Lernen mit dem Computer und dem Internet. Das Interactive Whiteboard.

Eine Alternative zur Schultafel?


Examensarbeit, 2005
100 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. EINLEITUNG
1.1. BEGRÜNDUNG FÜR DIE AUSWAHL DES THEMAS
1.2. ZIELSETZUNG DES THEMAS
1.3. ÜBERBLICK ÜBER DEN AUFBAU DER ARBEIT

2. ZUR DISKUSSION DES COMPUTERS IN DER GRUNDSCHULE
2.1. ÜBER DIE AKTUALITÄT NEUER MEDIEN UND DEREN STELLENWERT IM GRUNDSCHULUNTERRICHT
2.2. MEDIENKOMPETENZ ALS ZIEL SCHULISCHER MEDIENERZIEHUNG
2.3. AUSSTATTUNG UND NUTZUNG NEUER MEDIEN ZU HAUSE UND IN DER GRUNDSCHULE

3. NEUE MEDIEN- NEUES LERNEN
3.1. NEUES LERNEN- WIE VERÄNDERT DAS LERNEN MIT COMPUTER UND INTERNET DEN UNTERRICHT?
3.2. NEUE HERAUSFORDERUNGEN FÜR LEHRER UND SCHÜLER
3.2.1. Neue Lehrerrolle
3.2.2. Neue Schülerrolle
3.3. CHANCEN UND GRENZEN
3.3.1. Chancen
3.3.2. Grenzen
3.4. ANWENDUNGSBEREICHE FÜR COMPUTER UND INTERNET
3.4.1. Neue Medien als Werkzeug
3.4.2. Neue Medien als Tutor
3.4.3. Neue Medien zur Kommunikation
3.4.4. Neue Medien zur Simulation
3.4.5. Neue Medien zur Kreativität
3.5. WEBQUESTS - EIN MODELL FÜR DEN SINNVOLLEN EINSATZ VON MEDIEN IN DER SCHULE
3.6. FAZIT: KANN MULTIMEDIALES LERNEN DEN UNTERRICHT EFFEKTIVER MACHEN?.

4. DAS INTERAKTIVE WHITEBOARD (IWB)
4.1. WAS IST EIN IWB?
4.1.1. Typen
4.1.2. Alternativen
4.2. VORAUSSETZUNGEN FÜR EINEN OPTIMALEN EINSATZ
4.3. FUNKTIONEN UND MÖGLICHKEITEN
4.4. VOR- UND NACHTEILE
4.4.1. Vorteile
4.4.1.1. Allgemein
4.4.1.2. Für Schüler
4.4.1.3. Für Lehrer
4.4.2. Nachteile
4.5. BEISPIELE FÜR DEN EINSATZ
4.5.1. Arbeit mit Texten
4.5.2. Arbeit mit Bildern
4.5.3. Arbeit mit Internetressourcen
4.6. ERFAHRUNGEN MIT DEM IWB
4.6.1. Internationale Studien- und Forschungsergebnisse
4.6.2. Lehrerfragebogen
4.6.2.1. Form der Befragung
4.6.2.2. Gegenstand der Untersuchung
4.6.2.3. Aufbau und Ablauf
4.6.2.4. Vor- und Nachteile
4.6.2.5. Ergebnisse

5. ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT: IWB - EINE ALTERNATIVE ZUR SCHULTAFEL?

6. LITERATURVERZEICHNIS

7. ANHANG

8. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Vorwort

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit den Neuen Medien Computer und Internet in der Schule, als Schwerpunkt betrachte ich das interaktive Whiteboard (IWB) näher. Hier stellt sich die Frage: Kann es eine Alternative zur Schultafel sein?

Seit Beginn des Studiums im Jahr 2001 wächst meine Begeisterung für die Computer- und Internettechnologie stetig. Die zunehmende Integration von Computern im Universitätsalltag macht eine Verweigerung auch nahezu unmöglich. Den Computer und das Internet nutze ich für vielfältige Zwe>bei der Suche nach Informationen aller Art, Hausarbeiten, die Anmeldungen für Seminare oder Online- Stundenpläne.

Daraus begründet sich auch mein Interesse, da die vielfältigen Möglichkeiten, die diese Neuen Medien bieten, eine große Hilfe und Motivation sein können.

Auch ein Seminar über Computer im Unterricht, bei dem Lernprogramme für Grundschüler getestet wurden, hat mich angeregt, mehr über den Einsatz und die Aufgaben von Computern in der Grundschule nachzudenken. Aufgrund der Tatsache, dass diese neuen Technologien aus der heutigen Wissensgesellschaft nicht mehr wegzudenken sind, darf man sich diesem Thema nicht verschließen.

Allerdings hat mich die Arbeit als Fremdsprachenassistentin in England, wo ich für acht Monate gelebt und gearbeitet habe, am meisten beeinflusst. Eingesetz wurde ich an verschiedenen Schulen: an einer Gesamtschule (Klasse 5 -13) und an drei Grundschulen. In jeder Schule wurde viel Wert auf die Ausstattung und die Arbeit mit Computern gelegt und alle Schulen waren mit mehreren interaktiven Whiteboards ausgestattet. Während ich auf die pädagogischen Kompetenzen an englischen Schulen, was die Arbeit mit Computern angeht, nicht weiter eingehen möchte, haben die interaktiven Whiteboards mich sehr interessiert und beeindruckt. Diese waren etwas völlig Neues für mich.

