In der Gesellschaft wie auch in der Schule kommt es immer wieder zu Konflikten. Diese müssen nicht von vornherein einen negativen Verlauf nehmen. Auch ist nicht jede Meinungsverschiedenheit gleich ein Konflikt. Handelt es sich aber um einen solchen, kann er einen negativen Verlauf nehmen und letztlich sogar zur Ausübung von Gewalt führen. Der Konflikt eskaliert in der Regel nicht von einer Sekunde auf die andere. Friedrich Glasl hat hierzu ein Phasenmodell aufgezeigt, wie ein Streit eskaliert. Beginnend mit der Verhärtung des Konfliktes, bis hin zum gemeinsamen Abgrund, wo es keinen Gewinner mehr gibt. Traditionell werden in unserer Gesellschaft Konflikte durch eine Übergeordnete Instanz geregelt. Geregelt, nicht gelöst, da diese Instanz, sei es ein Richter oder der Lehrer in der Schule, eine Lösung vorgibt. Hierbei kommt es meistens zu einer win-lose-Situation, oftmals Keim für einen neuen Konflikt. Vor allem in den USA, in den letzten Jahren auch zunehmend in Deutschland, wird ein anderes Modell der Lösung populärer. Mediation als Möglichkeit, den Parteien eine gemeinsame Lösung des Streits zu ermöglichen. Das Ziel ist, den Streit vollständig - durch eine Vereinbarung mit der beide Seiten gut leben können - zu lösen. Es soll eine win-win-Situation entstehen, in der beide Seiten gewinnen und ein neues Aufbrechen des Problemgegenstandes durch seine endgültige Beseitigung verhindert werden soll. Vor allem für die Konfliktlösung in der Schule wurde das Mediationsmodell entdeckt. Streitigkeiten sollen gelöst werden um das schulische Leben und auch den Lernprozess zu fördern. Der gewaltsamen Eskalation von Konflikten soll vorgebeugt werden. Kombiniert wird hier das Mediationsprinzip mit dem Ansatz der Peer-Education. Schüler sollen anderen Schülern bei der Lösung von Konflikten helfen und sie anleiten und unterstützen. Man geht davon aus, dass diese Schlichter einen viel besseren Zugang zu anderen Schülern haben. An diesem Punkt erscheint eine begriffliche Unterscheidung zwischen Mediation, ausgeführt durch professionelle, langjährig ausgebildete Mediatoren, und Streitschlichtung, durch Schüler, sinnvoll. Sicherlich gibt es auch Gegenargumente gegen das Streitschlichtungsmodell in Schulen. Doch können diese auch eine verbesserte Wirksamkeit des Modells ermöglichen, nimmt man sie ernst und unterzieht man die Streitschlichtung einer kritischen Betrachtung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Theoretische Grundlagen
1. Begriffsklärung Mediation und Streitschlichtung
2. Peer-Education als Ansatz in der Streitschlichtung
3. Kritische Betrachtung
II. Praxis der Streitschlichtung
1. Die Aufgabe der Mediatoren
2. Schüler helfen sich selbst im Streit
Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einsatz von Mediation und Streitschlichtung in Schulen als konstruktive Methode zur gewaltfreien Konfliktbewältigung, wobei insbesondere die Rolle von Schülern als Mediatoren (Peer-Education) im Fokus steht.
- Theoretische Grundlagen der Mediation und Streitschlichtung
- Peer-Education-Ansatz in schulischen Konfliktsituationen
- Kritische Analyse und Herausforderungen des Modells
- Praktische Umsetzung und Phasenmodelle der Streitschlichtung
- Entwicklungspsychologische Aspekte der Streitfähigkeit bei Schülern
Auszug aus dem Buch
1. Die Aufgabe des Mediators
Die Aufgabe des Mediators besteht darin, die Konfliktparteien „an einen Tisch“ zu bringen und „kurative Maßnahmen“ zu ergreifen.
Nach Hagedorn verläuft der Prozeß der kurativen Konfliktbehandlung in Re-Re-Re-Schritten: 1. der Recognition - der Rückbesinnung des Vorfalls, 2. der Reparation - der Wiedergutmachung, 3. der Reintegration - der Wiederherstellung/ -eingliederung in den Alltag.
