Diese Arbeit befasst sich mit der Wiederholung im Gedicht. Das erste Kapitel geht auf die unterschiedlichen Arten von Wiederholungen ein, während das zweite Kapitel speziell die Stilmittel der Wortwiederholung behandelt. Die Unterscheidung der verschiedenen Wortwiederholungen im zweiten Kapitel richtet sich nach der Wiederholung von Lautfolge und/oder Bedeutung des Wortes. Nachdem das betreffende Stilmittel erklärt worden ist, folgen jeweils im Anschluß ein oder auch mehrere Beispiele für dessen Anwendung.
Da die Poetik entscheidend durch die Rhetorik (Redekunst) geprägt wurde, liegt den folgenden Kapiteln nicht nur die Lyrik betreffende Literatur zugrunde, sondern auch in die Rhetorik einführende Literatur. Rhetorik ist zwar nach Methode und Intention von Poetik zu unterscheiden, doch sie überschneidet sich auch vielfach mit ihr. In der Spätantike hatte die Redekunst ihren Höhepunkt erreicht. Ihre Theorie enthielt beispielsweise: Redegattungen, Stilarten und Stilqualitäten. Die mittelalterliche und neuzeitliche Schulrhetorik beschränkte sich auf den Redeschmuck (ornatus), der den Stilqualitäten zuzuordnen ist.
Aus dem antiken Redeschmuck sind viele Stilmittel in die Dichtkunst übernommen worden. Zu ihnen gehören auch die verschiedenen Arten von Wiederholungen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Stilmittel der Wiederholung
2. Wortwiederholung
2.1. Wiederaufnahme desselben Wortkörpers in derselben Bedeutung
2.2. Wiederaufnahme eines Wortes, das teilweise eine Veränderung des Wortkörpers zeigt
2.3. Wiederholung durch gleichen oder ähnlichen Klang der Wörter, jedoch in unterschiedlicher Bedeutung
2.4. Wiederholung durch gleiche oder ähnliche Bedeutung der Wörter, jedoch mit unterschiedlichem Wortkörper
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Erscheinungsformen der Wiederholung im Gedicht und deren rhetorische Funktionen. Das primäre Ziel ist es, die systematische Einordnung dieser Stilmittel zu verdeutlichen, insbesondere im Hinblick auf die Unterscheidung zwischen lautlicher Wiederaufnahme und inhaltlicher Bedeutungsähnlichkeit.
- Grundlagen der Wiederholungsstrukturen in der Lyrik
- Systematik der Wortwiederholung nach Wortkörper und Wortinhalt
- Analyse rhetorischer Figuren wie Geminatio, Anapher, Epipher, Symploke und Klimax
- Untersuchung von Sprachspielen und modernen Wiederholungsformen
- Bedeutung der Textkontexte für die Funktionalität von Wiederholungsfiguren
Auszug aus dem Buch
2.1. Wiederaufnahme desselben Wortkörpers in derselben Bedeutung
Zu den Stilmitteln, die diese Kriterien erfüllen, gehören: Geminatio, Anapher, Epipher, Symploke (auch Complexio), Anadiplose, Klimax und Kyklos.
Die Rhetorische Figur Geminatio entsteht durch die unmittelbar folgende Wiederholung eines Ausdrucks. In Nicolas Borns einstrophigem Gedicht Eine besonders schöne Blume kommt solch eine unmittelbare Wiederholung im dritten Vers vor:
Eine besonders schöne Blume / ein besonders schönes Wetter / öffne die Fenster die Fenster / heute Nacht werden die Lampen heller brennen / eine gute Nachricht trifft ein / oder lieber Besuch
Nachdem die Schönheit der Natur angesprochen wurde, folgt die Aufforderung, die Fenster zu öffnen. Es wird Nachdruck auf die Fenster gelegt, denn sie trennen durch ihren geschlossenen Zustand Drinnen von Draußen, blind sein von sehen können, Dunkel von Hell. Teilhaben an der Schönheit der Blume, des Wetters, kann nur der, der die Fenster öffnet. Die offenen Fenster vermitteln den festen Glauben an das Eintreffen einer guten Nachricht oder lieben Besuchs.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Arbeit legt die theoretischen Grundlagen für die Untersuchung der Wiederholung im Gedicht und erläutert den Rückgriff auf rhetorische Fachtermini.