Besonders in den Grundschulen befand sich in fast jedem Klassenraum ein IWB.

Auch dort waren die Boards noch relativ neu und etwas Besonderes. Die Lehrer und vor allem die Schüler erklärten sich gerne bereit, mir die Funktionen zu zeigen und zu erklären. Dabei stellte sich heraus, dass die Schüler oft schon schneller und besser mit dem Gerät umgehen konnten als viele Lehrer.

Die Begeisterung sprang auch auf mich über. Mein Interesse war geweckt!

Neben zwei freiwilligen Fortbildungen mit dem IWB, habe ich auch Lehrer zu ihren Erfahrungen befragt und weitere Materialien und Informationen im Internet gesucht. Die Weiterbildungen wurden speziell für Lehrkräfte und auch extra für Schüler angeboten. Lehrer berichteten mir, dass sie Anfangs skeptisch waren und dachten, dass sie das IWB nicht oft nutzen werden, aber nach einem Monat überzeugt waren und es nun oft und gerne einsetzen.

Um noch einen besseren Einblick in die Arbeit mit interaktiven Whiteboards zu bekommen und um meinen ersten Eindruck zu überprüfen, ermöglicht mir diese Arbeit nun, der Frage, ob das IWB wirklich eine gute Alternative zur Schultafel ist oder werden kann, wissenschaftlich nachzugehen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Grundschule, da ich als Grundschullehrerin tätig sein möchte und mein Interessenschwerpunkt auf dieser Schulform liegt. Außerdem bin ich der Meinung, dass auch Grundschulkinder schon sehr viele Erfahrungen mit Neuen Medien sammeln und dieses Thema daher auch schon in der Grundschule sehr wichtig ist.

1. Einleitung

1.1. Begründung für die Auswahl des Themas

Die Medien als Informations- und Kommunikationsmittel haben in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Sie sind heute schon selbstverständliche und integrierte Bestandteile der Berufs- und Alltagswirklichkeit.

Auch die Lebenswelt von Kindern wird zunehmend von den Neuen Medien beeinflusst, welche zu einem festen Element geworden sind. Nicht nur für die Freizeitgestaltung, Medien sind auch an der Bildung ihres Welt- und Selbstbilds beteiligt. Auf viele Menschen, besonders auch auf Kinder, üben die Neuen Medien eine besondere Faszination aus. Und die Entwicklungen der modernen Technologien bleiben nicht stehen, in der Zukunft werden immer mehr Geräte miteinander vernetzt sein und neue Möglichkeiten entstehen.

Der schnelle Wandel von der Industriegesellschaft zur Informations- und Wissensgesellschaft stellt auch eine Herausforderung für Erziehung und Bildung, für Schule und Unterricht dar. (Tulodziecki, 2000, S.17)

Allerdings ist nicht erst seit der PISA Studie1 klar, dass Deutschland viel Nachholbedarf hat. Deutschland liegt bei vielen wichtigen Punkten, wie z.B. der Lesekompetenz, auf einen der hinteren Plätze. Bei der Integration von Computern ist Deutschland sogar Schlusslicht. Der Bildungsauftrag der Schule muss deshalb lauten, Neue Medien in den schulischen Unterricht zu integrieren und den Schülern Medienkompetenzen zu vermitteln. Dabei kann und sollte die Schule an den außerschulischen Erfahrungen und Erlebnissen des Kindes anknüpfen und diese sogar erweitern. Die Grundschulzeit ist ein günstiger Moment um verschiedene Grundlagen zu legen. Die Kinder sind wissbegierig und lernen schnell die Fertigkeiten für einen verantwortungsvollen und zweckmäßigen Umgang mit dem Computer.

Die Gestaltung des Unterrichtsalltags (Inhalte, Methoden und Konzepte schulischen Unterrichts) hängt aber von vielen Faktoren ab: Lehrern und deren Persönlichkeit, institutionelle und personelle Bedingungen wie Kollegen, Inventar u. s. w. und auch den Medien. (vgl. Böhm, 2000, S.543) Bisher gehörte dazu hauptsächlich das Schulbuch. Zu der sich schnell verändernden Wissens- und Kommunikationskultur passen allerdings weitaus häufiger die neuen Medien wie der Computer und Internet, da die Informationen meist aktueller und die Anwendungsmöglichkeiten dynamischer sind als Bücher. (Gudjons, 2001, S.365)

1.2. Zielsetzung des Themas

Aus der Aktualität und der Relevanz Neuer Medien ergibt sich das Thema der Examensarbeit „Lernen mit dem Computer und dem Internet- das interaktive Whiteboard als eine Alternative zur Schultafel?“. Es soll aufgezeigt werden, welchen Stellenwert Computer in der Schule haben und welche Veränderungen und Chancen damit verbunden sind. Warum sind Computer und Internet für den Unterricht interessant? Was verändern sie und wie tun sie das? Was muss beim Einsatz beachtet werden um einen Lernerfolg zu erhalten?

Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt auf dem interaktiven Whiteboard, als ein spezielles Beispiel für den Einsatz Neuer Medien. Neue Wege und Möglichkeiten sollen anhand dieser digitalen Tafel aufgezeigt werden. Erst seit etwa zehn Jahren auf dem Markt, eroberte es schnell die Klassenräume in den USA, Großbritannien und Australien. In Deutschland gibt es noch eine relativ geringe Anzahl. Welche Erfahrungen haben Lehrkräfte und Schüler gemacht? Kann es eine Alternative zur Schultafel werden?

