Seit 2005 haben alle kapitalmarktorientierten Unternehmen in Europa einen Konzernabschluss nach IFRS aufzustellen und zu veröffentlichen. Diese IFRS-Abschlüsse werden nach stark abweichenden Ansatz- und Bewertungsvorschriften gegenüber dem jeweiligen nationalen Steuerrecht erstellt. Die tendenziell immer größer werdenden Unterschiede zwischen der IFRS-Bilanz und der deutschen Steuerbilanz haben zur Folge, dass latente Steuern eine zentrale Bedeutung in den IFRS-Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen einnehmen. Daher müssen auch die latenten Steuern bei einer Jahresabschlussanalyse eingehend berücksichtigt werden. Es stellt sich die Frage inwieweit latente Steuern einen Einfluss auf die Vermögens- und Ertragslage eines Unternehmens ausüben.
Im zweiten Kapitel erfolgt die bilanzanalytische Betrachtung der latenten Steuern. Zunächst wird auf Grund der hohen Bedeutung in der Bilanzierungspraxis ausführlich auf die aktiven latenten Steuern, insbesondere auf die aktiven latenten Steuern auf Verlustvorträge eingegangen. Danach werden die passiven latenten Steuern betrachtet. Eine Analyse der Anhangberichterstattung folgt im Kapitel 3. In Kapital 4 werden die Aufbereitungsmaßnahmen im Rahmen einer Jahresabschlussanalyse erläutert. In der Schlussbemerkung wird die aktuelle wirtschaftliche Lage mit einbezogen und auf die zukünftige Entwicklung der Bilanzierung latenter Steuern eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bilanzanalytische Betrachtung latenter Steuern
2.1. Aktive latente Steuer
2.1.1. Einfluss aktiver latenter Steuern auf die Vermögens- und Ertragslage eines Unternehmens
2.1.2. Werthaltigkeitsbeurteilung aktiver latenter Steuern
2.1.3. Aktive latente Steuern auf Verlustvorträge als Indikator der zukünftigen Ertragslage
2.2. Passive latente Steuern
3. Anhangberichterstattung zur Beurteilung latenter Steuern
4. Aufbereitungsmaßnahmen im Rahmen einer Jahresabschlussanalyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss latenter Steuern auf die Vermögens- und Ertragslage von Unternehmen nach IFRS-Rechnungslegung und analysiert, inwieweit diese für externe Kapitalgeber als Indikator für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung dienen können.
- Bedeutung aktiver latenter Steuern und deren Auswirkungen auf das Eigenkapital.
- Werthaltigkeitsprüfung von latenten Steueransprüchen und Verlustvorträgen.
- Indikatorfunktion aktiver latenter Steuern für die wirtschaftliche Ertragslage.
- Analyse der Qualität der Anhangberichterstattung zu Steuerlatenzen.
- Aufbereitungsmaßnahmen für eine objektive Jahresabschlussanalyse.
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Werthaltigkeitsbeurteilung aktiver latenter Steuern
In einer Bilanzanalyse sollte stets kritisch hinterfragt werden, ob die aktivierten Beträge und damit auch das bilanzielle Eigenkapital in voller Höhe werthaltig sind. Grundsätzlich hängt die Werthaltigkeit von latenten Steueransprüchen von zwei Komponenten ab: der Entstehungsursache und der Charakteristik des Unternehmens.
Entstehungsursache
Laut IFRS gibt es zwei Entstehungsursachen aktiver latenter Steuern: latente Steueransprüche aus temporären Differenzen und aktive latente Steuern auf steuerliche Verlustvorträge (IAS 12).
Soweit latente Steueransprüche aus zeitlich begrenzten Differenzen entstehen, erfolgt die spätere Realisierung mit einer hohen Verlässlichkeit. Diese Differenzen werden durch die unterschiedlichen Abschreibungsaufwendungen zwischen der Steuerbilanz und dem IFRS-Abschluss in den Folgeperioden automatisch ausgeglichen. Bei quasi-zeitlichen Differenzen erfolgt der Ausgleich unter Umständen erst nach einer längeren Zeitspanne. Dies führt zu einem Anstieg des Risikos bezgl. der Werthaltigkeit der Bilanzposition. In der Bilanzierungspraxis weisen die aktiven latenten Steuern eher einen langfristigen Charakter auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Bedeutung latenter Steuern in IFRS-Konzernabschlüssen aufgrund der Differenzen zum nationalen Steuerrecht.
