In der vorliegenden Arbeit sollen Mechanismen untersucht werden, die zur Konstruktion von Identität beitragen. Dies soll anhand von Beispielen aus Bulags Monographie "Nationalism and hybridity in Mongolia" veranschaulicht werden.Darauf basierend wird gezeigt,dass der Prozess der Aneignung von Identität ein gruppendynamischer Vorgang ist,der sich aus der Aneignung von Geschichte in immer neuen Interpretationen konstituiert.Die daraus entstehenden Narrative,sind eingebettet in aktuelle gesellschaftliche Vorgänge, die in Verbindung mit dem Geschichtlichen zu einem „Volksempfinden“ - sprich einer kollektiven Haltung - gegenüber aktuellen Ereignissen und Entwicklungen führen. Das heißt, Identität beinhaltet vergangenes,gegenwärtiges und zukünftiges.Das Zukünftige leitet sich hierbei aus der Interpretation von den beiden Erstgenannten ab.Somit ist die Aneignung von Identität ein kultur- und gesellschaftsspezifischer Vorgang, der in seiner Gesamtheit nur schwer zu erfassen ist. Diese komplexen Vorgänge sollen hierbei näher beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK
2.1 GESCHICHTLICHE FOLGEN
2.1.1 Folgen in der Mongolischen Volksrepublik
2.1.2 Folgen in der Inneren Mongolei
3. KONSTRUKTION VON IDENTITÄT UND NATION
3.1 IDENTITÄT UND GEDÄCHTNIS
3.1.1 Kontinuitätsbrüche
3.2 DIE NATION UND NATIONALISMUS
4. IDENTITÄTSDIFFERENZIERUNG IN DER MONGOLEI
4.1 IDENTITÄTSKONSTRUKTIONEN IN DER MONGOLEI
4.1.1 Abstammung als identifikatorisches Merkmal
4.2 IDENTITÄTSKONSTRUKTIONEN IN DER INNEREN MONGOLEI
5. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Konstruktion kollektiver Identität in der Mongolei und der Inneren Mongolei unter Berücksichtigung post-sozialistischer Transformationsprozesse und der Rolle des Nationalismus. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Identität durch die Aneignung von Geschichte und aktuellen Narrativen in einem gruppendynamischen Prozess neu konstruiert und abgegrenzt wird.
- Sozialistische Transformation und gesellschaftliche Neuordnung
- Konstruktion von Identität durch Gedächtnis und Narrative
- Nationalismus als Mittel zur ethnischen Abgrenzung und Klassifizierung
- Vergleich der Identitätskonzepte zwischen der Mongolei und der Inneren Mongolei
- Die Rolle von Abstammung und Tradition in der modernen Identitätsbildung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Kontinuitätsbrüche
Im Verlauf meiner Hausarbeit habe ich bereits von Kontinuitäts- und Traditionsbrüchen gesprochen- die meiner Ansicht nach- Transformationsprozesse sind, die nach einem gewissen „Muster“ verlaufen. In der Mongolei wurden diese durch historische Prozesse „von Außen“ herbeigeführt. Ein entscheidender Bruch war die Teilung der Mongolei durch die Manschuren. Ein weiterer- und entscheidender Bruch- stellt für mich die sozialistische Periode- mit all ihren Umwälzungen dar. Erst letzterer war dafür verantwortlich, dass sich verschiedene Volksgruppen als Ethnien definierten und sich innerhalb der Nation sozial neu positionierten. Die Folge waren Abspaltungsversuche verschiedener Gruppe und Unterdrückung von Seiten der neuen Führungsklasse. Das interessante an diesem Prozess ist, dass die identifikatorischen Klassen erst durch russische Ethnographen „zurechtkonstruiert“ wurden (Bulag 1998: 32). Danach erfolgt schließlich die „Einpassung“ der neuen Strukturen in die Kosmologie der Vergangenheit. Es kommt zu einem Rückbezug auf die Vergangenheit, was in der Mongolei in der postsozialistischen Phase geschah.
Ich sehe diese Vorgänge im Sinne Victor Turners, der diesen Prozess in drei Phasen untergliedert:
(1)breach of regular norm- governed social relations made publicly visible by the infraction of a rule ordinarily held to be binding, and which is itself a symbol of the maintenance of some major relationship between persons, statuses, or subgroups held to be a cultural envelope of solidary sentiments;...(Turner 1988: 34).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Identitätskonstruktion in der Mongolei basierend auf der Monographie von Uradyn E. Bulag.
2. GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK: Kurze Darstellung der historischen Entwicklung der Mongolei und der Inneren Mongolei, insbesondere unter dem Einfluss des Sozialismus.
2.1 GESCHICHTLICHE FOLGEN: Analyse der gesellschaftlichen Umbrüche, die durch die Teilung mongolischer Regionen und sozialistische Politik entstanden sind.
