Analyse und Interpretation: «Au revoir, les enfants» (1987) von Louis Malle

Cinéma de l´après guerre et l´occupation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
17 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie von Louis Malle

3. Stationsbeschreibungen und Beweggründe für seinen Wegzug –
Auswirkungen auf seine realisierten Filme
3.1 Paris
3.2 Indien

4. Inhaltsangabe und eingehende Interpretationsansätze von „Au revoir les enfants“

5. Realisierung von „Au revoir les enfants“ (1987) – Hintergründe und Darstellung

5. Fazit/ Schlussbemerkung

7. Filmographie

8. Bibliographie

1. Einleitung

In der nachfolgenden Arbeit soll eingehend Malles Vita dargestellt werden, sowie eine eingeflochtene, chronologische Auflistung seiner veröffentlichten Filme im Laufe seines Lebens.

Des weiteren wird untersucht, an welchen Orten Louis Malle in seiner Karriere Station gemacht hat, was ihn dazu bewog, den Platz des Schaffens gelegentlich zu wechseln, was für Erfahrungen er vor Ort machte und inwieweit er durch den Umgebungswechsel geprägt wurde. Es ist bekannt, dass er durch seine vielen Reisen innerhalb Frankreichs, aber auch nach Übersee und Vorderasien in seinem Tun beeinflusst wurde und dass sich diese auf seine realisierten Filme ausgewirkt haben. Es wird geschildert, inwieweit sich die Auslandsaufenthalte auf seine Philosophie, auf seine Techniken und Sichtweisen des Filmens ausgewirkt haben

Im zweiten Teil der Arbeit wird näher auf die Realisierung von „ Au revoir, les enfants“ (1987) eingegangen.

Um einen angemessenen Einblick in die Geschichte seines Films „Au revoir, les enfants“ zu bekommen, wird eine knappe Inhaltsangabe angefertigt, wobei wichtige und herausstechende Passagen analysiert und in Bezug zu seiner Biographie gesetzt werden.

Nach eingehenden Interpretationsansätzen, werden die Beweggründe beleuchtet, seine Kindheitserlebnisse in Form von Filmen bewältigen zu wollen, inwieweit die produzierten Filme authentisch sind und warum die filmerische Auseinandersetzung mit seinen Erinnerungen erst relativ spät( ca. 40 Jahre nach den Ereignissen) erfolgte.

Auch wird die Frage geklärt, warum er kurz nach seiner Wiederkehr aus den USA sich intensiv damit beschäftigte, die Passagen aus seiner Kindheit und Adoleszenz zu verarbeiten und ob der Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von Amerika seine Aufarbeitung forciert hat.

Zum Schluss der Arbeit wird probiert, einige grundlegende Aussagen aufzudecken, die Malle mit dem autobiographischen Film „Au revoir, les enfants“ ausdrücken wollte und inwiefern man diese versteckten Gesellschaftskritiken aufschlüsseln kann.

2. Biographie von Louis Malle

Louis Malle wurde 1932 in Thumeries im Norden von Frankreich geboren. Er war der Sohn einer reichen industriellen Familie und das fünfte Kind von insgesamt sieben Geschwistern. Er wurde streng katholisch erzogen.

Mit 14 Jahren machte er die ersten Aufnahmen mit der 8 mm Kamera seines Vaters.

Er beschloss Regisseur zu werden und verbrachte viel Zeit in Kinos, sowie der Studien der Filmrealisation.[1]

Trotzdem begann er zunächst ein Studium der politischen Wissenschaft, wechselte aber 1951 auf die Filmhochschule in Paris, die er dennoch ohne Abschluss (1953) verließ.

Als Grund für den Abbruch ließ er verlauten, dass der gelehrte Stoff ihm zu theoretisch war.

Kurze Zeit später nahm er das Angebot des berühmten Unterwasserfilmers Jacques Cousteau („Le Monde du silence“, 1956), als Assistent und Kameramann tätig zu sein an, und ging schließlich mit ihm auf eine 2-jährige Forschungsreise, auf der er die Technik des Filmens lernte. Insgesamt blieb er 4 Jahre bei Cousteau.[2]

Bei Unterwasseraufnahmen des gesunkenen Passagierdampfers „Andrea Doria“ in den USA, verunglückte ein Kollege von ihm. Auch Malle verletzte sich schwer am Trommelfell.

