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Die spätantiken Literaturquellen

Bestand und Verfall der antiken Literatur im 4. und 5. Jahrhundert

Title: Die spätantiken Literaturquellen

Thesis (M.A.) , 2008 , 112 Pages , Grade: gut

Autor:in: Rolf Bergmeier (Author)

World History - Early and Ancient History
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Die wissenschaftliche Arbeit stellt den Verlust der antiken Literatur beim Übergang vom vierten ins fünfte Jahrhundert und die in der Forschung diskutierten Ursachen dar. Anders als bisher in der Forschungsliteratur überwiegend dargestellt, wird als Hauptursache jedoch nicht die "Völkerwanderung" und die "innere Verwahrlosung" des Imperium Romanum ermittelt, sondern die Ernennung der katholischen Kirche zur Staatskirche im Jahre 380 unter Kaiser Theodosius. Mit dessen Erlass "cunctos populos" und weiteren ca. 60 Edikten wird die Vernichtung der antiken "heidnischen" Kultur eingeleitet. Dabei trifft es die antike Literatur als erstes.

Das, was übrig bleibt und überliefert wird, stammt aus verschiedenen Quellen. Die Klosterbibliotheken des frühen Mittelalters, die lediglich selektierte Bestände überliefern, sind dabei nur eine Quelle, und eine unsichere dazu. Denn bei fast allen Textüberlieferungen muß man von Fälschungen in Form von Auslassungen, Veränderungen und Einschüben ausgehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Anlaß

1.2 Methodik

1.3 Eingrenzung des Themas

2 Die antiken Literaturbestände bis ca. 400 n.Chr.

2.1 Der Bildungshunger des antiken Bürgers

2.2 Die Privatbibliotheken. Tradition und Bedeutung

2.3 Die staatlichen Bibliotheksbestände bis ca. 400 n.Chr.

2.3.1 Die Bibliotheken in Alexandria

2.3.2 Die Bibliotheken in Rom

2.4 Zusammenfassung: Die Schätze der Vergangenheit werden gepflegt

3 Die Literaturkrise ab dem 5. Jahrhundert

3.1 Zahlen und Daten. Ein Überblick.

3.2 Die Literaturkrise am Beispiel der Bibliotheken

3.2.1 Der Untergang der staatlichen Bibliotheken

3.2.1.1 Die Bibliotheken von Alexandria

3.2.1.2 Die Bibliotheken in Rom

3.2.2 Die Auflösung der Privatbestände

3.3 Zusammenfassung: Das literarische "Trümmerfeld"

4 Ursachen. Der Literaturverfall im Urteil der Forschung

4.1 Vergreisung der Literatur? Die Dekadenztheorie

4.2 Der Barbarensturm

4.2.1 "Völkerwanderung". Die Fakten.

4.2.2 Germanen als Kulturzerstörer? Theorie und Wirklichkeit. Eine Bewertung.

4.3 Habent sua fata libelli. Die Selektions- oder Verrottungstheorie

4.4 Zusammenfassung und Ausschau nach anderen zerstörerischen Kräften.

5 Die entscheidende Ursache. Voraussetzungen und treibende Kräfte

5.1 Voraussetzung: Die Toleranz schaufelt sich ihr eigenes Grab

5.2 Kaiser und Kirche

6 Bilanz: Der Untergang der freien Literatur

7 Reste und Fragmente. Warum dennoch antike Werke überliefert sind.

7.1 Das Erbe der römischen Senatoren

7.2 Papyrusfunde

7.3 Palimpseste

7.4 Byzantinische und arabische Überlieferung

7.5 Christliche Überlieferungen

8 Epilog: Requiem für die antike Kultur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für den dramatischen Rückgang antiker literarischer Bestände am Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage gestellt, ob dieser Literaturverfall ein zwangsläufiges Resultat politischer oder gesellschaftlicher Entwicklungen war oder ob er maßgeblich durch ideologische Einflüsse sowie durch staatlich-kirchliche Maßnahmen gezielt herbeigeführt wurde.