2.1.1 Folgen in der Mongolischen Volksrepublik: Untersuchung des Wandels durch Kollektivierung und der Etablierung hierarchischer Strukturen nach sowjetischem Vorbild.
2.1.2 Folgen in der Inneren Mongolei: Betrachtung der administrativen Klassifizierung der Mongolen in China und deren soziopolitische Auswirkungen.
3. KONSTRUKTION VON IDENTITÄT UND NATION: Theoretische Grundlegung der Begriffe Identität und Nation im Kontext sozialer Abgrenzung.
3.1 IDENTITÄT UND GEDÄCHTNIS: Diskussion über die Rolle des Gedächtnisses und kollektiver Narrative bei der Identitätsbildung.
3.1.1 Kontinuitätsbrüche: Analyse der Transformationsprozesse anhand der drei Phasen nach Victor Turner.
3.2 DIE NATION UND NATIONALISMUS: Definition von Nation und die Bedeutung ethnischer Homogenität im Nationalismus.
4. IDENTITÄTSDIFFERENZIERUNG IN DER MONGOLEI: Darstellung der ideologischen Trennung zwischen Mongolei und Innerer Mongolei.
4.1 IDENTITÄTSKONSTRUKTIONEN IN DER MONGOLEI: Erläuterung, wie sich die Mongolei durch die Konstruktion von Reinheit gegenüber China abgrenzt.
4.1.1 Abstammung als identifikatorisches Merkmal: Analyse der Bedeutung von Klanstrukturen und Abstammung für das neue nationale Selbstbild.
4.2 IDENTITÄTSKONSTRUKTIONEN IN DER INNEREN MONGOLEI: Untersuchung des Diasporagedankens und der Wahrnehmung als „Übergangswesen“.
5. SCHLUSS: Zusammenfassende Reflexion über die Rolle von Propaganda, Korruption und Nationalismus in post-sozialistischen Transformationsprozessen.
Schlüsselwörter
Identität, Nation, Nationalismus, Mongolei, Innere Mongolei, Sozialismus, Kontinuitätsbruch, Gedächtnis, Ethnizität, Transformation, Abstammung, Klansystem, Erliiz, Exogamie, Kollektividentität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konstruktion von Identität in der Mongolei und der Inneren Mongolei. Dabei wird insbesondere untersucht, wie politische und gesellschaftliche Veränderungen, wie der Übergang zum Post-Sozialismus, die Identitätsbildung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit deckt Themen wie historischen Wandel, den Einfluss des Sozialismus auf soziale Strukturen, die Theorie von Identität und Gedächtnis sowie die Mechanismen des Nationalismus und der ethnischen Differenzierung ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Mechanismen aufzuzeigen, die zur Konstruktion von Identität beitragen, und zu verdeutlichen, dass Identität ein gruppendynamischer Prozess ist, der sich durch Narrative und Interpretationen von Geschichte konstituiert.
Welche wissenschaftlichen Ansätze oder Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die ethnologische Monographie von Uradyn E. Bulag. Theoretisch werden Ansätze zum kulturellen Gedächtnis (Jan Assmann), zur Nation (Georg Elwert) und zu sozialen Dramen (Victor Turner) herangezogen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der geschichtliche Kontext, die Entwicklung des Sozialismus, die theoretische Verknüpfung von Identität mit Gedächtnis und Nation sowie die spezifischen Identitätskonstruktionen in der Mongolei und der Inneren Mongolei analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätskonstruktion, Nationalismus, ethnische Abgrenzung, Kontinuitätsbrüche und die spezifische Situation der Mongolen zwischen Russland und China charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Identitätssuche in der Mongolei von der in der Inneren Mongolei?
In der Mongolei wurde eine nationalistische Identität basierend auf Reinheit und der Ablehnung von "Mischlingen" (Erliiz) forciert. Die Innere Mongolei hingegen versteht sich aufgrund ihres Status innerhalb Chinas eher über ein administratives Konzept und eine Sehnsucht nach kultureller Heimat.
Welche Rolle spielt Dschingis Khan in den betrachteten Identitätskonstruktionen?
Dschingis Khan dient als zentraler Identitätsstifter. In der Mongolei wird er genutzt, um die Vorherrschaft der Khalkha zu legitimieren, während er in der Inneren Mongolei eher als kulturvereinigendes Element der nomadischen Gruppen wahrgenommen wird.
Was bedeutet der Begriff "Erliiz" in diesem Kontext?
Der Begriff "Erliiz" (Mischling) wurde im Zuge des sozialistischen Wandels in der Mongolei negativ belegt, um die "Andersartigkeit" der Mongolen aus der Inneren Mongolei zu stigmatisieren und eine Grenze zwischen "reinen" und "unreinen" Mongolen zu ziehen.
- Quote paper
- Mike Bernd (Author), 2006, Konstruktion von Identität am Beispiel der Inneren Mongolei , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140789