Aufgrund dieses Ereignisses und anderer Umstände, beschloss er, mit der Arbeit als Unterwasser-Kameramann aufzuhören.[3]

Nach einigen gescheiterten Projekten, publizierte er 1957 seinen ersten Spielfilm: „L'ascenseur pour l'échafaud“.

Es folgten u. a. der skandalträchtige Film „Les amants“ ( 1958), „Zazie dans le Métro“ (1960), „Vie Privée“ (1962), „Le feu follet“ (1963) etc.

1965 drehte er den Film „Viva Maria“( mit Bardot und Moreau in den Hauptrollen) in Mexiko. Er kam zurück, ging aber nicht mehr nach Paris, sondern verzog sich in die französische Provinz.

1967 drehte er den Film „Le Voleur“( mit Jean-Paul Belmondo) wieder in Paris und geriet in der Folgezeit durch seine eigenen hohen Anforderungen, die er an sich stellte und die er seiner Meinung nach nicht mehr erfüllen konnte, in seine erste Schaffenskrise.

Er ließ sich scheiden (1967), verkaufte seine Pariser Wohnung und ging nach Indien.

Dort kehrte er zu seinen dokumentarischen Anfängen zurück.

Zurück aus Indien, zog er wieder in die französische Provinz.

Es folgte eine Phase, in der er sich aktiv mit seinen Kindheitserlebnissen beschäftigte und diese auch filmerisch umsetzte und verarbeitete.

Er drehte seine imaginäre Autobiographie „Le Souffle au Coeur“ (1971).

Es folgten weitere Filme( unter anderem „ Lacombe Lucien“ (1976)) und zwei Kinder von zwei verschiedenen Frauen, bevor er sich schließlich entschied, sein Glück in den USA zu versuchen (1976).

10 Jahre pendelte er zwischen Frankreich und den USA.

1986 kehrte er nach Frankreich zurück und realisierte( 1987) den Film: „ Au revoir les enfants“.

Am 23.11.1995 starb er in den USA.[4] [5]

Malle war ein wichtiger Vertreter der „Nouvelle Vague“.

Die „Nouvelle Vague“ war eine Stilbewegung des französischen Films in der Zeit von 1958-1968.

Die Vertreter waren vor allem junge Regisseure, die sich gegen die Verbiederung und die Vorhersehbarkeit des französischen Qualitätskinos stellten.

Sie waren gegen realitätsferne Massenprodukte.

Die „Nouvelle Vague“ steht für intellektuelle Filme, die ein ebensolches Publikum ansprechen. Es handelt sich bei dieser Stilbewegung um Filme mit realitätsbezogenen Inhalten, die mit Handkameras auf der Straße, und nicht in abgeschlossenen Studios gedreht wurden.

Neue Filmtechniken und außergewöhnliche Erzählstile sind charakteristisch für die „Nouvelle Vague“.

Malle war eher ein Außenseiter der „ Nouvelle Vague“, da er selten in Paris war und anders als die übrigen nicht die theoretische Seite hervorkehrte, sondern als Praktiker und Techniker seine Filme drehte.

Charakteristisch für Malles Filme sind eine gewisse Unruhe, Provokation und die zeitliche Distanz zu den Themen bzw. Inhalten. Die meisten seiner Filme spielen in der Vergangenheit.[6]

3. Stationsbeschreibungen und Beweggründe für seinen Wegzug – Auswirkungen auf seine realisierten Filme

3.1 Paris

Wie bereits in seiner Biographie dargestellt wurde, stammte Malle aus einer großbürgerlichen Familie, die im Herbst 1940 seine Geburtsstätte Thumeries verlässt und nach Paris zieht.

Die Entscheidung, den Heimatort zu verlassen, um in einer Großstadt zu leben, trafen die Eltern.[7]

Sein Vater, der weiterhin die Leitung der hauseigenen Zuckerfabrik im Norden Frankreichs innehatte, blieb vier Jahre lang von dem Rest der Familie getrennt. Durch die räumliche und menschliche Distanz zu seinem Vater in dieser wichtigen Reifephase eines jungen Menschen blickt Malle sehnsüchtig zurück. Er wuchs in einer schwierigen Phase des Umbruchs und Neugestaltung ohne seinen Vater und somit ohne einen festen männlichen Orientierungspunkt in seinem Leben auf. Daher stellt sich in Malles Werken ein Muster heraus, das sich von „Les Amants“ bis „Atlantic City“ und „Alamo Bay“ wiederholt.

