Streitschlichtung und Mediation - Theorie und praktische Umsetzung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
14 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I. Theoretische Grundlagen
1. Begriffsklärung Mediation und Streitschlichtung
2. Peer-Education als Ansatz in der Streitschlichtung
3. Kritische Betrachtung

II. Praxis der Streitschlichtung
1. Die Aufgabe der Mediatoren
2. Schüler helfen sich selbst im Streit
Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der Gesellschaft wie auch in der Schule kommt es immer wieder zu Konflikten. Diese müssen nicht von vornherein einen negativen Verlauf nehmen. Auch ist nicht jede Meinungsverschiedenheit gleich ein Konflikt. Handelt es sich aber um einen solchen, kann er einen negativen Verlauf nehmen und letztlich sogar zur Ausübung von Gewalt führen. Der Konflikt eskaliert in der Regel nicht von einer Sekunde auf die andere. Friedrich Glasl hat hierzu ein Phasenmodell aufgezeigt, wie ein Streit eskaliert. Beginnend mit der Verhärtung des Konfliktes, bis hin zum gemeinsamen Abgrund, wo es keinen Gewinner mehr gibt.[1]

Traditionell werden in unserer Gesellschaft Konflikte durch eine Übergeordnete Instanz geregelt. Geregelt, nicht gelöst, da diese Instanz, sei es ein Richter oder der Lehrer in der Schule, eine Lösung vorgibt. Hierbei kommt es meistens zu einer win-lose-Situation, oftmals Keim für einen neuen Konflikt. Vor allem in den USA, in den letzten Jahren auch zunehmend in Deutschland, wird ein anderes Modell der Lösung populärer. Mediation als Möglichkeit, den Parteien eine gemeinsame Lösung des Streits zu ermöglichen. Das Ziel ist, den Streit vollständig - durch eine Vereinbarung mit der beide Seiten gut leben können - zu lösen. Es soll eine win-win-Situation entstehen, in der beide Seiten gewinnen und ein neues Aufbrechen des Problemgegenstandes durch seine endgültige Beseitigung verhindert werden soll.

Vor allem für die Konfliktlösung in der Schule wurde das Mediationsmodell entdeckt. Streitigkeiten sollen gelöst werden um das schulische Leben und auch den Lernprozess zu fördern. Der gewaltsamen Eskalation von Konflikten soll vorgebeugt werden. Kombiniert wird hier das Mediationsprinzip mit dem Ansatz der Peer-Education. Schüler sollen anderen Schülern bei der Lösung von Konflikten helfen und sie anleiten und unterstützen. Man geht davon aus, dass diese Schlichter einen viel besseren Zugang zu anderen Schülern haben. An diesem Punkt erscheint eine begriffliche Unterscheidung zwischen Mediation, ausgeführt durch professionelle, langjährig ausgebildete Mediatoren, und Streitschlichtung, durch Schüler, sinnvoll. Sicherlich gibt es auch Gegenargumente gegen das Streitschlichtungsmodell in Schulen. Doch können diese auch eine verbesserte Wirksamkeit des Modells ermöglichen, nimmt man sie ernst und unterzieht man die Streitschlichtung einer kritischen Betrachtung. Viele Schulen haben bereits ein Streitschlichtungsprogramm initiiert. Dabei zeigt sich, dass es sinnvoll ist, das Modell den individuellen Gegebenheiten der einzelnen Schulen anzupassen und es dementsprechend zu modifizieren.

Folgend werden zunächst die theoretischen Grundlagen der schulischen Streitschlichtungsprogramme betrachtet. Die Begriffe Streitschlichtung und Mediation müssen näher beleuchtet werden, ebenso auch der Peer-Education-Ansatz. Auch kritische Argumente werden aufgezeigt und mit dem Modell in Bezug gesetzt. Schließlich werden auch Beispiele praktischer Umsetzungen des Mediationsmodells an unterschiedlichen Schulen gegeben. Deutlich wird hier, wie flexibel es eingesetzt und modifiziert werden kann.

I. Theoretische Grundlagen

1. Begriffsklärung – Mediation und Streitschlichtung

Bei der Mediation handelt es sich um ein Verfahren der Konfliktbewältigung. Abgeleitet aus dem Lateinischen, beruht es auf dem Prinzip, dass ein dritter – der Mediator – versucht in einem Streit zweier Parteien als neutraler Dritter zu vermitteln. Schulspezifisch kann er mitnichten gesehen werden. Vielmehr handelt es sich bei der Mediation um eine Art Oberbegriff, der Anwendung in privatem, wirtschaftlichen, politischen - letztlich im gesamtgesellschaftlichen Bereich findet.[2]

Der Mediator dient dazu, ein Gespräch beider Parteien zu moderieren. Diese sollen ihren Konflikt analysieren. Den jeweils anderen Standpunkt zu verstehen, soll dazu führen, dass gemeinsam ein Lösungsweg gefunden wird, der für beide Seiten von Vorteil ist. Sie sollen einen konstruktiven Lösungsansatz miteinander finden; nicht der Mediator soll diesen Ansatz vorschreiben. In der Regel handelt es sich beim Mediator um eine ausgebildete Fachkraft; in der Schule zumeist Lehrkräfte, Sozialarbeiter oder Elternteile. Diese führen durch den Mediationsprozess.

