Die Amerikanische Militärregierung in Köln von März bis Juli 1945


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Der Kampf vor der Kapitulation

2 Einmarsch der Amerikaner in Köln

3 Das Military Government Detachment E1H2

4 Der ´Pocket Guide´

5 Aufbau einer Stadtverwaltung

6 Entnazifizierung

7 Wiederaufbau der Stadt
7.1 Gesundheitswesen
7.2 Ernährung
7.3 Arbeit
7.4 Recht und Ordnung
7.5 Infrastruktur
7.6 Kultur
7.7 Diplaced Persons

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Stichtag für das Ende des zweiten Weltkriegs ist der 8. Mai 1945, der Tag, an dem Deutschland kapitulierte. Zu diesem Zeitpunkt war das deutsche Heer schon lange nicht mehr wehrfähig und befand sich im Osten und Westen auf dem Rückzug, nur in einigen Kesseln (etwa in und um Berlin) wurde bis zuletzt Widerstand geleistet. Dass dies nicht mehr in dem Glauben an einen möglichen Sieg vonstatten ging, sondern von der Reichsführung befohlen und durch Terror an der eigenen Bevölkerung erzwungen wurde, soll an anderer Stelle erörtert werden.

In der vorliegenden Arbeit liegt der Schwerpunkt auf dem Kriegsende in Köln und Umgebung. Die amerikanischen Truppen durchquerten das Ruhrgebiet bereits Ende Februar und erreichten Köln am 5. März 1945, dessen Bewohner sich ohne weitere Kämpfe ergaben. Bis zur Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August), auf der unter anderem die Verwaltung des besetzten Deutschlands geregelt wurde, mussten die Alliierten die Neuordnung der Städte und ländlichen Gebiete allein übernehmen. Die Darstellung solcher Verwaltungsaufgaben anhand eines exemplarischen Beispiels wie Köln gibt einen überschaubaren Einblick in die Stunde Null und ist in diesem Rahmen besser zu bewältigen als der Blick auf das ganze Deutsche Gebiet. Allerdings werde ich auch auf den gesamten Sektor der US-amerikanischen Besatzung eingehen. Dies bietet sich hinsichtlich des Quellenmaterials und der Sekundärliteratur an, das über diese Besatzungszone reichhaltiger ist als beispielsweise über die britische oder französische.

Im Folgenden werde ich nicht nur die verwaltungstechnischen und politisch strukturierenden Aufgaben der amerikanischen Alliierten thematisieren. Zur Sprache kommt auch das Verhältnis zwischen den Besatzern und Bewohnern; als Quelle dafür dienen Zeitzeugenberichte und der „Pocket Guide to Germany“ für Soldaten aus den USA.

Das erste Kapitel ist ausserdem dem Einmarsch der alliierten Truppen in Westdeutschland gewidmet, da dies das Thema meines vorangegangenen Referats war und zum Verständnis der Ausgangslage hilfreich ist.

Noch eine letzte Anmerkung: Der Einfachheit halber verzichte ich auf korrekte Benennung der Alliierten: 'Amerikaner' steht natürlich für US-Amerikaner und das meint wiederum nicht das gesamte Volk, sondern dessen Militärische Einheiten.

1 Der Kampf vor der Kapitulation

Im August 1944, zwei Monate nach der Landung der Alliierten in der Normandie, traten die im Norden Frankreichs stationierten und konzentrierten Truppen der deutschen Wehrmacht sehr geschwächt den Rückzug an. Dies ermöglichte den Allierten ein müheloses Vorankommen durch Belgien (Brüssel und Antwerpen) bis hin zur Fronterrichtung zwischen Trier und Aachen.

Am 16. Dezember versuchte die Heeresgruppe B in einem letzten Kraftakt zwischen der Eiffel und Luxemburg einen Keil zwischen die amerikanischen und britischen Verbände zu treiben – bekannt wurde dieses Vorhaben als „Ardenne-Offensive“ oder auch als „Wacht am Rhein“. Zunächst erfolgreich wurden die Soldaten schliesslich doch von der alliierten Luftwaffe zurückgedrängt. Die Materialknappheit (vor allem mangelte es an Treibstoff und Munition) als auch der Verlust von circa 100.000 Mann bewirkte die Zerschlagung dieser letzten gut ausgerüsteten Division. Das noch verfügbare Kriegsmaterial wurde danach an die Ostfront transportiert, um die Abwehr dort zu stärken.

Angesichts dieser aussichtsreichen Situation befahl man im alliierten Hauptquartier[1] den sofortigen Einmarsch von sogenannten ´Military Government Detachments´.[2] Die Amerikaner hofften darauf, ein Ende des Krieges im Jahre 1944 erreichen zu können. Die Deutschen erkannten jedoch den strategisch wichtigen Standort Aachen und entsandten mehrere Truppen zur Verstärkung. Somit schafften sie es, die schon beinahe evakuierte Stadt doch noch einige Zeit zu verteidigen. Die Amerikaner sahen durch das Beispiel Aachen ihr Bild vom versessenen Nazi-Volk bestätigt, da die Bevölkerung trotz ihrer hoffnungslosen Situation – denn um die Stadt war bereits ein Belagerungsring gezogen – nicht kapitulierte. Erst als die Amerikaner den Stadtkern intensiv bombardierten, fiel die Stadt in alliierte Hände.