Er zeigt Menschen, die aus der einengenden Beschränktheit einer Kleinstadt ausbrechen, um ihr Leben anderswo zu meistern.[8]

3.2 Indien

Im Herbst 1967 bat das französische Außenministerium Louis Malle, eine Reihe von acht französischen Filmen in Indien zu präsentieren. Unter diesen acht Filmen, die das neue französische Kino repräsentieren sollte, befand sich dementsprechend auch Malles Film „ Le Feu Follet“. Aufgrund dessen flog er nach Delhi, Kalkutta, Madras und Bombay, um die Streifen zu publizieren. Aus dem geplanten 2-wöchigen Aufenthalt wurden 2 Monate, da ihn das Land und die Kultur so sehr in ihren Bann zogen.[9] Gegen Ende des Jahres 1967 kehrte er nach Frankreich zurück, mit dem Vorsatz, Indien und die Kultur wenig später ausführlicher zu studieren.

Im Januar 1968 reiste er also zum zweiten Mal nach Indien (Kalkutta), begleitet von 2 Freunden, einem Kameramann und einem Tontechniker.

Vorab seiner Reise legte er keinerlei Routen oder gar mögliche Drehorte fest. Er wollte sich durch das Land treiben lassen, um so tiefe Einblicke in die Kultur und die Lebensweise der Menschen zu bekommen.

Somit änderte er auch seinen damals( unter Cousteau) erworbenen Stil, einen ansehnlichen Dokumentarfilm zu machen. Unter Cousteau erfüllte jede Aufnahme einen bestimmten Zweck und wurde passend in den Verlauf der Geschichte eingebunden. Alles war irgendwie gestellt und vorhergesehen. In Indien änderte sich seine Einstellung schnell. Malle filmte alles, was für ihn interessant, amüsant und ergreifend war und machte sich keine Gedanken über eventuelle Zuschauerkritiken. Auch wusste er beim Filmen nicht, an welcher Stelle die aufgenommen Szenen beim nachträglichen Zusammenschneiden des Rohmaterials eingesetzt würden. Alles war improvisiert. Es blieb keine Zeit, den optimalen Winkel der Kamera herauszufinden oder gar Situationen bewusst abspielen zu lassen; „…Es war eine Zeit, in der ich vollständig instinktiv, reflexartig arbeitete…“[10]

Louis Malle wollte die ungetrübte, unverzerrte Wahrheit über die damals herrschenden Umstände in Indien dokumentieren und scheute sich daher nicht, das Elend und die Armut auf 16 mm zu bannen, obwohl er massive Widerstände der Regierung und der Bevölkerung (vorwiegend aus der Mittel- und Oberschicht) hinnehmen musste.

[...]


[1] Autorenkollektiv: Brockhaus, Leipzig, Mannheim, 1994

[2] French, Philip (Hrsg.): «Louis Malle über Louis Malle», Alexander Verlag Berlin, 1998, Berlin, Seiten 9-15

[3] www.wikepedia.de/LouisMalle

[4] Autorenkollektiv: Goldmann Lexikon, München, 1998

[5] French, Philip (Hrsg.): «Louis Malle über Louis Malle», Alexander Verlag Berlin, 1998, Berlin, Seiten 9-15

[6] Autorenkollektiv: Brockhaus, Leipzig, Mannheim, 1994

[7] Malle, Louis: «Au revoir, les enfants», Gallimard, 1987, Paris, Seite 128( Nachwort)

[8] French, Philip (Hrsg.): «Louis Malle über Louis Malle», Alexander Verlag Berlin, 1998, Berlin, Seiten 20 ff.

[9] French, Philip (Hrsg.): «Louis Malle über Louis Malle», Alexander Verlag Berlin, 1998, Berlin, Seiten 101 ff.

[10] French, Philip (Hrsg.): «Louis Malle über Louis Malle», Alexander Verlag Berlin, 1998, Berlin, Seite 112

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Analyse und Interpretation: «Au revoir, les enfants» (1987) von Louis Malle
Untertitel
Cinéma de l´après guerre et l´occupation
Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
1,3
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V140716
ISBN (eBook)
9783640499359
ISBN (Buch)
9783640499403
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Interpretation, Louis, Malle, Cinéma
Arbeit zitieren
Anonym, 2003, Analyse und Interpretation: «Au revoir, les enfants» (1987) von Louis Malle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140716

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