Latente Steuern

Behandlung latenter Steuern in der Bilanzanalyse


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bilanzanalytische Betrachtung latenter Steuern
2.1. Aktive latente Steuer
2.1.1. Einfluss aktiver latenter Steuern auf die Vermögens- und Ertragslage eines Unternehmens
2.1.2. Werthaltigkeitsbeurteilung aktiver latenter Steuern
2.1.3. Aktive latente Steuern auf Verlustvorträge als Indikator der zukünftigen Ertragslage.
2.2. Passive latente Steuern

3. Anhangberichterstattung zur Beurteilung latenter Steuern

4. Aufbereitungsmaßnahmen im Rahmen einer Jahresabschlussanalyse

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tab. 1: Unternehmen mit der höchsten Relation: Aktive latente Steuern zum Eigenkapital (Berichtsjahr 2005)

Tab. 2: Anteil des latenten Steuerertrags am Konzernjahres- ergebnis (ausgewählte Unternehmen)

Tab. 3: Anteil der kurz- und langfristigen aktiven latenten Steuer an den gesamten latenten Steuern

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Seit 2005 haben alle kapitalmarktorientierten Unternehmen in Europa einen Konzernabschluss nach IFRS aufzustellen und zu veröffentlichen. Diese IFRS- Abschlüsse werden nach stark abweichenden Ansatz- und Bewertungsvor- schriften gegenüber dem jeweiligen nationalen Steuerrecht erstellt. Die tenden- ziell immer größer werdenden Unterschiede zwischen der IFRS-Bilanz und der deutschen Steuerbilanz haben zur Folge, dass latente Steuern eine zentrale Be- deutung in den IFRS-Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen einnehmen.1 Daher müssen auch die latenten Steuern bei einer Jahresabschlussanalyse ein- gehend berücksichtigt werden.2 Es stellt sich die Frage inwieweit latente Steu- ern einen Einfluss auf die Vermögens- und Ertragslage eines Unternehmens ausüben.

Im zweiten Kapitel erfolgt die bilanzanalytische Betrachtung der latenten Steu- ern. Zunächst wird auf Grund der hohen Bedeutung in der Bilanzierungspraxis ausführlich auf die aktiven latenten Steuern, insbesondere auf die aktiven laten- ten Steuern auf Verlustvorträge eingegangen. Danach werden die passiven la- tenten Steuern betrachtet. Eine Analyse der Anhangberichterstattung folgt im Kapitel 3. In Kapital 4 werden die Aufbereitungsmaßnahmen im Rahmen einer Jahresabschlussanalyse erläutert. In der Schlussbemerkung wird die aktuelle wirtschaftliche Lage mit einbezogen und auf die zukünftige Entwicklung der Bilanzierung latenter Steuern eingegangen.

2. Bilanzanalytische Betrachtung latenter Steuern

2.1. Aktive latente Steuern

2.1.1. Einfluss aktiver latenter Steuern auf die Vermögens- und Ertrags- lage eines Unternehmens

Eine Analyse von Küting/Zwirner 3 zeigt den bedeutenden Anteil aktiver laten- ter Steuern in der Bilanzierungspraxis. Der Untersuchung nach wurden in na- hezu allen deutschen IFRS-Konzernabschlüssen im Berichtsjahr 2005 latente Steuern angesetzt. In den meisten Fällen überstiegen die aktiven latenten Steu- ern die passiven Steuerbeträge. So wiesen rund 60% der untersuchten Unter- nehmen einen aktiven Saldo aus der Abgrenzung latenter Steuern aus. Die Ak- tivierung latenter Steuern auf steuerliche Verlustvorträge nahm dabei einen bedeutenden Anteil von gut 45% an den gesamten aktiven latenten Steuern ein. Somit wurde der aktive Steuersaldo überwiegend durch die Bilanzierung akti- ver latenter Steuern auf Verlustvorträge bestimmt.4

Eine weitere Studie von Küting/Zwirner 5, die im Jahre 2007 veröffentlicht wurde, brachte den Nachweis, dass die Vorschrift zur Aktivierung aktiver latenter Steuern auf steuerliche Verlustvorträge auch den bedeutendsten eigenkapitalerhöhenden Effekt der IFRS-Rechnungslegung darstellt. Bei einer durchschnittlichen Eigenkapitalmehrung von 17% fielen mehr als die Hälfte auf die Aktivierung latenter Steuern auf Verlustvorträge zurück.6