2. Bilanzanalytische Betrachtung latenter Steuern: Detaillierte Untersuchung aktiver und passiver latenter Steuern unter besonderer Berücksichtigung ihrer Wirkung auf das Eigenkapital und die Erfolgsrechnung.
2.1. Aktive latente Steuer: Analyse der Auswirkungen, der Werthaltigkeit und der Indikatorfunktion aktiver latenter Steuern, speziell in Bezug auf steuerliche Verlustvorträge.
2.1.1. Einfluss aktiver latenter Steuern auf die Vermögens- und Ertragslage eines Unternehmens: Untersuchung des hohen Anteils aktiver latenter Steuern in deutschen Bilanzen und deren eigenkapitalerhöhenden Effekt.
2.1.2. Werthaltigkeitsbeurteilung aktiver latenter Steuern: Erläuterung der kritischen Faktoren Entstehungsursache und Unternehmenscharakter bei der Prüfung der Werthaltigkeit.
2.1.3. Aktive latente Steuern auf Verlustvorträge als Indikator der zukünftigen Ertragslage: Diskussion darüber, ob die Bilanzierung aktiver latenter Steuern als Signal für die zukünftige Ertragskraft oder eine drohende Unternehmenskrise dienen kann.
2.2. Passive latente Steuern: Betrachtung passiver latenter Steuern als künftige Steuerzahlungspflichten und deren Einordnung im Vergleich zu aktiven latenten Steuern.
3. Anhangberichterstattung zur Beurteilung latenter Steuern: Analyse der Notwendigkeit umfassender Zusatzangaben gemäß IAS 12 zur korrekten Interpretation der Steuerlatenzen durch Abschlussadressaten.
4. Aufbereitungsmaßnahmen im Rahmen einer Jahresabschlussanalyse: Erläuterung, warum im Sinne eines vorsichtigen Vermögensstatus eine Kürzung aktiver latenter Steuern gegen das Eigenkapital sinnvoll sein kann.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Eigenkapitalrisikos durch latente Steuern und Ausblick auf die steigenden Anforderungen an die Berichterstattung.
Schlüsselwörter
Latente Steuern, IFRS, Bilanzanalyse, Aktive latente Steuern, Passive latente Steuern, Steuerliche Verlustvorträge, Werthaltigkeit, Eigenkapitalrisiko, Jahresabschluss, IAS 12, Finanzmarktkrise, Bilanzierungspraxis, Unternehmensbewertung, Steuerlatenzen, Jahresergebnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Behandlung und bilanzanalytischen Einordnung von latenten Steuern im Kontext von IFRS-Konzernabschlüssen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Auswirkungen aktiver und passiver latenter Steuern auf die Vermögenslage, das Eigenkapitalrisiko durch Aktivierung von Verlustvorträgen und die Qualität der Anhangberichterstattung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Einfluss latenter Steuern auf die Ertragslage zu klären und zu beleuchten, inwiefern diese Positionen als Indikatoren für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer Auswertung existierender Studien und der entsprechenden Rechnungslegungsstandards (IFRS/IAS) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung aktiver latenter Steuern (einschließlich ihrer Werthaltigkeit), eine Diskussion passiver latenter Steuern sowie eine Analyse der Anhangangaben und möglicher Bilanzkorrekturmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Latente Steuern, IFRS, Werthaltigkeit, Eigenkapitalrisiko und Bilanzanalyse geprägt.
Warum wird die Aktivierung latenter Steuern auf Verlustvorträge kritisch gesehen?
Die Aktivierung unterliegt Ermessensentscheidungen und birgt das Risiko, dass die zugrunde liegenden zukünftigen Gewinne nicht realisiert werden, was zu einer späteren Wertberichtigung und damit zur Eigenkapitalminderung führt.
Welche Rolle spielt die Finanzmarktkrise für die Bilanzierung latenter Steuern?
Die Krise verschlechtert die Prognosemöglichkeiten für zukünftige Gewinne, wodurch die Aktivierung von Steuerlatenzen auf Verlustvorträge riskanter wird und ein höheres Potenzial für Wertberichtigungen entsteht.
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- Ariane Rump (Author), 2009, Latente Steuern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140870