In dieser Arbeit wird grob skizziert, wie der Nationalsozialismus im Allgemeinen und der Holocaust im Speziellen auf Instagram als exemplarischem sozialen Netzwerk dargestellt werden. Beispielhaft werden drei Konten ausgewählt, die sich mit der nationalsozialistischen Diktatur befassen und anhand zuvor erarbeiteter Bewertungskriterien analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vergleichskriterien
2.1. Kriterium Intention und Zielgruppe
2.2. Kriterium Korrektheit und Nachweise
2.3. Kriterium Umgang mit Kommentaren
3. Beispielhafte Darstellung des Holocaust
3.1. Darstellung durch Gedenkstätten am Beispiel von @auschwitzmemorial
3.2. Darstellung aus öffentlichen Geldern am Beispiel von @ichbinsophiescholl
3.3. Darstellung durch Privatpersonen am Beispiel von @blitzwinkel_
4. Fazit
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend die Darstellung von nationalsozialistischen Kriegsverbrechen auf der Plattform Instagram durch unterschiedliche Akteure. Ziel ist es, Kriterien für eine Einordnung solcher Darstellungen zu entwickeln und zu analysieren, wie historische Inhalte unter Berücksichtigung von Reichweitenfokus und plattformspezifischen Bedingungen vermittelt werden.
- Entwicklung von Bewertungskriterien für Geschichtsdarstellungen auf sozialen Medien
- Vergleich von Gedenkstätten, öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und Privatpersonen
- Analyse der Zielgruppenansprache und Intentionen hinter den Profilen
- Bewertung der Quellenarbeit und Kontextualisierung historischer Fakten
- Untersuchung des Community-Managements und Moderationsverhaltens bei kontroversen Themen
Auszug aus dem Buch
3.1. Darstellung durch Gedenkstätten am Beispiel von @auschwitzmemorial
Beispielhaft für die Darstellung des Holocaust durch Gedenkstätten wird im Folgenden der Instagramauftritt des staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau betrachtet. Erstellt wurde die Seite im Dezember 2012, von Instagram verifiziert ist das Profil seit Juni 2017. Üblich ist ein solcher Auftritt für deutsche Museen noch nicht, denn nur etwa 17% aller deutschen Museen nutzen Instagram. Hauptsächlich werden hier einzelne Orte der Gedenkstätte gezeigt, stellenweise sind auch Ausstellungsstücke, historische Fotografien oder Besucher in der Ausstellung zu sehen. Zum Teil werden auch Orte bewusst in Szene gesetzt, wie etwa an einem Beitrag zu sehen ist, der die untergehende Sonne hinter dem Haupttor zeigt, auf das Schienen zulaufen. Der Schwerpunkt dieses Accounts ist damit deutlich der Holocaust.
Wie es für viele Museen üblich ist, ist eine Hauptintention, beim Betrachter der Fotos Interesse für einen Besuch zu wecken. Nutzende sollen dazu angeregt werden, sich mit dem Dargestellten auseinander zu setzen und vor Ort die Ausstellung zu besuchen. Damit entspricht diese Intention der allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit eines Museums. Eine weitere Intention ist, dass an NS-Verbrechen erinnert werden soll. Gleichzeitig soll auch den Opfern dieser gedacht werden. Dies zeigt sich daran, dass beispielsweise die Schuhe oder Gebetsteppiche der Opfer gezeigt und als diese benannt werden. Mit dieser Bildungsarbeit fügt sich die Gedenkstätte in das Gesamtbild, dass Kuligs Stichprobe ergibt. In dieser waren 29% der musealen Instagrambeiträge dieser Studie Bildungsarbeit, bei Geschichtsmuseen sogar 33,6%.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die wachsende Bedeutung von Influencerinnen und Influencern in der politischen Aufklärung und stellt die Forschungsfrage nach einer vergleichenden Analyse von Geschichtsdarstellungen auf Instagram.
2. Vergleichskriterien: Es werden methodische Kriterien wie Intention, Zielgruppenansprache, wissenschaftliche Korrektheit, Nachweise und der Umgang mit Kommentarspalten erarbeitet, um die Kanäle vergleichbar zu machen.
3. Beispielhafte Darstellung des Holocaust: Anhand der konkreten Instagram-Profile des Museums Auschwitz-Birkenau, des Projekts @ichbinsophiescholl und des Accounts von Alexander Schulte wird die praktische Umsetzung historischer Kommunikation analysiert.
4. Fazit: Die Ergebnisse zeigen, dass Instagram trotz großer Freiheiten und geringem Rahmen für Historisches eine Plattform für Aufklärung bietet, sofern Quellen und Moderation professionell gehandhabt werden.
5. Literatur: In diesem Kapitel sind alle verwendeten Quellen und Internetverweise der Arbeit aufgeführt.
Schlüsselwörter
Instagram, Holocaust, Gedenkstätten, Geschichtsvermittlung, Erinnerungskultur, NS-Kriegsverbrechen, Historische Aufklärung, Social Media, Zielgruppe, Quellenangaben, Community-Management, Politische Bildung, Vergleich, Reichweite, NS-Diktatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene Akteure – von Gedenkstätten bis hin zu Privatpersonen – historische Ereignisse wie den Holocaust auf der Social-Media-Plattform Instagram darstellen und vermitteln.
Welche Akteure werden als Fallbeispiele herangezogen?
Als Fallbeispiele dienen das staatliche Museum Auschwitz-Birkenau, das Projekt @ichbinsophiescholl von SWR und BR sowie der private Account @blitzwinkel_ von Alexander Schulte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Kriterien zur Vergleichbarkeit verschiedener Konzepte der Geschichtsdarstellung im Netz zu entwickeln und zu bewerten, wie gut historische Aufklärung auf einer reichweitenorientierten Plattform funktionieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer erarbeiteten Kriterienanalyse, anhand derer die ausgewählten Instagram-Profile hinsichtlich ihrer Intention, Korrektheit, Nachweisführung und Kommentar-Moderation systematisch verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Kriterien und deren praktische Anwendung an den erwähnten Instagram-Profilen, inklusive einer Analyse der jeweiligen Kommunikationsstrategien der Betreiber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit befasst sich schwerpunktmäßig mit Begriffen wie Instagram, Erinnerungskultur, Geschichtsvermittlung, NS-Kriegsverbrechen und digitaler Aufklärung.
Warum wird gerade das Projekt @ichbinsophiescholl kritisch betrachtet?
Das Projekt wird kritisch bewertet, da es als fiktiver Blog historisches Wissen ohne direkte Quellenangaben vermittelt, was laut der zitierten Kritik Nora Hespers teilweise zu Kontextlücken und Fehlinterpretationen führen kann.
Wie unterscheidet sich die Kommentar-Moderation bei den untersuchten Beispielen?
Während bei Gedenkstätten oder dem fiktiven Blog kaum eine aktive Moderation stattfindet, übernehmen teilweise andere Nutzerinnen und Nutzer die Richtigstellung von Kommentaren, was die Notwendigkeit einer aktiven Moderationsstrategie bei kontroversen Themen verdeutlicht.
Welche Rolle spielt die Privatsphäre bei der Nutzung von Instagram für historische Inhalte?
Die Arbeit weist darauf hin, dass Nutzende auf Instagram ohne Verifizierung agieren können, was besonders bei der Thematisierung von Holocaust-Inhalten das Risiko für hetzerische oder geschichtsrevisionistische Kommentare erhöht, die eine professionelle Moderation erfordern.
- Arbeit zitieren
- Anna Reißberg (Autor:in), 2023, Nationalsozialismus in den sozialen Medien. Holocaustdarstellungen im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1407929