Interaktive Whiteboards funktionieren nur in Verbindung mit einem Computer und einem Projektor, daher soll hier nicht nur das Medium IWB eingehend betrachtet werden, sondern auch die Chancen, Grenzen und Einsatzmöglichkeiten des Computers allgemein. Der Focus soll hierbei auf den Begründungen für Neue Medien liegen und den Veränderungen, die sie bewirken. Dieser Ausgangspunkt bietet eine gute Diskussionsgrundlage für die Betrachtung der interaktiven Whiteboards.

1.3. Überblick über den Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil wendet sich den Neuen Medien im Grundschulunterricht zu. Das Ziel ist es, Grundlagen zum besseren Verständnis des Computereinsatzes in der Grundschule zu schaffen. Neben der schon erwähnten Aktualität Neuer Medien in Schulen und der damit verbundenen Aufgabe, Medienkompetenz bei Schülern zu fördern und zu unterstützen, sollte auch die Situation in deutschen Haushalten und der Schule deutlich gemacht werden. Wenn mehr PC - Förderung und effektiver Computereinsatz an Schulen gefordert wird, ist es wichtig über die Ausstattung und Nutzung von Computer und Internet Bescheid zu wissen.

Unumstritten verändert das Lernen mit Computer und Internet den Unterricht. Aber wie? Welche neuen Aufgaben und Rollen haben Schüler und Lehrer zu bewältigen? Der Einzug Neuer Medien bedeutet immer auch eine grundlegende Veränderung für das Lernen, für den Unterricht und für die Schule an sich. Aus diesem Grund ist die Einführung Neuer Medien immer genauso eine Frage der Didaktik und Methodik, so wie der Organisationsentwicklung in der Schule. Man kann nicht an traditionellen Konzepten festhalten, wenn Computer und Internet im Unterricht zum Alltag werden.

Wissenswert sind auch die Chancen und Grenzen des computergestützten Unterrichts. Welche Vorteile werden durch den Computer geschaffen, den der herkömmliche Unterricht nicht bieten kann? Wo gibt es Defizite?

Für die Betrachtung der Frage, ob es einen effektiveren Unterricht dank dem Computer gibt, müssen auch die Anwendungsbereiche im Unterricht vorgestellt und diskutiert werden. Wie kann der Computer sinnvoll genutzt werden? Ein gutes Beispiel sind „Webquests“. Anhand dieses Beispieles soll die Betrachtung von „Computer und Internet in der Grundschule“ abgeschlossen werden.

Zu Beginn des zweiten Teils soll ein allgemeiner Überblick über das Aussehen, die Typen und die Voraussetzungen von IWB geschaffen werden. Interaktive Whiteboards sind eine kostenaufwendige Anschaffung, über den Kauf von einem oder mehreren Geräten sollte vorher gut nachgedacht werden.

Der falsche Einsatz der Geräte (genauso wie bei Computern) wäre fatal und eine Verschwendung. Daher ist es sehr wichtig über die Anwendungsmöglichkeiten und Funktionen Bescheid zu wissen und diese kritisch bewerten zu können.

Die positive Resonanz anderer Länder allerdings, verlangt nach einer genauen Untersuchung der Funktionen und Möglichkeiten von IWB s. Was ist mit dem Board möglich? Eine Auswahl an lehrreichen Internetressourcen für Grundschulkinder sollen hier vorgestellt werden, um die breite Palette der Möglichkeiten von IWB s aufzuzeigen. Gibt es neben den vielen Vorteilen auch Nachteile?

Können die Einsatzmöglichkeiten und Funktionen überzeugen? Kann der Unterricht mit Hilfe von IWB s effektiver gestaltet werden?

Eine kleine Fragebogenerhebung unter Lehrern zu ihren Erfahrungen mit dem IWB schließt die Arbeit schließlich ab und soll durch die Berichte einen authentischen, aber nur beispielhaften Einblick in die Arbeit mit IWB s bieten.

Da das Thema „Computer und Internet in der Grundschule“ ein sehr komplexer Gegenstand ist, wurden für diese Arbeit einige Einschränkungen vorgenommen. Nicht berücksichtigt wurden beispielsweise der Einfluss von Computer und Internet auf Kinder, sowie mögliche Gefahren des Internets, da der Schwerpunkt hier auf dem „Warum?“ (Aktualität und Relevanz) und dem „Wie?“ (Veränderungen und neue Herausforderungen) liegen soll. Ebenfalls werden keine konkreten Beispiele (Programme) für den Einsatz von Computern im Unterricht vorgestellt und untersucht, sondern nur die Funktionen, welche ein Computer erfüllen kann, erläutert. Als weitere Einschränkung erwies sich die Situation der vorhandenen Literatur über interaktive Whiteboards. Materialien und Veröffentlichungen sind fast ausschließlich online verfügbar. Das Internet bietet eine große Auswahl aktueller Publikationen zum Thema, Buchveröffentlichungen, allerdings sind nur schwer erhältlich.

Wenn im Folgenden der Begriff Computer genannt wird, soll damit immer ein Personal Computer, kurz PC, gemeint sein, der auch eine Anbindung an Datennetze ermöglicht.

Zur besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit die männliche Schreibweise verwendet, mit dem Hinweis, dass damit selbstverständlich beide Geschlechter gemeint sind.