Bedeutung aktiver latenter Steuern in der Bilanz

Betrachtet man die durchschnittliche Relation aktiver latenter Steuern zum Eigenkapital, erhält man einen verhältnismäßig geringen Anteilswert von rund 10%.7 Allerdings gibt es auch Einzelfälle, bei denen die aktiven latenten Steu- ern eine erhebliche Rolle beim Eigenkapitalausweis spielen. Im Extremfall sind rund drei Viertel des bilanziell ausgewiesenen Eigenkapitals alleine auf die Aktivierung latenter Steuer auf Verlustvorträgen zurückzuführen (vgl. Tab. 1). Auch hier ist auf den hohen Anteil an aktiven latenten Steuern auf Verlustvorträge hinzuweisen.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Unternehmen mit der höchsten Relation: Aktive latente Steuern zum Eigenkapital (Berichtsjahr 2005)9

Bedeutung aktiver latenter Steuern in der Gewinn- und Verlustrechnung

Nicht nur in der Bilanz spielen aktive latente Steuern eine bedeutende Rolle, sondern auch in der Erfolgsrechnung dürfen latente Steuererträge nicht außer Acht gelassen werden. Im Geschäftsjahr 2001 fielen im Einzelfall bis zu 533% des ausgewiesenen Jahresergebnisses auf die erfolgswirksame Bilanzierung latenter Steuern (vgl. Tab. 2).10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Anteil des latenten Steuerertrags am Konzernjahresergebnis (ausgewählte Unterneh- men)11

Durch die ergebniswirksame Buchung der latenten Steuern ist es somit zu einer erheblich verbesserten Ertragssituation gekommen. Hier kommen die hohen Steuererstattungsansprüche nicht selten aus der erfolgswirksamen Bilanzierung von Steuerlatenzen auf Verlustvorträge zustande.12

Die Ergebnisse belegen, dass latente Steuerforderungen, insbesondere die akti- ven latenten Steuern auf Verlustvorträge, einen bedeutenden Einfluss auf die Vermögens- und Ertragslage eines Unternehmens haben. Problematisch dabei ist die nicht eindeutige Interpretierbarkeit aktiver latenter Steuern. Nach dem IASB bilden aktive latente Steuern einen künftigen Anspruch auf eine Steuer- minderzahlung und weisen somit eine Vermögenseigenschaft auf.13 Für eine externe Bilanzanalyse stellt sich gerade in schlechteren Zeiten die Frage nach der Möglichkeit der Verwertung eines Vermögenswertes. Aktive latente Steu- ern stellen zwar einen Anspruch auf zukünftige Steuerminderungen dar, sie sind aber weder ein tatsächlicher Zahlungsanspruch gegenüber den Finanzbe- hörden, noch können sie isoliert auf Dritte übertragen werden. Im Falle einer Insolvenz können sie demnach nicht genutzt werden um den Ansprüchen der Fremdkapitalgeber gerecht zu werden. Somit ist aus Sicht der Kapitalgeber eine Verwertungsmöglichkeit klar zu verneinen.14

2.1.2. Werthaltigkeitsbeurteilung aktiver latenter Steuern

In einer Bilanzanalyse sollte stets kritisch hinterfragt werden, ob die aktivierten Beträge und damit auch das bilanzielle Eigenkapital in voller Höhe werthaltig sind.15 Grundsätzlich hängt die Werthaltigkeit von latenten Steueransprüchen von zwei Komponenten ab: der Entstehungsursache und der Charakteristik des Unternehmens.16

Entstehungsursache

Laut IFRS gibt es zwei Entstehungsursachen aktiver latenter Steuern: latente Steueransprüche aus temporären Differenzen und aktive latente Steuern auf steuerliche Verlustvorträge (IAS 12).

Soweit latente Steueransprüche aus zeitlich begrenzten Differenzen entstehen, erfolgt die spätere Realisierung mit einer hohen Verlässlichkeit. Diese Diffe- renzen werden durch die unterschiedlichen Abschreibungsaufwendungen zwi- schen der Steuerbilanz und dem IFRS-Abschluss in den Folgeperioden automa- tisch ausgeglichen. Bei quasi-zeitlichen Differenzen erfolgt der Ausgleich un- ter Umständen erst nach einer längeren Zeitspanne. Dies führt zu einem An- stieg des Risikos bezgl. der Werthaltigkeit der Bilanzposition.17 In der Bilan- zierungspraxis weisen die aktiven latenten Steuern eher einen langfristigen Charakter auf (vgl. Tab. 3).18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Anteil der kurz- und langfristigen aktiven latenten Steuer an den gesamten latenten Steuern19