  • Analyse der antiken Bibliotheksbestände und des Bildungswesens bis ca. 400 n.Chr.
  • Kritische Untersuchung der Literaturkrise und der Hypothesen zu ihrem Ursprung (Dekadenztheorie, "Völkerwanderung").
  • Untersuchung der Rolle von Kaiser und Kirche als treibende Kräfte bei der Zensur und Vernichtung antiker Schriften.
  • Bewertung des Einflusses der christlichen Staatskirche auf das antike kulturelle Erbe.
  • Diskussion über die Wege der Überlieferung verbliebener antiker Werke (Papyrusfunde, Palimpseste).

Auszug aus dem Buch

3.2.1.1 Die Bibliotheken von Alexandria

Die Zerstörung der "Großen Bibliothek" von Alexandria, der größten und bekanntesten Bibliothek des Altertums, im Museion gelegen, einer Forschungsstätte am königlichen Hof, wird von Gegnern der christlichen Kirche als ein Symbol für ignorantes Barbarentum betrachtet, das gewissenlos über 500.000 Bücherleichen eines Welterbes hinwegschreitet. Kein Wunder, daß der Anlaß der Vernichtung immer wieder ideologisch und politisch ausgeschlachtet wird, um irgendeiner Seite Barbarentum zu bescheinigen.

Zur Zerstörung der Zentralbibliothek von Alexandria selbst gibt es eine nicht endenwollende Auseinandersetzung, die hier nicht im Detail nachvollzogen werden kann. Die Spannbreite der Theorien ist gewaltig und reicht von Reynolds/Wilson, die behaupten, die vorherrschende Meinung zu vertreten: "The tradition that Caesar was ... responsible for its destruction during his visit to Egypt (48-47 B.C.) has been widely accepted" bis zu Egert Pöhlmann, der konstatiert, die Kämpfe im Jahre 47 v.Chr. hätten "die beiden Bibliotheken im Museion und Serapeion nur am Rande in Mitleidenschaft" gezogen.

Caesar selbst schweigt dazu und übermittelt lediglich militärische Details seiner Aktionen in Alexandria. Auch die zeitnahesten Zeugen berichten nicht von einem kriegsbedingten Bibliotheks-Brand im Jahre 48/47 v.Chr. Weder Cicero, noch der Historiker und Geograph Strabo, der 20 Jahre später die Stadt besucht, wissen von einem Brand zur Zeit Caesars zu berichten. Strabo beschreibt zwar das Museion im Detail (Wandelbahn, Sitzhalle und Speisesaal für Gelehrte), erwähnt jedoch weder die Bibliothek noch einen Brand. Aber gerade die Erwähnung der „Gelehrten“ spricht für die Existenz der Bibliothek, zumal Strabo die Bücherbestände der großen Bibliothek bei den Arbeiten zur Topografie der "Nilschwellen" benutzt haben dürfte. Auch Sueton weiß nichts von einer umfassenden Büchervernichtung zu berichten. Stattdessen schreibt er, Domitian habe mehr als ein Jahrhundert nach dem angeblichen Brand Bücher für „verbrannte Bibliotheken“ in Alexandria abgleichen lassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik des massiven Literaturverlustes der Spätantike ein und skizziert die methodische Vorgehensweise zur Untersuchung der Ursachen.

2 Die antiken Literaturbestände bis ca. 400 n.Chr.: Dieses Kapitel beschreibt den Reichtum antiker Bibliotheken und den verbreiteten Bildungshunger als Fundament der antiken Kultur vor dem 5. Jahrhundert.

3 Die Literaturkrise ab dem 5. Jahrhundert: Hier wird der Zusammenbruch des Büchermarktes und die Zerstörung bedeutender öffentlicher Bibliotheken als Prozess einer Literaturkrise thematisiert.

