„Weibliche Ejakulation“, ein mir ungewohnter Terminus, begegnete mir vor einigen Wochen in der Umkleidekabine eines Wiener Sportinstitutes. Neben mir erzählte „Anna“ über ihr Erlebnis des „Spritzens“ das sie sehr erschreckte. Aus diesem Erschrecken heraus entwickelte sich ein Gespräch, welches mich zu meinem Forschungsthema führte. Neben dieser persönlichen Betroffenheit von „Anna“, einer 37jährigen allein lebenden Frau, eröffnete sich vor mir in der kurzen Vorbereitungszeit ein weites Feld, das, je mehr ich mich damit beschäftigte immer weiter wurde. Die Worte von Papst Benedikt XVI, anlässlich seiner Rede 2006 in Regensburg über die Wissenschaft als solche, welche „…mit Zweifeln rein und mit Fragen hinaus gehe…“ sehe ich in dieser Proseminararbeit bestätigt. Bei der Recherche mithilfe einer feministisch orientierten Homepage, in welcher ein Forum für Frauen angeboten wird, fragte ich nach Erfahrungen und Hilfen von Frauen, die, wie ich meinte einen bewussten Umgang mit weiblicher Sexualität pflegen. Die Antworten fielen spärlich aus und schwankten zwischen leugnen eines weiblichen Ergusses bis zu Empörung über die männliche Bezeichnung desselben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Anatomie und Physiologie
2 Das weibliche Ejakulat
3 Historischer Überblick
4 Ausblicke
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der weiblichen Ejakulation, beleuchtet dessen anatomische Grundlagen sowie die historische Wahrnehmung und diskutiert, warum dieses Thema in der wissenschaftlichen Forschung und im gesellschaftlichen Diskurs lange Zeit marginalisiert oder tabuisiert wurde.
- Anatomische und physiologische Grundlagen der weiblichen Prostata
- Historische Perspektiven auf die weibliche Ejakulation von der Antike bis zur Moderne
- Wissenschaftliche Kontroversen und Dokumentationen in der Sexualforschung
- Soziokulturelle Aspekte und die Rolle von Scham und Unwissenheit
Auszug aus dem Buch
2 Das weibliche Ejakulat
Eine Frau berichtet:
„…schoss eruptiv mehrmals in einem Bogen von ca. 50 cm aus der Öffnung der Harnröhre eine wasserfarbene Flüssigkeit heraus. Sie roch in keiner Weise nach Urin…ich habe sonderbarerweise noch immer Zweifel an meiner Normalität „(Ursula 52 Jahre. Zur Nieden S.67).
Die genaue Herkunft dieser relative großen Flüssigkeitsmengen, wie sie von inzwischen mehreren tausend Frauen vor allem in den 1980iger Jahren (Belzer, Goldberg, Alzate, Stifter) beschrieben und dokumentiert worden ist, ist wissenschaftlich kontrovers diskutiert und zuwenig erforscht. Je nach Zyklusphase der Frau wurden unterschiedliche biochemische Eigenschaften der Flüssigkeit nachgewiesen. Eindeutig an kleinen Fallstudien wurde jedoch durch Stifter (1988) belegt, dass eine signifikant hoher Anteil an glandulären Enzymen (GOT, GPT, LDH) in der ejakulierten Flüssigkeit besteht (ebd.S.53). Groß angelegte Studien fehlen bis heute.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Autorin beschreibt den persönlichen Anlass zur Untersuchung und die Schwierigkeit, in Foren offene Informationen über dieses tabuisierte Thema zu erhalten.
1 Anatomie und Physiologie: Dieses Kapitel erläutert die embryonale Entwicklung und die anatomische Homologie zwischen männlichen und weiblichen Genitalorganen sowie die Funktion der paraurethralen Drüsen.
2 Das weibliche Ejakulat: Hier werden Fallberichte und der aktuelle Forschungsstand zur biochemischen Zusammensetzung der Flüssigkeit sowie die wissenschaftliche Debatte dazu dargestellt.
3 Historischer Überblick: Dieser Abschnitt zeichnet die historische Wahrnehmung der weiblichen Sexualflüssigkeit von der Antike bis zum 20. Jahrhundert nach.
4 Ausblicke: Das Kapitel reflektiert über das mangelnde Forschungsinteresse im Kontext gesellschaftlicher und ökonomischer Bedingungen und plädiert für eine befreite Sicht auf weibliche Lust.
Schlüsselwörter
Weibliche Ejakulation, Anatomie, Physiologie, Sexualwissenschaft, G-Punkt, paraurethrale Drüsen, Prostata der Frau, Sexualität, Frauenselbsthilfe, Geschichte der Sexualität, Forschungsstand, Ejakulat, Orgasmus, Gender, Lust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der weiblichen Ejakulation, einem Thema, das in der Geschichte der Sexualwissenschaft kontrovers diskutiert wurde und oft mit Tabus behaftet ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Anatomie der weiblichen Prostata, dem historischen Verständnis dieses Phänomens und der Auseinandersetzung mit der aktuellen wissenschaftlichen Dokumentation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den aktuellen Kenntnisstand zusammenzufassen und zu beleuchten, warum die weibliche Ejakulation wissenschaftlich und gesellschaftlich lange Zeit vernachlässigt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie die Einbeziehung von Fallbeispielen und persönlichen Berichten, um den Diskurs über die weibliche Ejakulation nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine anatomisch-physiologische Untersuchung, eine Darstellung des weiblichen Ejakulats anhand vorliegender Studien und einen historischen Rückblick auf die Wahrnehmung des Themas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen weibliche Ejakulation, anatomische Homologie, Sexualgeschichte und die Rolle der Frau in der wissenschaftlichen Sexualforschung.
Warum wird die weibliche Prostata im Text erwähnt?
Die Autorin bezieht sich auf die anatomische Entsprechung der paraurethralen Drüsen bei der Frau zur Prostata des Mannes, um die physiologischen Grundlagen der Ejakulation zu erklären.
Welche Rolle spielt die historische Betrachtung?
Die historische Analyse zeigt auf, wie das Phänomen über die Jahrhunderte hinweg verschieden interpretiert wurde – von der Antike bis zur modernen Medizin – und wie es im 20. Jahrhundert durch einen rein männlich konnotierten Ejakulationsbegriff verdrängt wurde.
- Quote paper
- Andrea Klabach (Author), 2008, Die weibliche Ejakulation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140797