenlehre, Faust, Anmutige Gegend, Newton, Licht, Natur, Pantheismus, Regenbogen, Abglanz, Göttliches, Literaturanalyse, Symbolik, Optik, Wissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht, wie Johann Wolfgang von Goethe seine eigene Farbenlehre in der Eingangsszene des „Faust II“, „Anmutige Gegend“, einsetzt und literarisch verarbeitet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Goethes naturwissenschaftliche Beobachtungen, sein Verständnis von Licht und Farbe im Kontrast zur Newtonschen Physik sowie die symbolische Bedeutung der Natur als Ausdruck des Göttlichen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, an welchen Stellen innerhalb der Szene Goethes Farbenlehre erkennbar ist und wie diese Stellen vor dem Hintergrund seines pantheistischen Naturverständnisses zu interpretieren sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine szenenanalytische Untersuchung mit einer komparativen Analyse der physikalischen Theorien (Goethe vs. Newton) sowie einer geisteswissenschaftlichen Interpretation zentraler Textstellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Szenenanalyse, die theoretische Gegenüberstellung von Goethes Farbenlehre und Newtons Lehre sowie eine detaillierte Deutung von drei zentralen Versen im „Faust“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Goethes Farbenlehre, Pantheismus, Licht und Farbe, Regenbogen-Symbolik, Naturphilosophie und die literarische Einordnung von Fausts „Anmutiger Gegend“.
Warum lehnt Goethe Newtons Farbenlehre ab?
Goethe betrachtet das Licht als ein reines Phänomen, das nicht durch Brechung in sieben Farben zerlegt wird, sondern durch die Interaktion von Licht, Dunkelheit und Objekten wahrnehmbar wird, was Newton für ihn in seiner mathematischen Analyse verkennt.
Welche Bedeutung hat der Regenbogen für Faust?
Der Regenbogen dient für den erwachenden Faust als Symbol des „farbigen Abglanzes“ des Göttlichen und ermöglicht ihm einen neuen Zugang zur Welt, indem er sich vom Wunsch nach absolutem Wissen abwendet und das Leben in der Natur akzeptiert.
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- Sabine Holzfuß (Author), 2008, Goethes Faust - Darstellung der Farbenlehre in der Szene "Anmutige Gegend", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140697