1. Die Stilmittel der Wiederholung: Es wird dargelegt, wie Wiederholungsstrukturen auf verschiedenen Ebenen – von der Lautung über die Syntax bis zum Metrum – die Lebendigkeit eines Gedichts konstituieren.
2. Wortwiederholung: Dieses Hauptkapitel klassifiziert verschiedene Wortwiederholungsfiguren anhand der Kriterien Wortkörper und Wortinhalt.
2.1. Wiederaufnahme desselben Wortkörpers in derselben Bedeutung: Hier werden bekannte rhetorische Figuren wie Geminatio, Anapher, Epipher, Symploke, Anadiplose, Klimax und Kyklos anhand von Beispielen detailliert analysiert.
2.2. Wiederaufnahme eines Wortes, das teilweise eine Veränderung des Wortkörpers zeigt: Dieser Abschnitt behandelt Formen wie Polyptoton und Figura Etymologica, bei denen Wörter in leicht modifizierter Form wiederkehren.
2.3. Wiederholung durch gleichen oder ähnlichen Klang der Wörter, jedoch in unterschiedlicher Bedeutung: Die Paronomasie steht hier im Zentrum, bei der lautliche Ähnlichkeit bei gleichzeitigem Bedeutungskontrast erzeugt wird.
2.4. Wiederholung durch gleiche oder ähnliche Bedeutung der Wörter, jedoch mit unterschiedlichem Wortkörper: Untersuchung der Synonymie sowie der Häufungsfiguren Asyndeton und Polysyndeton als Mittel der Ausdrucksverstärkung.
Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Wiederholungen zentrale Gestaltungsmittel der Lyrik sind, deren Funktion maßgeblich durch den individuellen Textzusammenhang bestimmt wird.
Schlüsselwörter
Wiederholung, Lyrik, Rhetorik, Wortwiederholung, Anapher, Epipher, Geminatio, Paronomasie, Polyptoton, Figura Etymologica, Metrum, Gedichtanalyse, Ausdruckssteigerung, Stilmittel, Sprachspiel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Systematik von Wiederholungsfiguren in Gedichten und ordnet diese in den Kontext der klassischen Rhetorik sowie moderner Lyriktheorie ein.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die lautliche Ebene der Wiederholung, die lexikalische Wortwiederholung und die syntaktische Strukturierung von Texten durch Wiederholungsfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine präzise Identifikation und funktionale Einordnung von Wiederholungsstilen, wobei der Fokus auf dem Textzusammenhang liegt, um die rhetorische Wirkung besser nachvollziehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse unter Rückgriff auf etablierte rhetorische Fachlexika und theoretische Literatur zur Lyrikanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wortwiederholungen, die nach der Übereinstimmung von Wortkörpern und Wortinhalten differenziert werden, ergänzt durch anschauliche Gedichtbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Wiederholung, Rhetorik, Lyrik, Anapher, Epipher, Paronomasie und Polyptoton.
Wie unterscheidet sich die Anapher von der Epipher gemäß der Arbeit?
Die Anapher bezeichnet die Wiederholung von Wörtern am Beginn aufeinanderfolgender Sinneinheiten, während die Epipher die Wiederholung am Ende der Sinneinheiten beschreibt.
Welche Bedeutung hat das Beispiel "ottos mops" für die Analyse?
Das Gedicht dient als illustratives Beispiel für eine durchgehende Anapher und zeigt darüber hinaus, wie durch die exklusive Verwendung eines Vokals („o“) eine spezifische ästhetische Wirkung erzielt wird.
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- MA Angela Exel (Author), 1998, Die Wiederholung im Gedicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14072