2. Zur Diskussion des Computers in der Grundschule

2.1. Über die Aktualität Neuer Medien und deren Stellenwert im Grundschulunterricht

Der Begriff Medien ist in dieser Arbeit das wohl am meisten benutzte Wort und nimmt auch auf inhaltlicher Ebene eine zentrale Position ein. Schon aus diesem Grund muss an erster Stelle geklärt werden, was unter diesem Begriff zu verstehen ist.

Umgangssprachlich ist der Begriff "Medien" vor allem mit den Massenmedien Zeitung, Zeitschrift, Hörfunk und Fernsehen verbunden. Die so genannten Printmedien sind Buch und Zeitung, aber auch das Flugblatt und das Plakat. Medien benutzen Zeichen, insbesondere Symbole wie Schrift, Sprache oder Musik.

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Begriff "Neue Medien" benutzt. Dieser ist oftmals sehr eng gefasst, denn er suggeriert, dass es nur um Internet und Computer geht. Allerdings fallen unter diesen Begriff auch Medien wie Digitalkameras, Beamer, etc. Diese Arbeit beschränkt sich hauptsächlich auf Personal Computer (PC) und Internet, um dieses weitläufige Gebiet einzugrenzen.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) erläutert 1997 den Begriff Neue Medien noch präziser:

„Unter den Begriffen Neue Medien und Telekommunikation, insbesondere Multimedia, versteht man diejenigen Medien (mit Texten, Bildern und Tönen) und Informations- und Kommunikationstechniken, die durch die Nutzung von Digitalisierung, Speicherung und algorithmischer Verarbeitung die Verknüpfung und Übermittlung beliebig großer Datenmengen in kürzester Zeit erlauben.“ (KMK,1997, S.4)

Medien haben vielfältige Funktionen, sie sind, laut Maier (1998, S.14), „technische Hilfsmittel, die Informationen gestalten, austauschen oder verbreiten. Sie dienen der Kommunikation.“ Aber auch zur Visualisierung, Orientierung, Veranschaulichung, Strukturierung und Unterhaltung (Motivation) können Medien dienen.

Die verschiedenen Medien sollen dem Betrachter die Wissensaufnahme von Inhalten erleichtern, da der Benutzer die Informationen mit verschiedenen Sinnesorganen aufnimmt.

Medien sind heute ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Lebenswelt, sie nehmen eine zentrale Stellung im Beruf, im Alltag und auch in der Schule ein. (vgl. Faulstich, Lippert, 1996, S.8)

Die Entwicklung der Industriegesellschaft zur Wissens- und Informationsgesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend beschleunigt und wird nicht „ohne Folgen für unsere berufliche, soziale und politische Handlungsfähigkeit (bleiben).“ (Maier,1998, S.153) Eine Aufgabe der Schule ist es Orientierungswissen und fächerübergreifende Kompetenzen zu vermitteln. Da die Fortschritte und Erkenntnisse der heutigen Wissens- und Informationsgesellschaft schnell voranschreiten, muss der Unterricht darauf reagieren und Lehr- und Lernformen anbieten, die der Lebenswelt der Kinder entsprechen.

Zu den klassischen Bildungsmedien wie Bücher, Bilder, OHP oder Video sind in den letzten Jahrzehnten die elektronischen Medien, Computer und Internet, mit „neuen Ausdrucksformen und Wirkungsweisen“ (BLK, 1995, S.4) hinzugekommen. Viele Kinder haben auch zu Hause schon einen Computer und in der Zukunft wird die Zahl wahrscheinlich noch ansteigen. Besonders von Kindern und Jugendlichen werden die Medien als „Unterhaltungs- und Spiel-, aber auch als Lernangebote sowie als allgemeinen Erfahrungsraum“ (KMK, 1995, S.1) genutzt.

Damit Computer in der Schule ein selbstverständliches Medium werden, sollte ein Einsatz möglichst früh erfolgen. Auch schon in der Grundschule, wo die Kinder noch besonders unbefangen und neugierig sind und schnell lernen. Da Computer seit einigen Jahren, dank Projekten wie beispielsweise „Schulen ans Netz“2 und Lehrerinitiativen, verstärkt Einzug in deutsche Schulklassen gefunden haben, stellt sich nicht mehr so sehr die Frage „ob“, sondern „wie“ Computer und Internet in der Grundschule als Unterrichtsmedien integriert werden können. Fest steht aber, dass Schule neugierig machen, anregen und motivieren soll und dabei kann der Einsatz von neuen Medien ein wertvoller Begleiter und Helfer sein.

Die ersten Ansätze, Kinder mit Computer lernen zu lassen, gab es schon in den Sechzigerjahren. Aufgrund „medientechnologischer Schwierigkeiten, falscher Konzepte sowie mangelnder Akzeptanz des Computers in der Pädagogik als auch in der Alltagswelt der Menschen“ (Aufenanger, 1999, S.2) sind diese Versuche jedoch zu Fall gekommen. Erst Ende der Achtzigerjahre, nach zunehmender Akzeptanz des Computers, wurden Überlegungen zur Integration Neuer Medien wieder in die Wege geleitet.

Trotz anfänglichem Zögern und Bedenken gab es dann auch immer mehr Projekte in den Grundschulen, auf die hier aber nicht näher drauf eingegangen werden soll.

Nach anfänglichem Zögern und Zweifeln folgen jetzt Bestrebungen und Neugier auf die Neuen Medien.

Lange gab es keine einheitlichen Regelungen, ein Einsatz im Unterricht fand nur auf Initiative der Lehrkräfte statt.