4 Ursachen. Der Literaturverfall im Urteil der Forschung: Das Kapitel diskutiert kritisch etablierte Erklärungsmodelle wie die Dekadenztheorie oder Auswirkungen der Völkerwanderung auf den Literaturverlust.

5 Die entscheidende Ursache. Voraussetzungen und treibende Kräfte: Die Arbeit identifiziert die Allianz von Staat und Kirche und deren religiöse Religionspolitik als entscheidenden Faktor für die gezielte Auslöschung antiker Literatur.

6 Bilanz: Der Untergang der freien Literatur: Dieses Kapitel fasst das Schicksal der antiken Literatur zusammen, die durch kirchliche Nützlichkeitserwägungen und Zensur stark fragmentiert wurde.

7 Reste und Fragmente. Warum dennoch antike Werke überliefert sind: Hier wird beleuchtet, welche Faktoren – wie etwa Papyrusfunde oder Palimpsestierungen – dazu beitrugen, dass trotz systematischer Vernichtung Bruchteile des antiken Erbes erhalten blieben.

8 Epilog: Requiem für die antike Kultur: Der Epilog resümiert den Kulturverlust als Resultat eines ideologischen Prozesses, der die Freiheit des antiken Geistes beendete.

Schlüsselwörter

Spätantike, Antike Literatur, Literaturkrise, Bibliotheken, Bibliothekssterben, Christliche Kirche, Religionspolitik, Büchervernichtung, Völkerwanderung, Palimpseste, Überlieferungsgeschichte, Kulturverfall, Codex, Rhetorik, Monotheismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Frage, warum die griechisch-römische Literatur am Übergang zur Spätantike und ins frühe Mittelalter derart massiv dezimiert wurde.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Die Themenfelder umfassen die antike Bibliothekskultur, die Auswirkungen politischer Umbrüche, die Rolle der christlichen Staatskirche sowie die Mechanismen der Literaturtradierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Ursachen für den Untergang der antiken Literatur zu analysieren und zu prüfen, ob dieser Prozess auf den "Zahn der Zeit" zurückzuführen ist oder auf gezielte ideologische und machtpolitische Maßnahmen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor wählt einen interdisziplinären Ansatz, der historische Quellenanalysen mit Erkenntnissen der Literaturwissenschaft und Archäologie verbindet, um die Wirksamkeit verschiedener Erklärungsmodelle zu testen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Bestandszahlen und Bibliotheken der klassischen Zeit dargestellt, gefolgt von einer kritischen Auseinandersetzung mit der "Dekadenztheorie", den Folgen der Völkerwanderung und schließlich der Rolle von Staat und Kirche bei der Zerstörung von Schriften.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Spätantike, Literaturverfall, Bibliothekssterben, kirchliche Zensur, Bücherverbrennung und der Einfluss des Monotheismus auf das antike Erbe.

Welche Bedeutung misst der Autor dem Kaiser Theodosius bei?

Der Autor sieht in Kaiser Theodosius eine zentrale Figur, die durch ein Bündel von Gesetzen und die konsequente Förderung einer nicänischen Staatskirche entscheidend zur Unterdrückung paganer Kultur und Literatur beigetragen hat.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Klöster als "Schutzmacht" der Literatur?

Der Autor ist skeptisch gegenüber der Auffassung, dass Klöster als selbstlose "Gralshüter" agierten; stattdessen argumentiert er, dass die Überlieferung antiker Werke durch kirchliche Nützlichkeitserwägungen selektiert und somit fragmentiert wurde.

Excerpt out of 112 pages  - scroll top

Details

Title
Die spätantiken Literaturquellen
Subtitle
Bestand und Verfall der antiken Literatur im 4. und 5. Jahrhundert
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Grade
gut
Author
Rolf Bergmeier (Author)
Publication Year
2008
Pages
112
Catalog Number
V140787
ISBN (eBook)
9783640499755
ISBN (Book)
9783640499977
Language
German
Tags
Literaturquellen Bestand Verfall Literatur Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rolf Bergmeier (Author), 2008, Die spätantiken Literaturquellen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140787
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