Der Mediationsprozess lässt sich in fünf Phasen gliedern:

1. Einleitung der Mediation – Es werden die Ziele und die formalen Regeln des Mediationsprozesses geklärt.
2. Sichtweise der Konfliktparteien klären – Die Parteien tragen ihre Stand- und Gesichtspunkte vor; der Mediator spiegelt und fasst die Aussagen zusammen.
3. Konflikterhellung – Es wird versucht die Motive und Gefühle der Konfliktparteien herauszufinden.
4. Problemlösung suchen – Hierbei kommt es darauf an, dass die Problemlösung konsensorientiert ist.
5. Vereinbarung treffen und dokumentieren – Die Lösung wird in einer schriftlichen Vereinbarung verfasst und unterschrieben.[3]

Die Streitschlichtung ist eigentlich eine modifizierte Form der Mediation. Dabei bedient sie sich durchaus der Mediationsphasen. Different stellt sich hier allerdings die Person des Mediators dar. Gerade bei der schulischen Streitschlichtung muss hier das Mediatorenmodell modifiziert werden. Hierbei versuchen die Schulen, die ein Streitschlichtungsprogramm installiert haben, das ganze Modell insoweit zu übernehmen, als dass die spezifische Schulsituation dies zulässt, bzw. es nötig macht. Zumeist ersetzen Jugendliche und Schüler dieser Schulen die langjährig ausgebildeten und professionellen Mediatoren.[4]

Die Mediation, bzw. Streitschlichtung soll zu einer gemeinsamen Lösung beider Konfliktparteien führen. Im Vordergrund stehen Analyse und Lösungsfindung seitens dieser. Ein Richterspruch einer dritten Partei soll vermieden werden. Das führt in der Regel in letzter Konsequenz zu einer win-lose-Situation. Konträr dazu eröffnet das Mediationsmodell den Beteiligten die Chance zu einer win-win-Situation, in der also beide Parteien als Gewinner hervorgehen, zu gelangen. Zudem stärkt diese Art der Konfliktlösung im schulischen Rahmen die soziale Entwicklung der Schüler, so dass sie auch im weiteren Lebensverlauf in der Lage sind, Konflikte gewaltfrei zu klären.

2. Peer-Education als Ansatz in der Streitschlichtung

Der Ansatz der Peer-Education im Streitschlichtungsmodell besteht in der Annahme, dass bei Konflikten unter Jungendlichen in der Regel Gleichaltrige eher einen Zugang zu den Konfliktparteien haben. Erwachsenen - Lehrer und professionelle Mediatoren – finden diesen in geringerem Maße, befinden sie sich aus Sicht der Schüler doch auf einer anderen Ebene. Der Einsatz von Schülern als Schlichter bedeutet allerdings nicht, dass diese völlig unvorbereitet versuchen bei einem Streit zu schlichten. Auf den schwierigen Prozess der Vermittlung werden die jeweiligen Schüler kompetent vorbereitet. Oftmals in Jugendherbergen auf Streitschlichterseminaren, wird ihre Ausbildung je nach Schule unterschiedlich gehandhabt. Auch nach dieser Ausbildung werden sie weiterhin begleitet und fortgebildet. Dies geschieht zumeist durch Lehrkräfte oder andere Pädagogen, die eine Mediatorenausbildung absolviert haben.

Die jugendlichen Streitschlichter beschreiben durchaus Schwierigkeiten bei der Mediation. Vielen fällt es schwer mit der nötigen Neutralität an die Schlichtung heranzugehen. Eine treffende Nutzung der Sprache bei der Führung der Konfliktparteien hin zu einem Lösungsweg, sich aber bei der Lösungsfindung zurückzuhalten, wird ebenfalls als problematisch beschrieben. Mit besserem Zugang untereinander, einer damit erfolgsversprechenderen Streitschlichtung, sollen alle Seiten davon profitieren. Konflikte sollen ohne Gewalt beigelegt werden und das soziale Verhalten verbessert werden. Wichtig ist allerdings auch, dass die Schule auch andere Peer-Education-Ansätze verfolgt. Ist das lediglich im Bereich der Streitschlichtung der Fall, kann dies dazu führen, dass die Streitschlichter als Exoten gesehen werden. Ihnen somit der Zugang zu den anderen Schülern wieder ein Stück weit verbaut bleibt.[5]

[...]


[1] Vgl. Glasl, Friedrich, Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater, Bern/ Stuttgart 2002. Glasl gibt eine ausführliche Übersicht über die Typologie von Konflikten, geht auf deren Eskalationsdynamik ein und zeigt auch Möglichkeiten der Konfliktbewältigung auf.

[2] Vgl. http://www.bpb.de/publikationen/ZO0O5T,0,0,Besondere_Programme_zur_Gewaltpr%E4vention.html (Zugriff : 23.05.07)

[3] (Vgl.) Durdel, Anja, PÄDAGOGIK, S. 8 f.

[4] Ebenda.

[5] (Vgl.) Durdel, Anja, PÄDAGOGIK, S. 9 f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Streitschlichtung und Mediation - Theorie und praktische Umsetzung
Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
1,7
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V140721
ISBN (eBook)
9783640480876
ISBN (Buch)
9783640480685
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Streitschlichtung, Mediation, Theorie, Umsetzung
Arbeit zitieren
Anonym, 2004, Streitschlichtung und Mediation - Theorie und praktische Umsetzung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140721

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