Zur gleichen Zeit versuchten sie, den Durchbruch am Rhein endlich zu realisieren. Dieser wurde aber zeitlich verschoben, da sich die Amerikaner in einen Stellungskrieg westlich von Jülich und Düren verwickelten. Die am 23. Februar 1945 gestartete Großoffensive[3], in der die deutschen Wehrmachtstellungen auf das rechte Rheinufer zurückgedrängt wurde, zog sich hin, bis am 7. März die Ludendorff-Brücke bei Remagen zum Passieren frei wurde: Bei ihrem Rückzug hatte die deutsche Heeresgruppe B alle Brücken gesprengt, um den Rhein als natürliche Verteidigungslinie zu erhalten – bei der Ludendorff-Brücke jedoch hatte ein defekter Sprengsatz versagt. Als die amerikanischen Truppen begannen, den Rhein zu überqueren, griffen 360 Jagdbomber und 11 V2-Raketengeschossen aus dem Hinterland an, scheiterten jedoch an der Übermacht der amerikanischen Luftabwehr. Der Weg in das Innere Deutschlands war nun also frei.

Zwei Tage zuvor, am fünften März 1945, hatten die ersten Panzer ohne größeren Widerstand das von den enormen Luftangriffen des ´Schwarzen Freitags´[4] geschwächte Köln erreicht und drangen auf der linksrheinischen Seite bei Bickendorf in die Stadt ein. Die Befürchtung, der deutsche ´Volksturm´[5] könne sich im Inneren der Stadt versteckt halten, stellte sich bei der Absicherung Kölns als falsch heraus. Lediglich einige Flak-Soldaten waren vor Ort, die allerdings keinen nennenswerten Widerstand leisteten.

2 Einmarsch der Amerikaner in Köln

Neben Dresden, Hamburg und Berlin gehörte Köln zu den am schwersten von Bomben zerstörten Großstädten: allein sieben Prozent aller Luftkriegstoten des Deutschen Reiches waren dort zu verzeichnen. 770.000 Einwohner hatte Köln vor dem Krieg gehabt. Im März 1945 waren es noch 40.000. 20.000 kamen bei den Bombenangriffen ums Leben, der Rest war geflohen. Der Gauleiter Josef Grohé hatte sich einen Tag vor dem Einmarsch der Alliierten abgesetzt, mitsamt der gesamten Stadtspitze und fast allen Angestellten der Verwaltung.

Die Übriggebliebenen warteten die Ankunft der Amerikaner in den Luftschutzkellern mit einer Mischung aus Angst und Hoffnung ab. Dr. Robert Grosche, Pfarrer von St. Mariä Himmelfahrt, notierte am 6. März in sein Tagebuch:

„ ... hören wir im Keller heftiges Schießen, Maschinengewehre und Handfeuerwaffen. Anscheinend Kämpfe auf der Marzellenstraße, kurz vorher rollendes Geräusch wie von einem Panzer, wohl der erste, der am Domplatz ankommt.“[6]

Der Empfang für die Amerikaner war überwiegend freundlich. Vereinzelt wurden den Truppen Brote, Marmelade, Wein usw. gereicht. Einige Bierhausbesitzer boten sogar kostenlos Wein- und Bierausschank an. Einen Tag nach dem Einmarsch schlossen die Amerikaner jedoch diese Gasthäuser und veranlassten alle, die in der Nähe des Rheins wohnten, umzuziehen.

Sie beabsichtigten nämlich zunächst die Sicherung des Gebietes, und dies war wohl auch mit ein Grund für das schnelle Verblassen der Freude bei den Deutschen. Erstens mußten sie mit den schwierigen Lebensumständen zurecht kommen und sich des Ausmaßes der Zerstörung und dem Chaos, in dem sie sich befanden, bewusst werden. Und es wurde ihnen auch klar, dass sie zwar keine Bombardierung mehr zu befürchten hatten, ihre Stadt nun aber offiziell besetzt war und sie der amerikanischen Autorität unterstanden.

[...]


[1] die von General Eisenhower befohlenen alliierten Expeditionskräfte (SHAEF)

[2] Einheiten, die für den Einsatz als lokale und regionale Militärregierung in Deutschland rekrutiert und geschult worden waren.

[3] Britischer Oberbefehl: Feldmarschall Bernard Law Montgomery

[4] Am 2. März flog die Royal Air Force ihren letzten Großangriff auf Köln. Mit circa 850 Flugzeugen und 3000 Tonnen Bombenmaterial wurde fast alles, was von Köln noch stand, zerstört. Der Dom jedoch überstand die Angriffe.

[5] Am 25. September 1944 befahl Hitler allen Männern zwischen 16 und 60 Jahren, welche nicht zur Wehrmacht eingezogen worden waren, das deutsche Gebiet mit allen Mitteln und bis zuletzt zu verteidigen.

[6] Grosche, Robert: Kölner Tagebuch 1944-1946. Köln: J.P.Bachem Verlag 1969. Seite 116.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Amerikanische Militärregierung in Köln von März bis Juli 1945
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Kriegsende 1945
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V140863
ISBN (eBook)
9783640479801
ISBN (Buch)
9783640480005
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Focus liegt auf den ersten drei Monaten amerikanischer Besatzung in Köln, bevor die britischen Allierten die Stadt übernahmen. Themen sind: Verwaltung, Wiederaufbau, Displaced Persons etc.
Schlagworte
Amerikanische, Militärregierung, Köln, März, Juli
Arbeit zitieren
Anna-Maria Heinemann (Autor), 2008, Die Amerikanische Militärregierung in Köln von März bis Juli 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140863

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