Nach vielfältigen Untersuchungen und Publikationen zum Thema Neue Medien in der Schule wurde auch in der Bildungspolitik immer mehr gefordert, dass „Kinder schon früh im Zusammenhang mit den Neuen Medien Medienkompetenz erwerben müssten, um in einer durch Medien geprägten Welt handlungsfähig zu werden.“ (ebd., S.3)

Schon in den Stellungnahmen der Bund-Länder- Kommission (BLK) und der Kultusministerkonferenz (KMK) von 1995 ist die hohe Funktion und Bedeutung der Neuen Medien erkannt worden:

„Medien sind Miterzieher geworden. (…) Die insbesondere über die elektronischen Medien an Kinder und Jugendliche herangetragenen Informationen, Probleme und Wertorientierungen überdecken in ihrer Wirkung oft die Bedeutung familialer Erziehung und schulischer Bildung. Es muss deshalb von einer veränderten Bildungssituation, d.h. auch von veränderten Lernvoraussetzungen und Lernmöglichkeiten in der Schule ausgegangen werden.“ (BLK, 1995, S.4)

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung werden die medienerzieherischen Aufgaben für Erziehung und Bildung deutlich:

Die „Aufgabe der Schule ist es, diese Medien für den Lehr- und Lernprozess nutzbar zu machen und die Entwicklung von Medienkompetenz bei den Kindern und Jugendlichen zu fördern. Mit der Verfügbarkeit moderner Informations- und Kommunikationstechnologien erlangen die Medien eine neue Qualität, die sich auf die Gestaltung des Lehr- und Lernprozesses in bisher nicht gekannter Weise auswirkt. So werden sich zukünftig sowohl die Unterrichtsmethoden als auch das Rollenverständnis im Lehrer- Schüler- Verhältnis verändern.“ (Sächsisches Staatsministerium für Kultus, 2001, S.4)

Es ist wichtig einen verantwortlichen, kritischen und kreativen Umgang mit Medien zu erlernen. Das ist nicht nur eine Aufgabe des Elternhauses, sondern auch des Kindergartens, der Grundschule und der Sekundarstufe. Die Institution Schule soll außerdem Chancengleichheit beim Zugang zu Wissen und Bildung gewährleisten. Damit Kinder vom Computer profitieren können brauchen sie Medienkompetenzen. Doch welche sind das?

2.2. Medienkompetenz als Ziel schulischer Medienerziehung

„Die Ausbildung von Medienkompetenz muß sich künftig wie ein roter Faden durch alle Bildungsinstitutionen ziehen, von der Schule über die Hochschule bis hin zur Weiterbildung. Die Integration der Medien und der neuen Technologien kann dabei zum Motor der anstehenden Bildungsreform werden. Medienerziehung erhält in den Zukunftsszenarien der globalen Kommunikationsmärkte die Wertigkeit der Vermittlung einer Kulturtechnik wie Lesen und Schreiben.“ ( Bertelsmann Stiftung, 1998, S.5)

Diese Aussage der Bertelsmann Stiftung von 1998 zeigt, dass die Neuen Medien als Chance für die Schule erkannt und zunehmend unterstützt wurden. Es wird deutlich, dass die Integration der Medien im Unterricht eine Veränderung hervorruft.

Die Gründe, Medienkompetenzen zu erwerben, sind vielfältig (vgl.: BLK, 1995):

- Bewältigung der hochtechnisierten Lebenswelt.
Kinder und Jugendliche nutzen in immer größer werdenden Umfang die Neuen Medien, oft kennen sie sich besser aus als ihre Eltern. Die rasche technische Entwicklung und die Medienfaszination haben Auswirkungen auf die Schüler. Kompetenter Umgang mit allen Medien muss zur Selbstverständlichkeit werden
- Effektiverer Unterricht durch multimediales Lernen, aber nur bei richtigem Einsatz.
- Erkennen und Bewältigen der Gefahren und Risiken der Kommunikationstechnologie
- Schnelle Misserfolge und Frust bei falschem Umgang oder bei technischen Problemen
- Durchschauen des Scheins
Zu einem kompetenten Umgang mit Medien sind folgende Fähigkeiten und Fertigkeiten notwendig (vgl. dazu Moser 2000, Maier 1998, Bertelsmann Stiftung 2000, Rheinländer 2003):
- Technische Kompetenzen (Handhabung von Hard- und Software)
- Lesestrategien, Suchen, Auswählen, Beurteilen von Informationen
- Gestaltungskompetenzen (z.B. Erstellen einer Zeitung, Präsentation, Videodokumentation)
- Kritische und reflexive Nutzung von Informationen (Inhalte verstehen, Bedeutung erkennen und analysieren; Informationen anderen verfügbar machen, d.h. sie bearbeiten, aufbereiten und präsentieren können)
- Kommunikationskompetenzen (sich ausdrücken, kommunizieren, z.B. E- Mail)

Das Ziel der Medienkompetenz liegt also darin, Informations- und Kommunikationstechnologie optimal einzusetzen, damit der Schüler sachgerecht, selbst bestimmt, kritisch und kreativ von Computer und Internet profitieren kann.