Die Werthaltigkeit latenter Steuern auf Verlustvorträge ist demgegenüber als problematischer anzusehen.20 Das Risiko hängt davon ab, wie wahrscheinlich es ist, in Zukunft mit hinreichender Sicherheit ausreichende Gewinne zu er- wirtschaften (IAS 12.24). Schon das Vorhandensein von Verlustvorträgen deu- tet auf eine mögliche wirtschaftliche Schieflage hin. Somit ist eine künftige Realisierung eher bedenklich. Daher verlangt IAS 12.35 substanzielle Hinwei- se, dass ein entsprechender Gewinn zur Verfügung steht. Die Bilanzierung von Steuerlatenzen auf Verlustvorträg eröffnet ein erhebliches Gestaltungspotenzi- al.21 Die Werthaltigkeit hängt von folgenden Ermessensentscheidungen des bilanzierenden Unternehmens ab: wie der Begriff „wahrscheinlich“ auslegt wird, was als „substanzielle Hinweise“ angesehen wird und welcher „Betrach- tungszeitraum“ bei der Einschätzung der zukünftigen Ertragslage zu Grunde gelegt wird.22 In einigen Fällen führt dies zu einer zweifelhaften Bilanzierung bzw. einer zweifelhaften Begründung für eine Bilanzierung der aktiven laten- ten Steuern auf Verlustvorträge und somit auch zu einem hohen Werthaltig- keitsrisiko.23

Charakteristik des Unternehmens

Gem. IAS 12.24 hängt die Werthaltigkeit im Wesentlichen von der zukünftigen Ertragslage des Unternehmens ab, daher muss die Charakteristik des Unter- nehmens auch in die Analyse mit einbezogen werden. Gerade kleineren Unter- nehmen wird die Fähigkeit der Gewinnerzielung in der Regel nur einge- schränkt zugeschrieben und ein Ansatz aktiver latenter Steuern auf Verlustvor- träge sollte hier kritisch hinterfragt werden. Große langjährig existierende Konzerne oder bereits fest im Markt etablierten Unternehmen schenkt man hingegen mehr Vertrauen auf Grund ihrer langen Unternehmenshistorie. Bei Unternehmen in der Anlaufverlustphase dürfte eine Aktivierung latenter Steu- ern hingegen äußerst selten vorliegen, da in einer frühen Unternehmensphase eine Prognose nicht mit ausreichender Sicherheit erstellt werden kann.24

Werthaltigkeitsprüfung

Der Buchwert bereits aktivierter latenter Steuern unterliegt gem. IAS 12.56 zu jedem Bilanzstichtag einer Werthaltigkeitsprüfung. Wird diese in zukünftigen Perioden in Frage gestellt, sind die bilanzierten Beträge außerplanmäßig abzu- schreiben. Auch hat ein Unternehmen zu jedem Bilanzstichtag bisher nicht aktivierte latente Steuern erneut zu beurteilen (IAS 12.37).25 Somit haben auf der einen Seite Veränderungen in der Zukunft unmittelbare Folgen auf die Höhe der latenten Steuern, zum anderen sind aber auch die einmal getroffenen Ermessensentscheidungen jederzeit änderbar. Infolgedessen ergibt sich für den

[...]


1 Vgl. Baetge, J./Lienau, A. (2007), S. 18; Küting, K./Zwirner, C. (2007a), S. 560.

2 Vgl. Baetge, J./Lienau, A. (2007), S. 15.

3 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2007a), S. 555-562.

4 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2007a), S. 560.

5 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2007), S. 142-154.

6 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2007), S. 153.

7 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2007a), S. 561.

8 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2007a), S. 561.

9 Mit leichter Modifikation entnommen aus Küting, K./Zwirner, C. (2007a), S. 561-562.

10 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2001), S. 308.

11 Mit leichter Modifikation entnommen aus Küting, K./Zwirner, C. (2001), S. 309.

12 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2001), S. 309.

13 Vgl. Baetge, J./Lienau, A. (2007), S. 18; Küting, K./Zwirner, C. (2007a), S. 560.

14 Vgl. Wohlgemuth, F. (2007), S. 310.

15 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2005), S. 1561.

16 Vgl. Fischer, W. W. (2002), S. 683.

17 Vgl. Fischer, W. W. (2002), S. 683.

18 Vgl. Baetge, J./Lienau, A. (2007), S. 17.

19 Mit leichter Modifikation entnommen aus Baetge, J./Lienau, A. (2007), S. 17.

20 Vgl. Wohlgemuth, F. (2007), S. 309.

21 Vgl. Küting, K./Zwirner, C. (2003), S. 312.

22 Vgl. Berger, A. (2006), S. 2474.

23 Vgl. Berger, A. (2006), S. 2473.

24 Vgl. Fischer, W. W. (2002), S. 683; Berger, A. (2006), S. 2474; Meyer, M. (2005), S. 281.

25 Vgl. Eckes, B./Fentz, V./Flick, P./Totzek, A./Weigel, W. (2006), S. 223.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Latente Steuern
Untertitel
Behandlung latenter Steuern in der Bilanzanalyse
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Accounting II: Konzernrechnungslegung und sonstige Rechnungslegungsinstrumente
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V140870
ISBN (eBook)
9783640503391
ISBN (Buch)
9783640503513
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Latente, Steuern, Behandlung, Steuern, Bilanzanalyse
Arbeit zitieren
Ariane Rump (Autor), 2009, Latente Steuern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140870

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