Jedes Unternehmen steht in seinem Aufbau und Erhaltung immer wieder vor der
Frage, wie es das nächste Investitionsprojekt finanziert. Die Auswahl an
Finanzierungsmöglichkeiten wächst dabei stetig und wird in seinen verschiedenen
Auswirkungen selbst für Fachleute unübersichtlich bzw. unüberschaubar - wie wir
es gerade in der weltweiten Finanzkrise miterleben und erleiden müssen.
Letztendlich liegt die Entscheidung bei den Managern, die beschließen müssen,
welche Finanzierungsmaßnahmen am günstigsten erscheinen. Die Pecking Order-
Theorie (POT), auch Hackordnungs-Theorie genannt, ist zusammen mit der Trade
Off-Theorie1 die bekannteste Methode um diese Kapitalstrukturentscheidungen
von Unternehmen zu beschreiben. Während die Trade Off-Theorie eine statische
Theorie ist, die sich bei gegebenen Kapitalvolumen auf die optimale
Kapitalstruktur bezieht, ist die POT dynamisch, da sie auch eine Aussage über
die Veränderung von Kapitalvolumen und Kapitalstruktur mit einbezieht.
Erstmals wurde das Finanzierungsverhalten von Unternehmen von Donaldson
(1961) beschrieben. Als Pecking Order-Theorie festgehalten wurde sie von Myers
(1984) und Myers und Majluf (1984). Sie untersuchten basierend auf dem
Vorhandensein von asymmetrischer Information das typische Verhalten von
Unternehmen bei Investitionsfinanzierungen aus einem theoretischen
Blickwinkel. Die Übertragbarkeit dieser Theorie in die Praxis wurde anschließend
von vielen Autoren überprüft, doch zeigten die einzelnen Untersuchungen
deutlich Schwächen auf, da bspw. nur ein bestimmtes Landes, eine ausgewählte
Branche oder ein begrenzter Zeitraum betrachtet wurde.
Die Aufgabe wird nun sein, zunächst einen Überblick über die Untersuchungsergebnisse
der verschiedenen Studien zu geben, um auf dem Hintergrund dieser
Zusammenfassung eine Aussage über die Gültigkeit der Pecking Order-Theorie
machen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Thema und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Charakteristika der Pecking Order-Theorie
2.1 Grundüberlegung der Pecking Order-Theorie
2.1.1 Asymmetrische Information und Unterinvestition
2.2.2 Modellbeispiel
2.2 Rangfolge von Finanzierungsmaßnahmen
2.2.1 Innenfinanzierung
2.2.2 Außenfinanzierung mit Fremdkapital
2.2.3 Hybride Finanzierung
2.2.4 Außenfinanzierung mit Eigenkapital
2.3 Rückschluss
3 Empirische Erkenntnisse zur Pecking Order-Theorie
3.1 Hypothesen zur Prüfung der Pecking Order-Theorie
3.1.1 Negative Beziehung zum Verschuldungsgrad
3.1.2 Positive Beziehung zum Verschuldungsgrad
3.2 Untersuchungen und Ergebnisse
3.2.1 Hypothese 1 bis 3
3.2.2 Hypothese 4 bis 6
3.3 Umfragen
4 Zusammenfassung und Wertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die empirische Anwendbarkeit der Pecking Order-Theorie auf Unternehmensfinanzierungsentscheidungen, um zu klären, ob Manager bei der Kapitalbeschaffung tatsächlich einer präferierten Hackordnung folgen oder ob diese Theorie ihre Grenzen in der Praxis findet.