Allerdings finden sich Unterschiede in der Umsetzung zwischen der Grundschule und den weiterführenden Schulen. In der Grundschule müssen zuerst die grundlegenden Techniken, wie Lesen und Schreiben gelernt werden, sonst kann der Computer nicht bedient werden. Der Grundschüler soll erste Erfahrungen mit dem Medium Computer sammeln. Auch Wolfgang Maier (1998, S.189) sagt dazu: “Kompetenter Umgang mit dem Medien bildet die Grundlage für erfolgreiches Lernen und verschafft die notwendige Kommunikations- und Handlungsfähigkeit.“ Es zeigt sich, dass diese Fähigkeiten im täglichen Leben immer selbstverständlicher werden. Daher ist es u. a. die Aufgabe der Schule den Schülern aller sozialer Schichten Medienkompetenzen zu vermitteln.

Um dieses Ziel zu erreichen ist allerdings eine ausreichende Ausstattung von Schulen notwendig.

2.3. Ausstattung und Nutzung Neuer Medien zu Hause und in der Grundschule

Lehrer brauchen Kenntnisse über den kindlichen Medienumgang, -besitz und deren Nutzung von Medien. Für einen bestmöglichen Unterricht sollte ihm die Lebenswelt der Kinder bekannt sein.

Was die Medienausstattung und das Medienverhalten von Kindern im Grundschulalter betrifft, so geben verschiedene, neuere Studien Auskunft: x KIM Studie 2002 vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, „Kinder und Medien- Computer und Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6-13Jähriger.

- eEurope 2002 (eurobarometer Blitzumfrage 101 „Europas Jugend ins Digitalzeitalter“) von der Kommission der europäischen Gemeinschaften 2001, sollte die Anzahl und die Qualität der Computer und Internetanschlüsse an den Schulen der EU prüfen. Befragt wurden 101 Schulleiter und 102 Lehrer.
- BMBF Bestandsaufnahme Mai 2002 „IT Ausstattung der Allgemein bildenden und Berufsbildenden Schulen in Deutschland“, wobei (unter anderem) 14.336 Grundschulen und 3.157.122 Grundschüler befragt worden sind.
- Hamburger BLK- Modellversuch 2000- 2003, „Schwimmen lernen im Netz- Neue Medien als Zugang zu Schrift und „Schul-kultur“. Hierbei wurden die Computererfahrungen und Computernutzung von Mädchen und Jungen in Grund -und Förderschulen untersucht. Befragt wurden 106 Kindern an fünf Schulen mit insgesamt neun Klassen, wobei drei Grundschulen darunter sind.

Das folgende Kapitel soll einen kurzen Überblick über die Lage in deutschen Haushalten und Schulen in Deutschland schaffen. Natürlich ergeben sich immer Unterschiede bezüglich der Entwicklung und Nutzung von Computern und dem Internet, dies ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie z.B. der sozialen Stellung der Eltern, Geschlecht und Alter des Kindes, Art der Bildungseinrichtung, geografische Lage der Schule, Geschlecht und Alter des Lehrers, und ihres Unterrichtsfaches usw. (vgl. de Rijke, 2004)

Es wird auf einen umfangreichen Vergleich (international, Ursachen, Geschlechterunterschiede, Status) oder auf Wertungen verzichtet.

Private Ausstattung

Die Medienausstattung bei Kindern ist in den letzten Jahren merklich gestiegen, einen deutlichen Zuwachs gab es beim Handy, Computer und Internetzugang. 13 % der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren besitzen 2002 einen eigenen Computer, 5 % einen eigenen Internetanschluss. (KIM, 2002, S.16)

Oft besitzen Grundschulkinder den Computer allerdings noch nicht selbst, sie schaffen sich einen Zugang über die Eltern, Geschwister oder Freunde. (Hamburger BLK Modellversuch, 2003, S.5)

Aktuellen Ergebnisse zufolge hat der Computer an Bedeutung gewonnen, er rangiert dennoch auf dem 5. Platz, hinter den Lieblingsfreizeitaktivitäten draußen spielen, Freunde treffen, Fernsehen und Sport treiben. (KIM, 2002, S.7) Dennoch haben 92,8% aller Kinder schon einmal den Computer genutzt. (Hamburger BLK Modellversuch, 2003, S.8)

Kinder nutzen Computer meistens zu Hause (85%), da es dort oft eine bessere Ausstattung gibt als in der Schule. (KIM, 2002, S.27)

Während die Jungen die ersten Computererfahrungen meistens zu Hause machen (40,8% zu Hause; 26,8 % Schule), erleben Mädchen oft erst in der Schule( 38,2% Schule; 36,8% zu Hause) den Computer. Daher ist es wichtig, gerade auch den Mädchen Möglichkeiten für Computerarbeit zu bieten. Kinder nutzen den Computer am liebsten um alleine Computerspiele zu spielen (70%), mit anderen Computerspiele spielen (51%), Lernprogramme (hier meist Mathematik, Deutsch, Sprachen) nutzen (43%) oder um etwas für die Schule zu machen (43%). Es folgen Aktivitäten wie die Arbeit mit CD ROM, Malprogramme, Texte schreiben, im Internet surfen. (KIM, 2002, S.30) Im Internet suchen Kinder Informationen oder schreiben E-Mails. Die Internetseiten kennen sie hauptsächlich aus dem Fernsehen oder von Eltern und Freunden. (ebd., S.43)

Ausstattung in der Schule

„Im Jahr 1994 war Internet im Bildungsbereich noch weitgehend unbekannt, im Jahr 2000 hatten von den knapp 40 000 deutschen Schulen rund 16000 Internet- Zugang.“ Diese Aussage von Gudjons (2001, S.369) verdeutlicht die rasante Ausbreitung der Computertechnologie an deutschen Schulen. Die Bestandsaufnahme des BMBF vom Mai 2002 zeigt, dass jede Schule im Durchschnitt insgesamt 10 Geräte besitzt und sich 23 Schüler einen Computer teilen. (BMBF, 2002, S.7)

87% der Grundschulen in Deutschland sind mit Computern ausgestattet und 58% der Grundschulen sind an das Internet angeschlossen, im Durchschnitt sind 3 Computer je GS mit dem Internet verbunden. (ebd., S.9) Während sich, laut dem Eurobarometer (2002, S.8), in Deutschland, Griechenland und Portugal mehr als 20 Schüler einen Computer teilen, sind es in Dänemark und Luxemburg nur 3 Schüler pro PC.

