Die Ehre im Wandel der Zeit


Essay, 2008

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

„Die Ehre im Wandel der Zeit“

Schlägt man den Begriff Ehre in einem Wörterbuch nach, findet man u.a. folgende Erklärungen: Achtung, Anerkennung, Ansehen, Autorität, Ehrfurcht, Geltung, Ruf, Hochachtung, Image, Profil und noch weitere. Vor allem aber hat der Begriff Ehre immer etwas mit Wertschätzung zu tun. In der Bundesrepublik Deutschland hat die Ehre sogar Verfassungsstatus. In Artikel 5 des Grundgesetzes geht es nämlich um die Meinungs- und Pressefreiheit, die ihre Schranken in dem Recht der persönlichen Ehre findet.

Soziologisch gesehen agiert die Ehre als Faktor hierarchischer und sozialer Differenzierung, die aber auch soziale Ungleichheiten hervorbringt (vgl. Vogt 1997: 45). Sie wirkt ebenso wertsetzend, indem sie ein Bild vom richtigen Leben vorgibt. Sie ist legitimierend für diejenigen Gruppen und Lebensweisen, die jeweils als ehrenvoll ausgezeichnet sind.

Was aber verbindet man in den modernen Gesellschaften eigentlich mit dem Begriff Ehre? Worin unterscheidet sie sich hinsichtlich ihrer Bedeutung zur damaligen Zeit? Und in welcher Form tritt sie heute in Erscheinung? In der folgenden Ausführung werde ich versuchen zu klären, welche Rolle der Ehre heutzutage zuteil wird. Ich beginne mit ihrem Ursprung und setze fort mit ihrer Bedeutung allgemein und aus soziologischer Sicht. Anschließend werde ich auf die folgenden Beispiele genauer eingehen: das Duell, die Bedeutung der Ehre in mediterranen Gesellschaften, die Ehre des Wissenschaftlers und das Ehrenamt. Schlussendlich probiere ich in einem kurzen Fazit auf die tatsächliche Bedeutung der Ehre in den modernen Gesellschaften einzugehen.

Schon die allgemeine Bedeutung des Begriffs „Ehre“ hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. „Jede Epoche, jede Kultur bildet ihr eigenes, jeweils anders akzentuiertes Verhältnis zu den Sachverhalten aus, auf die sich der Ausdruck Ehre bezieht“ (Vogt/Zingerle 1994: 9). Infolgedessen, wie sich eben die Menschen den Gegebenheiten ihrer Zeit anpassten, änderte sich auch ihre Auffassung und ihr Verhältnis zur Ehre.

„Die geschichtlich folgenreichsten Ehre-Normen wurden zusammen mit den Lebensführungsidealen des europäischen Adels entwickelt, und zwar in der Epoche, die von den Anfängen des Lehensfeudalismus bis hin zum Höhepunkt ritterlich-höfischer Kultur reicht“ (Vogt/Zingerle 1994: 20). Anders gesagt der Feudalismus legte den Grundstein für den europäischen Ehre-Komplex. In jenen Tagen war die Ehre das Wesensmerkmal ständischer Verhältnisse und galt als Schlüsselbegriff ständischer Ordnung (vgl. Frevert 1991: 15).

Laut Max Weber kann die Ordnung einer Gesellschaft nach dem Prinzip einer ständischen Gliederung erklärt werden. Demnach ist es das Bewusstsein, einem bestimmten Stand anzugehören und sich von einem anderen zu unterscheiden. Dieses ständische Selbstverständnis wird begründet durch eine spezifische Ehre, die ein bestimmtes Verhalten zumutet und angemessenes, ehrbares Handeln durch Achtung belohnt (vgl. Abels Band 1, 2007: 316f.). Die ursprüngliche Sozialform, von der einst die ausgeprägte Haltung zur Ehre bestimmt und gelebt wurde, – der Stand – existiert nicht mehr. Ebendiese Standesehre hat sich zum Sozialprestige gewandelt.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebten die Gesellschaften rasche technisch-ökonomische Umwälzungen und organisierten ihre Sozialbeziehungen nach sachlichen Interessen und Marktgesichtspunkten (vgl. Frevert 1991: 14). Wertsetzungen höherer Lebensform sind transformiert worden in solche der allgemeinen Würde, die durch die Gruppe kontrolliert und als Rechtschaffenheit anerkannt wird (vgl. Vogt/Zingerle 1994: 9f.). Als Würde oder Menschenwürde bezeichnet man einen sozialen, inneren, sittlichen Wert der Persönlichkeit und auch das Verhalten in dem Wissen um diesen Wert.

Generell kann zwischen den folgenden Feldern der Ehrsemantik unterschieden werden, Ehre:

- als Symbol für außergewöhnliche, herausragende, besondere und positive Taten innerhalb einer Gesellschaft in Form von öffentlichen Ehrungen, Ehrenzeichen oder Ehrtiteln, z.B. das Bundesverdienstkreuz,
- als Ehrenamt, eine institutionalisierte Form der symbolischen Gratifikation in Form von entgeltfreiem Engagement für die Gesellschaft, z.B. Beispiel Schöffen,
- im Zusammenhang mit Beleidigungen prominienter Persönlichkeiten des politischen oder kulturellen Lebens durch Medien und inszenierte oder selbstverschuldete Skandale, gefolgt von persönlichem Schaden, Reputationsverlust oder sogar dem Medientod, z.B. die Barschel-Affäre,
- als Berufsehre in Form von traditional-berufsständischen Ehrenkodizes, z.B. Anwälte, und
- als Kollektivstereotyp innerhalb internationaler Beziehungen in Form von nationaler Ehre, z.B. die heikle Beziehung zwischen Japan und China (vgl. Vogt/Zingerle 1994: 11f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Ehre im Wandel der Zeit
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
10
Katalognummer
V140813
ISBN (eBook)
9783640502585
ISBN (Buch)
9783640502660
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Essay Allgemeine Soziologie WS 2007/2008
Schlagworte
Soziologie, Thema Ehre
Arbeit zitieren
Anja Kegel (Autor), 2008, Die Ehre im Wandel der Zeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140813

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