Das Fünf Phasen-Modell der Mediation gliedert sich in die Re-Re-Re-Schritte ein. Die erste und zweite Phase, die Einleitung und die Sichtweise der Konfliktparteien sind Bestandteil der Recognition. Phase drei und vier, die Konfliktherstellung und die Suche nach einer Lösung, subsumieren sich unter den Reparationsschritt. Die Reintegration umschließt die fünfte Phase, in der Vereinbarungen getroffen und dokumentiert werden. Das Fünf-Phasen-Modell gliedert sich in die DESO-Phasen: D - Definition des Konflikts, E - Erhellung des Konflikts (Gefühl, Ziel, Bedürfnisse und Wünsche), S - Sammlung möglicher Ideen ( Wunsch und Angebot), O - Operationalisierte Vereinbarung ( konstruktive Handlungen, Zeitraum bis zur Erfolgs-Kontrolle).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Relevanz von Konflikten im Schulalltag hervorgehoben und die Notwendigkeit von Mediationsmodellen zur Gewaltprävention erläutert.
I. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Mediation und Streitschlichtung und erläutert den Ansatz der Peer-Education sowie mögliche Kritikpunkte.
1. Begriffsklärung Mediation und Streitschlichtung: Es wird die methodische Herleitung der Mediation als Verfahren der Konfliktbewältigung beschrieben und die fünf Phasen des Mediationsprozesses vorgestellt.
2. Peer-Education als Ansatz in der Streitschlichtung: Hier wird die Bedeutung von Schülern als Schlichter beleuchtet und die Wichtigkeit ihrer Ausbildung durch Lehrkräfte hervorgehoben.
3. Kritische Betrachtung: Es werden Gegenargumente zum Mediationsmodell diskutiert, insbesondere im Hinblick auf das System Schule und die Akzeptanz bei Schülern.
II. Praxis der Streitschlichtung: In diesem Teil werden praktische Ansätze und psychologische Hintergründe der Konfliktlösung in der Schule analysiert.
1. Die Aufgabe der Mediatoren: Die Rolle des Mediators sowie die strukturellen Phasen (DESO-Modell) der Gesprächsführung werden detailliert dargelegt.
2. Schüler helfen sich selbst im Streit: Das Kapitel befasst sich mit der altersspezifischen Entwicklung der Streitfähigkeit bei Kindern und der schülergerechten Anwendung des Modells.
Schluss: Die Arbeit resümiert, dass Streitschlichtung eine sinnvolle Ergänzung zur Schulkultur darstellt und zur Entwicklung sozialer Kompetenzen beiträgt.
Schlüsselwörter
Mediation, Streitschlichtung, Peer-Education, Konfliktmanagement, Gewaltprävention, Schulkultur, Sozialkompetenz, Konfliktlösung, Schüler, Pädagogik, Schulentwicklung, Streitfähigkeit, Kommunikation, Partizipation, Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einsatz von Mediation und Streitschlichtung an Schulen, um Konflikte zwischen Schülern konstruktiv und gewaltfrei zu lösen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen der Mediation, der Peer-Education-Ansatz, die praktische Durchführung von Streitschlichtung und eine kritische Reflexion des Modells.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Mediationsmodell zur sozialen Entwicklung von Schülern beitragen und Gewalt im schulischen Alltag vorbeugen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung pädagogischer Fachkonzepte zur Konfliktbewältigung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Definitionen, der Peer-Education-Ansatz, kritische Argumente gegen das Modell sowie konkrete Phasenmodelle und praktische Anwendungsmöglichkeiten in der Schule detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mediation, Streitschlichtung, Peer-Education, Gewaltprävention, Konfliktmanagement und schulische Sozialkompetenz.
Was ist das sogenannte DESO-Modell?
Das DESO-Modell steht für Definition des Konflikts, Erhellung, Sammlung möglicher Ideen und Operationalisierte Vereinbarung als Phasenmodell für Mediatoren.
Welchen Einfluss hat das Alter der Schüler auf die Streitschlichtung?
Die Arbeit verdeutlicht, dass sich die Streitfähigkeit und die Art der Konfliktaustragung in verschiedenen Altersstufen (von der körperlichen Konfrontation bei Schulanfängern bis zur verbalen Klärung bei 10-12-Jährigen) unterscheidet.
Wie entlastet das Modell die Lehrkräfte?
Durch die Übernahme von Verantwortung durch Schüler als Konfliktlotsen werden Lehrer zeitlich und nervlich in ihrem Schulalltag entlastet.
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- Anonym (Author), 2004, Streitschlichtung und Mediation - Theorie und praktische Umsetzung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140721