Im Durchschnitt teilen sich europaweit 12 Schüler einen Computer.

Im Unterricht eingesetzt wird der Computer hauptsächlich in den Unterrichtsfächern Deutsch, Mathematik, Arbeitsgemeinschaft und Sachunterricht. (BMBF, 2002, S.26)

Meist nutzen die Schüler (74 %) die Computer mit anderen zusammen.

Neben Lernsoftware (Lernspiele, Trainingsprogramme, multimediale Unterrichtseinheiten, multimediale Nachschlagewerke) surfen Schüler im Internet oder senden und empfangen E- Mails. (ebd., S.15) 77% der Grundschüler wünschen sich den Computer in der Schule häufiger zu nutzen. (KIM, 2002, S.37)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: BMBF, 2002, S.15: Grundschullehrer in der EU, die Computer mit ihren Schülern im Unterricht nutzen (%)

Die Studie von Eurobarometer zeigt, dass 7 von 10 Lehrern den Computer in der Grundschule ohne Netzanschluss nutzen. Das Internet nutzen nur 3 von 10 Lehrern, zu diesem Ergebnis kam es wahrscheinlich, weil für die Nutzung des Internets bestimmte Fertigkeiten (z.B. Lesen und Schreiben) vorhanden sein müssen. (vgl. Künkel & Peschke, 1999, S.119) Obwohl die Anzahl der Computer und die aufgewendete Zeit sich in den letzten Jahren in Deutschland erhöht hat, zeigt die nebenstehende Abbildung an welcher Stelle Deutschland steht: Weit hinter den meisten anderen EU Ländern.

Aufenanger ist dennoch der Ansicht:

„So mag zwar die Ausstattung mit Computern an deutschen Grundschulen gegenüber dem Ausland noch rückständig sein, in Bezug auf den pädagogisch sinnvollen Einsatz werden jedoch vielfältige Erfahrungen gesammelt, die in mancher Hinsicht den doch manchmal sehr eingeschränkten Gebrauch des Computers in ausländischen Schulen überlegen sind.“ (S.20, Aufenanger,learn line)

Auch die Einstellung zum Computereinsatz ist insgesamt sehr positiv. Die Mehrheit steht den neuen Technologien und den damit einhergehenden Veränderungen offen gegenüber:

„EU Lehrer denken mehrheitlich, dass das Internet nützlich für ihren Unterricht ist und dass es eines Tages die Art ihres Unterrichts verändern wird, wenn es das nicht schon getan hat.“ (eEurope, 2002, S.20)

Nach dem Betrachten des Stellenwerts von Computer und Internet und der Bestandsaufnahme an Schulen kommt jetzt die Frage nach den Konsequenzen für diese. Welchen Veränderungen und Herausforderungen müssen sich die Lehrer und Schüler jetzt stellen? Wie verändert das Lernen mit Computer und Internet den Unterricht?

3. Neue Medien- Neues Lernen

3.1. Neues Lernen- Wie verändert das Lernen mit Computer und Internet den Unterricht?

Was ist „Neues Lernen“?

„Frontaler, ´belehrender´ Unterricht, in dem alle Schüler zur gleichen Zeit dasselbe lernen (müssen), funktioniert nicht mehr!“ (Unruh & Petersen, 2005, S.69)

„Neues Lernen“ bedeutet: „Schüler lernen zu lassen, statt sie zu belehren“ (ebd., S70). Sie sollen zunehmend nach ihren eigenen Interessen und dem eigenen Lerntempo lernen.

Diese Forderung gilt für den Unterricht mit oder ohne Computer. Auch nachstehende Punkte sollten jeden Unterricht bestimmen:

Schüler erwarten einen klar strukturierten Unterricht, bei dem der Lehrer im angemessenen Tempo das Vorwissen abklärt und verschiedene Lerntypen berücksichtigt, indem er differenzierte und authentische, für Kinder bedeutsame, Aufgaben anbietet. Er sollte dabei Kinderfragen und Kinderinteressen einbeziehen und darauf aufbauen. Bekannt ist auch, dass eine konstruktivistische Konzeption des Lernens, d.h. individualisiertes, eigenverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen (vgl. Böhm, 2000, S.311), optimale Lernprozesse ermöglicht. Wenn Lernen an bestimmte Situationen und Kontexte gebunden ist und der Schüler sein Wissen eigentätig konstruiert, kann der Schüler das neue Wissen mit Älterem verbinden. Das Ziel ist ein schülerzentrierter Unterricht, in dem der Schüler mehr zu Wort kommt als der Lehrer und selbständiges Lernen und selbstbestimmter Unterricht zur Regel werden.