- Grundlegende Charakteristika und Mechanik der Pecking Order-Theorie
- Bedeutung asymmetrischer Informationen und deren Einfluss auf die Kapitalstruktur
- Hypothesenbildung zu Einflussfaktoren wie Ertragskraft, Cash Flow, Größe und Wachstum
- Empirischer Vergleich verschiedener internationaler Studien zur Validität der Theorie
- Kritische Würdigung der Anwendbarkeit im Kontext unternehmerischer Finanzierungsentscheidungen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Asymmetrische Information und Unterinvestition
Myers (1984, S. 188 f.) geht nachvollziehbar davon aus, dass das Management die aktuelle und zukünftige Situation seines Unternehmens aufgrund von Insiderinformationen sehr viel besser als Außenstehende einschätzen kann. Durch diesen Informationsvorsprung der Manager entsteht die Informationsasymmetrie. In der Praxis bedeutet das, dass externe potentielle Investoren spekulieren müssen, wie die derzeitige und zukünftige Lage des Unternehmens ist bzw. werden könnte. So können die Kapitalgeber bei eingeschätzt hohem Risiko z.B. Sicherheiten fordern, Risikozuschläge setzen oder die Investition auch ablehnen. Asymmetrische Information hat vor allem bei Aktiengeschäften Folgewirkungen. Zum einen sinkt sehr häufig nach Ankündigung einer Emission von Eigenkapital (EK) der Börsenkurs, da Manager oft genau dann dazu tendieren, EK zu emittieren wenn die Aktien sehr gut bzw. überbewertet sind, weil sonst der Zahlungsmittelzufluss zu niedrig wäre. Wobei in der POT mit der Grundannahme gearbeitet wird, dass das Management grundsätzlich nur im Interesse der Altaktionäre handelt. Das führt häufig dazu, dass selbst Investitionen mit einem positiven Kapitalwert nicht durchgeführt werden (Unterinvestitionsproblem). Für den Kapitalmarkt sendet die Kapitalerhöhung folglich ein negatives Signal aus (Signalling-Effekt).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Kapitalstrukturentscheidungen ein und stellt die Pecking Order-Theorie als dynamische Methode der Finanzierung vor.
2 Charakteristika der Pecking Order-Theorie: Es werden die theoretischen Grundlagen erläutert, insbesondere der Einfluss asymmetrischer Informationen, sowie die aus der Theorie abgeleitete Rangfolge verschiedener Finanzierungsinstrumente.
3 Empirische Erkenntnisse zur Pecking Order-Theorie: Dieses Kapitel stellt verschiedene Hypothesen zur Wirkung von Unternehmensmerkmalen auf die Verschuldung auf und überprüft diese anhand zahlreicher internationaler empirischer Studien.
4 Zusammenfassung und Wertung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Theorie keine allgemeine Vorgabe, sondern ein wahrscheinliches Verhaltensmuster für große Unternehmen darstellt.
Schlüsselwörter
Pecking Order-Theorie, Hackordnungs-Theorie, Kapitalstruktur, Asymmetrische Information, Unterinvestitionsproblem, Signalling-Effekt, Innenfinanzierung, Fremdkapital, Eigenkapital, Mezzanin-Kapital, Verschuldungsgrad, Ertragskraft, Cash Flow, Unternehmensfinanzierung, empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die theoretische Validität und praktische Relevanz der Pecking Order-Theorie bei Investitionsfinanzierungen von Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Hackordnung der Finanzierungsarten (Innen- vs. Außenfinanzierung), asymmetrischer Informationsverteilung und deren Auswirkungen auf den Kapitalmarkt.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, durch einen Überblick über verschiedene empirische Studien eine fundierte Aussage über die tatsächliche Gültigkeit der Pecking Order-Theorie zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine Literaturanalyse, in der existierende empirische Studien zusammengefasst und den zuvor aufgestellten Hypothesen gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Rangfolge von Finanzierungsmaßnahmen und die empirische Überprüfung mittels Einflussfaktoren wie Ertragskraft, Unternehmensalter und Wachstum.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Informationsasymmetrie, Verschuldungsgrad, Signalling-Effekt und die Präferenzhierarchie der Kapitalbeschaffung.
Warum ist das "Unterinvestitionsproblem" ein zentraler Punkt der Theorie?
Weil Manager im Sinne der Altaktionäre handeln und aus Angst vor negativen Signalen am Kapitalmarkt Investitionen mit positivem Kapitalwert ablehnen, falls diese mit einer ungünstigen Kapitalerhöhung einhergehen.
Gilt die Pecking Order-Theorie als allgemein gültiges Gesetz?
Nein, der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass sie keine feste Regel darstellt, sondern eher ein wahrscheinliches strategisches Verhaltensmuster, das sich vor allem bei großen Unternehmen zeigt.
- Quote paper
- Milena Lorenz (Author), 2008, Gilt die Pecking Order-Theorie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140890