Lernen wird ebenfalls angeregt und unterstützt, wenn die Inhalte mit Spaß, Neugier und Erfolgserlebnissen verbunden werden können. Es ist wichtig und hilfreich, wenn die unterschiedlichen Lernfähigkeiten und Lernvoraussetzungen der Schüler berücksichtigt werden, sie erfordern variable Unterrichtsmethoden.

Der Unterricht sollte, laut Reisener (2003, S.95), so geplant werden, dass alle Lerntypen angesprochen werden, der Visuelle, der Episodische, der Akustische, der Ganzkörperliche, der Affektive und der Kognitive. Lernen findet statt, wenn Informationen gesammelt, sortiert und vernetzt werden können.

Diese Erkenntnisse der Lernpsychologie zeigen ebenfalls deutlich, dass der Computer sich für den Unterricht sehr gut anbietet und ein gutes Werkzeug für den Wissenserwerb sein kann.

Der Einsatz von Computern im Unterricht kann die genannten Lehr- und Lernmethoden begünstigen.

Der Computer bietet die Möglichkeit für offene Arbeitsformen. Mit offenem Unterricht ist hier gemeint, dass man dem Kind selbstständige Lernfähigkeit zutraut. Neben der Projektarbeit und dem Wochenplan steht auch die freie Arbeit im Vordergrund. (vgl. Wallrabenstein, 1991, S.93) Die offene Lernumgebung zeichnet sich durch eine „explorative Struktur“ aus, der „Zeitrahmen ist flexibler“ und die „Reihenfolge der Lernhandlungen und die Bemessung der Lernzeiten werden stärker dem Lernenden selbst

überlassen.“ (Gudjons, 2004, S.24) Das Kind kann aus verschiedenen

Angeboten frei wählen:

- Reihenfolge der Aufgaben
- Einzel-, Paar- oder Gruppenarbeit (kooperatives Lernen)
- Medium (Buch, Heft, Computer,…);…

Der Schüler kann nach seinem eigenen Tempo und Stil arbeiten und somit seinen Lernprozess selbst steuern. Es gibt weniger gleichzeitiges sondern mehr selbstständiges Arbeiten und Lernen. Hierbei muss der Lehrer Berater und Helfer sein, er darf das Kind nicht völlig alleine lassen, sondern durch gezielte Fragen und Anregungen unterstützen und anregen. Ein reflektierter Medieneinsatz im Unterricht trägt wesentlich zur Entwicklung und Unterstützung handlungsorientierter und kooperativer Arbeitsformen bei.

Die handlungs- und projektorientierten Lehr -und Lernformen führen auch zu einer veränderten Unterrichtsorganisation: räumlich

Das Klassenzimmer wird zur Werkstatt und bietet Zugang zu den unterschiedlichen Lern- und Arbeitsmaterialien. Er ist mit Medien ausgestattet und die Schüler haben Zugriff auf alle Bücher, Zeitungen, Geräte und Computer. Dies ist, laut Aufenanger (2003, S.3), eine entdeckendes Lernen unterstützende Lernumgebung.

Dabei hat sich herausgestellt, dass der Computer direkt im Klassenzimmer in der Grundschule sinnvoller und günstiger ist als ein eigener Rechenraum. Die Schüler müssen sich auch nicht in ein anderes Zimmer begeben. (eEurope, 2002, S.14) zeitlich

Dem 45-Minuten- Rhythmus des Unterrichts werden flexiblen Arbeits-, Bewegungs-, Spiel- und Pausenphasen weichen. Die Unterrichtsfächer werden in Lernbereiche aufgehen um den Schülern wirklich die Möglichkeit zu einem Selbstbestimmten Lernen zu geben. (vgl. Struck, 1998, S.20)

Der Umgang mit Computer und Internet verändert das Lernen. Selbstbestimmtes Lernen, Schülerzentrierter Unterricht und neue zeitliche und räumliche Faktoren bestimmen das „Neue Lernen“.

Der Computer ist (unter anderen) ein hervorragendes Werkzeug dafür, weil es den Kindern viel Freiheit gibt und ein authentischer Gegenstand ist, der vielfältige Möglichkeiten im Unterricht bietet. Diese „neuen“

Unterrichtsmethoden verlangen allerdings auch eine neue Rolle von Lehrer und Schüler.

[...]


1 PISA (Programme for International Student Assessment) ist eine internationale Schulleistungsstudie, bei der in vielen OECD-Staaten das Wissen und die Fähigkeiten von 15jährigen Schülern in den Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften getestet wird. Die erste PISA Studie fand im Jahr 2000 statt. (Deutscher Bildungsserver. PISA 2005)

2 Schulen ans Netz e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der das Lehren und Lernen mit neuen Medien in der Schule fördert. Ein Hauptziel des Vereins ist die eigenverantwortliche und kritische Nutzung neuer Medien. (http://www.schulen-ans-netz.de/san/index.php)

Ende der Leseprobe aus 100 Seiten

Details

Titel
Lernen mit dem Computer und dem Internet. Das Interactive Whiteboard.
Untertitel
Eine Alternative zur Schultafel?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
100
Katalognummer
V140761
ISBN (eBook)
9783640499540
Dateigröße
1529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernen, Computer, Internet, Interactive, Whiteboard, Eine, Alternative, Schultafel
Arbeit zitieren
Julia Stulfa (Autor), 2005, Lernen mit dem Computer und dem Internet. Das Interactive Whiteboard., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140761

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Lernen mit dem Computer und dem Internet. Das Interactive Whiteboard.


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden